Veröffentlicht am 2020-08-23 In Franziskus - Botschaft

Die Welt heilen

PAPA FRANCISCO – MENSAJE | María Fischer •

Es braucht eine zweifache Antwort auf die Pandemie: Wir müssen eine Behandlung gegen ein kleines Virus finden, das die ganze Welt in die Knie zwingt, und wir müssen ein großes Virus behandeln, nämlich die soziale Ungerechtigkeit”, so der Tweet von Papst Franziskus vom vergangenen 19. August, mit dem er das Thema der Katechese bei der Generalaudienz des selben Tages aufgriff.

 

Der Direktor der Weltgesundheitsorganisation hat auf den Tweet geantwortet, in dem Franziskus daran erinnert, dass der Kampf gegen das Coronavirus keine soziale Ungerechtigkeit dulde. „Ich kann dem Heiligen Vater nur zustimmen,“ twitterte Tedros A. Ghebreyesus am nur einen Tag später.  “Die Covid19-Pandemie zeigt, dass wir Gesundheit zu einem Menschenrecht für alle machen müssen und nicht zulassen dürfen, dass sie ein Privileg für einige wenige ist. Sie gibt uns auch die Möglichkeit, eine bessere, sicherere und gerechtere Welt wieder aufzubauen – gemeinsam!“

Seit Anfang August vertieft Papst Franziskus bei der Generalaudienz, die jeden Mittwoch stattfindet, sein Verständnis „der drängenden Probleme, die die Pandemie aufgeworfen hat, insbesondere der sozialen Krankheiten“, „im Licht des Evangeliums, der theologischen Tugenden und der Prinzipien der Soziallehre der Kirche“. Durch diesen Zyklus der Katechese möchte er anregen, „als Jünger Jesu, der heilt, nachzudenken und zusammenzuarbeiten, um eine bessere Welt voller Hoffnung für künftige Generationen aufzubauen“.

Die Welt heilen: Casa Madre de Tuparenda

Wie können wir heute dazu beitragen, unsere Welt zu heilen?

„Die Pandemie schlägt weiter tiefe Wunden und führt uns unsere Verwundbarkeit vor Augen. Auf allen Kontinenten hat es viele Tote, viele Kranke gegeben. Viele Menschen und viele Familien erleben aufgrund der sozioökonomischen Probleme, von denen besonders die Ärmsten betroffen sind, eine Zeit der Ungewissheit“, so Papst Franziskus in der ersten Generalaudienz nach der Sommerpause, am 5. August.   “Und so fragen wir uns: Wie können wir heute dazu beitragen, unsere Welt zu heilen? Als Jünger des Herrn Jesus, Arzt unserer Seelen und unserer Leiber, sind wir gerufen, „sein Heilungs- und Heilswerk“ (KKK, 1421) in einem physischen, sozialen und geistlichen Sinn fortzusetzen.“

Wie können wir heute dazu beitragen, unsere Welt zu heilen? Es gibt viele Christen, viele Schönstätter, die in diesen Wochen eine konkrete, reale Antwort auf diese Frage geben.

Die Unternehmer der Internationalen Gemeinschaft der Unternehmer und Führungskräfte Schönstatts (CIEES) in Ciudad del Este starteten ein sehr erfolgreiches Programm zur wirtschaftlichen Wiederbelebung an der Grenze, indem sie die Gründung neuer Unternehmen unterstützen, um den Menschen, die durch die pandemiebedingten Einschränkungen ihre Firma, ihr Geschäft oder ihren Arbeitsplatz verloren haben, Arbeit, Einkommen und Hoffnung zu geben. Mit viel Kreativität begleiteten die Verantwortlichen des Schulzentrums Providencia in Uruguay die Schülerinnen und Schüler während der Zeit des Lockdowns mit Anrufen und Unterrichtsmaterialien und entwickelten innovative Pläne, um die Rückkehr in den Unterricht zu erleichtern. In Casa Madre de Tupãrenda erhielten die Jugendlichen, die monatelang nicht dort hingehen konnten, Essenspakete und Begleitung über WhatsApp. Bei Dequeni wurden die Programme angepasst, um mit Videos und Radioprogrammen die Familien aus den ärmsten Schichten weiterhinzu erreichen und das weitere Lernen der Kinder zu Hause zu unterstützen. In Spanien taten sich mehrere Personen zusammen, um wöchentlich Telefongespräche mit älteren Menschen in Quarantäne zu führen.  Viele Schönstatt-Patres und -Priester machten sich mit YouTube und Zoom vertraut, um mit Livestreams von Messen, Vorträgen und Gebeten seelische Wunden zu heilen. Die Madrugadores aus Argentinien beteten geistliche verbunden den Rosenkranz per Zoom – aber nicht nur untereinander, sondern mit Häftlingen in Gefängnissen und mit Bewohnern von Pflegeheimen. Das Krankenhaus Mater Dei in Buenos Aires entwickelte ein Konzept, durch das Familien ihre an COVID-19  sterbenden Angehörigen begleiten konnten. Familien aus Costa Rica halfen den Nachbarn mit Lebensmitteln und dem Verkauf von Produkten.

 

Costa Rica, neue Kleinst-Unternehmer dank Unterstützung und kräftigem Marketing durch die Schönstatt-Bewegung

Die Würde des Menschen

“Lobenswert ist der Einsatz so vieler Menschen, die in diesen Monaten die menschliche und christliche Liebe zum Nächsten unter Beweis stellen, indem sie sich um die Kranken kümmern, auch wenn sie dabei ihre eigene Gesundheit gefährden. Sie sind Helden!”, so Papst Franziskus in der Katechese am 12. August.

“Das Coronavirus ist aber nicht die einzige Krankheit, die bekämpft werden muss, sondern die Pandemie hat größere – nämlich soziale – Krankheiten ans Tageslicht gebracht. […]Wenn wir nicht füreinander Sorge tragen, begonnen bei den Geringsten, bei jenen, die am meisten betroffen sind, ein­schließlich der Schöpfung, dann können wir die Welt nicht heilen.“

Ausgangspunkt ist immer die Menschenwürde. Von jedem einzelnen. Von dem auf See gestrandeten Migranten, dem Drogenabhängigen auf der Straße, dem Gefangenen, dem Kranken, dem missbrauchten und verlassenen Kind, dem Angestellten, dem Kollegen, den Demonstranten in Weißrussland, den Opfern der Explosion in Beirut. Wenn wir Christen sind, gibt es keinen fernen, fremden Schmerz, es gibt nur Schmerz, der nahe ist.

“Denn der Mensch in seiner persönlichen Würde ist ein soziales Wesen, geschaffen nach dem Bild des dreieinigen Gottes. Wir sind soziale Wesen, wir haben das Bedürfnis, in dieser sozialen Harmonie zu leben. Aber wenn Egoismus vorhanden ist, dann geht unser Blick nicht zu den anderen, zur Gemeinschaft, sondern er kehrt zu uns selbst zurück, und das macht uns hässlich, böse, egoistisch und zerstört die Harmonie.

Dieses erneuerte Bewusstsein um die Würde eines jeden Menschen hat ernsthafte soziale, wirtschaftliche und politische Auswirkungen. Den Bruder und die ganze Schöpfung als von der Liebe des Vaters empfangenes Geschenk zu betrachten bringt ein Verhalten hervor, das von Aufmerksamkeit, Fürsorge und Staunen geprägt ist. So blickt der Gläubige, indem er den Nächs­ten als Bruder und nicht als Fremden betrachtet, auf ihn mit Mitgefühl und Empathie, nicht mit Verachtung oder Feindseligkeit. Und indem er die Welt im Licht des Glaubens betrachtet, bemüht er sich, mit Hilfe der Gnade seine Kreativität und seine Begeisterung zu entwickeln, um die Dramen der Geschichte zu lösen. Er versteht und entwickelt seine Fähigkeiten als Verantwortungen, die seinem Glauben entspringen (vgl. ebd.), als Gaben Gottes, die in den Dienst der Menschheit und der Schöpfung gestellt werden müssen.

Während wir alle etwas für den Schutz vor einem Virus tun, das alle ohne Unterschied betrifft, ermahnt uns der Glaube, uns ernsthaft und tatkräftig dafür einzusetzen, der Gleichgültigkeit gegenüber den Verletzungen der Würde des Menschen entgegenzuwirken. Die Kultur der Gleichgültigkeit, die die Wegwerfkultur begleitet: Die Dinge, die mich nicht betreffen, interessieren mich nicht. Der Glaube verlangt immer, uns von unserem Individualismus – sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene – heilen und bekehren zu lassen; von einem parteilichen Individualismus zum Beispiel.“ (Übersetzung: Osservatore Romano, 34/2020)

Ciudad del Este: die Wirtschaft einer ganzen Region wieder ans Laufen bringen

Die Pandemie ist eine Krise, und aus einer Krise geht man verändert hervor

„Die sozialen Folgen der Pandemie machen uns allen Sorgen. Viele wollen zur Normalität zurückkehren und die Wirtschaftstätigkeit wieder aufnehmen. Das ist nur allzu verständlich: soziale Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung sollten aber nicht Teil dieser „Normalität“ sein. Die Pandemie ist eine Krise, und aus einer Krise geht man verändert hervor: sie macht uns entweder besser oder schlechter. Wir müssen als bessere Menschen aus der Krise hervorgehen, damit wir der sozialen Ungerechtigkeit und der Zerstörung der Umwelt Einhalt gebieten können. Wir haben heute die Gelegenheit, etwas Neues aufzubauen. Wir können beispielsweise eine Wirtschaft schaffen, die eine echte ganzheitliche Entwicklung der Armen fördert und mehr ist als ein bloßes Sozialhilfesystem“, so der Papst am 19. August.

„Die vorrangige Option für die Armen, dieses ethisch-soziale Bedürfnis, das der Liebe Gottes entspringt (vgl. LS, 158), lässt uns eine Wirtschaft schaffen, die den Menschen – und besonders die Ärmsten – in den Mittelpunkt stellt“

Aus einer Krise geht man verändert hervor. Mit einer neuen Wirtschaft vielleicht, wie in Ciudad del Este.

In den letzten Wochen wurde in Schönstatt viel Zeit und Kraft verschlungen durch die Krise, die sich aus den Vorwürfen gegen Pater Kentenich ergeben hat. Mit gutem Grund. Ohne das soziale und apostolische Engagement außer Acht zu lassen. Diese Krise hat wie die weltweite der Pandemie das Potenzial, dass wir schlechter oder besser aus ihr hervorgehen. Besser, hoffentlich: demütiger, weniger „romantisch“, weniger in uns selbst versunken, mehr dem Grund unserer Existenz verpflichtet: dem Apostolat, dem heute leidenden Christus zu helfen. „Caritas Cristi urget nos“: Die Liebe Christi drängt uns. Dafür gibt es uns.

„Und ausgehend von dieser konkreten Liebe, die – wie uns das Evangelium sagt -, in der Hoffnung verankert und im Glauben begründet ist, wird eine heilere Welt möglich sein. Sonst werden wir schlechter aus der Krise hervorgehen. Der Herr helfe uns, er schenke uns die Kraft, als bessere Menschen aus der Krise hervorzugehen und den Bedürfnissen der Welt von heute Rechnung zu tragen.“

 

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