Veröffentlicht am 2016-01-10 In Franziskus - Botschaft

Die Hirten und die Könige, die Einfachen und die Weisen

FRANZISKUS IN ROM •

Erscheinung des Herrn, „Weihnachten im Herausgehen“.

Franziskus erinnert daran, dass Jesus Christus sich in der Heiligen Nacht den Hirten geoffenbart hat, den ersten, die ihm etwas Wärme, menschliche Wärme, in den kalten Stall von Bethlehem brachten. Danach kamen die Magier aus fernen Ländern, auch sie geheimnisvoll angezogen von jenem Kind; und er fügte an, auch wenn die Hirten und die Weisen sehr verschieden seien, so seien sie verbunden durch den Himmel, denn sie alle hätten ihre Augen zum Himmel gerichtet, ein Zeichen gesehen, eine Botschaft gehört und seien Zeichen und Botschaft gefolgt.

Ein Josef Kentenich hat oft – vielleicht zum Kummer all derer, die das eine nicht sein wollen und das andere nicht sind – betont, dass es die Hirten und die Weisen sind, die Jesus finden und verstehen. Die ganz Einfachen und die ganz Weisen. Und dass es auch diese, genau diese sind, die das Schönstattgeheimnis verstehen. Die Einfachen und die Weisen; die, die in Demut kommen und mit Mut herausgehen

Text der Botschaft von Papst Franziskus beim Angelus am 6. Januar 2015, Hochfest der Erscheinung des Herrn:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im heutigen Evangelium verleiht die Erzählung von den Sterndeutern, die aus dem Orient nach Betlehem gereist sind, um den Messias zu verehren, dem Fest der Erscheinung des Herrn einen universalen Charakter. Die Kirche wünscht sich, dass alle Völker der Erde Jesus begegnen mögen, um seine barmherzige Liebe zu erfahren. Das ist der Wunsch der Kirche: dass sie die Barmherzigkeit Jesu, seine Liebe finden.

Christus ist eben erst zur Welt gekommen; er ist ein Kleinkind, das noch nicht sprechen kann, und doch können die Sterndeuter – stellvertretend für alle Völker der Welt – ihm schon begegnen, ihn erkennen und anbeten. Die Sterndeuter sagen: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Mt 2,2). Das ist das Erste, was Herodes von ihnen hörte, als sie nach Jerusalem kamen. Diese Sterndeuter waren bedeutende Männer, die aus fernen Ländern und fremden Kulturen gekommen waren und den langen Weg bis ins Land Israel auf sich genommen hatten, um den neuen König zu verehren, der geboren war. Seit jeher sieht die Kirche in ihnen das Sinnbild der ganzen Menschheit; mit dem heutigen Fest, dem Hochfest Epiphanias, möchte sie gewissermaßen respektvoll jeden einzelnen Menschen der Welt auf dieses Kind aufmerksam machen, das für das Heil aller geboren wurde.

In der Nacht seiner Geburt hat sich Jesus den Hirten offenbart, einfachen und verachteten Menschen – manche sagen, sie hätten damals kaum mehr als Straßenräuber gegolten. Sie sind die ersten, die etwas menschliche Wärme in jenen kalten Stall zu Bethlehem gebracht haben. Jetzt kommen die Sterndeuter aus fernen Ländern; auch sie fühlen sich auf rätselhafte Weise zu diesem Kind hingezogen. Die Hirten und die Sterndeuter sind voneinander sehr verschieden; aber sie haben eine Gemeinsamkeit: den Himmel. Die Hirten von Bethlehem eilten sofort zu Jesus, aber nicht etwa, weil sie besonders gute Menschen gewesen wären, sondern weil sie mitten in der Nacht wach waren und zum Himmel blickten, wo sie ein Zeichen erblickten, eine Botschaft hörten und ihr folgten. So auch die Sterndeuter: Sie erforschten den Himmel, erblickten einen neuen Stern, deuteten das Zeichen und machten sich auf die lange Reise. Die Hirten und die Weisen aus dem Orient lehren uns, dass man den Blick zum Himmel erheben muss, wenn man Jesus begegnen will. Man darf nicht in sich selbst verschlossen bleiben, im eigenen Egoismus, sondern man muss das Herz und den Verstand für den Horizont Gottes öffnen. Gott überrascht uns immer. Man muss es verstehen, seine Botschaften aufzunehmen und mit Bereitschaft und Großzügigkeit zu beantworten.

Als die Sterndeuter den Stern sahen, sagt das Evangelium, „wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Mt 2,10). Auch für uns hält dieser Stern einen großen Trost bereit, denn er lässt uns spüren, dass wir geleitet werden und nicht hilflos unserem Schicksal ausgeliefert sind. Es ist der Stern des Evangeliums, das Wort Gottes, von dem der Psalm sagt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (119,105). Dieses Licht führt uns zu Christus. Ohne auf das Evangelium zu hören, kann man ihm nicht begegnen. Die Weisen aus dem Orient fanden ihn nur deshalb, weil sie dem Stern folgten! So sahen sie „das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm“ (Mt 2,11). Das Beispiel der Sterndeuter fordert uns auf, uns nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden zu geben, nicht in den Tag hineinzuleben, sondern nach dem Sinn der Dinge zu suchen, mit Leidenschaft das große Mysterium des Lebens zu betrachten. Und es lehrt uns, keinen Anstoß zu nehmen an Armut und Einfachheit, sondern das Große in der Demut zu erkennen und vor ihr niederzuknien.

Die Jungfrau Maria, die die Sterndeuter in Bethlehem empfing, helfe auch uns, dass wir lernen, unseren Blick von uns selbst abzuwenden und uns vom Stern des Evangeliums leiten zu lassen, um Jesus zu begegnen; sie lehre uns die Kunst, uns zu erniedrigen, um ihm zu huldigen. So werden auch wir den anderen einen Strahl seines Lichts bringen und die Freude unserer Reise mit ihnen teilen können.

(Übersetzung nach Zenit)

 

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