Pueblo de Dios

Veröffentlicht am 2023-10-30 In Franziskus - Botschaft, Synodale Kirche

Die Kirche als treues Volk Gottes

SYNODE ZUR SYNODALITÄT DER KIRCHE, Maria Fischer •

„Eines der großen Vermächtnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils war das Konzept der Kirche als Volk Gottes, ein Bild, das im Denken von Papst Franziskus sehr präsent ist, der sich stets dafür einsetzt, dass die Beschlüsse des letzten Konzils in der Kirche aufgegriffen werden. Er ist sich der Schwierigkeit bewusst, aber er bleibt fest in seinem Ziel und lässt keine Gelegenheit aus, seine Position zu verdeutlichen“: Kommentar des Journalisten und Missionars Luis Miguel Modino am 26. Oktober 2023, nach dem Beitrag von Papst Franziskus bei der Synodenversammlung zur Synodalität der Kirche. —

Modino fährt fort: „Was man am 26. Oktober in der Generalkongregation der 16. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode erlebt hat, kann man als eine Standpauke im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnen, und zwar sowohl wegen des Tons, eben jenes „Porteño“, den er benutzt, wenn er etwas sehr deutlich machen will, als auch wegen des Zeitpunkts, nämlich vor Beginn der Beratungen über das zusammenfassende Dokument, das die Elemente dieser ersten Sitzungsperiode der Synodenversammlung, die am 4. Oktober begonnen hat und am Sonntag, dem 29. Oktober, zu Ende ging, bekannt macht.

Die Hoffnung ist, dass diese Synode, besonders die Zeit zwischen den beiden Sitzungen der Versammlung, dazu beitragen kann, die Kirche, die Franziskus liebt, die Kirche, die das heilige und treue Volk Gottes ist, anzunehmen. Dies erfordert die Beteiligung aller Getauften, aber auch, dass diejenigen, die dazu in der Lage sind, nicht Trichter, sondern Sprühdüsen sind“.

Für eine Bewegung, die sich für die Verwirklichung des Kirchenbildes des Zweiten Vatikanischen Konzils einsetzt, ist dieser Text ein Fahrplan für die Zukunft. Bekehrung eingeschlossen.

Papa Francisco en la Asamblea Sìnodal

Papst Franziskus bei der Synodalversammlung Foto: www.synod.va/prensa

Wir geben hier den vollständigen Text des Beitrags von Papst Franziskus (in eigener Übersetzung auf der Grundlage der Arbeitsübersetzung der Pressestelle der Synode) wider:

Ich denke gerne an die Kirche als Gottes gläubiges Volk, heilig und sündig, ein Volk, das mit der Kraft der Seligpreisungen und von Matthäus 25 gerufen und berufen ist.

Jesus hat für seine Kirche keines der politischen Schemata seiner Zeit übernommen: weder Pharisäer, noch Sadduzäer, noch Essener, noch Zeloten. Keine „geschlossene Gesellschaft“; er nimmt einfach die Tradition Israels auf: „Ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.“

Ich stelle mir die Kirche gerne als dieses einfache und demütige Volk vor, das in der Gegenwart des Herrn wandelt

Ich stelle mir die Kirche gerne als dieses einfache und bescheidene Volk vor, das in der Gegenwart des Herrn wandelt (Gottes treues Volk). Dies ist die religiöse Bedeutung unseres gläubigen Volkes. Und ich sage treues Volk, um nicht in die vielen ideologischen Ansätze und Schemata zu verfallen, mit denen die Wirklichkeit des Gottesvolkes „reduziert“ wird. Einfach gläubiges Volk, oder auch „Gottes heiliges gläubiges Volk“ auf dem Weg, heilig und sündig. Und das ist die Kirche.

Eines der Merkmale dieses gläubigen Volkes ist seine Unfehlbarkeit; ja, es ist unfehlbar in credendo (In credendo falli nequit, sagt LG 9) Infabilitas in credendo. Und ich erkläre es so: „Wenn du wissen willst, was die Heilige Mutter Kirche glaubt, geh zum Lehramt, denn es ist seine Aufgabe, dich zu lehren, aber wenn du wissen willst, wie die Kirche glaubt, geh zum gläubigen Volk.

Dazu fällt mir ein Bild ein: das gläubige Volk, das sich am Eingang der Kathedrale von Ephesus versammelt hat. Die Geschichte (oder Legende) besagt, dass das Volk auf beiden Seiten des Weges zur Kathedrale stand, als die Bischöfe in Prozession einmarschierten, und im Chor wiederholte: „Mutter Gottes“, um die Hierarchie zu bitten, die Wahrheit, die sie als Volk Gottes bereits besaßen, als Dogma zu verkünden (manche sagen, dass sie Stöcke in den Händen hielten und sie den Bischöfen zeigten). Ich weiß nicht, ob es Geschichte oder Legende ist, aber das Bild ist gültig.

Das gläubige Volk, das heilige, gläubige Volk Gottes, hat eine Seele

Das gläubige Volk, das heilige gläubige Volk Gottes, hat eine Seele, und weil wir von der Seele eines Volkes sprechen können, können wir von einer Hermeneutik sprechen, von einer Sichtweise der Wirklichkeit, von einem Gewissen. Unser gläubiges Volk ist sich seiner Würde bewusst, es tauft seine Kinder, es beerdigt seine Toten.

Wir Mitglieder der Hierarchie stammen aus diesem Volk, und wir haben den Glauben dieses Volkes empfangen, im Allgemeinen von unseren Müttern und Großmüttern, „eurer Mutter und Großmutter“, sagt Paulus zu Timotheus, ein Glaube, der in einem weiblichen Dialekt weitergegeben wird, wie die Mutter der Makkabäer, die „im Dialekt“ zu ihren Kindern sprach. Und hier möchte ich betonen, dass der Glaube unter dem heiligen, gläubigen Volk Gottes im Dialekt weitergegeben wird, und zwar meist im weiblichen Dialekt. Nicht nur, weil die Kirche Mutter ist und gerade die Frauen sie am besten widerspiegeln (die Kirche ist eine Frau), sondern auch, weil es die Frauen sind, die zu warten wissen, die es verstehen, die Ressourcen der Kirche, des gläubigen Volkes zu entdecken, die sich über die Grenze hinaus wagen, vielleicht mit Angst, aber mutig, und die sich im Zwielicht eines beginnenden Tages einem Grab nähern, mit der Intuition (noch nicht der Hoffnung), dass es etwas Leben geben könnte.

Die Kirche ist weiblich, sie ist Ehefrau, sie ist Mutter

Die Frau des heiligen und gläubigen Volkes Gottes ist ein Abbild der Kirche. Die Kirche ist weiblich, sie ist Ehefrau, sie ist Mutter.

Wenn Geistliche in ihrem Dienst zu weit gehen und das Volk Gottes misshandeln, entstellen sie das Gesicht der Kirche mit machohaften und diktatorischen Haltungen (es genügt, sich an den Beitrag von Sr. Liliana Franco zu erinnern). Es ist schmerzlich, in einigen Pfarrbüros die „Preisliste“ der sakramentalen Dienste wie in einem Supermarkt zu finden. Entweder ist die Kirche das gläubige Volk Gottes auf dem Weg, heilig und sündig, oder sie endet als ein Unternehmen mit verschiedenen Dienstleistungen. Und wenn die Seelsorger diesen zweiten Weg einschlagen, wird die Kirche zum Supermarkt des Heils und die Priester zu bloßen Angestellten eines multinationalen Unternehmens. Das ist die große Niederlage, zu der uns der Klerikalismus führt. Und das mit großem Leid und Skandal (man braucht nur in die kirchlichen Schneidereien in Rom zu gehen, um den Skandal der jungen Priester zu sehen, die Soutanen und Hüte oder Alben und Spitzengewänder anprobieren).

Der Klerikalismus ist eine Peitsche, er ist eine Geißel

Der Klerikalismus ist eine Peitsche, er ist eine Geißel, er ist eine Form der Weltlichkeit, die das Antlitz der Braut des Herrn beschmutzt und beschädigt; er versklavt das heilige und treue Volk Gottes.

Und das Volk Gottes, das heilige, gläubige Volk Gottes geht mit Geduld und Demut voran und erträgt die Verachtung, die Misshandlung und die Ausgrenzung durch den institutionalisierten Klerikalismus, und wie selbstverständlich sprechen wir von den Fürsten der Kirche oder von bischöflichen Beförderungen als Karriereaufstieg! Die Schrecken der Welt, die Weltlichkeit, die das heilige und treue Volk Gottes misshandelt.

Pueblo de Dios

Volk Gottes | Foto: 18. Oktober in Tuparenda

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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