Veröffentlicht am 2016-01-24 In Franziskus - Botschaft

Die Taufe – ein unlösbares Band für alle Christen

FRANZISKUS IN ROM •

Aus Anlass der Gebetswoche für die Einheit der Christen, die  in zahlreichen Ländern wie jedes Jahr vom 18. bis 25. Januar begangen wird, widmete Papst Franziskus die Katechese bei der Generalaudienz am 20. Januar der Einheit der Christen. Franziskus wies darauf hin, dass Katholiken, Protestanten und Orthodoxe ein und dieselbe Taufe empfangen, und das bedeute, dass wir alle Sünder seien, die Erlösung und Befreiung vom Bösen brauchen.

Egoismus als eigentliche Quelle von Spaltung, Verschlossenheit und Geringschätzung

Franziskus betonte, dass wir leider alle die Erfahrung machten, wie Egoismus Spaltung, Verschlossenheit und Geringschätzung bewirke. Zur Taufe als dem, was uns alle eine, zurückzukehren, bedeute, die Quelle der Barmherzigkeit, die Quelle der Hoffnung für alle wiederzuentdecken, denn niemand sei von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen.

Alle, so sagte Franziskus, Katholiken, Orthodoxe und Protestanten seien ein königliches Priestertum und ein heiliges Volk, und das heiße, dass wir eine gemeinsame Mission hätten – die empfangene Barmherzigkeit den anderen weiterzugeben, den Armen und Verlassenen zuerst.

Gebetswoche für die Einheit der Christen – vollständiger Text der Katechese vom 20. Januar 2016

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir haben die biblische Textstelle vernommen, die in diesem Jahr die Besinnung zur Gebetswoche für die Einheit der Christen leitet, vom 18. zum 25. Januar: diese Woche also. Dieser Auszug aus dem ersten Petrusbrief wurde von einer ökumenischen Gruppe aus Lettland ausgesucht, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen und vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen beauftragt worden ist.

In der Mitte des lutherischen Doms von Riga steht ein Taufbecken, das aufs 12. Jahrhundert zurückgeht, als Lettland durch den heiligen Meinhard missioniert wurde. Dieser Stein ist ein ausdrucksvolles Zeichen für das gemeinsame Fundament, das alle Christen in Lettland – Katholiken, Lutheraner und Orthodoxe – für ihren Glauben anerkennen. Dieses Fundament ist die Taufe. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt: „Die Taufe begründet ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind“ (Unitatis redintegratio, 22). Der erste Brief des Apostels Petrus wendet sich an die erste Christengeneration und weist auf die Taufe als Gabe und Auftrag hin. Auch wir sind während dieser Gebetswoche dazu eingeladen, dies alles wiederzuentdecken, und zwar gemeinsam, indem wir unsere Trennungen überwinden.

Die Taufe als gemeinsames Fundament zu besitzen bedeutet zunächst, dass wir alle Sünder sind und des Heils, der Rettung, der Erlösung vom Bösen bedürfen. Das ist der Negativaspekt, den der Erste Petrusbrief mit dem Sinnbild der „Finsternis“ umschreibt: „[Gott hat] euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen“ (1 Petr 2,9). Es ist die Erfahrung des Todes, die Christus sich angeeignet hat und die in der Taufe durch das Eintauchen in Wasser dargestellt wird, auf das das Wiederauftauchen folgt, das Sinnbild der Auferstehung zu einem neuen Leben in Christus. Wenn wir Christen von der einen Taufe sprechen, bekennen wir, dass wir alle, Katholiken, Protestanten und Orthodoxe, aus der herzlosen und blind machenden Finsternis heraus zur Begegnung mit dem lebendigen Gott gerufen sind, der voller Barmherzigkeit ist. Wir alle machen leider die Erfahrung des Egoismus, der Trennung, Härte und Verachtung hervorruft. Die Rückbesinnung auf unsere Taufe bedeutet, dass wir die Quelle der Barmherzigkeit wiederfinden, den Ursprung unserer gemeinsamen Hoffnung, denn niemand bleibt von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen.

Die Teilhabe an dieser Gnade bildet ein unlösbares Band für alle Christen: Dank der Taufe können wir uns alle als wirkliche Brüder und Schwestern betrachten. Wir sind wahrhaftig das heilige Volk Gottes, auch wenn wir aufgrund unserer Sünden noch nicht völlig geeint sind. Gottes Barmherzigkeit, die in der Taufe wirkt, ist stärker als unsere Spaltungen. In dem Maße, wie wir die Gnade der Barmherzigkeit annehmen, werden wir immer mehr Volk Gottes und werden auch fähig, allen Menschen seine wunderbaren Werke zu verkünden, gerade indem wir von einem einfachen und brüderlichen Zeugnis der Einheit ausgehen. Wir Christen können allen Menschen die Kraft des Evangeliums verkünden, indem wir uns Mühe geben, die Werke der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit gemeinsam zu vollbringen. Das ist ein konkretes Zeugnis der Einheit aller Christen: Protestanten, Orthodoxe und Katholiken.

Zusammenfassend, liebe Brüder und Schwestern, haben wir Christen, alle Christen, durch die Gnade der Taufe die Barmherzigkeit Gottes empfangen und sind in seinem Volk aufgenommen worden. Alle, Katholiken, Orthodoxe und Protestanten, bilden wir ein königliches Priestertum und ein heiliges Volk. Das bedeutet, dass wir eine gemeinsame Mission haben: Die Barmherzigkeit, die wir empfangen haben, an andere weiterzugeben, angefangen bei den Ärmsten und Verlassensten. In dieser Gebetswoche wollen wir dafür beten, dass wir Jünger Christi alle den Weg finden, um zusammenzuarbeiten und die Barmherzigkeit des Vaters in die ganze Welt hinauszutragen.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer, Zenit]

 

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