Veröffentlicht am 19. April 2019 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Notre Dame in Flammen – und „dort schlagen unserer Herzen Flammen“

FRANKREICH, Maria Fischer •

Montag, 15. April, Montag der Karwoche, der heiligsten Woche der Christenheit. Bilder und Nachrichten laufen durch die sozialen Netzwerke der  Welt, als gegen 19 Uhr die Flammen eines infernalischen Feuers eines der emblematischsten Heiligtümer Frankreichs, Europas und der ganzen Kirche bedrohen: Notre Dame in Paris steht in Flammen. Nicht nur Katholiken sind stumm vor Schmerz und Schock, sondern auch Christen anderer Konfessionen, Menschen anderer Religionen und selbsterklärte Atheisten verbinden sich in der Solidarität der Traurigkeit und Hilflosigkeit, als sie den mittelalterlichen Schatz, die Geschichte eines ganzen Volkes und den Ort jahrhundertelanger Gebete von den Flammen verzehrt werden sehen. Und dann geht ein Video viral, ein Video, das junge Menschen zeigt, die gegen die Flammen das Ave Maria singen.—

 

„Notre Dame ist nicht gefallen. Die ehrwürdige gotische Struktur überstand das Chaos des Feuers und bewachte den Bereich des Altars,

heißt es im Text eines unbekannten Autors der von Marinés Crivelli aus Buenos Aires verbreitet wird.

„Eine Rosette wurde zerstört, aber die anderen Buntglasfenster singen immer noch, wie seit Hunderten von Jahren den Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

Zwei Drittel des Holzes sind weg. Der Spitzturm brach lodernd zusammen, ein Teil der Turmspitze stürzte auf den Altarbereich, aber ihre Asche schützte den Altar, der in der Mitte des Mittelschiffes intakt bleibt.

Die Orgel ist getroffen. Wir müssen sie Stück für Stück neu machen.

Alles in Notre Dame ist dunkel, voller Rauch und Asche, aber die Kerzenhalter und der Kerzenständer sind intakt und warten auf das Halleluja der Auferstehung.

Im Hintergrund, imposant, leuchtet das goldene Kreuz als Zeichen des Lebens.

Notre Dame wird wieder aufgebaut. Wahrscheinlich sind einige Bereiche  wegen ihrer Zerbrechlichkeit nach der Katastrophe noch in Gefahr, aber sie werden wieder aufgebaut, gewaschen, gereinigt und wieder als heiliger Tempel des Herrn geweiht.

Die Kirche auch.“

Die Fotos vom Kirchenschiff unter freiem Himmel, voll von schwarzen Trümmern, tun weh. Doch inmitten der russgeschwäzrten Trümmer leuchtet das Kreuz. Das schönste Bild dieser Karwoche, dieses Osterfestes in einer Zeit, in der die Kirche unter den Skandalen des sexuellen Missbrauchs, des Missbrauchs von Macht und des Gewissens zusammenzustürzen scheint.

Ave Maria

Stunden später, nach dem Brand, beteten die Einwohner und Touristen, die Paris besuchten, in den Straßen der französischen Hauptstadt und vor der Kathedrale.

Vor dem von den Flammen verwüsteten Denkmal knieten einige nieder und falteten in stillem Gebet die Hände. Andere sangen mit den Augen auf einem orangefarbenen Himmel, der mit dichtem Rauch gefüllt war. Dutzende, die spontan zusammengekommen waren, sangen das Ave Maria. Und die Fernsehstationen rund um den Erdball übertragen live.

Viele Menschen trugen Bilder der Jungfrau Maria. In der ersten Reihe, in einem von mehreren Agenturen übermittelten Video, sieht man ein Bild der Pilgernden Gottesmutter von Schönstatt. Schönstätter aus Paraguay, Deutschland, Venezuela und Argentinien sehen das Video, sind bewegt und im Gebet vereint.

Notre Dame ist mehr als nur Mauern. Es ist das Herz Frankreichs, es ist ein Heiligtum, und die Flammen, die große Teile zerstörten, haben die marianische Seele dieses europäischen Kontinents wiederbelebt, der so oft seine Wurzeln zu vergessen scheint. Und die Pilgernde Gottesmutter, die von dem Kontinent kam, in dem ein Josef Kentenich auf der Suche nach Verbündeten war, ist da.

 

Original: Spanisch, 17.04.2019. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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