Veröffentlicht am 2016-01-15 In Franziskus - Botschaft

Die Barmherzigkeit Gottes in der Heiligen Schrift

FRANZISKUS IN ROM – HEILIGES JAHR DER BARMHERZIGKEIT •

Am Mittwoch, 13. Januar, fand die Generalaudienz in der Audienzhalle Paul VI. statt; dabei eröffnete Papst Franziskus eine Katechesenreihe über die Barmherzigkeit Gottes in der Heiligen Schrift, wobei er den Satz aus dem Buch Exodus als Grundlage wählte: „Ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6).

Für Schönstätter bleibt immer nur wieder neu ein staunendes Betrachten des Zusammentreffens von 50 Jahren „Barmherzigkeitsbrief“ Pater Kentenichs zu Weihnachten 1965 (13. 12. 1965) und des Bündnisses mit dem Vatergott, dem barmherzigen Vater (30. 10. 1966). Zufälle? Gaben, die zu Aufgaben werden? Ein Ruf, tiefer zu verstehen, was im Geiste Kentenichs , im Geiste von Franziskus, im Geist Jesu Barmherzigkeit ist (und was nicht)? Ein Ruf, dieses „Schönstatt im Herausgehen“ aus dem Schlüssel der Werke der Barmherzigkeit zu verstehen?

Am Schluss der Katechese bat der Heilige Vater um Gebet für die Opfer des Attentates, das am Tag zuvor in Istanbul so viele Todesopfer gefordert hatte. „Möge der Herr, der Barmherzige, den Toten ewigen Frieden, den Angehörigen Trost, der ganzen Gesellschaft starke Unterstützung und Bekehrung den Herzen der Gewalttätigen schenken.“

Vollständiger Text der Katechese von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 13. Januar 2016:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute beginnen wir mit den Katechesen über die Barmherzigkeit in der Heiligen Schrift, damit wir über die Barmherzigkeit das lernen, was Gott selbst uns durch sein Wort über sie lehrt. Wir wollen beim Alten Testament beginnen, das uns auf die vollständige Offenbarung durch Jesus Christus vorbereitet und zu ihm hinführt. In ihm zeigt sich die Barmherzigkeit des Vaters in all ihrer Vollkommenheit.

In der Heiligen Schrift tritt uns der Herr als der „barmherzige Gott“ entgegen. Das ist sein Name, mittels dessen er uns sozusagen sein Gesicht und sein Herz offenbart. Wie das Buch Exodus berichtet, bezeichnete er sich selbst so, als er sich Mose offenbarte: „Ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6). Diese Formel finden wir mit kleinen Abänderungen auch in anderen Texten wieder; doch liegt die Betonung immer auf der Barmherzigkeit und Liebe Gottes, der nie müde wird, zu vergeben (vgl. Gen 4,2; Joel 2,13; Ps 86,15; 103,8; 145,8; Neh 9,17). Wir wollen uns diese Worte der Heiligen Schrift, die zu uns über Gott sprechen, einmal etwas näher ansehen.

Der Herr ist „barmherzig“: Dieses Wort beinhaltet, dass Gott gegenüber seinen Kindern zärtlich ist wie eine Mutter. Tatsächlich ist das Wort, das im hebräischen Urtext verwendet wird, inhaltlich mit dem Mutterschoß verbunden. Das Bild, das dieses Wort heraufbeschwört, ist daher das eines Gottes, der uns gegenüber zärtlich gerührt ist, wie eine Mutter, wenn sie ihr Kind in die Arme schließt und nichts anderes wünscht, als es zu lieben, zu behüten, ihm zu helfen und bereit ist, alles für ihr Kind zu geben, selbst ihr eigenes Leben. Das ist das Bild, das uns dieses Wort suggeriert. Eine tiefe, aus dem Innersten kommende Liebe.

Außerdem steht geschrieben, dass Gott „gnädig“ ist. Das bedeutet, dass er Gnaden erweist, mitleidig ist und in seiner Größe den Schwachen und Armen aufnimmt; stets bereit, ihn zu verstehen und ihm zu verzeihen. Er ist wie der Vater in dem Gleichnis, das wir bei Lukas finden (vgl. Lk 15,11-32): ein Vater, der nicht nachtragend ist, weil sein jüngerer Sohn ihn verlassen hat, sondern ganz im Gegenteil nie aufhört, auf ihn zu warten – schließlich hat er ihn gezeugt – und ihm endlich entgegeneilt und ihn umarmt, ihm nicht einmal Zeit lässt, sein Geständnis fertig zu sprechen – fast legt er ihm eine Hand auf den Mund – so groß ist seine Liebe und seine Freude darüber, ihn wiedergefunden zu haben. Dann ruft er auch seinen älteren Sohn herbei, der gekränkt ist und nicht feiern will; der Sohn, der immer zuhause geblieben ist und mehr wie ein Diener als wie ein Sohn gelebt hat; und auch zu ihm beugt der Vater sich herab und lädt ihn ein, versucht sein Herz für die Liebe zu öffnen, damit niemand vom Fest der Barmherzigkeit ausgeschlossen bleibt. Die Barmherzigkeit ist ein Fest!

Von diesem barmherzigen Gott wird auch gesagt, dass er „langmütig“, wörtlich „mit einem langen Atem“ ist; d.h., dass er die Fähigkeit besitzt, zu warten und zu ertragen. Gott kann warten; seine Zeiten sind nicht wie die der Menschen. Wie ein kluger Gärtner weiß er abzuwarten, lässt der guten Saat Zeit, um trotz des Unkrauts zu wachsen (vgl. Mt 13,24-30).

Und schließlich erklärt Gott, er sei „reich an Huld und Treue“. Wie schön ist diese Beschreibung Gottes! Sie beinhaltet alles. Denn Gott ist groß und mächtig, aber diese Größe und Macht offenbart sich in seiner Liebe zu uns, die wir so klein und ohnmächtig sind. Das Wort „Liebe“ bezeichnet hier die Zuneigung, die Gnade, die Güte. Das alles hat nichts mit der Liebe der Seifenopern zu tun! Es ist die Liebe, die den ersten Schritt macht, die nicht von den Verdiensten der Menschen abhängt, sondern ein reines Geschenk ist. Nichts kann diese treue Sorge Gottes für seine Kinder aufhalten, nicht einmal die Sünde, denn seine Liebe kann die Sünde überwinden, das Böse besiegen und vergeben.

Eine „Treue“ ohne Grenzen: Damit sind wir beim letzten Wort der Offenbarung Gottes an Mose. Die Treue Gottes kommt nie ins Wanken, denn der Herr ist der Hüter der, wie es im Psalm heißt, nie einschläft, sondern beständig über uns wacht, um uns ins Leben zurückzuführen:

„Er lässt deinen Fuß nicht wanken;
er, der dich behütet, schläft nicht.
Nein, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht.

[…]

Der Herr behüte dich vor allem Bösen,
er behüte dein Leben.
Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst,
von nun an bis in Ewigkeit“ (Ps 121,3-4.7-8).

Dieser barmherzige Gott ist treu in seiner Barmherzigkeit. Dazu sagt Paulus etwas sehr Schönes: Auch wenn du ihm nicht treu bleibst wird er treu bleiben, weil er sich selbst nicht verleugnen kann. Diese Treue in der Barmherzigkeit gehört zum Wesen Gottes. Deshalb kann man sich auf Gott immer und völlig verlassen. Seine Gegenwart ist solide und stabil. Das ist die Gewissheit unseres Glaubens. Deshalb wollen wir uns in diesem Jubiläum der Barmherzigkeit ihm ganz anvertrauen und die Freude erleben, von diesem Gott geliebt zu werden, der „barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue“ ist.

(Übersetzung nach Zenit).

 

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