Veröffentlicht am 18. Februar 2018 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Drei Schlüsselworte gegen die Erkaltung des Herzens: Innehalten, schauen, zurückkehren

FASTENZEIT 2018 MIT PAPST FRANZISKUS, Redaktion  •

Papst Franziskus hat am Aschermittwoch Bußprozession und anschließende Heilige Messe in der Basilika Santa Sabina geleitet und dazu angeregt, innezuhalten, um „die Dissonanzen unseres christlichen Lebens zu stimmen und die immer neue, frohe und hoffnungsvolle Botschaft von Ostern aufzunehmen (…) und ohne Furcht zurückzukehren in die ausgebreiteten Arme deines sehnsüchtig wartenden Vaters, der reich an Erbarmen ist.“ Seine Botschaft war dabei kurz und prägnant: „Halte inne, schaue, kehre zurück.“ Drei praktische Ratschläge, ebenso aktuell wie wichtig, um Misstrauen, Apathie und Resignation zu überwinden. Heißt: um das zu überwinden, was Begeisterung, Freude und Motivation erkalten lässt – im Apostolat, auf der Arbeit, in den Pfarreien, in den Projekten, in Freundschaften, Familien und Bündnissen.

Papst Franziskus regte an, innezuhalten, „um die Dissonanzen unseres christlichen Lebens zu stimmen und die immer neue, frohe und hoffnungsvolle Botschaft von Ostern aufzunehmen.“

Dann richtete der Papst seinen Blick auf drei Versuchungen, denen wir heute ausgesetzt sind: „Es ist traurig festzustellen, wie sich angesichts der täglichen Schicksalsschläge Stimmen erheben, welche den Schmerz und die Ungewissheit ausnutzen, um nur Misstrauen zu säen.“ – „Die Frucht des Misstrauens sind die Apathie und die Resignation. Misstrauen, Apathie und Resignation: die Dämonen, welche die Seele des gläubigen Volkes Gottes verätzen und lähmen.“ Dem setzte er drei einfache Worte gegenüber, um das gläubige Herz wieder neu zu entzünden: Innehalten, schauen, zurückkehren.

Das Innehalten ist dabei in unserer atemlosen Zeit besonders wichtig: „Halte etwas inne, lasse diese Hektik und dieses sinnlose Rennen, das die Seele mit dem bitteren Gefühl erfüllt, niemals irgendwo anzukommen. Halte inne, lass ab von diesem Zwang, in Eile zu leben, der die Zeit für die Familie zerstreut, aufteilt und schließlich vernichtet, die Zeit für die Freundschaft, die Zeit für die Kinder, die Zeit für die Großeltern, die Zeit für die Selbstlosigkeit … die Zeit für Gott.“

Und:

Halte ein wenig inne angesichts des Bedürfnisses, in Erscheinung zu treten und von allen gesehen zu werden, sich ständig zur Schau zu stellen, das den Wert des Vertrauten und der Sammlung in Vergessenheit geraten lässt.

Halte ein wenig inne angesichts des hochmütigen Blicks, der flüchtigen und abfälligen Bemerkung, die daher rührt, dass man Zärtlichkeit, Mitleid und Respekt im Umgang mit den anderen vergessen hat, vor allem mit den Verwundbaren, Verletzten und auch mit denen, die sich in Sünde und Irrtum befinden.

Halte ein wenig inne angesichts der Zwangsvorstellung, alles kontrollieren, alles wissen, alles vernichten zu wollen, der daher rührt, dass man die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens und für all das Gute, was man empfangen hat, vergessen hat.

Halte ein wenig inne angesichts des betäubenden Lärms, der unsere Ohren verkümmern lässt und taub macht und uns die fruchtbare und schöpferische Kraft der Stille vergessen lässt.

Halte ein wenig inne angesichts des Verhaltens, sterile und unfruchtbare Gefühle zu fördern, die von der Verschlossenheit und dem Selbstmitleid kommen und dazu führen, dass man vergisst, dem anderen entgegenzugehen, um die Lasten und Schmerzen zu teilen.

Halte inne angesichts der Leere des Momenthaften, des Vorübergehenden und Flüchtigen, das uns der Wurzeln und Bindungen beraubt sowie des Wertes der Wegstrecken und des Bewusstseins, immer auf dem Weg zu sein.

Innehalten aber nicht, um einfach nur zu entschleunigen, sondern um zu schauen, um hinzuschauen:

Schaue auf die Zeichen, die ein Auslöschen der Liebe verhindern und die Flamme des Glaubens und der Hoffnung lebendig erhalten. Sie sind lebendige Gesichter der Zärtlichkeit und Güte Gottes, die unter uns am Werk ist.

Schaue auf das Gesicht unserer Familien, die Tag um Tag mit großer Mühe weiter darauf setzen, im Leben voranzuschreiten und unter Mangel und Knappheit an so vielem nichts unversucht lassen, um aus ihrem Heim eine Schule der Liebe zu machen.

Schaue auf die uns fragenden Gesichter unserer Kinder und Jugendlichen, die an der Zukunft und der Hoffnung tragen, am Morgen und an den Möglichkeiten, die Hingabe und Schutz erfordern. Sie sind lebendige Triebe der Liebe und des Lebens, die sich inmitten unserer kleinlichen und egoistischen Berechnungen immer ihren Weg bahnen.

Schaue auf die vom Laufe der Zeit durchfurchten Gesichter unserer Alten: Gesichter, die das lebendige Gedächtnis unseres Volkes tragen. Gesichter der wirkenden Weisheit Gottes.

Schaue auf die Gesichter unserer Kranken und so vieler, die sich um sie kümmern: Gesichter, die in ihrer Verwundbarkeit und in ihrem Dienst uns daran erinnern, dass der Wert jeder Person niemals auf eine Frage von Kostenrechnung oder Nützlichkeit reduziert werden darf.

Schaue auf die reuevollen Gesichter so vieler, die ihre Irrtümer und Fehler wiedergutzumachen suchen und ausgehend von ihrem Elend und ihren Schmerzen dafür kämpfen, die Situationen zu verwandeln und weiterzugehen.

Und in ihnen, in all diesen Gesichtern, das Gesicht Jesu zu sehen, um zurückzukehren und „die heilende und versöhnende Zärtlichkeit Gottes zu erfahren!“

Innehalten, hinschauen, zurückkehren: ein Fastenprogramm, das eine Welt verändern könnte.

 

♦ Predigt von Papst Franziskus am Aschermittwoch

♦ Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2018

Schlagworte: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.