Veröffentlicht am 9. Oktober 2016 In Franziskus - Botschaft, Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Um Frieden flehen die Opfer der Kriege, die Geringen seines Reiches, verwundete und ausgedorrte Glieder seines Fleisches

FRANZISKUS IN ASSISI, Maria Fischer •

Es war ein sehr kurzfristiger Aufruf, wie üblich in der digitalen Ära, in der sich jede Nachricht, jede Information, jeder Aufruf binnen Sekunden in den sozialen Netzwerken verbreitet. Franziskus ist ein Mann dieser Ära, auch wenn seine Kirche noch dabei ist, sich an die Änderung von Fristen, Rhythmen und Geschwindigkeiten zu gewöhnen. Beschleunigung. Beim Angelus am 18. September rief Papst Franziskus die ganze Kirche dazu auf, sich mit ihm und den religiösen Führern der Welt in Assisi am 20. September im Gebet um Frieden zu solidarisieren. Zu knapp für alle, die ihre Mails nur einmal pro Woche öffnen… oder die so beschäftigt sind mit ihren eigenen Dingen, dass sich in ihrem Kalender kein Raum findet für alles, was nicht lange, sehr lange zuvor geplant worden ist.

Doch es gab Resonanz auf den Aufruf, auch in Schönstatt. Pfr. Rolando Montes, Schönstattpriester aus Kuba, der zur Zeit in Rom studiert und bei diesem Angelus auf dem Petersplatz war, verfasst blitzschnell einen Artikel, und wir beginnen, den Aufruf zu verbreiten… über unsere Webseite selbst, per Mail, per Facebook, per Whatsapp.

  • „In der WhatsApp-Gruppe von Córdoba, Argentinien, verbreitete sich das Anliegen, für den Frieden zu beten… 13 Leute haben um 15.00 Uhr den Rosenkranz gebetet und 10 andere zu einer anderen Zeit. Im solidarischen Bündnis haben sich 23 Personen aus eigener Initiative und binnen einer Stunde Franziskus angeschlossen, um für den Frieden in der Welt zu beten“, berichtet Juan Barbosa aus Córdoba. „Es war eine sehr schöne Erfahrung, mit 23 Menschen im Gebet verbunden zu sein. Die Begeisterung der anderen war noch größer als meine! (der dazu aufgerufen hatte).“
  • „Wegen meiner Arbeitszeiten konnte ich heute an keiner Messe im Heiligtum teilnehmen, aber ich habe mit meinen Schülern (zwischen 18 und 20 Jahren) über den Besuch des Papstes in Assisi gesprochen und sie gebeten, etwas auszuarbeiten, wie wir für den Frieden wirken können“, schriebt Norma Pflueger Totti aus La Plata, Argentinien. „Die am häufigsten benutzten Wörter waren ‚Kommunikation‘ und ‚Dialog‘, und das Dringendste: ‚Aufhören, in uns selbst verstrickt zu sein‘ und Bindungen stärken, angefangen bei den Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung.“
  • „Wir sind dabei“ „Wir sind dabei“. Innerhalb weniger Minuten am 18. September kam eine solche Meldung nach der anderen in der WhatsApp-Gruppe des Schönstattzentrums Memhölz, Deutschland. Am Schluss waren Familien und Einzelne aus mehreren Städten und Dörfern in Deutschland und der Schweiz dabei – beim solidarischen Gebet um Frieden.
  • Pfr. Rolando Montes berichtet: „Im Spanischen Kolleg in Rom, wo ich wohne, haben wir das Laudesgebet und die Vesper der Bitte um Frieden gewidmet und ein Gebet verteilt, das wir am Schluss alle gebetet haben. Mehrere Studenten haben in der freien Zeit den Rosenkranz gebetet und ihn für den Frieden aufgeopfert.“

Möge endlich eine neue Zeit anbrechen, in der die globalisierte Welt eine Familie von Völkern wird

„Möge endlich eine neue Zeit anbrechen, in der die globalisierte Welt eine Familie von Völkern wird.“ – Ein Satz aus der Schlussbotschaft des Heiligen Vaters in Assisi. Eine solidarisch verbundene Welt, ein Bündnis unter den Völkern, zwischen Regierungen und Regierten, zwischen Unternehmern und Arbeitern, zwischen Reichen und Armen – das wäre Kultur der Begegnung, Bündniskultur, die Solidarität schafft. Ein Lieblingsthema des Heiligen Vaters. Seine Botschaft an die Schönstattfamilie in der Stunde ihres Jubiläums. Gaben sind Aufgaben.

Papst Franziskus macht sehr konkrete Vorschläge, wie „eine Familie von Völkern“ werden kann. Werke der Barmherzigkeit, konkrete Werke im realen Leben. Kommunikation, ehrlicher Dialog: „Dialog wird, wenn ich fähig bin, anzuerkennen, dass der andere eine Gabe Gottes ist und mir etwas zu sagen hat.“ Gebet, Gebet vieler, aller, am selben Tag, im gleichen Augenblick… sei es bei den Generalaudienzen, beim Angelus, bei großen Treffen oder eben an diesen Tagen, an denen er alle aufruft, für ein Volk, für einen Menschen, für den Frieden zu beten.

Es ist eine der frühesten Erinnerungen meiner Kindheit: Wie sich an diesem 21. August 1968 die Kirchen füllten, als die damalige Tschechoslowakei von den Truppen der Sowjetunion und ihrer Verbündeten des Warschauer Paktes besetzt wurde. Nur etwas mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfüllte die Panik vor einer russischen Invasion die deutsche Bevölkerung wie eine Flutwelle. Niemals werde ich diese Messe in der Pfarrkirche, die voller war als an Weihnachten, vergessen. Niemals werde ich dieses Gefühl vergessen, dass wir, wenn wir alle gemeinsam beten würden so fest wir könnten, dem tschechoslowakischen Volk helfen und die russischen Truppen an der deutschen Grenze aufhalten könnten… Zwei Jahre später hing das Leben der Astronauten von Apollo 13 am seidenen Faden. Zehntausende von Menschen aller Religionen beteten, dass die Besatzung heil zur Erde zurückkehre. Bis heute habe ich das Gefühl, diese drei Astronauten zu kennen, denn „das Gebet der ganzen Welt und meines“ haben sie gerettet.

Momente wie diese haben wir in den Tagen der Todesqual von Johannes Paul II. erlebt, bei der ersten von Papst Franziskus ausgerufenen Gebetsvigil um den Frieden in Syrien im September 2013, bei der Gebetskette für Kikí Tagle nach ihrem schrecklichen Autounfall, beim Pater Nicolás und so oft beim solidarischen Gebet für die Opfer von Erdbeben, Bränden, Kriegen… Und wir verlieren einfach nicht die Hoffnung darauf, dass wir eines Tages so viele sind, die wir für Menschen eines anderen Volkes und einer anderen Religion gebetet haben, dass es mangels Masse keine Kriege mehr geben kann und die Menschen eine Familie sind.

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Gib uns Frieden (foto: Amada Girett, Santa Rita, Paraguay)

Meditation von Papst Franziskus in Assisi

Vor dem gekreuzigten Jesus ertönen auch für uns seine Worte: »Mich dürstet« (Joh 19,28). Der Durst ist mehr noch als der Hunger das äußerste Bedürfnis des Menschen, stellt aber auch sein größtes Elend dar. Betrachten wir so das Geheimnis des allerhöchsten Gottes, der aus Barmherzigkeit arm wurde unter den Menschen.

Wonach dürstet den Herrn? Gewiss nach Wasser, dem Grundelement für das Leben. Aber vor allem hat er Durst nach Liebe, einem Element, das für das Leben nicht minder wesentlich ist. Ihn dürstet danach, uns das lebendige Wasser seiner Liebe zu schenken, aber auch unsere Liebe zu erhalten. Der Prophet Jeremia hat dieses Gefallen Gottes an unserer Liebe so ausgedrückt: »Ich denke an deine Jugendtreue, an die Liebe deiner Brautzeit« (Jer 2,2). Der Prophet hat aber auch dem göttlichen Leiden Ausdruck verliehen, als der Mensch voll Undank die Liebe verlassen, als er – so scheint der Herr es auch heute zu sagen – »[mich] verlassen [hat], den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten« (V. 13). Es handelt sich um das Drama des „verstockten Herzens“, der unerwiderten Liebe. Dieses Drama wiederholt sich im Evangelium, als der Mensch auf den Durst Jesu mit Essig, dem schlecht gewordenen Wein, antwortet. So beklagte auf prophetische Weise der Psalmist: »Für den Durst reichten sie mir Essig« (Ps 69,22).

„Die Liebe wird nicht geliebt“: Nach einigen Erzählungen war dies die Wirklichkeit, die den heiligen Franz von Assisi aufwühlte. Aus Liebe zum leidenden Herrn schämte er sich nicht, zu weinen und mit lauter Stimme Weh zu klagen (vgl. Franziskus-Quellen, S. 620, Nr. 14). Die gleiche Wirklichkeit muss uns am Herzen liegen, wenn wir den gekreuzigten Gott betrachten, den nach Liebe dürstet. Mutter Teresa von Kalkutta wollte, dass in den Kapellen jeder Gemeinschaft neben dem Gekreuzigten die Schrift angebracht wurde: „Mich dürstet“. Ihre Antwort bestand darin, den Durst Jesu am Kreuz nach Liebe durch den Dienst an den Ärmsten der Armen zu stillen. Der Durst des Herrn wird nämlich gestillt durch unsere mitleidende Liebe; er ist getröstet, wenn wir uns in seinem Namen über das Elend der anderen beugen. Im Gericht wird er all jene „gesegnet“ nennen, die den Durstigen zu trinken gaben, die denen in Not konkret Liebe erwiesen haben: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan « (Mt 25,40).

Die Worte Jesu sind eine Anfrage an uns, sie verlangen danach, im Herzen aufgenommen und im Leben beantwortet zu werden. In seinem „Mich dürstet“ können wir die Stimme der Leidenden vernehmen, den versteckten Schrei der unschuldigen Kleinen, denen das Licht dieser Welt verwehrt wird, die innige Bitte der Armen und derer, die am meisten des Friedens bedürfen. Um Frieden flehen die Opfer der Kriege, welche die Völker mit Hass und die Erde mit Waffen verschmutzen; um Frieden flehen unsere Brüder und Schwestern, die unter der Drohung von Bombardierungen leben oder gezwungen sind, ihr Zuhause zu verlassen und aller Dinge beraubt ins Unbekannte zu ziehen. Sie alle sind Brüder und Schwestern des Gekreuzigten, die Geringen seines Reiches, verwundete und ausgedorrte Glieder seines Fleisches. Sie sind durstig. Doch oft wird ihnen wie Jesus der bittere Essig der Ablehnung gereicht. Wer hört ihnen zu? Wer kümmert sich darum, ihnen zu antworten? Zu oft begegnen sie dem betäubenden Schweigen der Gleichgültigkeit, dem Egoismus derer, die sich belästigt fühlen, der Kälte derer, die ihren Hilfeschrei mit jener Mühelosigkeit abstellen, mit der sie den Fernsehkanal umschalten.

Vor Christus dem Gekreuzigten, »Gottes Kraft und Gottes Weisheit« (1 Kor 1,24), sind wir Christen gerufen, das Geheimnis der nicht geliebten Liebe zu betrachten und Barmherzigkeit über die Welt auszugießen. Am Kreuz, dem Baum des Lebens, wurde das Böse in Gutes verwandelt; auch wir, Jünger des Gekreuzigten, sind gerufen, „Bäume des Lebens“ zu sein, welche die Verschmutzung der Gleichgültigkeit absorbieren und der Welt den Sauerstoff der Liebe zurückgeben. Aus der Seite Christi am Kreuz floss Wasser, Symbol des Heiligen Geistes, der Leben schenkt (vgl. Joh 19,34); so soll aus uns, seinen Gläubigen, das Mitleiden mit allen Durstigen von heute fließen.

Möge der Herr uns gewähren, wie Maria unter dem Kreuz mit ihm vereint und dem nahe zu sein, der leidet. Wenn wir uns denen nähern, die heute als Gekreuzigte leben, und die Kraft zu lieben vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn beziehen, werden die Eintracht und die Gemeinschaft unter uns noch mehr wachsen. »Denn er ist unser Friede« (Eph 2,14), er ist gekommen, den Frieden zu verkünden den Nahen und den Fernen (vgl. V. 17). Er bewahre uns alle in der Liebe und führe uns in die Einheit, zu der wir auf dem Weg sind, damit wir das werden, was er will: »eins« (Joh 17,21).

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