Veröffentlicht am 22. Februar 2019 In Kirche - Franziskus - Bewegungen, Missbrauch

In und mit der Kirche, verletzt und schuldig wie sie

SENITRE CUM IGLESI, Redaktion, mit Material der Pressestelle des Vatikan

„Ich lade euch ein, in diesen Tagen für das Treffen zum Thema des Schutzes von Minderjährigen in der Kirche zu beten. Dieses Treffen habe ich angesichts einer dringenden Herausforderung unserer Zeit als Akt hoher pastoraler Verantwortung gewünscht“, so Papst Franziskus in einem Tweet vom m18. Febraur. Dieses Treffen, einzigartig in der Geschichte der Kirche, hat gestern begonnen. Als Schönstätter,  in der Kirche und als Kirche, verwundet und schuldig wie sie, trifft uns diese Bitte des Papstes ins Herz.

Papst Franziskus eröffnete das Treffen gestern mit einer kurzen Ansprache:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

Angesichts des Übels des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Männer der Kirche war es mein Wunsch, euch Patriarchen, Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Ordensobere und Verantwortungsträger hinzuzuziehen, auf dass wir alle gemeinsam auf den Heiligen Geist hören und uns folgsam von ihm leiten lassen, um dem Schrei der Kleinen Gehör zu schenken, die Gerechtigkeit verlangen. Auf unserem Treffen lastet das Gewicht der pastoralen und kirchlichen Verantwortung, die uns verpflichtet, gemeinsam auf synodale, aufrichtige und gründliche Weise darüber zu diskutieren, wie wir diesem Übel entgegentreten können, das die Kirche und die Menschheit heimsucht. Das heilige Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns nicht einfache selbstverständliche Verurteilungen, sondern konkrete und wirksame Maßnahmen, die zu erstellen sind. Es braucht Konkretheit.

Beginnen wir also unser Programm, ausgerüstet mit dem Glauben und dem Geist größten Freimuts („parrhesia“), der Furchtlosigkeit und Konkretheit.

Als Hilfsmittel erlaube ich mir, euch einige wichtige Kriterien mitzugeben, die von den verschiedenen Kommissionen und Bischofskonferenzen erarbeitet wurden – sie stammen von euch, ich habe sie ein wenig zusammengestellt. Es sind Leitlinien, die unsere Überlegungen unterstützen sollen. Sie werden euch jetzt ausgeteilt. Sie sind einfach ein Ausgangspunkt. Sie kommen von euch und kehren zu euch zurück. Sie nehmen nichts weg von der Kreativität, die bei diesem Treffen herrschen soll.

Auch in eurem Namen möchte ich der Päpstlichen Kommission für den Schutz Minderjähriger, der Glaubenskongregation und den Mitgliedern des Organisationskomitees für die ausgezeichnete Arbeit danken, die sie mit großem Einsatz in der Vorbereitung dieses Treffens geleistet haben. Vielen Dank!

Schließlich bitte ich den Heiligen Geist, uns in diesen Tagen zu unterstützen und uns zu helfen, dieses Übel zu einer Chance des Bewusstwerdens und der Reinigung werden zu lassen. Die selige Jungfrau Maria schenke uns Licht, um die schweren Wunden heilen zu können, die der Pädophilieskandal bei den Kleinen wie auch unter den Gläubigen hervorgerufen hat. Danke.

Anliegen des Treffens

Am Montag, den 18. Februar, am Bündnistag,  veranstaltete das Pressedienst des Heiligen Stuhls eine  Pressekonferenz zur Präsentation des Treffens „Der Schutz von Minderjährigen in der Kirche“, das vom 21. bis 24. Februar 2019 im neuen Synodensaal im Vatikan unter Teilnahme der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der ganzen Welt stattfinden wird.

An der Präsentation nahmen folgende Mitglieder des Organisationskomitees teil: Kardinal Blase J. Cupich, Erzbischof von Chicago, Charles J. Scicluna, Erzbischof von Malta und Unterstaatssekretär der Glaubenskongregation, Pater Federico Lombardi SJ, Präsident der Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger-Benedict XVI. und Moderator der Sitzung, Pater Hans Zollner SJ, Präsident des Zentrums für Jugendschutz an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Jugendschutz und Schwester Bernadette Reis FSP, Assistentin des Direktors des Pressebüros des Heiligen Stuhls.

Schweigen ist inakzeptabel.

Monsignore Scicluna betonte während der Pressekonferenz, dass „Verleugnung ein primitiver Mechanismus ist, aber wir müssen uns vom Kodex des Schweigens lösen, die Komplizenschaft brechen, denn Schweigen ist nicht akzeptabel.“

Der Prälat bekräftigte, dass das Treffen  das Treffen nicht den ersten Schritt des Heiligen Stuhls oder der Bischofskonferenzen in diese Richtung darstellt. Es ist eine „historische Etappe“ – im Sinne der geschichtlichen Entwicklung – auf einem Weg, den die katholische Kirche seit mehr als 30 Jahren in Ländern wie Kanada, den Vereinigten Staaten, Irland und Australien und seit etwa zehn Jahren auch in ganz Westeuropa wie Deutschland, Schweiz und Österreich unternimmt. Dieser Weg wird auch nach dem Treffen dieser Woche fortgesetzt werden.

Es gehe darum,  „Verfahren“ im Bewusstsein ihrer Verantwortung auszuarbeiten. Wenn es um den „Schutz der Unschuld“ gehe, betonte er, „dürfen wir nicht aufgeben“: Wir müssen Lösungen finden, die dem Problem immer angemessener werden, denn „die Kirche muss ein sicherer Ort für alle, besonders für Kinder, sein“, betonte er.

Erzbischof Scicluna sprach auch von den „Erwartungen“, die in diesem Treffen fallen, und bekräftigte, dass wir mit „vernünftigen Erwartungen“ beginnen können: In „drei Tagen“ können tatsächlich nicht alle Fragen gelöst werden.

Kardinal Blase J. Cupich seinerseits sprach von einer „neuen Morgendämmerung in Bezug auf die Transparenz“ und sagte, dass die teilnehmenden Bischöfe klar verstehen müssen, was ihre Verantwortung in diesem Horizont ist, und dass ein grühzeitig greifendes „Schutzprogramm“ vermeiden könne, dass das Geschehene sich wiederhole.

Kardinal Blase J. Cupich stellte fest, dass viele der Teilnehmer des Gipfels bereits Treffen mit den Opfern hatten, wie von Papst Franziskus selbst gefordert, und dass jeder von ihnen „die Wunden in seinem Herzen“ habe – die Wunden derjenigen, die von Mitgliedern der Kirche missbraucht wurden.

Der Erzbischof von Chicago hingegen wies darauf hin, dass Homosexualität keine „Ursache des Missbrauchs“ ist, und verwies auf geeignete Aufdeckungsmethoden, die für diejenigen, dieins Priesterseminar kommen möchten, so verfeinert werden müssten, dass Menschen mit pädaophilen Niegungen nicht eintreten könnten.

Zahlen und Kontexte

In Bezug auf die mögliche Veröffentlichung von Daten und Statistiken über Opfer von Missbrauch und über das Verhalten von Mitgliedern der Kirche zur Bewältigung des Problems sagte Scicluna, dass es sich um eine Option handele, die wahrscheinlich kommen werde, aber dass „es nicht ausreiche, die Zahlen zu veröffentlichen, sondern eine umfassende Studie erforderlich sei, um den Kontext zu verdeutlichen“.

Pater Federico Lombardi erläuterte die Dynamik des Treffens zum Schutz von Minderjährigen.

Die drei Diskussionstage widmen sich einem bestimmten Thema: der Verantwortung der Bischöfe; der so genannten „Rechenschaftspflicht“,  der Bischöfe und höheren Oberen der Ordensgemeinschaften; und der Transparenz.

Die 190 Anwesenden im neuen Synodensaal hören von Donnerstag bis Samstag täglic drei Berichte, gefolgt von Fragen und Antworten und Gruppenarbeit. Dann gibt es zu Beginn und am Ende des Tages Lebenszeugnisse und Gebetsmomente.

Papst Franziskus wird das Treffen am Sonntag mit einer Rede nach der Messe abschließen.

Die Eucharistiefeier findet um 9.30 Uhr im Sala Regia statt und die Predigt wird von Erzbischof Mark Coleridge, dem Vorsitzenden der Australischen Bischofskonferenz, gehalten. Ein weiterer liturgischer Moment findet am Samstagnachmittag mit der Bußliturgie statt.

Schließlich veranschaulichte Pater Hans Zollner den Journalisten die offizielle Website der Begegnung, die als „Werkzeug zur Entwicklung zukünftiger Initiativen“ aktiviert wurde, und wies darauf hin, dass die Website www.pbc2019.org regelmäßig aktualisiert wird, um die Bemühungen der Medien zu unterstützen.

 

Als Kirche, die wir sind, tragen auch wir die Gnade in zerbrechlichen Gefäßen

Beiträge zum Thema auf schoenstatt.org

 

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