Veröffentlicht am 2015-10-08 In Franziskus - Botschaft

Die Synode – Raum des Heiligen Geistes

BISCHOFSSYNODE ÜBER DIE FAMILIE, Redaktion schoenstatt.org •

Kirche im Bündnis, Kirche im Dialog, Kirche im Hören auf die Stimme des Heiligen Geistes, der sich in den Stimmen der Synodenteilnehmer und des heiligen Gottesvolkes äußert, in den Stimmen der Zeit, in den Stimmen heiliger Familien, froher Familien, durch ihr Leben evangelisierenden Familien, verletzten Familien, leidenden Familien, kaputten Familien, angegriffenen Familien. Kirche ohne Angst vor der Berührung mit der Wirklichkeit.

In seiner Ansprache zu Beginn der Bischofssynode kehrte Franziskus zurück zum Grundthema seiner Wortmeldungen im vergangenen Jahr: ehrfürchtiges Zuhören, mutiges Reden, Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist.

„Mir fällt es schrecklich schwer, einem konkreten Mitmenschen geduldig zuzuhören, der immer nur jammert“, sagt eine Schönstätterin. „Diesem Menschen einmal am Tag zuzuhören, ohne ihn zu unterbrechen, ist mein Beitrag zur Synode, im solidarischen Bündnis mit Papst Franziskus.“

 

Text der Ansprache von Papst Franziskus bei der ersten Generalversammlung der Bischofssynode (eigene Übersetzung)

Liebe

Heiligkeiten, Eminenzen, Exzellenzen, Brüder und Schwestern!

Die Kirche nimmt heute den Dialog wieder auf, den sie mit der Einberufung der Außerordentlichen Bischofssynode über die Familie begonnen hat, und sicherlich bereits viel früher, um gemeinsam den Text des Instrumentum Laboris, das aus der Relatio Synodi und den Antworten der Bischofskonferenzen und berechtigten Institutionen ausgearbeitet wurde.

Die Synode ist, wie wir wissen, ein gemeinsames Unterwegssein im Geist der Kollegialität und Synodalität, bei dem wir mutig Parrhesia, pastoralen und doktrinären Eifer, Weisheit und Freimut anwenden und dabei immer das Wohl der Kirche, der Familie und das oberste Gesetz, la Salus animarum, vor Auge haben sollen.

Ich möchte daran erinnern, dass die Synode kein Kongress ist, kein Sprechzimmer, kein Parlament oder Senat, wo man sich ins Einvernehmen setzt. Nein, die Synode ist ein kirchlicher Ausdruck, das heißt, die Kirche, die miteinander unterwegs ist, um die Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens und dem Herzen Gottes zu lesen; es ist die Kirche, die sich über die Treue zum Glaubensgut befragt, das für sie kein Museum ist, das es anzuschauen oder bloß zu bewahren gälte. Vielmehr ist es für sie eine lebendige Quelle, an der die Kirche ihren Durst stillt, um den Durst des Lebensgutes zu stillen und zu erleuchten.

Die Synode bewegt sich notwendigerweise im Schoß der Kirche und innerhalb des heiligen Gottesvolkes, von dem wir ein Teil sind als Hirten, das heißt, als Diener.

Die Synode ist zudem ein geschützter Raum, in dem die Kirche das Handeln des Heiligen Geistes erfährt.

In der Synode spricht der Geist in den Zungen aller Personen, die sich von Gott führen lassen, von Gott, der immer überrascht, von dem Gott, der sich den Kleinen offenbart und sich vor den Weisen und Intelligenten versteckt; von dem Gott, der das Gesetz und den Sabbat für den Menschen geschaffen hat und nicht andersherum; von dem Gott, der die 99 Schafe lässt, um das eine einzige verlorene Schaf zu suchen; von dem Gott, der immer größer ist als unsere Logik und unsere Berechnungen.

Erinnern wir uns, dass die Synode nur dann ein Raum des Heiligen Geistes sein kann, wenn wir, die Teilnehmer, uns mit apostolischem Mut, evangelischer Demut und vertrauensvollem Gebet bekleiden: apostolischer Mut, der sich nicht erschrecken lässt von den Verführungen der Welt, die im Herzen der Menschen das Licht der Wahrheit auslöschen und es durch kleine, flüchtige Lichter ersetzen wollen, und nicht einmal von der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen; apostolischer Mut, Leben zu bringen und nicht aus unserem christlichen Leben ein Museum der Erinnerungen zu machen; evangelische Demut, die es versteht, sich von eigenen Konventionen und Vorurteilen frei zu machen, um auf die Brüder im Bischofsamt zu hören und sich mit Gott zu füllen, Demut, die nicht mit dem Finger auf andere zeigt, um sie zu verurteilen, sondern die Hand reicht, um sie wieder aufzuheben, ohne sich über sie zu erheben.

Vertrauensvolles Gebet ist das Handeln des Herzens, wenn es sich Gott öffnet, wenn alle unsere Launen schweigen, um die leise Stimme Gottes zu hören, der in der Stille spricht. Ohne auf Gott zu hören, sind alle unsere Worte nur Worte, die nicht sättigen und nichts nützen. Ohne sich vom Heiligen Geist führen zu lassen, sind alle unsere Entscheidungen nur Dekoration, die statt das Evangelium zu verherrlichen, es verdecken und verstecken.

Liebe Brüder, wie ich gesagt habe, ist die Synode kein Parlament, wo es um einen Konsens geht oder eine gemeinsame Vereinbarung, zu der man durch Verhandlungen, Kompromisse oder Machenschaften kommt, sondern die einzige Methode des Synode ist die, in der sie sich dem Heiligen Geist mit apostolischem Mut, mit evangelischer Demut und vertrauensvollem Gebet öffnet, derart dass er es ist, der uns führt, uns erleuchtet und uns vor Augen führt, mit unsren eigenen Meinungen, aber mit dem Glauben an Gott, der Treue zum Lehramt, dem Wohl der Kirche und dem Salus animarum.

Schließlich möchte ich aus ganzem Herzen Kardinal Lorenzo Baldisseri, dem Generalsekretär der Synode, danken; seiner Exzellenz Fabio Fabene, Subsekretär; und mit ihnen danke ich dem Relator, seiner Eminenz Kardinal Peter Erdö und dem Sondersekretär, seiner Exzellenz Bruno Forte, den delegierten Präsidenten, den Protokollanten, den Konsultoren, den Übersetzern und all denen, die mit wahrer Treue und voller Hingabe an die Kirche gearbeitet haben. Danke von ganzem Herzen!

Genauso danke ich Ihnen allen, liebe Synodenväter, Delegierte aus den Geschwisterkirchen, Auditoren und Assistenten, für Ihre aktive und fruchtbare Teilnahme.

Einen besonderen Dank möchte ich an die Journalisten richten, die in diesem Moment hier sind und an die, die aus der Ferne folgen. Danke für Ihre leidenschaftliche Teilnahme und Ihre bewundernswerte Aufmerksamkeit.

Beginnen wir unseren Weg, in dem wir die Hilfe des Heiligen Geistes und die Fürsprache der Heiligen Familie, Jesus, Maria und des heiligen Josef, anrufen. Danke.

 

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