Veröffentlicht am 18. Dezember 2016 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Für einen Moment Mutter Teresas Fahrer…

CHILE, P. Carlos Cox • madre-teresa-2

Mutter Teresas zweiter Besuch in Chile fand zwischen dem 12. und 15. September 1982 statt, und ich bekam den Auftrag, sie zu einem Jugendtreffen zu fahren. Zu der Zeit war ich ein junger Priester und arbeitete als stellvertretender Sekretär der Misión Joven [Jugend-Mission] der Erzdiözese Santiago. Während der Fahrt in meinem VW-Käfer wurde ich Zeuge einer Geschichte, die den menschenfreundlichen Blick von Mutter Teresa widerspiegelt.

Das Gebet und die Lieder waren beendet,  kurz bevor wir an dem Ort des Treffens im Stadtteil Recoleta ankamen.. Sofort wandte sich die Journalistin um, schaltete ihren Rekorder ein und begann Mutter Teresa nach ihrer Meinung über Chile, seine Armut, sein politisches System etc. zu fragen. Mutter Teresa schaute ihr in die Augen und fragte sie:

„Sind Sie verheiratet?“

„Ja“, antwortete sie zögernd.

„Sagen Sie, haben Sie Kinder?“

„Ja“, sagte sie, „und ihre Namen sind …“

In dem Augenblick „verschwand die Journalistin und erschien die Mutter“, und sie begann, über ihre Kinder zu sprechen. Inzwischen waren wir an unserem Bestimmungsort angekommen, ich hielt den Wagen an und die Journalistin fragte mich: „Pater, haben Sie etwas dabei, damit sie ein paar Worte für mich aufschreiben kann?“ Ich gab ihr ein Notizbuch und einen Stift. Mutter Teresa schrieb ein paar Worte, sagte freundlich ‚Auf Wiedersehen‘ und stieg aus dem Auto. Ich blieb mit der Journalistin zurück, die zu mir sagte: „ Danke, Pater. Ich werde den Artikel mit Material aus Archivmaterial schreiben“. Und sie ging herein, um  über die Jugendbegegnung mit Mutter Teresa zu berichten.

Als ich wieder ins Auto einsteigen wollte, drehte sich Mutter Teresa, die schon im Haus war, herum und sagte zu mir: „Pater, ich erinnere mich, Sie sind der Bruder der Dame, die für mich übersetzt hat. Ich habe vergessen, mich von ihr zu verabschieden. Bitte, sagen Sie ihr Danke von mir.“

Ich hatte ein Exemplar des Neuen Testamentes bei mir, und es fiel mir gerade noch ein ein, sie zu bitten, etwas hineinzuschreiben, was ich als Reliquie einer Heiligen aufbewahrt habe „Lieber Pater Carlos, seien Sie ausschließlich nur für Jesus da. Zeigen Sie den anderen nur Jesus. Gott segne Sie. Mutter Teresa.“

Das sagte sie der Jugend von Chile am 15. September 1982:

„In der Heiligen Schrift lesen wir, dass Gott die Welt so geliebt hat, dass Er Seinen Sohn Maria, der Reinsten, gab. Mit dem Kommen Jesu war Maria voll der Gnade, voll mit Christus. Und als sie Jesus empfangen hatte – das war der Tag ihrer Ersten Heiligen Kommunion – ging sie hinaus und teilte ihn mit anderen. Warum ging sie zu ihrer Kusine Elisabeth? Sie ging als Dienerin, um zu dienen. Und etwas Außergewöhnliches geschah – das Kind in Elisabeths Schoß hüpfte vor Freude. Es ist außergewöhnlich, dass Gott ein ungeborenes Kind wählt, um die Gegenwart Christi zu verkünden. Heute ist das Kind, das geboren werden soll, unerwünscht, ist ungeliebt, verachtet, abgetrieben, ermordet von seiner eigenen Mutter. Zweifellos spricht Gott zu dem Kind und sagt: ‚Selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergäße, ich vergesse dich nicht, ich habe dich in meine Hand geschrieben. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Die Wasser werden dich nicht ertränken, das Feuer wird dich nicht verbrennen. Du bist sehr kostbar für mich. Ich liebe dich …“

Quelle: Zeitschrift „Vínculo”, Chile, Oktober 2016

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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