Veröffentlicht am 21. Juli 2015 In Franziskus - Botschaft, Franziskus - Initiativen und Gesten, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Lasst uns einfach sein wie diese Kinder

PARAGUAY, María Fischer vom Redaktionsteam schoenstatt.org •

Wie schon bei so vielen anderen Gelegenheiten, gab es diese zutiefst bewegenden Augenblicke auf Papst Franziskus‘ „Marathon der Liebe“ in Paraguay; die Begegnung mit seinen Lieblingsgruppen – den Kindern, den Armen, den Kranken, Gefangenen, den Alten, jenen an den Peripherien.

Es gab eine Atmosphäre großer Erwartung vor dem Acosta Ñu-Kinderkrankenhaus. Die Menschen hatten sich seit drei Uhr früh rund um das Hospital versammelt, um den Papst zu sehen.

Der Papst beschrieb das Beispiel von „Vertrauen“, „Freude“ und „Zärtlichkeit“ seitens der Kinder, die er im Acosta Ñu-Kinderkrankenhaus am Stadtrand von Asunción, der Hauptstadt Paraguays besuchte.

„Das ist es, was die Kirche wünscht, dass wir so einfach sind wie Kinder“, sagte er während des ersten Besuches an seinem zweiten Tag in Paraguay, während er mit vier Mädchen plauderte, die sich einer Herztransplantation unterzogen hatten. Zuvor war er persönlich 90 anderen schwerkranken Kindern, die stationär im Krankenhaus sind, begegnet.

Während er zu ihnen, ihren Familien und ihren persönlichen Ärzten sprach, (wobei er wieder einmal von seinem vorbereiteten Text abwich), kamen einige Kinder dichter an ihn heran und umarmten ihn, und in einem besonderen Augenblick gab eines von ihnen dem Papst seinen Zulassungs-Ausweis und flüsterte: „Damit Sie sich an mich erinnern.“

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„Er kommt zu uns“

Der Besuch im Acosta Ñu war Teil des Programms. Was nicht zum Programm gehörte, war der Besuch am gleichen Tag bei der Fundación San Rafael [Stiftung San Rafael] in Asunción – ein Überraschungsbesuch bei AIDS-Patienten und unheilbar Kranken. Dieses Zentrum sorgt kostenlos für unheilbar kranke Krebspatienten, für die Alten, die von der Straße aufgelesen wurden oder die von ihren Familien oder öffentlichen Einrichtungen verlassen wurden. Das ermöglicht ihnen, in Würde zu sterben mit allen Sakramenten. Es beherbergt auch kranke und verlassene Kinder, Waisen und gefährdete Kinder. Es gibt eine Grundausbildung und berufliche Ausbildung für Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen.

Die Menschen warteten vom Morgen an mit Hoffnung und Zuversicht … ihr Jubel war unbeschreiblich, als endlich die Ankündigung kam: der Papst kommt wirklich zu uns.

Papst Franziskus betrat die Kapelle des Zentrums, betete vor dem Bild der Gottesmutter und legte einige weiße Rosen vor ihr nieder.

Dann ging er in einen Raum, wo etwa 30 Patienten warteten, unter ihnen AIDS-Patienten und unheilbar Kranke.

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„Er überholte einfach den vatikanischen Sicherheitsdienst, und in der Mitte des Raumes begann er damit, dass er drei kranke Kinder segnete, zu jedem einzelnen einige Worte sagte, und alle sangen“, erzählte ein sichtlich gerührter Pfarrer Aldo Trento, ein Priester aus der Karl-Borromäus-Gemeinschaft, der Priestergemeinschaft der Bewegung Communione e Liberazione, der Leiter von San Rafael. Der Papst begrüßte herzlich zwei erwachsene Patienten. Einer von ihnen an AIDS, der andere an Spondylitis ankylosans erkrankt, einer degenerativen Erkrankung, die den betroffenen Patienten fast erblinden lässt.

„Mit einem überströmenden Gefühl der Liebe zu Christus, der unter den Armen und Kranken gegenwärtig ist, empfingen wir Papst Franziskus an unserer Klinik zur Göttlichen Vorsehung. Die Freude reichte bis in den tiefsten Teil des Herzens. Dank Pfarrer Aldo Trento, der, indem er uns die Liebe Christi zeigte, die gegenwärtig ist in den Armen und Kranken, es uns ermöglichte, diese einzigartige Erfahrung in unserem Leben zu machen“, so twitterte die Stiftung.

Die benachbarten Straßen waren gefüllt mit jungen Leuten, die sogar auf die Bäume kletterten um den Papst zu sehen, „ genau wie zu der Zeit Jesu“, kommentierte das paraguayische Fernsehen, das in diesen Tagen 24 Stunden lang live nur ein Programm hatte: Papst Franziskus in Paraguay.

„Wir fanden in letzter Minute heraus, dass er kommen würde, es gehörte nicht zum offiziellen Programm, es überging die Tagesordnung“, erklärte Pfarrer Aldo Trento. „Das war ein Wunder für mich; er sagte zu mir ‚machen Sie weiter und Danke‘. Es bewegte mich, denn wenn es große Werke gibt, streckt der Teufel seinen Schwanz hinein, und die Tatsache, dass der Papst mir das sagte, ist mir ein guter Rat“, sagte er. „Ich brauchte das, es war, als ob Jesus mir Mut machte“, ergänzte er unter Tränen.

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Ein Kind kam näher …

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Die Kinder: Seit seiner Ankunft am Flughafen ließ Papst Franziskus die Kinder zu sich kommen …

Es war in einem dieser Augenblicke, dass eines von ihnen näher kam, um dem Heiligen Vater ein kleines Bild von João Pozzobon zu geben, dem Initiator der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, dem lebendigen Beispiel von einem Schönstatt, das herausgeht …

 

 

 

 

Text der Ansprache von Papst Franziskus außerhalb der Kinderklinik

Herr Direktor,
liebe Kinder,
sehr geehrte Mitglieder des Personals,
liebe Freunde,

danke für den sehr herzlichen Empfang, mit dem ihr mich aufgenommen habt. Danke für diese Zeit, die ihr mir gestattet, bei euch zu sein.

Liebe Kinder, ich möchte euch eine Frage stellen; schauen wir, ob ihr mir helft. Man hat mir gesagt, dass ihr sehr klug seid, daher habe ich mich dazu entschlossen. Hat Jesus sich manchmal geärgert? … Erinnert ihr euch, wann? Ich weiß, es ist eine schwierige Frage, also werde ich euch helfen. Es war, als sie nicht zuließen, dass die Kinder zu ihm kamen. Es ist das einzige Mal im ganzen Markusevangelium, dass dieser Ausdruck verwendet wird (vgl. Mk. 10,13-15). Er ist ähnlich unserem Ausdruck: „er kochte vor Wut“.

Ärgert ihr euch manchmal? Nun, auf die gleiche Weise geschah es mit Jesus, als sie ihn nicht in die Nähe der Kinder ließen, in eure Nähe. Es ärgerte ihn sehr. Die Kinder gehören zu denen, die Jesus am meisten liebt. Nicht, dass er die Erwachsenen nicht mochte, aber er war glücklich, wenn er bei den Kindern sein konnte. Er freute sich sehr über ihre Freundschaft und Gesellschaft. Aber er liebte es nicht nur, sie in der Nähe zu haben, sondern mehr noch, er stellte sie als Beispiel hin. Er sagte zu den Jüngern: „Wenn ihr nicht … wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt. 18,3).

Die Kinder kamen immer zu Jesus, und die Erwachsenen versuchten immer, sie von ihm fernzuhalten, aber Jesus rief sie, nahm sie in die Arme und bevorzugte sie, damit Leute wie wir lernten, wie sie zu sein. Heute würde er das Gleiche zu uns sagen. Er schaut uns an und sagt: Lernt von ihnen.

Wie schön! Mit anderen Worten, was sagt Jesus uns damit? Dass wir demütig werden sollen wie Kinder, spontan wie Kinder (in Bezug auf ein Kind, dass nahe an ihn herankam), dem es nicht peinlich war, mir diesen Kuchen zu bringen, ganz spontan! Ohne weitere Absichten. Kinder sind einfach, sie sind voller Freude. Das ist es, was Jesus wünscht, dass wir wie Kinder werden sollen. So lasst uns von dem Ärger Jesu lernen, damit er nicht ärgerlich wird über uns, wie er verärgert war von den Aposteln.

Wir müssen von euch lernen, von eurem Vertrauen, eurer Freude, eurer Zärtlichkeit. Von eurer Fähigkeit zu kämpfen, von eurer Stärke. Von eurer unvergleichlichen Fähigkeit durchzuhalten. Einige sind Kämpfer. Und wenn einer solche „Krieger“ hat, ist er stolz. Nicht wahr, liebe Mütter? Nicht wahr, liebe Väter und Großeltern? Euch zu sehen gibt uns Kraft, gibt uns Mut, um Vertrauen zu haben, um weiter zu gehen.

Liebe Mütter, Väter, Großeltern, ich weiß, dass es für euch gar nicht einfach ist, hier zu sein. Es gibt Momente großen Schmerzes, der Ungewissheit. Es gibt Momente großer Angst, die das Herz bedrückt, und es gibt Momente großer Freude. Diese beiden Gefühle leben miteinander, befinden sich in uns. Aber es gibt kein besseres Heilmittel als eure Zärtlichkeit, eure Nähe. Und ich freue mich zu erfahren, dass unter euch Familien ihr euch helft, ermuntert, gegenseitig stützt, um weiter zu gehen und diesen Moment durchzumachen.

Ihr könnt auf die Unterstützung der Ärzte, der Krankenschwestern und -pfleger und des gesamten Personals dieses Hauses zählen. Danke für diese Berufung eures Dienstes, nicht nur den Schmerz eurer Brüder und Schwestern heilen, sondern auch begleiten zu helfen.

Vergessen wir es nicht: Jesus ist seinen Kindern nahe. Er ist sehr nahe, im Herzen. Zögert nicht, ihn zu bitten, zögert nicht, mit ihm zu sprechen, eure Fragen, den Schmerz zu teilen. Er ist immer da, aber immer, und er wird euch nicht fallen lassen.

Und einer Sache sind wir sicher, und einmal mehr bekräftige ich es. Wo ein Kind ist, da ist die Mutter. Wo Jesus ist, da ist Maria, die Jungfrau von Caacupé. Bitten wir sie, dass sie euch unter ihrem Mantel beschütze, dass sie für euch und eure Familien als Fürsprecherin eintritt.

Und vergesst nicht, für mich zu beten. Ich bin sicher, dass eure Gebete den Himmel erreichen.

(Übersetzung zum großen Teil von www.vatican.va)

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

 

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