Veröffentlicht am 5. März 2016 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Franziskus in meinem Mexiko: Zeugnisse von mexikanischen Schönstättern (4)

FRANZISKUS IN MEXIKO, Chiapas, von Mayra Delgado de Yamallel •

Was für ein Segen war es, dass Mónica Guerra de Morales und ich am Treffen der Familien mit Papst Franziskus in Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, teilnehmen konnten!

Zusammen mit vier anderen Freundinnen, die zum Kreuz-Apostolat gehören, kamen wir am Vorabend der Begegnung in der Stadt an. Wir hatten Karten für das Victor-Reyna-Stadtion, die von der Erzdiözese Monterrey zur Verfügung gestellt worden waren.

Die erste Entscheidung war: Wann sollten wir am anderen Morgen losgehen? Das Stadion sollte ab 8.00 Uhr geöffnet sein, die Begegnung mit dem Papst würde gegen 16.15 Uhr beginnen. Eine von uns nahm Kontakt auf mit Freunden, die mit Pfr. Lomelí gekommen waren, dem Leiter der Familienpastoral der Diözese Monterrey, und wir einigten uns, am Morgen um halb fünf das Hotel zu verlassen.

Weil es nahezu zwölf Stunden Wartezeit würden, bereiteten wir uns etwas zu essen vor, denn wir wussten, dass drinnen nichts verkauft werden würde. Wir nahmen auch viel Sonnencreme als Schutz mit, und eine Menge Spannung und Begeisterung!

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Freudiges Warten

Wir gingen so nah wir konnten zum Stadion, denn die Straßen waren in der Nacht zuvor für den Verkehr gesperrt worden. Wir gingen etwa anderthalb Kilometer und trafen unterwegs Pfr. Lomelí!. Die Erzdiözese hatte einige Hüte und Kopftücher zur Verfügung gestellt als Erkennungszeichen, das war eine große Hilfe. Nachdem wir diese Strecke gegangen waren, erreichten wir das Stadion und trafen auf die erste Sicherheitskontrolle. Pfr. Lomeli und wir passierten sie ohne irgendein Problem und schlossen uns einer Schlange an, die sich schon in der vorigen Nacht gebildet hatte. Es war 5.15 Uhr. Wir stellten uns mit anderen Leuten an, die aus Monterrey kamen. Dort fanden wir heraus, dass einige Bekannte, die nur ein paar Minuten nach uns angekommen waren, die erste Sicherheitskontrolle nicht passieren konnten und zu einer anderen Schlange, sehr weit vom Stadion entfernt, geschickt wurden. Glück gehabt!

Wir beteten den Rosenkranz, unterhielten uns mit Leuten aus anderen Staaten und verteidigten unsere Plätze, denn es gab einige, die sich in die Schlange drängen wollten. Kurz und gut, wir waren erpicht, das Stadion zu betreten und die bestmöglichen Plätze zu bekommen. Endlich wurde das Stadion geöffnet – um 9.15 Uhr, eine Stunde später als vorgesehen. Unser Herz schlug heftig vor Bewegung, als wir das Stadion betraten und die Nachbildung des Copoya-Kreuzes sahen (das Original ist auf einem Hügel zu finden, es ist das Symbol der Stadt), den Sessel, den Papst Franziskus einnehmen würde, und an einer Seite das Bild der Heiligen Familie. Wir saßen auf Plätzen ganz nah bei den anderen Pilgern aus Monterrey.

Die ersten Stunden vergingen ohne irgendwelche Zwischenfälle. Es waren erst wenige Menschen da, wir konnten unsere Plätze verlassen und etwas Schatten aufsuchen.

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Dann wurde es richtig hart

In der langen Wartezeit gab es ein umfassendes und schwungvolles Programm. Es gab Lieder mit einer Marimba und Musikern, Einüben von Liedrufen, Zeugnisse, die klassische „Welle“, doch nach einer Weile wurde bekannt gegeben, dass es in den Toilettenräumen kein Wasser gebe. Die Sonne wurde intensiver, und das Wasser, das zur Verfügung gestellt war, wurde knapp. Das Stadion begann sich mit Menschen zu füllen! Leute saßen und standen in den Gängen, was es schwierig machte, sich zu bewegen. Eine Freundin ging los, um nach einer Sicherheitskraft zu suchen (es gab sehr wenig Personal, um die Ordnung aufrecht zu erhalten) und zu sagen, dass es für die Menschen gefährlich sei, sich in den Gängen aufzuhalten. Sie antworteten, sie könnten nichts tun. Die Kombination dieser Umstände machten die letzten drei Stunden sehr schwierig. Häufig gab es Rufe nach Sanitätern (die mit Mühe durchkamen), um dehydrierte oder ohnmächtige Menschen auf einer Trage herauszubringen. Was uns betraf, wurde es uns immer mulmiger. Die Hitze war unerträglich und das bloße Gedränge der Menschen verursachte ein Gefühl, als würden wir ersticken. Aber Gott wirkt in allem! Genau in dem Moment, als Hitze, Durst und Gedränge unerträglich wurden, begann die Anbetung des Allerheiligsten. Alle begannen zu beten, und mit dem wenigen Wasser, das wir hatten, belebten wir unseren Körper. Jesus im Allerheiligsten Sakrament stärkte uns und gab die nötige Kraft für die letzte Strecke.

Der Hubschrauber mit dem Papst über dem Stadiojn

Plötzlich, etwa um 15.00 Uhr, wurde bekanntgemacht, dass die Begegnung mit dem Heiligen Vater früher beginnen werde! Das ließ hoffen, und um 15.15 Uhr, in dem Moment, als das Bild mit dem Hubschrauber des Heiligen Vaters, der von San Cristóbal nach Tuxla kam, auf den großen Bildschirmen gezeigt wurde, ergriff – wie durch Magie – alle Anwesenden eine unerklärliche Euphorie! Die Tausende von Herzen in diesem Stadion vergaßen, was immer sie an Unbequemlichkeit erlebt hatten, und eine Freude kam auf, die unmöglich mit Worten zu erklären ist. Ganz zu schweigen von dem Moment, als der Hubschrauber über das Stadion flog! Alle sprangen auf und schwangen ihre Arme! Der Hubschrauber landete, und auf den Bildschirmen sahen wir die Gestalt des Papstes aufkommen. Da wussten wir, wir waren nur Minuten davor, ihn zu sehen!

Und jetzt ist er bei seinen Familien!

Als wir ihn flüchtig im Papamobil sahen, war unsere Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Jeder wollte seinen Blick erfassen, und wie Kinder sich nach Seifenblasen ausstrecken, wollten wir seinen Segen empfangen.

Er begann seine Rede mit einem freundlichen und liebevollen „Guten Tag“. Es war ein wunderbarer Nachmittag! Jedes Wort, das er sagte, war das eines Hirten „mit dem Geruch von Schafen“. Seine äußerst hoffnungsvolle und ermutigende Botschaft war an die mexikanischen Familien und an die Welt gerichtet; die Tausende von Gläubigen, die sich dort versammelt hatten, hörten ihm aufmerksam und respektvoll zu.

Wir alle nahmen unsere Bitten zur Hand, einige waren aufgeschrieben, andere waren Fotos. Jeder wollte seine Familie, seine Freunde und alle die Menschen, die uns ein Gebet oder eine Bitte anvertraut hatten, dem Heiligen Vater gegenwärtig machen.

Der Heilige Vater fühlte sich eingetaucht in ein Volk, das ausgesprochen marianisch ist. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir das Evangelium von der Hochzeit zu Kana hörten; und vielleicht hat das ihn motiviert, uns einzuladen, uns an den Händen zu halten und gemeinsam das Gegrüßet seist du, Maria zu beten …

Es war eine wunderbare Gelegenheit, da zu sein und sich dem lächelnden Papst nahe zu fühlen, der auch zurechtweist und motiviert! Einem Papst, der betet, und der bittet, dass wir für ihn beten! Für ihn, der glaubt, und der uns verpflichtet hat, die Familie vor allem zu verteidigen!

Einem Papst, der einfach fesselt … und der uns keine andere Wahl gelassen hat, als ihn schon zu vermissen, bevor er weggefahren war!

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Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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