Veröffentlicht am 27. Januar 2018 In Franziskus - Botschaft, Franziskus - Initiativen und Gesten, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Wie ich das Treffen des Papstes mit den Jugendlichen in Maipú erlebt habe

FRANZISKUS IN CHILE, von Sophie Berthet E. •

Llegando al templo – Foto: Sophie Berthet

„Der Glaube lebt in Gemeinschaft“. Das ist einer der Sätze, der mein Leben am meisten geprägt hat, denn ich habe mich immer als sehr gesellig erlebt und ich denke, dass diese Behauptung sehr real ist. Das hat viele Gründe, die ich jetzt nicht hier ausbreiten möchte, weil es nicht darum geht, aber ich denke, im Laufe der Geschichte wird klar, worauf ich mich beziehe.

Ich machte als Freiwillige beim Besuch des Papstes in Chile mit. Ich singe für mein Leben gern. Ich war mehrere Jahre lang im Chor der „Misión País“, war bei der Aufnahme der „Himmelwärts-CD“ dabei und singe immer bei der Messe. Dieses Mal wusste ich, dass es genügend Stimmen gab und zupackende Hände fehlten. Darum entschied ich mich, freiwilliger Helfer zu sein.

Franziskus weiß, dass es mich gibt!

Ich habe fast nicht geschlafen und im O’Higgins-Park sehr  gefroren, wie alle über 20.000 Jugendlichen und Erwachsenen mit jugendlichem Herzen, die in diesen Tagen im Dienst des Herrn standen. Danach konnte ich den Papst vor der Nuntiatur ganz aus der Nähe sehen, und ich bin felsenfest überzeugt davon, dass er meinen Ruf „Papita“ gehört und mich vom Fenster des Autos aus ganz persönlich angeschaut hat. „Franziskus weiß, dass es mich gibt“, habe ich in dem Moment gedacht. „Und er wird für mich beten.“

Es waren zwei anstrengende Tage, in denen ich zwischendrin meine Rolle als freiwilliger Helfer bedauerte, denn wegen Schlafmangels bin ich bei der Messe für Gerechtigkeit und Frieden nicht einmal, sondern dreimal eingeschlafen! Nachher habe ich es mir überlegt und es tat mir leid, dass ich innerlich gemeckert hatte, und warum das so war, kommt jetzt.

Wow, was gibt es viele Katholiken in Chile!

Ich arbeite bei einem Fernsehsender, der täglich Livesendungen macht, was bedeutete, dass ich nicht zur Begegnung von Papst Franziskus mit den Jugendlichen in Maipú gehen konnte. Ich wurde sogar eingeladen, dabei zu singen, und musste absagen. Doch dann kam alles anders, denn mein Fernsehsender berichtete live über die Begegnungen mit Papst Franziskus, und so gab es an diesem Mittwoch keine anderen Sendungen, und ich konnte mit meiner kleinen Schwester (14) zusammen nach Maipú! Und da habe ich auf einmal ganz stark gespürt was Gemeinschaft ist. Conie sagte: „Wow, was gibt es viele Katholiken in Chile!“

Ich habe Freunde getroffen, die ich seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen hatte, fühlte mich Teil einer Gruppe von Menschen, die durch etwas so Wesentliches wie den Sinn des Lebens verbunden sind: Jesus Christus. Und meine Schwester nahm in irgendeiner Weise die Botschaft des Papstes vorweg. Vielleicht es ist etwas weit hergeholt, doch sie war einfach beeindruckt und überwältigt durch etwas, das in Chile passierte, in ihrem Land, ihrer Heimat. Und genau davon ging Franziskus dann aus: „Wenn ihr eure Heimat nicht liebt, glaube ich nicht, dass ihr Jesus lieben werdet und dass ihr Gott lieben werdet.  Liebt euer Land, Mädchen und Jungen, liebt euer Chile, gebt euer Bestes für euer Chile.“ Wenn wir Chile lieben, dann möchten wir das Schönste teilen, das wir kennen, das ist die Liebe zu Gott, über alles, und die Liebe zu seiner Mutter, unserer Dreimal Wunderbaren Königin von Schönstatt, die wir immer dann krönen möchten, wenn es nötig ist.

Runter vom Sofa!

En el templo – Foto: Sophie Berthet

Heute ist es schwer, dazu zu stehen, dass du eine von denen bist, die sonntags zur Messe gehen, dass du eine bist, die religiöse Musik hört, dass du eine bist, die sagt: „Gott sei Dank geht`s mir gut“ oder durchs Leben gehst mit dem Wort: „Gott hat mich lieb.“ Mensch, was ist es schwer, wenn du den Leuten sagst, dass du heiraten möchtest ohne vorher Sex gehabt zu haben, warum du diese Bilder auf deinem Schreibtisch hast und zum Heiligtum gehst. Doch diesmal spürte ich, dass ich nicht die einzige war, sondern eine von Tausenden, die hier waren. Eine von Tausenden, die aus voller Kehle riefen:

– Viva la Virgen del Carmen!

– Viva!!!

– Viva Papst Franziskus!

– Viva!!!

– Das hier ist die Jugend des Papstes!

Der Papst wandte sich an die Jugend auf dem Platz des Heiligtums von Maipú, wirklich Jugendliche im Geist und nicht nur dem Alter nach. Jugendliche, die, wie Franziskus sagte, runter sind vom Sofa. Die Schlange gestanden, die sich Sonnenbrand und Hitzschlag eingehandelt hatten unter der brennenden Sonne, die stundenlang auf den Füßen waren ohne sich hinsetzen zu können, und all das für eine halbe Stunde!

Franziskus sprach von Reife: „Das Problem liegt bei uns Erwachsenen, wenn wir von diesen Idealen und dieser Unruhe der Jugendlichen hören und dann besserwisserisch meinen: „Der denkt so, weil er jung ist, der wird auch noch reifer“, oder schlimmer noch, „der wird auch noch verdorben.“ Und das stimmt, hinter dem „wird reifer“, was Illusionen und Träume angeht, verbirgt sich oft stillschweigend ein „wird verdorben“. Gebt darauf acht! Reifen heißt zu wachsen und Träume wachsen zu lassen und große Ideen wachsen zu lassen, nicht unachtsam zu werden und sich für ein bisschen Kleingeld kaufen zu lassen, das hat nichts mit reifen zu tun. Auch wenn wir Erwachsenen das denken, hört nicht auf uns.“ Er rief uns auf, Protagonisten zu werden, denn: „Die Kirche braucht ein jugendliches Gesicht.“ Er lud uns ein, an der kommenden Synode teilzunehmen, die Kirche herauszufordern, den Mut zu haben, das zu sagen, was wir fühlen und denken.

Das Passwort für alles: „»Was würde Jesus an meiner Stelle tun?«

Der rote Faden war die Technologie, wobei Franziskus eine Analogie benutzte zwischen dem Glauben und dem Akku des Smartphones. Wenn der Akku schlapp macht, dann sind wir schlecht gelaunt, weil wir von der Welt abgeschnitten sind. Wir sollten nicht ohne Glauben und ohne WiFi, nicht von Jesus getrennt sein! Und hier benutzte er den Text eines der bekanntesten Songs der chilenischen Gruppe La Ley: „»Der Lärm um uns herum und die Einsamkeit der Stadt haben uns von allem losgelöst. Die Welt dreht sich rückwärts und versucht, mich darin unterzutauchen und meine Ideen zu ertränken.« Und er machte einen Witz dazu.

Er bat uns, nie zu meinen, dass wir nichts zu geben hätten oder dass niemand uns brauchen würde. Dann zitierte er unseren Heiligen Alberto Hurtado: Das ist »die Stimme des Teufels«, der dir das Gefühl geben will, du seist wertlos … und dich dazu verleiten möchte, die Dinge so zu belassen, wie sie sind.“ Das war der wichtigste Teil seiner Ansprache. Er gab uns das Passwort fürs WiFi und forderte uns auf, es zu notieren, am besten gleich ins Smartphone: „Was würde Christus an meiner Stelle tun?“ Das sollten wir uns in der Schule, auf der Arbeit, im Stadion fragen. Wenn wir uns diese Frage stellten, würden wir Protagonisten der Geschichte. „Das ist das Passwort, die Energie, die unser Herz entflammt, die unseren Glauben entflammt und den Funken in unseren Augen. Möge er nie erlöschen. So wird man zu einem Protagonisten der Geschichte. Unsere Augen leuchten, weil wir entdeckt haben, dass Jesus die Quelle des Lebens und der Freude ist. Und wir werden zu Protagonisten der Geschichte, weil wir diesen Funken dann übertragen wollen in die vielen ausgelöschten und stumpfen Herzen, die vergessen haben, was es bedeutet zu hoffen – auf die vielen, die apathisch sind und darauf warten, dass jemand sie einlädt und herausfordert mit etwas, das wirklich zählt.“ Darum müssen wir leben wir Jesus, der unser Smartphone und unser Herz vibrieren lässt.

Habt die Offenheit unserer Mutter, der ersten Jüngerin, um freudig singend den Willen des Herrn erfüllen

„Liebe Freunde, seid mutig! „Geht „sofort“, um euch mit euren Freunden zu treffen, mit denen, die ihr nicht kennt oder mit denen, die sich gerade in einer schwierigen Lage befinden.  Geht mit der einzigen Verheißung, die wir haben: mitten in der Wüste, mitten auf der Straße, mitten im Abenteuer, immer wird da diese „Verbindung“ sein und ein „Ladegerät“.  Und er lud uns ein, Samariter zu sein, niemanden am Wegrand liegen zu lassen, und wir sollten darüber nachdenken, ob uns das schon einmal passiert sei. „Seid wie Simon von Kyrene, helft Christus sein Kreuz zu tragen und nehmt Anteil am Leid der Brüder und Schwestern.  Seid wie Zachäus, der seinen geistlichen Zwergwuchs in Größe verwandelte und Jesus sein materialistisches Herz in ein solidarisches Herz verwandeln ließ. Seid wie die junge Magdalena, die leidenschaftlich nach Liebe sucht, und allein in Jesus die Antworten findet, derer sie bedarf.  Habt das Herz des Petrus, der die Netze am Ufer des Sees zurückließ. Habt die Zuneigung des Johannes, sodass ihr all eure Neigungen auf Jesus hin ausrichtet. Habt die Offenheit unserer Mutter, der ersten Jüngerin, um freudig singend den Willen des Herrn zu erfüllen.«

Er bat uns, uns das Passwort für das WiFi zu merken, und erst hier wurde die Stille unterbrochen, mit der wir ihm zuhörten, eine Stille, wie es sie nicht einmal in der Messe gibt, als wir ihm zuriefen: „Was würde Christus an meiner Stelle tun?“

Am Schluss bedankte er sich, sagte, er wäre gerne viel länger geblieben und bat uns: „Bitte, betet für mich.“

 

 

Vollständiger Text der Ansprache

Alle Texte der Reise nach Chile und Peru

Original: Spanisch, 20. 1. 2018. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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