Veröffentlicht am 2015-07-25 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen, Projekte

„Ich bitte dich, für die Freiheit eines jeden von uns zu beten, für unser aller Freiheit“

PARAGUAY, von María Fischer in Zusammenarbeit mit P. Pedro Kühlcke •

“Nachdem Orlando das Evangelium gelesen hat, ist er zu mir gekommen, um mich zu begrüßen, und hat mir gesagt: „Ich bitte dich, für die Freiheit eines jeden von uns zu beten, für unser aller Freiheit. Das ist der Segen, den Orlando für jeden von uns erbeten hat. Es ist der Segen, den wir jetzt alle gemeinsam erbitten: die Freiheit. “ So begann Papst Franziskus am Sonntag, 12. Juli, die wohl spontanste Ansprache seiner Reise nach Lateinamerika.

„Orlando, der Junge, der den Papst dazu brachte, seine Ansprache zu verändern“ – so titelten mehrere Zeitungen Paraguays in den Tagen nach der bewegenden Begegnung von Papst Franziskus mit der Jugend Paraguays und mehrerer anderer lateinamerikanischer Länder auf der Uferpromenade von Asunción. Dort traf sich Papst Franziskus mit etwa einer Million junger Menschen am letzten Tag seines Aufenthaltes in Paraguay, wenige Stunden vor seinem Abschied von Lateinamerika. Bei dieser Begegnung las Orlando, 17 Jahre alt, einen Abschnitt des Evangeliums und bewegte den Papst mit seiner Bitte: Freiheit für ihn und seine Kameraden im Erziehungszentrum – heißt, dem Jugendgefängnis, in dem Pater Pedro Kühlcke seit knapp einem Jahr ihn und die anderen Jugendlichen begleitet, als Vater und Pater und Freund im vollsten Sinne des Wortes.

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„Acht jugendliche Häftlinge des halboffenen Vollzugs des Gefängnisses von Itauguá werden am Sonntag am Treffen des Papstes an der Uferpromenade teilnehmen. Einer von ihnen wird dabei einen Abschnitt aus der Bibel verlesen. So die Information von Orlando Castillo, Leiter der Abteilung Jugend-Strafvollzug im Justizministerium. Er erklärte, dass es sich um Jugendliche handle, die seit eineinhalb Jahren an einem Programm mit Pater Pedro Kühlcke vom Schönstatt-Heiligtum in Ypacaraí teilnehmen. Er erklärte, dass die Jugendlichen, die an der Liturgie mit dem Heiligen Vater teilnehmen, wegen guter Führung im halboffenen Vollzug sind.“ – So zu lesen in einer der größten Zeitungen Paraguays (Ultima Hora).

„Am Schluss durften wir dann nur vier Jugendliche mitnehmen, mehr nicht, aber es ist ein Anfang!“, so Pater Pedro Kühlcke, der sie wie im Gefängnis auch zur Begegnung mit Papst Franziskus begleitete.

Wenn einer dich bittet, eine Meile mitzugehen…

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„Ich habe zu Orlando auf dem Weg zur Uferpromenade gesagt: ‚Nicht nervös werden, du musst ja nur vor dem Papst und der ganzen Welt das Evangelium verkünden’…“ erzählt Pater Pedro Kühlcke. Das Foto, das genau in diesem Moment auf dem Weg zur Uferpromenade entstanden ist, wurde zu einem der am meisten in den sozialen Netzwerken verbreiteten.

Ein Bild, ein Symbol der Gefängnispastoral eines „Vaters und Freundes“, der vom Heiligtum in Tupãrendá an die Peripherien hinausgeht, zur Begegnung mit diesen Jugendlichen aus dem Jugendgefängnis. Heimsuchung Mariens (Lk 1,39), „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25,36), Heilsgeschichte und reale Geschichten von Schönstättern im missionarischen und solidarischen Herausgehen, motiviert von Papst Franziskus, von Pater Kentenich, von der Pilgernden Gottesmutter … auf dem Weg, den Jesus zuerst gegangen ist.

“In diesem Gefängnis leben 160 männliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in äußerst schwierigen Verhältnissen. Was mir am meisten weh tut ist zu sehen, dass praktisch alle aus den untersten sozialen Schichten kommen, aus Elendsvierteln oder direkt von der Straße. Viele von ihnen haben unvollständige oder keine Familien; die allermeisten haben von ganz klein an keine Zuwendung erfahren, und dann kommen Drogen und andere Süchte dazu. Und es fällt mir auf, dass keine Jungen aus der Mittel- und Oberschicht im Gefängnis sind“, so Pater Pedro Kühlcke.

„Wir haben ein schönes Team der Gefängnispastoral gebildet, die meisten sind Mitglieder der Schönstatt-Bewegung aus Tuparenda und Asunción. Es sind mir sehr hochherzige Menschen begegnet, die mit großen Opfern Liebe, Zeit und Geld geben, um diesen Jungen, denen alles fehlt, etwas von der Liebe Gottes und der Gottesmutter zu schenken. Jeden Samstag gehen wir dorthin und teilen mit ihnen Lieder, Gebete und Umarmungen und vor allem einen leckeren, reichhaltigen Imbiss. Wir erleben hautnah die schwierige und leidvolle Situation von vielen von ihnen – familiär, sozial, juristisch, medizinisch, und wir helfen, wie wir nur können.“ Und so halfen sie ihnen auch, an diesem Treffen mit dem Papst teilzunehmen.

„Was für eine großartige Gefängnispastoral machen Pater Pedro und sein Team, hoffentlich können sie allen Jugendlichen, die im Jugendgefängnis sind, aufhelfen und dafür sorgen, dass sie ein Zuhause bekommen; unsere Jugendlichen werden nicht fallen, wenn wir die Familien stärken. Arbeiten wir für die Kinder auf der Straße“, so Agustín Saldivar in einer der Zeitungen Paraguays.

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Der Segen von Papst Franziskus für alle inhaftierten Jugendlichen

„Ich konnte ihn um seinen Segen für alle inhaftierten Jugendlichen bitten. Und Orlando hat ihn danach auch darum gebeten. Davon hat der Papst sich inspirieren lassen, um nachher seine ganze Ansprache zu verändern. Unwahrscheinlich bewegend! Dass wir beide auf der Bühne so nahe beim Papst landeten, war absolut nicht vorgesehen – eine ganz besondere Aufmerksamkeit der Gottesmutter“, so Pater Pedro Kühlcke am Tag nach dieser Begegnung, vor dem Aufbruch in die Familien-Misiones. „Ich habe den Papst um seinen besonderen Segen für die Jugendlichen im Gefängnis gebeten“, wiederholt er. „Er hat sehr aufmerksam zugehört und mit einem herzlichen, gütigen Lächeln diesen Segen gespendet.“

„Du bist ein Mutiger!“

10404343_1042344139151128_1141535761161322770_n“Bevor alles anfing, habe ich mit dem Papst gesprochen. Er hat mich nach meinem Namen gefragt, und vor lauter Ergriffenheit konnte ich gar nicht reden, ich habe keine Worte rausgebracht, es war alles einfach zu ergreifend; nach einer richtig krassen Anstrengung habe ich ihm dann aber etwas erzählt, auch dass ich das Evangelium lesen würde“, erzählt Orlanda selbst in einem Interview mit Ultima Hora, und weiter:

„‚Traust du dich, das zu machen?‘ fragte er mich, und ich sagte: ‚Ja, ich glaube schon.‘ Und dann sagt der Papst zu mir: ‚Du bist ein Mutiger!'“

„Als die Lesung zu Ende war, bin ich zu ihm hingegangen, um ihn zu umarmen, denn er hatte mich gerufen. Mich! Ich hatte das Gefühl, auf Wolken zu schweben, spürte so einen Frieden und dass alles, um was ich gebeten hatte, sich erfüllen würde. Ich kann nur sagen, die Umarmung des Papstes ist Gold wert.“

„Jedes Mal, wenn ich etwas gesagt habe, hat er mich gebeten, nicht zu vergessen, für ihn zu beten. Ich habe ihn gebeten, für meine Freiheit und für meine ganze Familie zu beten. Danach hat er mich um Erlaubnis gebeten, das, was ich gesagt hätte, vor all den anderen zu erwähnen, aber er würde sich dabei ganz allgemein auf die Freiheit beziehen. Und dann hat er meine Bitte in eine Betrachtung verwandelt, und jedes Mal, wenn er meinen Namen genannt hat, hat es mich ganz tief innen berührt und ich hatte das Gefühl, zu schweben.“

Der bewegendste Moment ist für Orlando der Austausch von Geschenken. „Ich habe ihm ein Bild geschenkt mit einem Rosenkranz in Ñandutí-Technik, und ich habe ihm einen Brief geschrieben, in dem ich ihm meine Geschichte erzählt habe und ihn gebeten habe, mir zu helfen, mein Leben zu ändern, und für meine Familie.“

„Und auch für die Straßenkinder, die keine warmen Sachen haben und nichts zu essen und vor allem, dass durch sein Gebet Gott das Herz jedes Jugendlichen berührt, wie er meines berührt hat. Und für den Fall, dass er mich anrufen will, habe ich ihm die Telefonnummer meiner Mutter und die des Gefängnisdirektors reingeschrieben“, erzählt er.

„Die Lesung, die Umarmung und der Rosenkranz, den er mir geschenkt hat, sind meine größten Schätze. Das hat mich tief im Herzen berührt. Und mein Versprechen ist jetzt, dass ich den Mitgefangenen helfe, an Gott zu glauben, dass sie ihm ihre Zeit schenken. Ich will zeigen, dass er hilft und unser Leben verändert. Wenn ich hier rauskomme, will ich das Wort Gottes zuerst meiner Familie bringen. Danach will ich den Jugendlichen helfen, zweimal nachzudenken, bevor sie diese Sachen machen, denn ein solcher Fehler kann teuer werden.“

Vollständiges Interview (spanisch) http://www.ultimahora.com/historia-del-joven-que-inspiro-al-papa-cambiar-su-discurso-costanera-n913934.html

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Foto:  Sebastián Woitas, Asunción, Paraguay

Danke, Heiliger Vater, für den Segen für die Jugendlichen vom Jugendgefängnis. Danke, Heiliger Vater, für den Segen für die Gefängnispastoral von Pater Pedro Kühlcke und für alle, die ihn mit ihren Besuchen, ihren Gebeten und ihren Spenden begleiten.

11232180_1041711415881067_8136826609383819396_nDanke, Orlando, dass du uns die spontanste Ansprache des Heiligen Vaters bei diesem Besuch geschenkt hast.

Wir danken dir, indem wir die Worte von Papst Franziskus wiederholen:

“So wollen wir alle gemeinsam Orlando danken, dass er diesen Segen erbeten hat: das freie Herz – ein Herz, das sagen kann, was es denkt, das sagen kann, was es empfindet, und das tun kann, was es denkt und was es empfindet. Das ist ein freies Herz! Und das ist es, was wir jetzt alle gemeinsam erbitten, diesen Segen, den Orlando für alle erbeten hat.”

Danke, Orlando, für die Möglichkeit, Teil dieses Segens zu sein. Rechne mit unseren Gebeten für dich und für all deine Freunde im Gefängnis, für Pater Pedro und sein Team.

Und auch wir möchten beitragen mit unseren hochherzigen und solidarischen Gaben für die Gefängnispastoral und das ersehnte Haus „Mutter von Tuparenda“, das dich und deine Freunde am Tag eurer Entlassung aus dem Gefängnis aufnehmen wird, damit ihr nicht wieder ganz allein auf der Straße landet, damit ihr dort einen Beruf lernen und im Glauben wachsen könnt, mit Freunden und Solidarität und in der Nähe der Gottesmutter …

 

AurNGBqnaJFmgEKA6wvHruix4l3SNxNQCq5rCgdJz_rNUnd was kann ich dafür … tun?

Beten. Begleiten. Bekanntmachen. Spenden.

Spendenkonto in Paraguay

Banco GNB
Cta Nro. 001-065259-003
Congregación Padres de Schoenstatt

Spendenkonto in Europa
Schönstatt-Patres International e. V.
IBAN  DE91 4006 0265 0003 1616 26
BIC/SWIFT GENODEM1DKM
Verwendungszweck: P. Pedro Kühlcke, Casa Madre de Tuparenda

Ganz einfach: Spenden mit PayPal

 

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Ansprache des Heiligen Vaters

Uferpromenade von Asunción, Paraguay. Sonntag, 12. Juli 2015

Liebe junge Freunde, guten Abend,

nachdem Orlando das Evangelium gelesen hat, ist er zu mir gekommen, um mich zu begrüßen, und hat mir gesagt: „Ich bitte dich, für die Freiheit eines jeden von uns zu beten, für unser aller Freiheit.“ Das ist der Segen, den Orlando für jeden von uns erbeten hat. Es ist der Segen, den wir jetzt alle gemeinsam erbitten: die Freiheit. Denn die Freiheit ist ein Geschenk, das Gott uns macht. Doch man muss es anzunehmen wissen, man muss verstehen, ein freies Herz zu haben; wir wissen ja alle, dass es in der Welt viele Schlingen gibt, die unser Herz fesseln und nicht zulassen, dass es frei ist. Die Ausbeutung, der Mangel an Überlebensmitteln, die Abhängigkeit von Drogen, die Traurigkeit – alles Dinge, die uns die Freiheit nehmen. So wollen wir alle gemeinsam Orlando danken, dass er diesen Segen erbeten hat: das freie Herz – ein Herz, das sagen kann, was es denkt, das sagen kann, was es empfindet, und das tun kann, was es denkt und was es empfindet. Das ist ein freies Herz! Und das ist es, was wir jetzt alle gemeinsam erbitten, diesen Segen, den Orlando für alle erbeten hat. Wiederholt mit mir [Der Heilige Vater spricht das Gebet Satz für Satz, und die Jugendlichen wiederholen es]: „Herr Jesus, gib mir ein freies Herz… das nicht Sklave all der Fallen der Welt ist; das nicht Sklave der Bequemlichkeit, der Täuschung ist; das nicht Sklave des ,angenehmen Lebens‘ ist; das nicht Sklave der Laster ist. Das nicht Sklave einer falschen Freiheit ist, die darin besteht, immer das zu tun, was mir gerade gefällt.“ Danke, Orlando, dass du uns bewusst gemacht hast, dass wir ein freies Herz erbitten müssen. Bittet alle Tage darum!

Wir haben zwei Zeugnisse gehört: das von Liz und das von Manuel. Liz hat uns etwas gelehrt. So wie Orlando uns gelehrt hat zu beten, um ein freies Herz zu haben, zeigt Liz uns mit ihrem Leben, dass man nicht sein darf wie Pontius Pilatus und sich „die Hände reinwaschen“. Liz hätte seelenruhig ihre Mutter in ein Heim und ihre Großmutter in ein anderes Heim bringen und ihr Leben wie das eines jungen Mädchens gestalten können, mit Vergnügungen und einem Studium nach ihren Wünschen. Und Liz sagte: „Nein, die Großmutter, die Mutter…“. Und Liz verwandelte sich in eine Dienerin, in eine Bedienstete und – wenn ihr es noch stärker wollt – in eine Dienstmagd ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Und sie tat es mit Liebe! Bis zu dem Punkt – sagte sie –, dass sich sogar die Rollen vertauschten und sie schließlich die „Mutter“ ihrer Mutter wurde, in der Weise, wie sie sie pflegte. Ihre Mutter mit dieser so grausamen Krankheit, die alles durcheinander bringt. Und sie verzehrte ihr Leben, bis jetzt, bis zum Alter von 25 Jahren, indem sie ihrer Mutter und ihrer Großmutter diente. Allein? Nein, Liz war nicht allein. Sie sagte zwei Dinge, die uns helfen müssen: Sie sprach von einem Engel, von einer Tante, die wie ein Engel war; und sie sprach von der Begegnung mit den Freunden am Wochenende, mit der Jugendgruppe für die Evangelisierung, mit der Jugendgruppe, die ihren Glauben nährte. Und diese zwei Engel – die Tante, die ihr beistand, und diese Jugendgruppe – gaben ihr viel Kraft, um weiterzumachen. Und das nennt sich Solidarität. – Wie nennt sich das? [Die Jugendlichen antworten: „Solidarität“] Wenn wir das Problem eines anderen auf uns nehmen. Und dort hat sie eine Oase des Friedens für ihr müdes Herz gefunden. Doch es gibt noch etwas, das uns entgangen ist. Sie sagte nicht: „Ich tue das und nichts anderes.“ Sie hat studiert! Und ist Krankenschwester. Und indem sie all das tat, hat ihr der Beistand, die Solidarität, die sie von euch, von eurer Gruppe empfing und den sie von dieser Tante empfing, die wie ein Engel war,  geholfen voranzugehen. Und heute, im Alter von 25 Jahren, besitzt sie die Gnade, um die Orlando uns hat beten lassen: Sie hat ein freies Herz. Liz erfüllt das vierte Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Liz bringt ihr Leben zum Ausdruck – sie „verzehrt“ es! – im Dienst an ihrer Mutter. Das ist ein äußerst hoher Grad von Solidarität, es ist ein äußerst hoher Grad von Liebe. Ein Zeugnis. – „Padre, es ist also möglich, zu lieben?“ Hier habt ihr eine, die uns lieben lehrt.

Erstens: Freiheit, ein freies Herz. Also, alle zusammen. Erstens [gemeinsam mit den Jugendlichen]: „ein freies Herz.“ – Zweitens: Solidarität, um zu begleiten. Solidarität. Das ist es, was uns dieses Zeugnis lehrt.

Und Manuel wurde in seinem Leben nichts geschenkt. Manuel ist kein „Muttersöhnchen“. Er war kein „Schoßkind“. Er war nicht ein Junge – und heute ein junger Mann –, der ein leichtes Leben hatte. Er gebrauchte harte Worte: „Ich wurde ausgebeutet, wurde misshandelt, war in Gefahr, in Abhängigkeiten zu geraten… ich war allein.“ Ausbeutung, Misshandlung, Einsamkeit. Und anstatt schlechte Wege einzuschlagen, anstatt stehlen zu gehen, machte er sich an die Arbeit! Anstatt sich für sein Leben zu rächen, hat er vorwärts geschaut. Und Manuel hat einen schönen Satz gesagt: „Ich konnte vorangehen, denn in der Situation, in der ich mich befand, war es schwierig, von Zukunft zu reden.“ Wie viele junge Menschen wie ihr haben heute die Möglichkeit zu studieren, sich jeden Tag mit der Familie zu Tisch zu setzen, haben die Möglichkeit, dass es ihnen nicht an Wesentlichem fehlt? Wie vielen von euch geht es so? Alle zusammen, denen es so geht, sollen sagen: „Danke, Herr!“ [Die Jugendlichen wiederholen: „Danke, Herr!“] Danke! Denn hier haben wir das Zeugnis eines jungen Mannes gehabt, der von Kind an wusste, was Schmerz, was Traurigkeit ist, der ausgebeutet und misshandelt wurde, der nichts zu essen hatte und allein war. Herr, rette die Kinder, die sich in einer solchen Situation befinden! Und für uns, Herr: Danke! Danke, Herr! Alle: „Danke, Herr!“

Freiheit des Herzens – erinnert ihr euch? – Freiheit des Herzens ist das, was Orlando uns sagte. Dienst, Solidarität ist das, was Liz uns sagte. Hoffnung Arbeit, kämpfen für das Leben, vorangehen ist das, was Manuel uns sagte.

Wie ihr seht,  ist für viele junge Menschen das Leben nicht einfach. Und ich möchte, dass ihr das versteht, ich möchte, dass ihr euch das gut einprägt: Wenn für mich das Leben relativ leicht ist, gibt es doch andere Kinder und Jugendliche, für die es nicht relativ leicht ist. Mehr noch: Es gibt solche, die die Verzweiflung in die Kriminalität treibt, ins Verbrechen treibt, sie dazu treibt, mit der Korruption zusammenzuarbeiten! Diesen Jungen und Mädchen müssen wir sagen, dass wir ihnen nahe sind, dass wir ihnen beistehen wollen, dass wir ihnen helfen wollen – mit Solidarität, mit Liebe, mit Hoffnung.

Es gab zwei Dinge, welche die beiden, die gesprochen haben – Liz und Manuel – gesagt haben. Zwei schöne Sätze; hört sie an. Liz hat gesagt, dass sie begann, Jesus kennen zu lernen – Jesus kennen zu lernen! –, und das bedeutet, der Hoffnung die Tür zu öffnen. Und Manuel sagte: „Ich erkannte Gott, meine Stärke.“ Gott zu erkennen, bedeutet Stärke. Mit anderen Worten, Gott kennen, sich Jesus nähern ist sowohl Hoffnung als auch Stärke. Und das ist es, was wir in der Jugend heute brauchen: junge Menschen mit Hoffnung, junge Menschen mit Kraft und Stärke. Wir wollen keine „lahmen“, „lustlosen“ Jugendlichen mit einer Mentalität des „bis hier und nicht weiter“ – weder ja, noch nein…Wir wollen keine jungen Menschen, die sofort müde werden und müde dahinleben, mit gelangweiltem Gesicht. Wir wollen starke Jugendliche. Wir wollen junge Leute voller Hoffnung und Kraft. Warum? Weil sie Jesus kennen, weil sie Gott kennen. Weil sie ein freies Herz haben. Ein freies Herz. Wiederholt! [Die Jugendlichen wiederholen jedes der Worte] Solidarität! Arbeit! Hoffnung! Stärke! Jesus kennen! Gott, meine Stärke, kennen! – Ein junger Mensch, der so lebt, hat der ein gelangweiltes Gesicht? [Antwort der Jugendlichen: „Nein!“] Hat er ein trauriges Herz? [Antwort: „Nein“!] Das ist der Weg!

Doch das verlangt Opfer, dafür muss man gegen den Strom schwimmen. Die Seligpreisungen, die wir vorhin gelesen haben, sind der Plan Jesu für uns. Und es ist ein Plan „gegen den Strom“. Jesus sagt euch: „Selig, die arm sind vor Gott.“ Er sagt nicht: „Selig die Reichen, diejenigen, die Geld scheffeln.“ Nein. Diejenigen, welche die innere Haltung des Armen haben, diejenigen, die fähig sind, sich zu nähern und das Wesen des Armen zu verstehen. Jesus sagt nicht: „Selig, die ein sorgenfreies Leben verbringen“, sondern er sagt: „Selig, die fähig sind, über den Schmerz der anderen traurig zu sein.“ Und so empfehle ich euch, nachher zu Hause die Seligpreisungen zu lesen, sie stehen im fünften Kapitel vom heiligen Matthäus. In welchem Kapitel stehen sie? [Antwort der Jugendlichen: „Im fünften!“] Von welchem Evangelium? [Antwort: „Matthäus!“] Lest sie und meditiert sie, das wird euch gut tun!

Ich habe dir zu danken, Liz; ich danke dir, Manuel; und ich danke dir, Orlando. Ein freies Herz – das ist es, was es braucht.

Und nun muss ich gehen… [die Jugendlichen: „Nein!“]… Vor ein paar Tagen sagte mir ein Pfarrer im Scherz: „Ja, fahren Sie nur fort, den Jugendlichen zu sagen, dass sie Wirbel machen sollen, fahren Sie nur fort! Aber nachher – den Wirbel, den die jungen Leute machen, den müssen dann wir wieder in Ordnung bringen.“ – Macht Wirbel! Aber helft auch, den Wirbel, den ihr macht, zu ordnen und zu organisieren. Zweierlei: Macht Wirbel und organisiert ihn gut! Einen Wirbel, der uns ein freies Herz verschafft; einen Wirbel, der uns Solidarität schenkt; einen Wirbel, der uns Hoffnung gibt; einen Wirbel, der daraus entspringt, dass wir Jesus kennen gelernt haben und dass wir wissen, dass Gott, den wir erkannt haben, unsere Stärke ist. Das ist der Wirbel, den ihr machen sollt.

Da ich die Fragen kannte – denn man hat sie mir vorher gegeben –, hatte ich eine Ansprache für euch geschrieben, um sie euch zu halten, aber die Ansprachen sind langweilig…, und so gebe ich sie dem für die Jugendarbeit zuständigen Bischof, damit er sie veröffentlicht.

Und jetzt, bevor ich gehe, [die Jugendlichen: „Nein!“] bitte ich euch erstens, dass ihr weiter für mich betet; zweitens, dass ihr weiter Wirbel macht; drittens, dass ihr helft, den Wirbel, den ihr macht, zu organisieren, damit er nichts zerstört.

Und nun wollen wir alle gemeinsam im Schweigen das Herz zu Gott erheben. Jeder wiederhole aus ganzem Herzen mit verhaltener Stimme diese Worte:

Herr Jesus, ich danke dir, dass ich hier bin. Ich danke dir, dass du mir Brüder und Schwestern gegeben hast wie Liz, Manuel und Orlando. Ich danke dir, dass du uns viele Geschwister gegeben hast, die sind wie sie – die dir, Jesus, begegnet sind; die dich, Jesus, kennen gelernt haben; die wissen, dass du, ihr Gott, ihre Stärke bist. Jesus, ich bitte dich für die Jungen und Mädchen, die nicht wissen, dass du ihre Stärke bist, und die Angst haben zu leben, Angst, glücklich zu sein, die Angst haben zu träumen. Jesus, lehre uns zu träumen; von großen Dingen, von schönen Dingen zu träumen – von Dingen, die selbst, wenn sie alltäglich erscheinen, etwas sind, das unser Herz weit macht. Herr Jesus, gib uns Stärke, gib uns ein freies Herz, gib uns Hoffnung, gib uns Liebe und lehre uns zu dienen. Amen.

Jetzt gebe ich euch den Segen und bitte euch, dass ihr für mich betet und dass ihr für so viele Jungen und Mädchen betet, die nicht die Gnade empfangen haben, die ihr habt, nämlich Jesus kennen gelernt zu haben, der euch Hoffnung gibt, der euch ein freies Herz gibt und der euch stark macht.

Und so segne euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 Text der Ansprache: vatican.va.

Alle Texte der Lateinamerika-Reise von Papst Franziskus

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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