Veröffentlicht am 10. Februar 2019 In Franziskus - Botschaft, WJT 2019

Die Jugendlichen sind nicht das „Morgen“ der Kirche, sondern das Heute für morgen

WIE ICH DEN WELTJUGENDTAG 2019 ERLEBT HABE – Papst Franziskus,Redaktion •

Der Weltjugendtag 2019 ist zu Ende, aber wir machen weiter -machen weiter mit Eindrücken von den Ereignissen, die uns auf schoenstatt.org noch fehlen, und wir machen weiter mit einem neuen Artikelzyklus unter dem Motto: „Wie ich den Weltjugendtag erlebt habe“. Wir haben mehrere Jugendliche angefragt, zwei haben bereits etwas geschrieben, wir warten auf Zeugnisse von vielen anderen – und hier ist einer, der schon zwei Tage nach der Rückkehr erzählt hat, wie er den Weltjugendtag erlebt hat – Papst Franziskus selbst. —

Misa de Envío / Campo San Juan Pablo II

Aussendungsmesse Campo San Juan Pablo II

ZEUGNIS VON PAPST FRANZISKUS BEI DER GENERALAUDIENZ AM 30.01.2019 (eigene Übersetzung)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

Heute werde ich über meine jüngste apostolische Reise nach Panama sprechen. Ich lade euch ein, mit mir dem Herrn für diese Gnade zu danken, die er der Kirche und den Menschen in diesem geliebten Land geben wollte. Ich danke dem Präsidenten von Panama und den anderen Behörden, den Bischöfen sowie allen Freiwilligen – es gab so viele von ihnen – für ihren herzlichen und familiären Empfang, so wie wir ihn bei allen Menschen gesehen haben, die uns mit großem Glauben und Enthusiasmus empfangen haben. Ich war sehr beeindruckt von der Tatsache, dass die Menschen Kinder in ihren Armen hielten. Als das Papamobil vorbeikam, haben alle, die ihre Kinbder dabei hatten, sie hochgehoben, als ob sie sagen wollten: „Schau dir meinen Stolz an, hier ist meine Zukunft!“ Und so lehrten die Kinder,.Es waren so viele von ihnen! Und die stolzen Väter und Mütter dieses Kindes. Ich dachte: Wie viel Würde in dieser Geste und wie eloquent das ist für den demografischen Winter, den wir in Europa erleben! Der Stolz dieser Familie sind die Kinder. Die Sicherheit für die Zukunft sind die Kinder, der demografische Winter ohne Kinder ist hart!

Der Grund für diese Reise war der Weltjugendtag, aber die Begegnungen mit Jugendlichen haben sich mit anderen aus der Realität des Landes verflochten: mit der Regierung, den Bischöfen, inhaftierten Jugendlichen, Religiosen und einem Obdachhaus. Alles ist durch die freudige Anwesenheit der Jugendlichen „infiziert“ und „verschmolzen“ worden: ein Fest für sie und ein Fest für Panama, aber auch für ganz Mittelamerika, das von so vielen Dramen geprägt ist und Hoffnung und Frieden sowie Gerechtigkeit braucht.

Diesem Weltjugendtag ging ein Treffen von Jugendlichen aus der indigenen und afroamerikanischen Bevölkerung voraus. Eine schöne Geste: Es gab fünf Tage der Begegnung, die indigenen und afroamerikanischen Jugendlichen. Es gibt viele von ihnen in dieser Region. Sie haben die Tür zum Welttag geöffnet. Und das ist eine wichtige Initiative, die das facettenreiche Gesicht der Kirche in Lateinamerika noch besser gezeigt hat: Lateinamerika ist ein Mestizengebiet. Dann entstand mit der Ankunft von Gruppen aus der ganzen Welt die große Symphonie von Gesichtern und Sprachen, die für dieses Ereignis typisch ist. Wenn man all diese Fahnen zusammen in den Händen junger Menschen hat vorbeiziehen, ja tazen sehe angesichts der Freude an der Begegnung, dann ist das ein prophetisches Zeichen, ein Zeichen, das dem traurigen gegenwärtigen Trend widersprüchlicher Nationalismen entgegenwirkt, die Mauern errichten und sich der Universalität, der Begegnung zwischen den Völkern verschließen. Es ist ein Zeichen dafür, dass junge Christen Sauerteig des Friedens in der Welt sind.

Dieser Weltjugendtag hatte ein starkes marianisches Zeichen, denn sein Thema waren die Marias Worte an den Engel: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Es war beeindruckend, diese Worte von Vertretern junger Menschen aus den fünf Kontinenten zu hören und vor allem, sie in ihren Gesichtern geschrieben zu sehen. Solange es neue Generationen gibt, die Gott ihr „hier bin ich“ sagen können, wird es eine Zukunft in der Welt geben.

Zu den Etappen des Weltjugendtags gehört immer der Kreuzweg. Mit Maria hinter Jesus, der das Kreuz trägt, zu gehen, ist die Schule des christlichen Lebens: Dort lernt man geduldige, stille, konkrete Liebe. Ich sage euch eines: Mir gefällt der Kreuzweg sehr gut, weil er darin besteht, mit Maria Jesus hinterherzugehen. Und ich trage immer einen Taschenkreuzweg bei mir, der mir von einer sehr apostolischen Person in Buenos Aires geschenkt wurde, um jederzeit den Kreuyweg gehen zu können. Und wenn ich Zeit habe, nehme ich ihn und folge dem Kreuzweg. Betet den Kreuzweg, denn es geht darum, Jesus mit Maria auf dem Kreuzweg zu folgen, wo er sein Leben für uns, für unsere Erlösung gegeben hat. Auf dem Kreuzweg lernt man geduldige, stille und konkrete Liebe. In Panama trugen junge Menschen mit Jesus und Maria die Last des Zustands so vieler leidender Brüder und Schwestern in Mittelamerika und der ganzen Welt. Unter ihnen sind viele junge Opfer verschiedener Formen von Sklaverei und Armut. Und in diesem Sinne waren die Bußliturgie, die ich in einem Gefängnis für Minderjährige gefeiert habe, und der Besuch des Familienhauses „Barmherzige Samariter“, in dem sich von HIV/AIDS betroffene Menschen aufhalten, sehr wichtige Momente.

Misa de Envío / Campo San Juan Pablo II Metro Park

Der Höhepunkt des Weltjugendtages und der Reise waren die Vigil und die Messe mit den Jugendlichen. Während der Vigil – auf diesem Feld voller junger Menschen, die dort die Vigil hatten, dort schliefen und um acht Uhr morgens an der Messe teilnahmen – erneuerte die Vigil den lebendigen Dialog mit allen Jugendlichen, enthusiastisch und auch fähig zum Schweigen und Zuhören. Wir gingen von der Begeisterung zum Zuhören und zum stillen Gebet über. Ich habe ihnen Maria als diejenige vorgestellt, die in ihrer Kleinheit mehr als jede andere die Weltgeschichte „beeinflusst“ hat: Wir nennen sie die „Influencerin Gottes“. In ihrem „Fiat“ haben sich die schönen und starken Zeugnisse einiger junger Menschen gespiegelt. Am Sonntagmorgen, in der großen letzten Eucharistiefeier, sprach der auferstandene Christus mit der Kraft des Heiligen Geistes erneut zu den Jugendlichen der Welt und rief sie auf, heute das Evangelium zu leben, denn junge Menschen sind nicht das „Morgen“, sondern „Heute“ für morgen. Sie sind nicht die „Zwischenzeit“, sondern das Heute, das Jetzt der Kirche und der Welt. Und ich habe an die Verantwortung der Erwachsenen appelliert, damit es den neuen Generationen nicht an Bildung, Arbeit, Gemeinschaft und Familie mangelt. Und das ist der Schlüssel in der Welt, denn all das fehlt. Unterricht, d.h. Bildung. Arbeit: Wie viele junge Menschenhaben keine? Gemeinschaft: dass sie sich in der Familie, in der Gesellschaft willkommen fühlen.

Das Treffen mit allen Bischöfen Mittelamerikas war für mich ein Moment des besonderen Trostes. Gemeinsam lassen wir uns vom Zeugnis des heiligen Bischofs Oscar Romero lehren, um immer besser zu lernen, wie man im Sinne seines bischöflichen Mottos „Mit der Kirche denken“ – in der Nähe der Jugend, der Armen, der Priester, des treuen heiligen Volkes Gottes denkt und fühlt.

Die Einweihung des Altars der restaurierten Kathedrale Santa María La Antigua in Panama war von großem symbolischen Wert. Sie wurde für sieben Jahre wegen Restaurierung geschlossen. Ein Zeichen der wiederentdeckten Schönheit, zur Ehre Gottes und für den Glauben und das Fest seines Volkes. Das Chrisam, das den Altar weiht, ist dasselbe wie das, das die Getauften, die Konfirmierten, die Priester und die Bischöfe salbt: Möge die Familie der Kirche in Panama und auf der ganzen Welt vom Heiligen Geist eine immer neue Fruchtbarkeit erhalten, damit die Pilgerfahrt der jugendlichen missionarischen Jünger Jesu Christi auf Erden fortgesetzt und verbreitet werden kann!

 

Misa de Envío / Campo San Juan Pablo II Metro Park

 

Alle Ansprachen des Weltjugendtags

 

 

 

 

 

 

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