Veröffentlicht am 2016-03-19 In Franziskus - Botschaft

Barmherzigkeit und Trost

FRANZISKUS IN ROM – HEILIGES JAHR DER BARMHERZIGKEIT •

“Gott liebt uns mit einer unendlichen Liebe, der nicht einmal die Sünde Einhalt gebieten kann, und dank ihm wird das Herz des Menschen mit Freude und Trost erfüllt“, so Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch, dem 16. März 2016.

Schon vor den Toren der Heiligen Woche widmete der Heilige Vater seine Katechese dem Trost, den Gott jedem Menschen spendet und versicherte wieder, dass Gott niemals, wirklich niemals aufhört zu lieben.

Ausgehend vom Buch des Propheten Jeremias und seiner an das Volk Israel im Exil gerichteten Botschaft, sagte der Heilige Vater, auch wir könnten zuweilen eine Form des Exils erleben.

Für Schönstätter hat das Wort „Exil“ einen Namen: Milwaukee. Nicht nur Pater Kentenich, auch sein Werk, seine Familie, musste damals und muss manchmal auch heute noch eine Art Exil, eine Art Milwaukee erleben. Wenn Pater Kentenich und seine Botschaft heruntergeschraubt wird auf das, was wir verstehen oder meinen, kommunizieren zu können, dann wird er erneut ins Exil geschickt. Wenn man uns Ehre, Sendung, Aufgabe, Redefreiheit nimmt, dann erleben wir uns Exil geschickt.

Papst Franziskus gibt jeder Art von Exil einen wunderschönen und hoffnungsvollen Horizont:

Die wahre und radikale Rückkehr aus dem Exil und das tröstliche Licht nach der Dunkelheit der Glaubenskrise verwirklicht sich zu Ostern in der vollkommenen und endgültigen Erfahrung der Liebe Gottes, der barmherzigen Liebe, die Freude, Frieden und das ewige Leben schenkt.”

Vollständiger Text der Katechese von Papst Franziskus am 16. März 2016 (in der Übersetzung von Zenit)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die Kapitel 30 und 31 aus dem Buch des Propheten Jeremia werden als „Trostschrift“ bezeichnet, da sich in ihnen die gesamte Fähigkeit der Barmherzigkeit Gottes offenbart, Trost zu spenden und die Herzen der Bekümmerten für die Hoffnung zu öffnen. Heute wollen auch wir diese Botschaft des Trostes vernehmen.

Jeremia wendet sich an die in die Fremde verschleppten Israeliten und kündigt ihre Rückkehr in ihr Heimatland an. Diese Rückkehr ist ein Zeichen der grenzenlosen Liebe Gottes, des Vaters, der seine Kinder niemals verlässt, sondern für sie sorgt und sie rettet. Die Erfahrung des Exils war vernichtend für Israel. Der Glaube geriet ins Wanken, da es ohne Tempel, ohne den Kult und nach der Zerstörung des Landes schwierig war, weiterhin an die Güte des Herrn zu glauben. Dabei denke ich an das benachbarte Land Albanien, dem es nach massiver Verfolgung und Zerstörung gelungen ist, sich in Würde und im Glauben wieder aufzurichten. Ein solches Leid hatten die im Exil befindlichen Israeliten erfahren.

Auch wir können zuweilen eine Form des Exils erleben, wenn die Einsamkeit, das Leid und der Tod uns glauben lassen, Gott habe uns verlassen. Wie oft haben wir die Worte gehört: „Gott hat mich vergessen!“ Sie stammen von leidenden Menschen, die sich allein gelassen fühlen. Und wie viele unserer Brüder durchleben derzeit hingegen eine reale und dramatische Exilserfahrung fern ihrer Heimat. In ihren Blicken zeigt sich die Spur ihrer zertrümmerten Häuser und ihre Herzen sind erfüllt von Angst und oft leider vom Schmerz durch den Verlust lieber Menschen! In diesen Fällen kann man sich fragen: Wo ist Gott? Wie ist es möglich, dass so viel Leid unschuldige Männer, Frauen und Kinder bedrückt, dass man ihnen die Türen verschließt, wenn sie versuchen, irgendwo einzutreten? Sie sind dort an der Grenze, denn viele Türen und Herzen sind verschlossen. Die Migranten von heute erleiden Kälte und Hunger und können nicht eintreten, sie spüren keine Gastfreundschaft. Es hinterlässt in mir immer ein schönes Gefühl zu sehen, dass Länder und Regierungen ihre Herzen und ihre Türen öffnen!

Der Prophet Jeremia liefert uns eine erste Antwort. Das im Exil befindliche Volk wird in sein Land zurückkehren können und die Barmherzigkeit des Herrn erfahren. Dies ist die große Ankündigung des Trostes: Gott ist auch in den dramatischen Situationen von heute nicht abwesend. Er ist nahe, vollbringt Werke großen Heils für jene, die auf ihn vertrauen. Man darf sich nicht der Verzweiflung hingeben, sondern muss in der Gewissheit bleiben, dass das Gute über das Böse siegt, der Herr alle Tränen trocknen und uns von jeder Angst befreien wird. Deshalb spricht Jeremia die Worte der Liebe Gottes für sein Volk aus:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt,
darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt.
Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden,
Jungfrau Israel.
Du sollst dich wieder schmücken mit deinen Pauken,
sollst ausziehen im Reigen der Fröhlichen“ (31,3-4).

Der Herr ist treu, er lässt uns nicht in die Verzweiflung sinken. Gott liebt uns mit einer unendlichen Liebe, der nicht einmal die Sünde Einhalt gebieten kann, und dank ihm wird das Herz des Menschen mit Freude und Trost erfüllt.

Der tröstliche Traum von einer Rückkehr in die Heimat setzt sich in den Worten des Propheten fort. Dieser wendet sich folgendermaßen an die nach Jerusalem Zurückkehrenden:

„Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe,
sie strahlen vor Freude über die Gaben des Herrn,
über Korn, Wein und Öl,
über Lämmer und Rinder.
Sie werden wie ein bewässerter Garten sein
Und nie mehr verschmachten“ (31,12).

Mit Freude und Dankbarkeit kehren die im Exil lebenden Israeliten nach Zion zurück. Den heiligen Berg besteigend, nähern sie sich dem Haus Gottes und können so erneut Hymnen und Gebete zum Herrn erheben, der sie befreit hat. Diese Rückkehr nach Jerusalem und zu seinen Gütern wird mit einem Verb beschrieben, dessen wörtliche Bedeutung „zuströmen, fließen“ ist. In einer paradoxen Bewegung wird das Volk als Hochwasser führender Strom bezeichnet, der auf die Anhöhe von Zion zufließt – Ein kühnes Bild für die Beschreibung der Größe der Dankbarkeit des Herrn!

Das Land, welches das Volk verlassen musste, war Feinden zum Opfer gefallen und wüst geworden. Nun wird es jedoch wieder lebendig und gelangt erneut zur Blüte. Die im Exil Lebenden selbst werden zu einem bewässerten Garten, wie ein fruchtbarer Boden. Israel, das von seinem Herrn in die Heimat zurückgeführt wurde, erlebt den Sieg des Lebens über den Tod und des Segens über die Verfluchung.

Auf diese Weise wird das Volk von Gott gestärkt und getröstet. Dieses Wort ist wichtig: getröstet! Die Heimgekommenen empfangen das Leben aus einer Quelle, die sie unentgeltlich mit Wasser versorgt.

An dieser Stelle kündigt der Prophet die Fülle der Freude an. Ebenfalls im Namen Gottes verkündet er:

„Ich verwandle ihre Trauer in Jubel,
tröste und erfreue sie nach ihrem Kummer“ (31,13).

Aus dem Psalm erfahren wir, dass bei ihrer Rückkehr in die Heimat ein Lächeln auf ihren Lippen erstrahlte; so groß war ihre Freude! Dieses Geschenk will der Herr einem jeden von uns mit seiner Vergebung machen, die umkehren lässt und versöhnt.

Der Prophet Jeremia hat dies für uns zum Ausdruck gebracht, indem er die Rückkehr der im Exil Lebenden als großes Zeichen des Trostes für das umkehrende Herz beschrieb. Der Herr Jesus hat diese Botschaft des Propheten seinerseits zur Vollendung geführt. Die wahre und radikale Rückkehr aus dem Exil und das tröstliche Licht nach der Dunkelheit der Glaubenskrise verwirklicht sich zu Ostern in der vollkommenen und endgültigen Erfahrung der Liebe Gottes, der barmherzigen Liebe, die Freude, Frieden und das ewige Leben schenkt.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner, Zenit]

 

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