Veröffentlicht am 10. September 2015 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Die Armen haben uns in Bezug auf Menschlichkeit, Güte und Opfer und Solidarität viel zu lehren

Franziskus Woche für Woche •

Alle Stände der Kirche und viele andere außerhalb, ob gläubig oder nicht, haben die klaren, Hoffnung machenden und zugleich motivierenden Worte von Franziskus erhalten, die Verantwortung wahrzunehmen, die wir alle haben, eine Welt nach dem Willen Gottes zu bauen, in der Kraft des Heiligen Geistes und auf dem Weg Christi. Kardinäle und Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, Novizen und Seminaristen, Familien, Jugendliche und Alte, Gemeinschaften und Institutionen haben diese Empfehlung erhalten, hinaus „auf die Straße“ zu gehen, um eine Hoffnung zu bringen, nicht eine utopische, sondern eine Hoffnung in konkreten Taten, in Projekten der Evangelisierung des Menschen, wo immer er sei, und wenn er an der „Peripherie“ ist, dann genau dort und mit allen damit verbundenen Risiken und Gefahren. Ich ziehe eine verunglückte Kirche, die hinausgegangen ist, um zu dienen, einer aus Selbstbezogenheit kranken vor, wiederholt er immer wieder. Zeugnis all dessen ist der Bereich von schoenstatt.org, in dem Texte ausgewählt werden, die uns auf unserer eigenen Wallfahrt anregen. Und kein Zweifel, da wir Kirche sind, sind diese Worte auch an uns gerichtet. Wie mag unser Vater sich an diesem missionarischen Impuls freuen, der uns aus dem Herzen der Kirche selbst geschenkt wird! (P. José María García)


Diktaturen denken für das Volk; sie lassen nicht das Volk denken. Oder wie jener scharfe Ideologiekritiker antwortete, als man ihm sagte: „Ja, aber diese Leute haben guten Willen und wollen Gutes tun für das Volk.“ –: „Ja, ja, ja, alles für das Volk, aber nichts mit dem Volk.“ Das sind die Ideologien.

Alle sind notwendig bei der Suche nach dem Gemeinwohl. „In der gegenwärtigen Situation der globalen Gesellschaft, in der es so viel soziale Ungerechtigkeit gibt und immer mehr Menschen ausgeschlossen werden“ (Laudato si‘ 158), ist es ein Geschenk, Sie hier zu sehen. Es ist ein Geschenk, weil ich in den Personen, die gesprochen haben, den Willen zum Wohl des Vaterlandes gesehen habe.

Ich gestehe euch, dass es mich manchmal ein bisschen allergisch macht oder – um es nicht so fein auszudrücken – ich könnte aus der Haut fahren, wenn ich hochtönende Reden mit  all diesen Worten höre und jemand, der den Redner kennt, sagt: „Was für ein Lügner du bist!“ Darum: Worte allein sind nutzlos. Wenn du ein Wort sagst, engagiere dich im Sinn dieses Wortes! Arbeite damit Tag für Tag, Tag für Tag. Opfere dich dafür auf! Engagiere dich!

Es gibt auch das „Dialog-Theater“, das heißt wir stellen den Dialog dar, wir spielen Dialog, und danach reden wir im kleinen Kreis unter uns, und das andere ist vom Tisch. Beim Dialog muss man die Karten auf den Tisch legen, klar. Wenn du beim Dialog nicht wirklich sagst, was du empfindest, was du denkst, und dich nicht engagierst, den anderen anzuhören, deine Meinung zu korrigieren und miteinander zu sprechen, ist der Dialog nutzlos, dann ist alles nur Schminke! Nun, es stimmt, dass der Dialog nicht leicht ist; man muss viele Schwierigkeiten überwinden, und manchmal scheint es, als würden wir uns darauf versteifen, die Dinge noch schwieriger zu machen.

Damit es einen Dialog geben kann, bedarf es einer grundlegenden Voraussetzung, einer Identität.

Von dieser Identität aus trete ich also in den Dialog ein. Wenn ich ohne diese Identität das Gespräch aufnehme, ist der Dialog nutzlos. Außerdem setzt der Dialog diese Kultur der Begegnung voraus und verlangt von uns, sie zu suchen. Das heißt, eine Begegnung, die fähig ist zu erkennen, dass die Verschiedenheit nicht nur gut, sondern notwendig ist. Die Gleichförmigkeit löscht uns aus, macht uns zu Marionetten. Der Reichtum des Lebens liegt in der Unterschiedlichkeit.

Ein grundlegender Aspekt, um die Armen zu fördern, liegt auch in der Art und Weise, wie wir sie sehen. Nicht dienlich ist eine ideologische Sichtweise, die am Ende die Armen für andere politische oder persönliche Interessen gebraucht (vgl. Evangelii gaudium 199). Die Ideologien enden schlecht, sie sind nutzlos. Die Ideologien haben eine Beziehung zum Volk, die entweder unvollständig oder krank oder schlecht ist. Die Ideologien nehmen sich des Volkes nicht an.

Um tatsächlich das Wohl des Volkes zu suchen, muss man zuallererst eine wirkliche Sorge um seine Menschen haben – ich spreche von den Armen –, sie in ihrer eigenen Güte würdigen. Eine wirkliche Würdigung verlangt aber, bereit zu sein, von den Armen zu lernen, von ihnen zu lernen. Die Armen haben uns in Bezug auf Menschlichkeit, Güte und Opfer und Solidarität viel zu lehren. Wir Christen haben außerdem einen noch bedeutenderen Grund, die Armen zu lieben und ihnen zu dienen, denn in ihnen haben und sehen wir das Antlitz und den Leib Christi, der arm wurde, um uns mit seiner Armut reich zu machen (vgl. 2 Kor 8,9).

Die Personen, die berufen sind, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, haben die Aufgabe, darüber zu wachen, dass dies immer ein menschliches Gesicht hat. Die wirtschaftliche Entwicklung muss ein menschliches Gesicht haben: Nein zu einer Wirtschaft ohne Gesicht! In den Händen dieser Personen liegt die Möglichkeit, vielen Menschen eine Arbeit anzubieten und auf diese Weise vielen Familien eine Hoffnung zu geben. Das Brot nach Hause zu bringen, den Kindern Wohnung, Gesundheit und Bildung zu bieten, sind wesentliche Aspekte der menschlichen Würde, und die Unternehmer, die Politiker und die Ökonomen müssen in Bezug auf diese Aspekte Rede und Antwort stehen. Ich bitte sie, nicht einem götzendienerischen Wirtschaftsmodell nachzugeben, das es nötig hat, auf dem Altar des Geldes und der Rentabilität Menschenleben zu opfern. In der Wirtschaft, im Unternehmertum und in der Politik stehen an erster Stelle immer der Mensch und die Umgebung, in der er lebt.

Diese Vielheit der Gruppen und Personen ist wie eine große Symphonie, jeder mit seiner Besonderheit und seinem eigenen Reichtum, aber auf der Suche nach der endgültigen Harmonie. Die Harmonie ist das, was zählt. Und haben Sie keine Angst vor dem Konflikt, aber sprechen Sie darüber und suchen Sie Wege zur Lösung!

Lieben Sie Ihr Vaterland, Ihre Mitbürger, und vor allem lieben Sie die Ärmsten!

Alle Zitate sind aus der Ansprache von Papst Franziskus an die Vertreter der Gesellschaft in Paraguay, 11. 07. 2015, für schoenstatt.org ausgewählt von Andreza Ortigoza, Dequeni

 Vollständige Ansprache


Evangelii Gaudium

Audienz für die Schönstatt-Bewegung 25.10.2014

Alle Texte von Papst Franziskus

 

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