Covid-19 Pistill

Veröffentlicht am 2021-05-23 In Kirche - Franziskus - Bewegungen, Themen - Meinungen

Wir wollen ein Licht sein, das die Menschen in dieser Zeit der Pandemie begleitet

Brief des Bischofs der Diözese Encarnación, Paraguay, + Francisco Javier Pistilli Scorzara, P. Sch. •

Liebe Priester, Ordensleute und Gläubige unserer Diözese: Gestern war ein sehr anstrengender Tag für das Gesundheitspersonal im Atemwegszentrum in Encarnación aufgrund der Zunahme von Fällen, die Aufmerksamkeit erfordern. Es ist eine Situation, die wir in diesem Monat Mai erleben, die uns alle beunruhigt, die uns alle betrifft. —

Wir wollen ein Licht sein, das die Menschen in dieser Zeit der Pandemie begleitet. Ermutigt durch den Glauben und das Vertrauen auf Gott, geben wir nicht der Angst, der Skepsis, dem Defätismus oder wütenden Reaktionen verbaler oder anderer Art von Gewalt nach. Das Licht Christi begleitet uns während des gesamten Prozesses der Pandemie, und es ist die christliche Mission, diesem Licht zu jeder Zeit zum Leuchten zu verhelfen.

Was können wir positiv tun, um zu helfen?

Bewegt von der Liebe zu Christus in unserem Nächsten und von der Verpflichtung, gemeinsam auf das Wohl des Lebens und der Gesundheit zu achten, ist es wichtig und notwendig, dass wir alle Teil der Lösung sind und versuchen, nicht Teil des Problems zu sein. Wir sind ein Leib, wie wir aus dem Glauben der Kirche sagen, wir müssen in dieser pastoralen Einheit handeln. Aus diesem Grund schreibe ich Ihnen, um Kriterien und Orientierungen zu geben mit der Aufforderung, uns alle in der uns entsprechenden christlichen Sendung zu erhalten und zu motivieren.

Covid-19 ist eine ernste Krankheit

Zunächst einmal muss man klar sagen: Covid-19 ist eine ernsthafte Erkrankung, keine einfache Erkältung. Die Menschen darüber zu verwirren, bedeutet, sie der Möglichkeit zu berauben, rechtzeitig zu reagieren und sie den ernsten Folgen der Entwicklung dieser Pathologie auszusetzen. Diejenigen, die Symptome haben, sollten sich in den Betreuungszentren melden, einen Arzt aufsuchen und die erforderliche Behandlung beginnen. Informieren Sie nicht falsch.

Prävention ist Christenpflicht

Zweitens müssen wir mit der gleichen Klarheit sagen: Therapeutische Maßnahmen müssen mit der gewissenhaften Einhaltung von präventiven Maßnahmen einhergehen. Therapeutische Maßnahmen sind solche, die bei dem Patienten angewendet werden, der mit Symptomen in der Klinik oder im Krankenhaus ankommt. Präventive Maßnahmen sind solche, die im Vorfeld angewendet werden, um die Ansteckung der Person und die Zirkulation des Virus in der Gemeinschaft zu vermeiden. Wenn wir die Präventionsmaßnahmen lockern, wird das Gesundheitssystem gesättigt und kollabiert.

Die Sorge um den Grad der individuellen Exposition ist nicht Privatsache, sondern ein Akt der Verantwortung

Drittens und realistisch müssen wir sagen: Wer die Corona-Schutzmaßnahmen vernachlässigt, setzt nicht nur sich selbst aus, sondern auch seine Familie, seine Arbeit, seine Freunde und viele Menschen darüber hinaus. Sich zu exponieren, bedeutet im Klartext: keine Maske zu tragen, sich die Hände nicht richtig zu desinfizieren, in öffentlichen oder privaten Gemeinschaftsräumen keinen Abstand zu nehmen, die Anzahl der Kontakte nicht auf das Wesentliche zu beschränken. Sich um den Grad der individuellen Exposition zu kümmern, ist ein Akt der Verantwortung, den jeder nach seinem Gewissen zu seinem eigenen Wohl und zum Wohl aller anderen übernehmen muss.

Die spezifische Therapie dieser Erkrankung beruht auf dem Impfstoff

Viertens und mit dem Gewicht der Verantwortung zu informieren rigoros: Die spezifische Therapie dieser Krankheit ist der Impfstoff, um die Stärkung der Immunität zu erreichen, damit die Krankheit gar nicht erst ausbricht, verbunden  mit einer Reihe von Maßnahmen und Medikamenten, um den Patienten zu unterstützen, zu verhindern, dass Schäden an lebenswichtigen Organen auftreten und zu  helfen, die Folgen der Infektion zu heilen. Die Wirksamkeit dieser Therapie ist nicht 100%ig, aber bei rechtzeitiger und richtiger Anwendung verspricht sie gute Heilungsergebnisse. Es ist unverantwortlich, Menschen zu ermutigen, erfahrungsbasierte Therapien unter Ausschluss spezifischer Therapien anzuwenden oder alternative Therapien, die keine Garantie bieten oder sogar schädlich sind.

Die Komplexität der Pandemie

Fünftens müssen wir bedenken, dass die Krankheit hoch ansteckend und damit pandemisch ist, was bedeutet, dass es sich nicht um ein einfaches, sondern um ein komplexes Problem handelt. Die zu ergreifenden Maßnahmen müssen auch der Komplexität der Pandemie entsprechen. Ausdruck dieser Komplexität sind zum Beispiel die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die sozialen Beziehungen, die Zunahme häuslicher Gewalt, die Schwierigkeiten im Bildungsprozess, um nur einige zu nennen.

Ein Licht sein, das auf diesem Weg begleitet

Angesichts dieser Umstände und der Tatsache, dass wir alle „Licht sein müssen, das auf diesem Weg begleitet“, schlage ich vor, dass wir in jeder Pfarrei, in den pastoralen Diensten und in den Bewegungen das berücksichtigen, was ich bereits zusammen mit den folgenden Leitlinien aufgeführt habe:

  1. Entwickeln wir eine menschlichere, einfühlsamere Kommunikation, die zu präventiven, effektiven Solidaritäts-, Bildungs- und Informationsaktionen übergeht. Kommunikation zu vermenschlichen bedeutet, sich daran zu erinnern, dass es nicht um Zahlen geht, sondern um Menschen, die wir kennen und lieben, und dass das Leben eines jeden wichtig ist. Einfühlungsvermögen in der Kommunikation bedeutet, sich in die Lage der Kranken, der Leidenden, des Gesundheitspersonals, der Schwierigkeiten der Lehrer, der Schüler, der Familien mit knappen Ressourcen und der Gemeinschaft als Einheit zu versetzen, in der wir uns alle gemeinsam bemühen müssen. Unsere Kommunikation soll den Glauben, das Gebet und das richtige, notwendige und angemessene Handeln fördern. Lassen Sie uns die verfügbaren Ressourcen und Medien, Community-Radio, soziale Netzwerke und andere Kommunikationsmittel positiv nutzen. Bilden wir uns fort als gute Kommunikatoren der Hoffnung und der Verantwortlichkeit.
  2. Unterstützen wir effektive Maßnahmen, die helfen, die erforderlichen Ressourcen zu verwalten. Die Verwaltung des öffentlichen Gesundheitswesens in Bezug auf Medikamente, Impfstoffe, Personal, Betten und Vorräte liegt in der Verantwortung der Gesundheitseinrichtungen und des Staates. Doch Solidarität geht uns alle an, die wir als Bürgerinnen und Bürger über die Bedürftigen wachen und gleichzeitig auf vielfältige Weise mit ihnen zusammenarbeiten. Achten wir darauf, dass wir dort, wo die Ressourcen nicht hinkommen, subsidiär wirken, und dass wir uns mit den betroffenen Menschen und Familien zusammentun.
  3. Beachten wir die restriktiven Maßnahmen bezüglich der Anzahl der Teilnehmer an gottesdienstlichen Handlungen und der Abhaltung von gesellschaftlichen Veranstaltungen und Versammlungen. Dies ist die „Firewall“ auf Gemeinschaftsebene, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Lassen Sie uns auch die Reduzierung von Treffen als eine Maßnahme fördern, die jeder nach seinem Gewissen praktizieren muss. Die alternative Nutzung von telematischen Medien und sozialen Netzwerken hilft, Besprechungen ohne das Risiko einer direkten Begegnung durchzuführen. Die Weisheit liegt darin, die wirklich notwendigen Treffen auszuwählen. Vermeiden wir Menschenansammlungen.
  4. Sorgen wir dafür, dass in Kirchen, Schulen, Hochschulen und anderen kirchlichen Räumen die notwendigen Hygienekits bereitgestellt werden. Es ist gut, in diese zu investieren, denn wir müssen davon ausgehen, dass Handdesinfektion nicht nur für diese Zeit der Pandemie sein sollte, sondern immer an geeigneten und zugänglichen Stellen in unseren Gebäuden und Versammlungsorten ermöglicht werden sollte.
  5. Informieren wir unsere Gemeindemitglieder und die gesamte Gemeinschaft mit verantwortungsvollen, notwendigen und rechtzeitigen Nachrichten richtig. Vermeiden wir eine zunehmende Desillusionierung und Verängstigung durch katastrophale Visionen der Realität und tragen wir stets zur Beharrlichkeit, zum Gemeinschaftsgefühl, zur Einheit, zur Zugehörigkeit, zur Fähigkeit, schwierige Zeiten gemeinsam zu bewältigen, und zur Suche nach Lösungen bei.
  6. Nutzen wir die Orte, an denen wir uns in den Dienst der Erziehung und Bildung stellen. Schulen und Hochschulen und die Universität können Studientage über die Covid-19-Pandemie abhalten, die lokale Pandemiesituation analysieren, spezifische lokale Aktionen an Orten fördern, an denen es eine Zunahme der Ansteckung gibt, die Bildungsgemeinschaft in die Lösung einbeziehen. Die Katechese kann auch einige Treffen in diesem Sinne widmen, als Teil der Verpflichtung eines jeden Christen für das Gemeinwohl. Es ist notwendig, sich richtig zu bilden, ein persönliches und gemeinschaftliches Bewusstsein zu schaffen, die richtigen Handlungen zu erkennen, notwendige und opportune Maßnahmen zu fördern, um Ansteckung zu vermeiden und den Infektionskreislauf zu verringern, sowie gesunde Räume zu schaffen und eine gesunde Kultur zu fördern.
  7. Alle Verantwortlichen von Pfarreien, pastoralen Diensten, Bewegungen, Kapellen, Schulen und Hochschulen, Universitäten sollten in ihren Vierteln und Gemeinden wachsam sein und Familien und Einzelpersonen helfen, ihre Moral zu heben und nicht den Mut zu verlieren, sich der Lösung und dem Ende der Pandemie verpflichtet zu fühlen, riskante Aktivitäten zu vermeiden, sich rechtzeitig um die Betroffenen zu kümmern.
  8. Alle Kommunikation und alle Aktionen, die wir durchführen, müssen nicht nur das Ende der Pandemie zum Ziel haben, sondern auch das grundlegende Gut, einander zu vertrauen und einander zu helfen, zusammenzuarbeiten, mit gemeinsamen Kriterien, mit einer positiven, effektiven, harmonischen Kommunikation, mit einem Ansatz, der Liebe für andere, für das Leben, für die Gesundheit zeigt. Das Gebet sollte aus der tiefen Gemeinschaft von uns allen als dem Leib Christi geboren werden und alles, was wir sagen, planen und tun, auf Christus ausrichten.
  9. Unterstützen wir geistig die Familien, die geliebte Menschen verloren haben; mögen sie durch Gebet und die respektvolle Nähe von uns allen getröstet werden. Mögen die Wunden des abrupten Abschieds von denen, die wir lieben, in dem Wissen geheilt werden, dass wir nicht allein sind und dass unsere verstorbenen Brüder und Schwestern in der Gemeinschaft in den Gebeten aller bedacht werden.
  10. Lernen wir jeden Tag lernen und werden wir nicht müde, uns in unseren persönlichen, familiären, sozialen, beruflichen, schulischen und kirchlichen Beziehungen zu verbessern. Mögen wir wissen, wie wir aus Widrigkeiten Kraft schöpfen können, um bessere Menschen und bessere Christen zu sein.

Auch wenn der Weg lang erscheint, für uns Christen ist der Weg Christus, der uns sagt, dass jeder Tag seine Sorge und seine Mühe hat. Lasst uns jeden Tag mit Glauben und Liebe leben, wie es sich für die Jünger des Herrn gehört.

In der täglichen Eucharistie gedenke ich Eurer, indem ich euch in Christus als Opfergabe für das Leben aller darbringe. Empfangt meinen Segen, bleibt beharrlich in euren Gebeten. Mögen die Heilige Jungfrau und der Heilige Josef uns unter ihren Schutz nehmen.

Encarnación, 20. Mai 2021
+ Francisco Javier Pistilli Scorzara, P. Sch.
Bischof

Original: Spanisch, 21.05.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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