Robert Schuman

Veröffentlicht am 2021-06-20 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Robert Schuman: Ein Pionier der Völkerfreundschaft auf dem Weg zur Seligsprechung

EUROPA, Maria Fischer •

Die Nachricht ist fast untergegangen zwischen Europameisterschaft, Hitzewelle, Deltavariante und Visitation im Erzbistum Köln: Am 19. Juni hat der Papst die Verkündung des Dekrets zur Anerkennung des heroischen Tugendgrades des französischen Staatsmannes Robert Schuman genehmigt. Einer der Gründerväter der Europäischen Union, einer der Pioniere der Völkerfreundschaft nach zwei verheerenden Weltkriegen, die Europa in Schutt und Asche gelegt und Millionen Menschen Leben, Heimat, Gesundheit und Besitz gekostet hatte. Einer der „Stars“ einer (meiner) ganzen Generation von jungen Menschen, deren Eltern und Großeltern vom Krieg gezeichnet waren und nur mühsam lernten, dass Versöhnung, Einheit und Freundschaft unter europäischen Völkern möglich war. —

Adenauer, De Gasperi, SchumanRobert Schuman wird in Clausen/Luxemburg als Sohn eines aus Lothringen stammenden Vaters und einer luxemburgischen Mutter geboren. Schuman wächst zweisprachig auf und wird von der französischen und der deutschen Kultur und Religiosität gleichermaßen geprägt. Als französischer Außenminister war er für die Aussöhnung mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mitverantwortlich. Er setzte sich auch für die deutsch-französische Freundschaft ein. Als Außenminister seines Landes bereitete er den Weg zur Schaffung der sogenannten Montanunion. Die gemeinsame Bewirtschaftung der zentralen Stoffe der Rüstungsindustrie durch die einstigen Erbfeinde war für ihn im Kern Friedenspolitik. Dieses Instrument, das auch für den Beitritt anderer Länder offenstand, sollte zur Keimzelle der europäischen Einigung werden.

Mit dem Schuman-Plan wurde die Basis für die heutige Europäische Union geschaffen. Später war Schuman auch Präsident des Europäischen Parlaments. Sein Engagement ist ganz wesentlich geprägt von seinem ganz persönlichen katholischen Glauben.

Schumans Engagement in der Politik und für ein geeintes Europa sei nicht zu trennen von seinem katholischen Glauben, kann man in vielen Biographien des Politikers nachlesen. Seit den 20er Jahren knüpfte der überzeugte Katholik Schuman ein dichtes Netz von Kontakten mit christlich-demokratischen Politikern aus ganz Europa, etwa Konrad Adenauer oder dem Italiener Alcide de Gasperi. Diese Beziehungen sollten nach 1945 Früchte tragen.

Ihr gemeinsamer katholischer Glaube war Grundlage der Begegnung von Alcide De Gaspari, Konrad Adenauer und Robert Schumacher, als es darum ging, ein Europa aufzubauen, in dem es keinen Krieg mehr geben sollte. Auch die Straßburger Konvention für die Menschenrechte und Grundfreiheiten von 1950 gilt als sein Werk.

Zunächst eine Solidarität der Tat

Papst Franziskus bezieht sich bei Aussagen zur Politik immer wieder auf Robert Schuman., Beim Regina Coeli am 10. Mai 2020 ging Franziskus etwa auf die Erklärung Schumans vom 9. Mai 1950 ein, die als die „Geburtsurkunde“ der Europäischen Union gilt. „Sie hat den Grundstein für die Europäische Union gelegt und nach dem Zweiten Weltkrieg die Versöhnung der Völker und die lange Periode der Stabilität und des Friedens eingeleitet, in deren Genuss wir heute kommen“, sagte Papst Franziskus damals. Angesichts der Corona-Krise sollten die Werte, die Schuman damals vorschlug, eine „Inspiration sein für alle, die in der Europäischen Union Verantwortung tragen und aufgerufen sind, die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in einem Geist der Harmonie und Zusammenarbeit in den Griff zu bekommen.“ Robert Schuman hatte in seiner Erklärung vom Mai 1950 an die Friedensrolle Europas erinnert und betont: „Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“ Der 9. Mai als Tag der Schuman-Erklärung wird infolge einer Entscheidung des Europäischen Rates im Jahr 1985 bis heute als „Europatag“ begangen.

Robert-Schuman_Monument_Scy-Chazelles

An einem kleinen Bildstock in der Schweiz betete P. Josef Kentenich im Oktober 1946:

Schließe deinerseits mit möglichst vielen Menschen, ja, mit allen Völkern – vorzüglich mit ihren Führern und Lenkern – ein vollkommenes Liebesbündnis. Schenke ihnen ein lebendigen Vorsehungsglauben, der Gott hinter den Schickungen des Lebens sieht und beantwortet durch das praktische Leben der Werktagsheiligkeit, und gib ihnen einen wirksamen Sendungsglauben.“

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