Veröffentlicht am 1. Dezember 2015 In Franziskus - Botschaft

Papst Franziskus: Wir sind aufgerufen, das Zeugnis der Märtyrer fortzusetzen

PAPST FRANZISKUS IN AFRIKA, von Sarah-Leah Pimentel •

Am Samstag, dem 28. November, besuchte Papst Franziskus das Heiligtum, das den anglikanischen und katholischen Märtyrern – Joseph Mkasa, Charles Lwanga und ihren Gefährten geweiht ist –, die ihr König Ende des 19. Jahrhunderts bei lebendigem Leib verbrennen ließ, weil sie ihren Glauben verkündigt hatten.

Während der heiligen Messe, die im Heiligtum zum Gedenken des 50. Jahrestages ihrer Heiligsprechung stattfand, sagte Papst Franziskus, die Märtyrer hätten „die Gabe des Heiligen Geistes in ihrem Leben gepflegt und in Freiheit Zeugnis gegeben von ihrem Glauben an Jesus Christus, auch um den Preis ihres Lebens“.

Aufgerufen, die Gabe des Heiligen Geistes zu teilen

Der Papst fügte hinzu, dass auch wir die Gabe des Heiligen Geistes empfangen hätten und aufgerufen seien, sie mit anderen zu teilen um „einander aufzubauen in Glaube, Hoffnung und Liebe“. Wenn wir „täglich die Gabe des Heiligen Geistes anfachen, der in unserem Herzen wohnt“, dann würden wir auch Missionare der Liebe Christi werden bei unseren Freunden und in der Familie und sogar unter denen, „die wir nicht kennen, besonders jenen, die uns gegenüber unfreundlich oder sogar feindlich sind“.

„Weltliche Vergnügungen und irdische Macht bringen keine dauerhafte Freude oder Frieden“

Franziskus richtete auch eine Botschaft an die herrschende Elite des Landes und an die Oppositionsführer, die an der Messe teilnahmen, und sagte, dass „die weltlichen Vergnügungen und irdische Macht keine dauerhafte Freude oder Frieden bringen“. Stattdessen rief er allen Anwesenden zu, dass „Treue zu Gott, Ehrlichkeit und Integrität des Lebens, und echte Sorge um das Wohl der anderen uns den Frieden bringt, den die Welt nicht geben kann“.

Jedoch betonte der Papst, das solle nicht bedeuten, dass wir nur auf das ewige Leben schauen und unseren irdischen Weg missachteten. Stattdessen solle unsere Hoffnung auf die kommende Welt „unserem Leben in dieser Welt ein Ziel geben“, indem sie uns helfe, „uns auszustrecken bis zu den Bedürftigen, mit anderen für das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten und eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen, die die Menschenwürde fördert, Gottes Geschenk des Lebens verteidigt und die Wunder der Natur, seine Schöpfung und unser gemeinsames Haus schützt“.

Er schloss mit den Worten, die Märtyrer sollten nicht in einem Museum vergessen werden, sondern wir sollten sie ehren, indem wir aufbauen „auf ihrem Zeugnis für Christus in unseren Häusern und Stadtvierteln, an unseren Arbeitsplätzen und in der bürgerlichen Gesellschaft, ob wir unsere Häuser nie verlassen, oder ob wir in die entferntesten Winkel der Welt gehen“.

 

Vollständiger Text der Predigt von Papst Franziskus während der Messe

Heiligtum der katholischen Märtyrer Ugandas, Namugongo (Uganda)
Samstag, 28. November 2015

»Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8).

Von apostolischer Zeit an bis in unsere Tage ist eine große Anzahl von Zeugen aufgetreten, um Jesus zu verkünden und die Macht des Heiligen Geistes zu offenbaren. Heute gedenken wir voller Dankbarkeit des Opfers der ugandischen Märtyrer, deren Zeugnis der Liebe zu Christus und seiner Kirche zu Recht „bis an die äußersten Grenzen der Erde“ gelangt ist. Wir gedenken auch der anglikanischen Märtyrer, deren Tod für Christus die Ökumene des Blutes bezeugt. Alle diese Zeugen haben die Gabe des Heiligen Geistes in ihrem Leben gepflegt und freimütig ihren Glauben an Jesus Christus bekannt, sogar um den Preis ihres Lebens, und viele in noch jungen Jahren.

Auch wir haben die Gabe des Geistes empfangen, um Söhne und Töchter Gottes zu werden, aber auch um Zeugnis für Jesus zu geben und ihn an allen Orten bekannt zu machen und die Liebe zu ihm zu wecken. Wir haben den Geist empfangen, als wir in der Taufe wiedergeboren wurden und als wir in der Firmung mit seinen Gaben gestärkt wurden. Jeden Tag sind wir aufgefordert, die Gegenwart des Heiligen Geistes in unserem Leben zu vertiefen, das Geschenk seiner göttlichen Liebe „neu zu beleben“, so dass wir selbst zum Quell der Weisheit und Kraft für die anderen werden.

Die Gabe des Heiligen Geistes ist ein Geschenk, das uns gegeben ist, damit wir es mit anderen teilen. Es verbindet uns miteinander als Gläubige und lebendige Glieder des mystischen Leibes Christi. Wir empfangen das Geschenk des Geistes nicht nur für uns selbst, sondern um uns gegenseitig im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe aufzubauen. Ich denke an die heiligen Joseph Mkasa und Charles Lwanga: Nachdem sie von den anderen im Glauben unterwiesen worden waren, wollten sie die empfangene Gabe weitergeben. Sie taten dies in gefährlichen Zeiten. Nicht allein ihr Leben war bedroht, sondern auch das der jüngeren Menschen, die ihrer Fürsorge anvertraut waren. Da sie ihren Glauben entfaltet und ihre Liebe zu Gott verstärkt hatten, hatten sie keine Furcht, Christus zu den anderen zu bringen, nicht einmal um den Preis ihres Lebens. Ihr Glaube wurde Zeugnis. Heute, da sie als Märtyrer verehrt werden, inspiriert ihr Beispiel weiterhin viele Menschen in der Welt. Sie fahren fort, Jesus Christus und die Kraft seines Kreuzes zu verkünden.

Wenn wir wie die Märtyrer täglich das Geschenk des Geistes, der in unseren Herzen wohnt, neu beleben, dann werden wir gewiss jene missionarischen Jünger, die zu sein Christus uns ruft. Für unsere Familien und unsere Freunde ganz sicher, aber auch für diejenigen, die wir nicht kennen, besonders für jene, die uns vielleicht nicht wohlgesonnen und uns gegenüber sogar feindlich eingestellt sind. Diese Öffnung auf die anderen hin beginnt in der Familie, in unseren Häusern, wo man die Nächstenliebe und die Vergebung lernt und wo wir in der Liebe unserer Eltern die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes kennen lernen. Diese drückt sich auch in der Fürsorge für die Alten und die Armen, die Witwen und die Waisen aus.

Das Zeugnis der Märtyrer zeigt allen, die – damals wie heute – ihre Geschichte gehört haben, dass die weltlichen Vergnügen und die irdische Macht keine dauerhafte Freude und keinen anhaltenden Frieden schenken. Vielmehr bringen die Treue zu Gott, die Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit des Lebens und die echte Besorgtheit um das Wohl der anderen uns jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Das schmälert nicht unsere Sorge für diese Welt, als schauten wir nur auf das zukünftige Leben. Im Gegenteil, es gibt dem Leben in dieser Welt eine Bestimmung und hilft uns, die Bedürftigen zu erreichen, mit den anderen für das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten und eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen, welche die Menschenwürde fördert und niemanden ausschließt, eine Gesellschaft, die das Leben verteidigt, das ja ein Geschenk Gottes ist, und die Wunder der Natur, die Schöpfung, unser gemeinsames Haus schützt.

Liebe Brüder und Schwestern, dies ist das Erbe, das ihr von den ugandischen Märtyrern erhalten habt: Leben, die von der Stärke des Heiligen Geistes gekennzeichnet sind, Leben, die auch jetzt die verwandelnde Kraft des Evangeliums Jesu Christi bezeugen. Man eignet sich dieses Erbe nicht mit einer Gedenkfeier aus bestimmtem Anlass an oder indem man es in einem Museum aufbewahrt, als sei es ein kostbares Juwel. Wir ehren dieses Erbe wie überhaupt alle Heiligen wirklich, wenn wir vielmehr ihr Zeugnis für Christus in unsere Häuser und zu unseren Nachbarn, an die Arbeitsplätze und in die Zivilgesellschaft tragen, ob wir nun in unseren Häusern bleiben oder uns in die fernsten Winkel der Welt begeben.

Mögen die ugandischen Märtyrer gemeinsam mit Maria, der Mutter der Kirche, Fürsprache für uns einlegen, und möge der Heilige Geist in uns das Feuer der göttlichen Liebe entzünden!

Omukama Abawe Omukisa!    (Gott segne euch!)

Quelle: www.vatican.va

Fotos aus verschiedenen Twitter Accounts:  #PopeinUganda

Original: Englisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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