Veröffentlicht am 1. Februar 2017 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

„Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche“

 DEUTSCHLAND, Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz und Redaktion •

Die Bischöfe von Buenos Aires, Argentinien, gingen voran, veröffentlichten schon Mitte letzten Jahres ihre Leitlinien zur Umsetzung von Amoris Laetitia und erhielten dazu einen Brief von Papst Franziskus, der ihre Interpretation als 100% im Sinne der Synode und seinem eigenen Sinn bezeichnete. Im November 2016 befasste sich die gesamte argentinische Bischofskonferenz damit und übernahm im Wesentlichen die Fassung der Bischöfe von Buenos Aires. Ähnlich arbeiteten die Bischöfe Spaniens und Maltas, und so ist es ja auch das Anliegen dieses Schreibens, dem die Ergebnisse weltweiter Befragungen und zweier Bischofssynoden zugrunde liegen. Öffentliche, beißende medial verbreitete Kritik an Amoris Laetitia und Papst Franziskus, vor allem seitens solcher, die früher mit dem Etikett „papsttreu“ durch die Weltgeschichte stolzierten und den Bannstrahl über jeden schleuderten, der auch nur ein dünnes Fragezeichen hinter irgendeine Handlung oder Äußerung eines Papstes setzte, verwundert mehr als dass es verunsichert oder gar die Freude an diesem Hohenlied auf Ehe und Familie nehmen könnte. Kardinal Walter Kasper  – vor allem in seinem Beitrag in „Stimmen der Zeit“ oder Paul M. Zulehner mit „Vom Gesetz zum Gesicht“ (Patmos 2016) klären auf hohem pastoralen und theologischen Niveau. Der Anspruch von Amoris Laetita ist natürlich hoch: persönliches Suchen, persönliche Gewissensbildung, geistliche Begleitung zur Unterscheidung, Schattierungen statt Schwarz-Weiß, Einzelfall statt starre Regel, und statt Ausschluss das Konzept von Barmherzigkeit als neue Sprache, neues Paradigma der Kirche. Das ist anstrengend. Das kostet Zeit. Das geht nicht ohne persönliche Fühlung, das ist eine heftige Forderung an Bischöfe und Priester vor allem. Doch der, der vor 2000 Jahren für jeden von uns Kreuz gestorben ist, war schon damals dafür bekannt, nicht nur von sich selbst, sondern von allen seinen Jüngern zu verlangen, für das eine verlorene Schaf selbst in die Dornen zu gehen. Und diese Forderung gilt auch der Schönstatt-Bewegung, die stolz darauf ist, im Bereich Ehe und Familie einen ihrer apostolischen Schwerpunkte zu setzen und die etwa im Bereich Ehevorbereitung und Ehebegleitung und auch in  der Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene (Paraguay, Spanien, Costa Rica) Meilensteine setzt.

Die wegweisenden und lebensnahen Worte von Papst Franziskus bedenken

Nun hat die deutsche Bischofskonferenz sich intensiv mit Amoris Laetitia beschäftigt und darin eine Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral entdeckt:

Die deutschen Bischöfe haben heute (1. Februar 2017) das Wort „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ veröffentlicht. Papst Franziskus hatte in den Jahren 2014 und 2015 zwei Bischofssynoden zu Fragen von Ehe und Familie durchgeführt. Danach verfasste er das Nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia, das am 8. April 2016 erschien. Die deutschen Bischöfe haben über die Bedeutung und Wegweisung dieses Dokumentes in den vergangenen Monaten intensiv beraten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach den Schlussfolgerungen, die sich für die Ehe- und Familienpastoral in der Kirche Deutschlands ergibt.

 Säulen einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat auf seiner Sitzung am 23. Januar 2017 die Ergebnisse abschließend diskutiert und in einem Dokument zusammengefasst. Darin betonen die Bischöfe den pastoralen und theologischen Nutzen von Amoris laetitia. Vor allem bringen sie ihren Respekt allen gegenüber  zum Ausdruck, die im alltäglichen Leben Ehe und Familie glaubwürdig vorleben. Die Bischöfe nennen als Konsequenzen, die sich aus Amoris laetitia ergeben, insbesondere folgende  Säulen einer Ehe- und Familienpastoral:

  • Die Ehevorbereitung bedarf einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters.
  • Die Bemühungen um die Ehebegleitung sollen verstärkt werden: Eheleute und Familien, insbesondere auch in konfessionsverbindenden Ehen, sollen in der Kirche Angebote für ihre Lebenssituationen finden.
  • Die Familien sollen als Lernorte des Glaubens unterstützt und in dieser oft schwierigen Aufgabe gestärkt werden.
  • Die Zerbrechlichkeit von Ehe und Familie verlangt ein besonders sensibles Verhalten.  Papst Franziskus hat dafür den Dreiklang von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern ins Gespräch gebracht. Dieser Dreiklang soll die Pastoral bestimmen, woraus ein hoher Anspruch erwächst.

Zum letztgenannten Aspekt merken die Bischöfe an: Katholiken, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben, sind zunächst einmal eingeladen, auf die Kirche vor Ort zuzugehen, sich an ihrem Leben zu beteiligen und als lebendige Glieder der Kirche zu reifen. Für die Frage nach dem Empfang der Sakramente sehen die Bischöfe in Amoris laetitia keine allgemeine Regel und keinen Automatismus. Erforderlich sind nach ihrer Überzeugung vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden. Mit Amoris laetitia gehen die Bischöfe von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird.

In ihrem Dokument empfehlen die Bischöfe, den Weg von Ehe und Familie mit der Kirche zu gehen und dabei die wegweisenden und lebensnahen Worte von Papst Franziskus zu bedenken.

Das Wort der Bischöfe „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ ist als PDF-Datei sowie im Dossier „Bischofssynode Familie“ auf www.dbk.de verfügbar.

Das Dokument erscheint in Kürze in der Schriftenreihe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz „Die deutschen Bischöfe Nr. 104“ sowie als Flyer zur Auslage in den Pfarrgemeinden und Verbänden.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz

Ein Weg der Aufnahme, Begleitung, Unterscheidung und Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft

Ehe und Familie

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