Veröffentlicht am 28. September 2018 In Franziskus - Botschaft, Franziskus - Initiativen und Gesten

Ein historischer Moment für die Kirche: und wieder Brücken statt Mauern

BRÜCKEN STATT MAUERN, PAPST FRANZISKUS, Redaktion •

Es ist ein historischer Moment für die Wektkirche.  Die jahrzehntelange Parallelexistenz zweier katholischer Kirchen in China, der  offiziellen und der geheimen, ist zu Ende. Im Gegenzug erkennt Peking den Papst als Oberhaupt der Kirche an. Glaube verändert die Geschichte. —

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der die  Verreinbarung auf den Weg gebracht hat, hat deren Wesen in einer kurzen Videobotschaft erläutert: „Und heute sind zum ersten Mal alle Bischöfe in China in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, mit dem Nachfolger Petri“, so Parolin in einem Video-Statement gegenüber Vatican News. Die Gemeinschaft der Bischöfe mit Rom war jahrzehntelang nicht möglich gewesen. Was jetzt gebraucht werde sei Einheit, Vertrauen und ein neuer Impuls, fügt Kardinal Parolin an.

Bei der Generalaudienz am 26. September sagte Papst Franziskus:

„Liebe Brüder und Schwestern, am vergangenen Samstag, 22. September, wurde in Peking ein Vorläufiges Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China über die Ernennung der Bischöfe in China unterzeichnet.
Das Abkommen ist Ergebnis eines langen und wohlüberlegten Weges des Dialogs, der auf eine positivere Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Autoritäten  zugunsten der katholischen Gemeinde in China und der Harmonie der ganzen Gesellschaft  zielt.
In diesem Geist wollte ich den katholischen Chinesen und der gesamten Weltkirche eine Botschaft zukommen lassen, die heute veröffentlicht wird.
Ich hoffe, dass sich damit in China eine neue Phase eröffnen lässt, die hilft, die Wunden der Vergangenheit zu heilen sowie die volle Einheit aller chinesischen Katholiken wiederherzustellen und zu erhalten und eine neue Verpflichtung zur Verkündigung des Evangeliums einzugehen.
Liebe Brüder und Schwestern, wir haben eine wichtige Aufgabe! Wir sind gerufen, unsere Brüder und Schwestern in China mit innigem Gebet und brüderlicher Freundschaft zu begleiten. Sie wissen, dass sie nicht allein sind. Die ganze Kirche betet mit ihnen und für sie. Bitten wir Maria, die Mutter der Hoffnung und die Hilfe der Christen, alle Katholiken in China zu schützen und zu segnen, während wir für das ganze chinesische Volk Frieden erbitten.“

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS AN DIE KATHOLIKEN IN CHINA UND DIE WELTKIRCHE

Das Gebet des Papstes für China

Im Namen der ganzen Kirche erflehe ich vom Herrn das Geschenk des Friedens, und lade alla dazu ein, mit mir den mütterlichen Schutz der Jungfrau Maria anzurufen:

Mutter des Himmels, höre die Stimme deiner Kinder, die demütig deinen Namen anrufen.

Jungfrau der Hoffnung, dir vertrauen wir den Weg der Glaubenden im ehrwürdigen Land China an. Wir bitten dich, dem Herrn der Geschichte das Leid und die Mühen, das Flehen und die Erwartungen der Gläubigen, die zur dir rufen, vorzustellen, o Königin des Himmels!

Mutter der Kirche, dir weihen wir die Gegenwart und die Zukunft der Familien und unserer Gemeinschaften. Bewahre sie und unterstütze sie bei der Versöhnung unter den Brüdern und im Dienst an den Armen, die deinen Namen preisen, o Königin des Himmels!

Trösterin der Betrübten, an dich wenden wir uns, weil du die Zuflucht derer bist, die in der Prüfung weinen. Wache über deine Kinder, die deinen Namen loben, mache, dass sie vereint das Evangelium verkünden. Begleite ihre Schritte für eine brüderlichere Welt, gib, dass sie allen die Freude der Vergebung bringen, o Königin des Himmels!

Maria, Hilfe der Christen, für China erbitten wir von dir Tage des Segens und des Friedens. Amen!

 

Evangelisierung geht durch die tiefe Liebe zur Kultur eines Volkes

Die Jesuiten haben eine lange Tradition in China, die bereits vor über 500 Jahren mit Pater Matteo Ricci begann. Im Zusammenhang mit der historischen Vereinbarung kommentiert der Chefredakteur der angesehenen Jesuitenzeitschrift  „Civiltà Cattolica“, P. Antonio Spadaro:

„Für uns Jesuiten bedeutet die Vereinbarung sehr viel, denn wir sagen, dass China im Herzen jedes Jesuiten ist. Matteo Ricci war ein in der Renaissance-Kultur gebildeter Mann, der sich aus der Aufnahme der europäischen Kultur entschloss, nach China zu gehen und das – also genau seine Bildung – ermöglichte ihm, mit der Kultur dieses Landes in Dialog zu treten: er verliebte sich in sie, nahm sie auf. Die Jesuiten nach ihm arbeiteten daran weiter, lernten diese Kultur kennen, auch den Konfuzianismus, und brachten dies nach Europa. Das heißt, sie haben in gewisser Weise die Synisation nach Europa durchgeführt.

Beeindruckend ist zu sehen, wie die Evangelisierung für diese ersten Jesuiten durch eine tiefe Liebe zur Kultur eines Volkes gibt. Daher gibt es keinen Wunsch nach integraler Evangelisierung oder Veränderung der Kultur, sondern den Wunsch, ein Volk und seineIdeen kennen zu lernen. Ich war auch beeindruckt, dass die Global Times, eine offizielle chinesische Zeitung, noch am selben Tag des Abkommen  zwischen China und dem Heiligen Stuhl Papst Francis als „ersten Jesuiten-Papst“ bezeichnet und eine direkte  Verbindung zu Matteo Ricci schafft mit der Aussage, dass dieser Papst wie sein Vorläufer Ricci eine flexile und dynamische Sicht der Evangelisierung hat, die es möglich macht, das Volk zu lieben. Das hat mich beeindruckt, denn das ist genau die Bedeutung des Abkommens: Vertrauen aufbauen, ein Volk lieben. „

Eine Mission der Internationalität

Schönstatt ist eine internationale Familie. Sie hat sich – noch keimend oder schon blühend – in viele Länder, Kontinente und kulturelle Räume ausgebreitet. Schönstatt ist auch deshalb so international, weil es die Beziehungen zwischen den Völkern fördert und so die gegenseitige Bereicherung begünstigt. Unter „Internationalität“ verstehen wir die Fähigkeit, globale Spannungen zu akzeptieren sowie die Herausforderung, zur Einheit in Vielfalt zu gelangen. Jede Form von Pluralität hat Spannungen zur Folge, die Leben schaffen oder zerstören können. Sie werden dann schöpferisch sein, wenn sich die Völker gegenseitig dazu ermutigen, sich in  ihrer Art zu ergänzen. Sie werden dann destruktiv sein, wenn sie versuchen, sich gegenseitig auszuschalten, die anderen geringschätzen oder wenn sie nicht wahrhaben wollen, dass sie ein Teil vom Ganzen sind. Echte Internationalität ersetzt die unfruchtbaren und zerstörerischen Wettbewerbe im globalen Zusammenleben, verwandelt sie in Friedensstifter und ermöglicht menschliches und soziales Wachstum.

Die respektvolle Haltung gegenüber jedem Volk, jeder Nationalität und Kultur geht auf den Stil von Pater Kentenich zurück. Eine seiner Empfehlungen ist:

„Diejenigen, die im Ausland arbeiten, sollen das im Entstehen begriffene Nationalgefühl der Völker mit Vorsicht behandeln, denn es ist leicht zu verletzen. Passen Sie sich an die Gegebenheiten, Bräuche und Sprache an und lieben Sie das Volk von ganzem Herzen (1949).

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