Veröffentlicht am 2015-04-02 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Mandarinen für Papst Franziskus

von Leti und Martín Pereira, Paraguay

In den kleinen alltäglichen Dingen beschenkt uns die Gottesmutter mit dem größten Segen, oder wie João Pozzobon zu sagen pflegte: „Die Gottesmutter hat schon für alles gesorgt.“ Wir sind Leti und Martín und wir haben vor fast acht Jahren geheiratet. Wir leben in Asunción und sind Eltern von Mariana, dem Mädchen mit den Mandarinen für den Papst, die bald fünf Jahre alt wird, und von Juan Martín, der elf Monate alt ist und gerade anfängt, zu laufen. Wir sind Missionare der Pilgernden Gottesmutter und gehören zum 25. Kurs des Familienbundes. Martín, ein Agraringenieur, arbeitet auf dem Hof seiner Familie, wo er sich der landwirtschaftlichen Produktion widmet. Es gibt dort viele Orangen- und Mandarinenbäume, aber diese sind nicht für den Verkauf. Wenn sie Frucht bringen, legen wir sie in Kisten und geben sie der Familie, Freunden, Nachbarn, der Kinderklinik … Wir bringen sie auch zu Kinderheimen und einer Jugend-Strafanstalt.

Unser Apostolat besteht in der Organisation der jährlichen Wallfahrt der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter nach Santa Maria, Brasilien. Bevor unsere Kinder geboren wurden, gingen wir beide. Mariana kam schon kurz nach ihrer Geburt mit, und sie war noch jedes Jahr mit. Juan Martín ist im Jahr 2014 geboren, und genau wie in den vergangenen Jahren gingen wir als Familie, und mit sechs Monaten war er der jüngste Pilger in der Gruppe.

Unser Schönstatt ist hier in Tupãrenda      

En Santa MariaLange Zeit waren wir nicht sicher, wohin wir gehen sollten, um das Jubiläum der Bewegung zu feiern. „Sollen wir nach Deutschland gehen und die große internationale Feier erleben? Oder sollen wir bei unseren Leuten in Paraguay bleiben?“ Wir dachten viel darüber nach und entschieden schließlich: „Unser Schönstatt ist hier in Tupãrenda“, und damit waren alle Zweifel vorüber und wir begannen für unsere Feiern im Jubiläumsjahr zu arbeiten. Seit vier Jahren machen wir dort einmal im Jahr eine Erhebung aller Bilder der Pilgernden Gottesmutter von den drei Heiligtümern des Landes: Es gibt knapp 10.500 Bilder, die durch Paraguay pilgern.

“Ich möchte auch, dass der Papst mich auf den Arm nimmt, und ich möchte ihm Mandarinen schenken“

Um auf die Geschichte mit den Mandarinen zu kommen, müssen wir ein wenig in der Zeit zurückgehen. Mitte 2013 fand der Weltjugendtag in Rio de Janeiro statt. Wir hatten gehofft, hinzugehen und Papst Franziskus zu sehen, und natürlich wollten wir als Familie reisen. Nachdem wir lange Zeit überlegt hatten, beschlossen wir nicht hinzugehen, wegen der ungeheuer großen Zahl von Menschen, die dort sein würden, und wie schwierig würde es sein, mit einer so kleinen Tochter dort zu sein. Aber wir dachten: „Das macht nichts, wir werden den Papst bei einer späteren Gelegenheit sehen“, und waren damit zufrieden, das ganze Ereignis am Fernseher zu sehen. An einem dieser Tage sahen wir, wie der Papst in eine Favela kam, ein Kind auf den Arm nahm und ihm einen Kuss gab. Mariana, die zu der Zeit drei Jahre alt war, fing an zu schreien: „Schau, schau, der Papst hat das Baby genommen!“ und sagte sofort, „Ich möchte, dass der Papst mich auch auf den Arm nimmt, und ich möchte ihm Mandarinen schenken.“ Was für eine großzügige und unschuldige Geste, dass sie daran denkt, dem Papst etwas zu schenken, dass sie ihm Früchte schenken möchte!

Die MTA hat sehr schnell gehandelt. Schon am nächsten Sonntag trafen wir uns mit der Familie im Haus der Großeltern Pereira. Ein Schönstattpater, den wir nicht kannten, Pater Gerardo Carcar (aus Cordoba) besuchte Paraguay. Unsere Aufgabe war es, Pater Gerardo vom Jungen Heiligtum abzuholen. Bei den Großeltern sprachen wir viel über die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter in Paraguay und andere Themen der Bewegung. Beim Mittagessen erzählten wir von Marianas schöner Reaktion und den Mandarinen für den Papst. Alle lachten, und bald drehte sich das Gespräch um andere Dinge. Nach dem Essen brachten wir Pater Gerardo zurück, und unterwegs sagte er in seinem charakteristischen Ton: „Wissen Sie, mir hat die Geschichte von Mariana und den Mandarinen wirklich gefallen“, und er sagte weiter: „Lassen Sie uns dem Papst Mandarinen bringen.“ Überrascht fragten wir ihn: „Was? Wie soll das gehen?“ „Ja, ich möchte gern, dass Mariana dem Papst Mandarinen bringt, könnten Sie sie mit nach Rom nehmen?“, fragte Pater Gerardo, und erklärte, dass man ihn kürzlich mit der Organisation für die Audienz am 25. Oktober zur Feier des Jubiläums der Bewegung beauftragt hat. Hinzu komme das Thema, das dem Papst an dem Tag vorgestellt werden sollte, nämlich dass Pater Kentenich einst einen Samen in fruchtbaren Boden gepflanzt hat, und der bis heute fortfährt viel Frucht zu tragen in der ganzen Welt; was perfekt zu den Mandarinen passe. Können Sie sich vorstellen, unsere Tochter würde neben dem Papst sein, in Rom? Wir konnten nicht glauben, dass es klappen würde; es schien wie ein Traum.

João Pozzobon, wir möchten als Familie gehen um den Papst zu treffen

Im März 2014 bekamen wir eine E-Mail von David Perera, der für den audiovisuellen Teil des Jubiläums verantwortlich war, in der er uns mitteilte, dass ein Produktionsteam nach Paraguay kommen würde, um eine Dokumentation über Mariana und die Mandarinen zu machen. Was für eine Freude! Es war der erste Kontakt, den wir zu dem Thema hatten, nach unserem Gespräch mit Pater Gerardo. Die Ersten, die wir anriefen, um über unsere Reise mit der Pilgergruppe, die am 12. Oktober nach Schönstatt und Rom aufbrechen würde, zu erzählen, war die Familie Patiño, die die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter in Paraguay koordiniert. Sie freuten sich sehr für uns, sagten aber, es gäbe niemanden sonst, der die Erhebung machen könnte. So wäre es besser, wenn wir bleiben würden ….

Im Juli kamen Alejandra und Boris – Chilenen – um die Geschichte von Marianas Mandarinen für den Papst und die Familien-Misiones in Paraguay aufzunehmen. Mariana war glücklich, jetzt vier Jahre alt, und sie verbrachte den ganzen Tag damit, über den Papst zu sprechen. Sie sagte, der Papst sei ihr Freund, und sie müsse ihm die Mandarinen geben. Aber die Produzenten sagten uns, dass das mit den Mandarinen doch noch nicht beschlossen sei. Etwa zur gleichen Zeit riefen wir David Perera an: „Wir wollen Ihnen keinen Druck machen, aber wir müssen am 18. Oktober in Paraguay arbeiten. Wenn wir also die Mandarinen nicht dem Papst geben können, ist es besser für uns hierzubleiben.“ David löste das leicht. „Ja, Sie müssen hier sein. Bleiben Sie und arbeiten Sie am 18., und dann, am nächsten Tag können Sie direkt nach Rom aufbrechen zur Audienz mit dem Papst, und von dort können Sie nach Schönstatt gehen.“ Problem gelöst – das war‘s, was wir tun würden.

Mit der Auxiliar von Paraguay

150320-03-mandarinasDie ganze Zeit überlegten wir: was würde João Pozzobon an unserer Stelle tun? Natürlich, wir müssen die Nationale Auxiliar der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter mitnehmen, und darüber hinaus werden wir einen Weg finden, dass der Papst sie segnet, sodass dadurch jeder Missionar der Kampagne in Paraguay gesegnet wird. Können Sie sich das vorstellen? Solch eine lange Reise zu machen mit einem kleinen Mädchen, einem sieben Monate alten Baby und dem großen Bild der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter?

Es war einige Monate vor dem Tag unserer Abreise, wir waren praktisch fertig um nach Rom zu gehen. Unser Gefühl ist schwer zu beschreiben, als man uns sagte, dass man die Videos nicht zeigen würde, während der Papst in der Audienz-Halle sei, sondern  bevor er hereinkomme, und deshalb würde Mariana dem Papst die Mandarinen nicht geben können. Das machte uns sehr traurig … und einmal sprach Mariana darüber, wie sie die Mandarinen überreichen würde, und wir mussten ihr sagen: „Kind, es scheint, du wirst dem Papst die Mandarinen nicht geben können.“ Ihre Antwort brach uns das Herz. Weinend sagte sie: „Wie können wir die Mandarinen nicht geben? Die Mandarinen sind wichtig, sie sind reich an Vitaminen.“ Wir beschlossen, mit noch größerer Kraft und Vertrauen zu beten. Wir baten João Pozzobon um seine Fürbitte für uns, damit er uns als Familie zu Papst Franziskus mitnimmt. Im Gegenzug versprachen wir ihm, jeden Tag für seine Heiligsprechung zu beten.

Am 17., 18. und 19. übergaben wir uns selbst völlig der Gottesmutter mit all  unserer Arbeit für die über 50.000 Pilger in Tupãrenda. Alles ging wirklich gut an allen drei Heiligtümern, und wir konnten die Freude aller spüren, die teilgenommen hatten. Wir waren der Gottesmutter für ewig dankbar, dass sie uns das Privileg gegeben hat, Teil der Jubiläumsgeneration zu sein. Wir machten eine Erhebung von fast 5000 BIldern der Pilgernden Gottesmutter, die an diesem Tag in Tuparenda waren,  und kaum hatten wir das beendet, waren wir unterwegs.Tuparenda, 18.10.2014

Stellvertretend für die ganze Kampagne

Wir brachen nach Italien auf, begleitet von der Gottesmutter, aber ohne große Erwartungen über eine Begegnung mit dem Papst, bis zum Tag vor der Audienz, dem 24. Oktober. Wir erhielten eine E-Mail mit der Mitteilung, dass wir zur Generalprobe für die Audienz an diesem Nachmittag teilnehmen sollten. Wir konnten es nicht glauben. Wir rannten zum Vatikan, ohne wirklich zu wissen warum. Bei der Ankunft am Sicherheitseingang für die Halle Papst Paul VI nannten wir unsere Namen, und sie erwiderten, dass „die Pilger Martin auf der Liste stehen, Sie können passieren.“ Bei der Probe sagten sie uns, dass wir als Familie zu Beginn der Audienz eintreten würden, in der Prozession mit dem Originalbild der Pilgernden Gottesmutter, das João Pozzobon 35 Jahre getragen hatte … Es war etwas Unglaubliches: Als wir ihn um Fürsprache für uns baten, konnten wir uns nicht vorstellen, dass er es auf solche Weise tun würde. João ist wirklich ‚extravagant’, und wir blieben die ganze Zeit dabei „Dank dir, João“ zu sagen. Es war eine große Ehre für uns, die gesamte Kampagne der Pilgernden Gottesmutter in der ganzen Welt zu vertreten in einem solch wichtigen Augenblick des Jubiläums der Bewegung.

Nachdem die Probe beendet war, blieben wir bis Mitternacht um mitzuhelfen alles vorzubereiten. Als Dank und damit der Papst die Auxiliar von Paraguay würde segnen können, wurden uns besondere Plätze gegeben, fast ganz vorne am Mittelgang, wo der Papst eintreten würde.

Der große Tag kam, und damit eine unglaubliche Nervosität, die eine Mischung aus Freude und Angst war … in dem Moment fühlten wir uns, als wären wir die Menschen, die am meisten von der Gottesmutter und ihrem Sohn geliebt sind. Wir würden Maria als Ehrengast durch diese ganze Menge, die gekommen ist um sie zu sehen, mitnehmen, aufsteigen und sie auf ihren königlichen Thron stellen.

Eine Sekunde, die sich anfühlte wie zehn Minuten

Copyright: Foto Felici, Roma - permission given exclusively for schoenstatt.org Dann kam Papst Franziskus … nachdem er so viele Menschen entlang des unendlich scheinenden Gangs begrüßt hatte, kam er näher zu uns, schaute auf uns, und wir sagten ihm: „Heiliger Vater, das ist das Hauptbild der Pilgernden Gottesmutter für Paraguay“. Er sah sie eine Weile an und segnete sie. Es war nur eine Sekunde, aber es fühlte sich an wie zehn Minuten. In dem Moment erinnerten wir uns an so viele Menschen, so viele Missionare, Familien, Gemeinschaften … „Mission erfüllt“, sagten wir. Dann küsste der Papst unseren Sohn Juan Martín. Das war das Geschenk, das der Himmel uns geschickt hat, und wir fühlten uns wie die am meisten gesegnete Familie in der Welt. Die Audienz war wundervoll, jedes Wort, das der Papst sprach, war schön; er sah glücklich aus, mit seinem Volk wie mit einer Familie, und es dauerte beinahe zwei Stunden.Foto Felici, Roma - Copyrigjht. Permission given exclusively to schoenstattl.org Im Nachhinein dachten wir, wir waren hier dank Mariana und ihrem Traum, dem Papst Mandarinen zu geben, und wir konnten nicht erreichen, dass der Papst sie grüßte. Darüber hinaus hatte sie ihre Mandarinen die ganze Zeit in ihrer Hand. Und nicht nur das, während der Audienz sprach der Papst über die Madonna der Mandarinen! In dem Augenblick fragte Mariana uns, ob sie zum Papst rennen könne und ihm die Mandarinen geben könne, aber als sie losrannte, stoppte sie einer der Sicherheitsleute, und das arme kleine Ding kam bitterlich weinend zurück. Heute, wenn wir auf das Foto von diesem wunderbaren Augenblick schauen, können wir uns nicht helfen, ein bisschen traurig zu sein, wenn wir ihr Gesicht sehen: Martín mit der Auxiliar, Leti mit Juan Martín auf ihrem Arm und Mariana allein mit ihren Mandarinen.150320-08-mandarinas

Der Papst wird nach Paraguay kommen

Jeder Tag, den wir in Rom waren, war wie ein Traum, der für den Rest unseres Lebens bleiben wird: so viele Schönstätter aus der ganzen Welt zu sehen und auf den Straßen an ihnen vorüberzugehen – wir grüßten einander als wären wir alte Freunde. Diese Festtage Schönstatts mögen dort noch einmal erlebt werden bei der Heiligsprechung von Pater Kentenich oder João Pozzobon. Bitte, Gott, möge es bald sein.

Drei Monate später sahen wir eine Nachricht auf unserem Handy, dass Papst Franziskus nach Paraguay kommen wird. Wir zeigten Mariana die Nachricht und sagten: „Der Papst kommt nach Paraguay!“ Ihre nette Antwort war: „Hat der Papst euch eine Nachricht geschickt?“

Vor ein paar Tagen schrieben wir an Papst Franziskus und sagten ihm, dass wir jeden Tag für ihn beten um körperliche und geistige Kraft, und wir erzählten ihm, dass die Mandarinen in Paraguay die süßesten in der ganzen Welt seien … und weil wir auch über körperliche Kraft sprechen, sagt Mariana: „Mandarinen sind sehr wichtig, denn sie sind reich an Vitaminen.“

Original: Spanisch. Übersetzung Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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