Veröffentlicht am 2015-09-03 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Rückblick auf die Botschaft von Papst Franziskus an die Schönstattfamilie – Teil 1: Ehe und Familie

von Sarah-Leah Pimentel, Südafrika •

Es ist zehn Monate her, dass etwa 5000 Vertreter der Internationalen Schönstattfamilie (und Tausende mehr, die zu Hause vor dem Bildschirm dabei waren) in der Audienzhalle Paul VI. im Vatikan zu einer unvergesslichen Begegnung mit Papst Franziskus zusammenkamen.

Die Audienz war weit mehr als nur die letzte große Veranstaltung der zweiwöchigen Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Schönstattbewegung und des Liebesbündnisses in einem kleinen Heiligtum in Deutschland. Pater José Maria García beschreibt in seiner Einführung zu dem Buch, das die Botschaft von Papst Franziskus an die Apostolische Schönstattbewegung enthält, die Begegnung zwischen Papst Franziskus und der Schönstattfamilie mit dem Ausdruck: „Familienklima“. „Denn da war ein Vater, ganz nah, der zu uns mit kristallklarer Offenheit von den Themen sprach, die uns (…) bewegen und berühren.“ Pater José Maria García fügte hinzu, dass der Heilige Vater uns eine „starke und herausfordernde Botschaft“ gegeben habe, die uns anregen solle, Pater Kentenichs Spur zu folgen und unser Liebesbündnis zu leben „im Dienst einer Kirche, die Berufung zur Familie hat“.

Nach solchen großen Veranstaltungen, die Jahre der geistlichen und praktischen Vorbereitungen gefordert haben, besteht die Gefahr, dass wir danach alles wieder genauso machen wie zuvor, und uns nicht die Zeit nehmen, über die Geschenke nachzudenken, die wir erhalten haben. Dadurch bleibt die innere Wandlung, die solche Augenblicke der Gnade uns anbieten, oft unfruchtbar. Deshalb ist es gut, in den Wochen, bevor wir den ersten Jahrestag des zweiten Jahrhunderts von Schönstatt feiern, innezuhalten und über unsere fortwährende Schönstattsendung nachzudenken, indem wir die Botschaft des Heiligen Vaters an die Schönstattfamilie zum Beginn seines zweiten Jahrhunderts auspacken und ausschöpfen.

Im Lauf der der nächsten Wochen werden wir jeden der fünf Bereiche (Familie, Pädagogik, Jugend, Kirche und Gesellschaftsordnung), über die Papst Franziskus am 25. Oktober 2014 gesprochen hat, intensiv anschauen.

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Die Projekte aus dem „Zelt der Bündniskultur – Kirche” sind nur ein Ausgangspunkt

Wir beginnen diese Serie kurzer Überlegungen, indem wir auf die Familie schauen. Das ist einer der Bereiche, in denen Schönstatt vielleicht die größten Beiträge im letzten Jahrhundert gemacht hat. Wir haben so viele kraftvolle Initiativen in der ganzen Welt, die die Familien unterstützen und stärken. Wir brauchen nur zu denken an die ‚Familien-Misiones‘ in Lateinamerika, Spanien und Portugal, die Akademie für Familienpädagogik in Deutschland und zahlreichen Ländern Europas, das Programm „Familie evangelisieren“ in Brasilien oder die Pastoral der Hoffnung für Wiederverheiratete Geschiedene in Paraguay und Spanien, um nur einige zu nennen.

Die Arbeit, die wir tun um die Familien zu heilen und sie aufzurichten, entspricht direkt der Sorge von Papst Franziskus, dass „die christliche Familie, dass Familie, Ehe, niemals so angegriffen wurden wie heute.“ In der Audienz sagte er uns, ein Teil des Problems sei, dass die Ehe weithin ihre sakramentale Bedeutung verloren habe. Der Heilige Vater warnt davor, dass der Begriff Ehe immer mehr reduziert werde auf „irgendeine Art von Verein“.

Für die Ehe erziehen

Das ist vielleicht ein Aufruf für uns, darüber nachzudenken, was Ehe für uns bedeutet. Vielleicht sind wir schon verheiratet oder denken an Heirat. Wie leben wir unser Eheversprechen? Haben wir die volle Bedeutung der sakramentalen Dimension von Ehe erfasst und sind wir als Mitschöpfer mit Gott völlig offen für neues Leben? Wir sind aufgefordert, uns selbst zu erziehen nach der Lehre der Kirche über die Ehe und die zentrale Rolle, die sie in der menschlichen Familie hat; treu zu bleiben zu den Eheversprechen angesichts von Schwierigkeiten und Leiden, in Fragen der Sexualität, solche wie natürliche Familienplanung, Gebrauch von Verhütungsmitteln, Behandlung von Unfruchtbarkeit und Kindererziehung. Ein guter Ausgangspunkt könnte sein, die lange Katechesenreihe von Papst Johannes Paul II zur Theologie des Leibes durchzulesen und zu betrachten.

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‚Zeit verlieren‘ in der Begleitung von Paaren

Papst Franziskus konzentriert sich nicht nur auf das Problem, vor dem Ehen heute stehen, sondern bietet auch das Gegenmittel an. Es mag seltsam erscheinen, dass seine Lösung ist, eine Pastoral der Hilfe anzubieten, die „auf Tuchfühlung, Körper an Körper“ ist, und von uns fordert, „Zeit zu verlieren“. Er erklärt, dass wir es nur tun können wie Jesus selbst: „Er hat so viel Zeit verloren um zu begleiten, um Gewissen reifen zu lassen, um Wunden zu heilen, um zu lehren.“ Es geht nur, wenn wir uns Zeit nehmen, um Menschen zu begleiten.

Zu oft bereiten wir Paare kurz vor der Trauung vor und dann sind sie auf sich allein gestellt. Unser Gemeindepfarrer zog kürzlich eine Parallele und sagte, ein neu geweihter Priester müsse in den ersten fünf Jahren seines Priestertums eng begleitet werden, um sicherzustellen, dass seine Berufung ein Leben lang standhalte. Ähnlich brauchen auch verheiratete Paare Anleitung, wenn sie neuen Realitäten in ihrem Zusammenleben begegnen. Wenn wir als Kirche gute Ehen bauen sollen, müssen wir Ehepaare begleiten, besonders in den ersten Jahren ihrer Ehe. Wie der Heilige Vater uns sagte: „Man kann Paare nicht mit zwei Treffen, mit zwei Vorträgen auf die Ehe vorbereiten. Das ist Unterlassungsschuld von unserer Seite aus, von Seiten der Seelsorger und der Laien, wenn wir wirklich an der Rettung der Familie Interesse haben.“

Das wirft ernsthaften Stoff zum Nachdenken auf. Was tun wir, um die Familie zu retten? Zu Beginn sagte ich, wir haben einige wunderbare Initiativen, um Familien und Paaren zu dienen. Aber ich denke, Papst Franziskus fordert uns zu noch mehr heraus. Er ruft jeden von uns auf, Paare zu begleiten. Wer am besten jung verheiratete Paare begleiten kann, sind andere verheiratete Paare, die eine lebenslange Erfahrung haben, wie man das ‚Zelt der Ehe‘ in guten Zeiten baut, um Schwierigkeiten zu überwinden in Treue und Liebe, Paare, die guten Rat haben, wie man Kinder erzieht und praktische Erfahrung in jedem Aspekt des Ehelebens.

Ich finde es so schön, wenn gelegentlich in der Messe ein Paar, das seit 30, 40 oder 50 Jahren verheiratet ist, einen besonderen Segen bekommt. Das ist ein wundervolles Zeugnis für die Beständigkeit der Ehe und ein reales Gegenmittel für das, was Papst Franziskus beschreibt als die „Kultur des Provisorischen“. Aber vielleicht haben diese Paare noch mehr zu bieten: Wie wäre es mit der Begleitung eines jungen Paares, das noch am Anfang seines Weges in die Ehe steht?

Familie ist unser größter Schatz … aber wir können mehr tun

Familie ist unser größter Schatz in Schönstatt. Aber wir können mehr tun. Und wir brauchen keine neuen Programme oder Strukturen, um das zu tun. Das beste Zeugnis für die Ehe ist, verheiratet zu sein, treu zu bleiben zum Sakrament der Ehe in guten und schlechten Zeiten, unsere Erfahrungen mit anderen zu teilen und jünger verheiratete Paare, oder jene, die außerhalb des Eheversprechens leben, zu ermutigen zu einer tieferen Vereinigung miteinander und mit Gott, der durch ihre Liebe seine Liebe zur gesamten Schöpfung offenbart.

Dadurch, dass wir uns Zeit nehmen – „Zeit verlieren“ – und als persönliche Mentoren mit ihnen „Körper an Körper, auf Tuchfühlung“ gehen, können wir die letzten Worte des Heiligen Vaters an die Schönstattfamilie über Ehe und Familie ins konkrete Leben umsetzen:

Sie begleiten. Geduld, Geduld. Ein Wort heute, eine Haltung morgen.“

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Alle Fotos ©Fotografie Felici, Erlaubnis zur Verwendung nur auf schoenstatt.org

Original: Englisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland; Korrektur: Maria Fischer, schoenstatt.org. Alle Zitate aus: Papst Franziskus (Hg. Team schoenstatt.org): Kultur der Begegnung ist Bündniskultur, die Solidarität schafft, Nueva Patris, 2015.

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