Veröffentlicht am 2016-02-28 In Franziskus - Botschaft

Barmherzigkeit und Einsatz

FRANZISKUS IN ROM – HEILIGES JAHR DER BARMHERZIGKEIT •

In der Jubiläumsaudienz im Februar erinnerte Papst Franziskus daran, dass „die Kirche uns  (in der Fastenzeit) ein (lädt), Jesus, den Herrn, immer besser kennenzulernen und den Glauben konsequent zu leben, mit einem Lebensstil, der die Barmherzigkeit des Vaters zum Ausdruck bringt. Wir sind aufgerufen, diesen Einsatz anzunehmen, um allen, denen wir begegnen, das konkrete Zeichen der Nähe Gottes anzubieten. “

Vollständiger Text der Ansprache von Papst Franziskus bei der Jubiläumsaudienz am 20. Februar 2016

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Jubiläum der Barmherzigkeit ist eine gute Gelegenheit, tief in das Geheimnis der Güte und der Liebe Gottes einzutreten. In dieser Fastenzeit lädt die Kirche uns ein, Jesus, den Herrn, immer besser kennenzulernen und den Glauben konsequent zu leben, mit einem Lebensstil, der die Barmherzigkeit des Vaters zum Ausdruck bringt.

Wir sind aufgerufen, diesen Einsatz anzunehmen, um allen, denen wir begegnen, das konkrete Zeichen der Nähe Gottes anzubieten. Mein Leben, meine Haltung, die Lebensweise muss ein konkretes Zeichen für die Tatsache sein, dass Gott uns nahe ist: kleine Gesten der Liebe, der Zärtlichkeit, der Fürsorge, die erkennen lassen, dass der Herr bei uns ist, dass er uns nahe ist. Und so öffnet sich die Pforte der Barmherzigkeit.

Heute möchte ich kurz mit euch über das Thema des Wortes nachdenken, das ich genannt habe: das Thema des Einsatzes. Was ist ein Einsatz? Und was bedeutet es, sich einzusetzen? Wenn ich eine Aufgabe übernehme, dann heißt das, dass ich eine Verantwortung übernehme, eine Pflicht gegenüber jemandem; und es bedeutet auch den Stil, die Haltung der Treue und der Hingabe, der besonderen Aufmerksamkeit, mit der ich diese Pflicht erfülle. Jeden Tag sind wir aufgefordert, uns einzusetzen in den Dingen, die wir tun: im Gebet, in der Arbeit, im Studium, aber auch im Sport, in den Freizeitaktivitäten… Sich einzusetzen heißt also, unseren guten Willen und unsere Kräfte zu verwenden, um das Leben zu verbessern.

Auch Gott hat sich für uns eingesetzt. Sein erster Einsatz bestand darin, die Welt zu erschaffen. Und trotz der Anschläge, die wir unternehmen, um sie zu zerstören – und es sind viele –, setzt er sich dafür ein, sie lebendig zu erhalten. Sein größter Einsatz war es jedoch, uns Jesus zu schenken. Das ist Gottes großer Einsatz! Ja, Jesus ist der äußerste Einsatz, den Gott für uns auf sich genommen hat. Das ruft auch der heilige Paulus in Erinnerung, wenn er schreibt: Gott »hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben« (Röm 8,32). Und kraft dieser Tatsache wird der Vater uns zusammen mit Jesus alles geben, was wir brauchen.

Und wie ist dieser Einsatz Gottes für uns offenbar geworden? Das lässt sich ganz einfach im Evangelium erkennen. In Jesus hat Gott sich in ganzer Fülle dafür eingesetzt, den Armen und jenen, die ihrer Würde beraubt waren, den Fremden, den Kranken, den Gefangenen und den Sündern, die er gütig aufnahm, wieder Hoffnung zu schenken. In all dem war Jesus der lebendige Ausdruck der Barmherzigkeit des Vaters. Und ich möchte darauf hinweisen: Jesus nahm die Sünder gütig an. Wenn wir auf menschliche Weise denken, wäre der Sünder ein Feind Jesu, ein Feind Gottes, aber er hat sich ihnen mit Güte genähert, er hat sie geliebt und ihr Herz verwandelt. Wir sind alle Sünder: alle! Wir alle haben irgendeine Schuld vor Gott. Wir dürfen jedoch nicht misstrauisch sein: Er nähert sich, um uns Trost, Barmherzigkeit, Vergebung zu schenken. Das ist Gottes Einsatz, und dafür hat er Jesus gesandt: um sich uns zu nähern, uns allen, und die Pforte seiner Liebe, seines Herzens, seiner Barmherzigkeit zu öffnen. Und das ist sehr schön. Sehr schön!

Ausgehend von der barmherzigen Liebe, mit der Jesus Gottes Einsatz zum Ausdruck gebracht hat, können und müssen auch wir seiner Liebe durch unseren Einsatz entsprechen. Und das vor allem in den Situationen, in denen er am nötigsten ist, wo das Verlangen nach Hoffnung am größten ist. Ich denke – zum Beispiel – an unseren Einsatz für die verlassenen Menschen, für die Schwerbehinderten, für die Schwerkranken, für die Sterbenden, für jene, die nicht in der Lage sind, Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen…

In all diese Wirklichkeiten bringen wir die Barmherzigkeit Gottes durch einen Lebenseinsatz, der Zeugnis unseres Glaubens an Christus ist. Wir müssen diese Liebkosung Gottes immer bringen – denn Gott hat uns durch seine Barmherzigkeit liebkost –, müssen sie den anderen bringen, den Notleidenden, denen, die im Herzen Leid tragen oder traurig sind: ihnen nahe sein mit jener Liebkosung Gottes – derselben, die er uns geschenkt hat.

Möge dieses Jubiläumsjahr unserem Verstand und unserem Herzen helfen, den Einsatz Gottes für einen jeden von uns persönlich zu spüren, und dadurch unser Leben in einen Einsatz der Barmherzigkeit gegenüber allen verwandeln.

(Übersetzung: Osservatore Romano, Orig. ital. in O.R. 21.2.2016)

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