Veröffentlicht am 2016-01-08 In Franziskus - Botschaft

Er will in unseren Armen liegen, er will behütet sein und seinen Blick in unsere Augen versenken können.

FRANZISKUS IN ROM – HEILIGES JAHR DER BARMHERZIGKEIT •

Am Morgen des 30. Dezember widmete Papst Franziskus die letzte Audienz des Jahres der Verehrung des Jesuskindes, die in der Weihnachtszeit so zentral ist. Eine Tradition, die, so erklärte er, auf den heiligen Franz von Assisi zurückgehe, eine Tradition, die „in unseren Herzen das Geheimnis lebendig hält, dass Gott Mensch geworden ist.“

Er erwähnte auch Theresia vom Kinde Jesu: „Sie, die wir heute zu den Kirchenlehrern zählen, hat mit ihrem Leben jene „geistige Kindheit“ bezeugt, die man sich nur aneignet, indem man an der Schule der Jungfrau Maria über die Demut Gottes nachdenkt, der sich für uns klein gemacht hat.“

Eindringlich rief er am Schluss der Audienz auf zum Gebet für die Opfer der Überschwemmungen in den USA, Großbritannien und Südamerika, besonders Paraguay, die Tote, massenhafte Evakuierungen und riesige Schäden verursacht hätten.

Der Papst betete um Trost für die betroffenen Menschen und um brüderliche Solidarität, die ihnen zu Hilfe kommen möge.

Text der Katechese des Heiligen Vaters bei der Generalaudienz am 30. Dezember 2015

Weihnachten im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In diesen weihnachtlichen Tagen wird uns das Jesuskind vor Augen geführt. Ich bin mir sicher, dass immer noch unzählige Familien zuhause eine Krippe aufgebaut haben. Damit setzen sie eine uralte Tradition fort, die auf den heiligen Franz von Assisi zurückgeht und in unseren Herzen das Geheimnis wachhält, dass Gott Mensch geworden ist.

Die Verehrung des Jesuskindes ist sehr verbreitet. Zahlreiche Heilige haben sie in ihren täglichen Gebeten gepflegt und versucht, ihr Leben an dem des Jesuskindes auszurichten. Ich denke dabei ganz besonders an die heilige Therese von Lisieux, die als Karmelitin den Namen Therese vom Kinde Jesu und vom Heiligen Antlitz trug. Sie, die wir heute zu den Kirchenlehrern zählen, hat mit ihrem Leben jene „geistige Kindheit“ bezeugt, die man sich nur aneignet, indem man an der Schule der Jungfrau Maria über die Demut Gottes nachdenkt, der sich für uns klein gemacht hat. Und das ist ein großes Geheimnis: Gott ist demütig! Wir sind so stolz und hochmütig, bilden uns ein, so groß zu sein, und sind doch nichts! Und er, der Große, ist demütig und macht sich zum Kind. Das ist ein echtes Geheimnis! Gott ist demütig. Wie schön!

Es hat eine Zeit gegeben, als Gott, in der gottmenschlichen Person Christi, ein Kind gewesen ist, und das muss eine besondere Bedeutung für unseren Glauben haben. Es stimmt zwar, dass sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung der höchste Ausdruck seiner erlösenden Liebe sind, aber wir dürfen nicht vergessen, dass sein ganzes irdisches Leben zur Offenbarung gehört und uns belehrt. In der Weihnachtszeit gedenken wir seiner Kindheit. Um im Glauben zu wachsen, sollten wir auch das Jesuskind öfter betrachten. Es stimmt, wir wissen nichts über diesen Abschnitt seines Lebens. Die wenigen Hinweise, die wir besitzen, beziehen sich auf seine Namensgebung acht Tage nach seiner Geburt und seine Darstellung im Tempel (vgl. Lk 2,21-28); außerdem auf den Besuch der Sterndeuter und die nachfolgende Flucht nach Ägypten (vgl. Mt 2,1-23). Dem schließt sich ein langer Sprung bis zum zwölften Lebensjahr an, als Jesus mit Maria und Josef eine Wallfahrt nach Jerusalem unternimmt und statt zu seinen Eltern zurückzukehren mit den Gelehrten im Tempel verweilt.

Wie man sieht, wissen wir wenig über das Jesuskind; aber wir können viel über ihn lernen, wenn wir das Leben der Kinder betrachten. Es ist eine schöne Angewohnheit der Eltern und Großeltern, dass sie ihren Kindern zuschauen, was sie so tun.

Dabei entdecken wir zunächst, dass Kinder vor allem unsere Aufmerksamkeit wollen. Sie müssen immer im Mittelpunkt stehen. Warum? Etwa weil sie hochmütig sind? Nein! Weil sie sich geschützt wissen wollen. Deshalb müssen auch wir Jesus in die Mitte unseres Lebens stellen und daran denken, so paradox das auch klingen mag, dass wir verantwortlich sind, ihn zu schützen. Er will in unseren Armen liegen, er will behütet sein und seinen Blick in unsere Augen versenken können. Außerdem müssen wir das Jesuskind zum Lächeln bringen und ihm unsere Liebe und unsere Freude darüber beweisen, dass er unter uns ist. Sein Lächeln ist für uns ein Zeichen, das uns die Gewissheit gibt, geliebt zu sein. Schließlich lieben es die Kinder zu spielen. Doch wenn wir mit einem Kind spielen, müssen wir unser Denken aufgeben, um in die Logik des Kindes einzutreten. Wenn wir wollen, dass es Freude am Spiel hat, müssen wir verstehen, was ihm gefällt; wir dürfen ihm nicht auf egoistische Weise ein Spiel aufzwingen, das uns gefällt. Das ist eine Lehre für uns. Vor Jesus müssen wir unsere vorgebliche Autonomie aufgeben – das ist der Kern der Sache: unsere Einbildung, autonom zu sein – um die echte Freiheit anzunehmen, die darin besteht, dass wir verstehen, wer Jesus ist, und ihm dienen. Er, das Kind, ist der Gottessohn, der gekommen ist, um uns zu retten. Er ist unter uns gekommen, um uns das Antlitz des Vaters zu zeigen, der reich ist an Liebe und Erbarmen. Lasst uns daher das Jesuskind in unsere Arme nehmen und ihm dienen: Er ist die Quelle der Liebe und des Friedens. Es wird schön sein, heute nach Hause zu gehen, die Figur des Jesuskindes aus der Krippe zu nehmen und zu sagen: „Jesus, ich will demütig sein wie du; demütig wie Gott.“ Um diese Gnade wollen wir ihn bitten.

[Aufruf des Heiligen Vaters:]

Ich lade euch dazu ein, für die Opfer der Naturkatastrophen zu beten, die in diesen Tagen die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Südamerika getroffen haben, besonders schwer Paraguay, wo es leider zahlreiche Opfer und viele Schäden gegeben hat. Möge der Herr den Betroffenen Trost spenden und möge die Solidarität der Mitmenschen ihnen in ihrer Not zu Hilfe kommen.

(Übersetzung nach Zenit)

 

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