Veröffentlicht am 2015-07-08 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Franziskus in Paraguay, ein Besuch, der herausfordert

PARAGUAY, von Sebastián Acha •

Von dem Moment an, als der Besuch von Papst Franziskus in Paraguay bekannt gemacht wurde, konnte ich nicht aufhören über die Gründe des Heiligen Vaters nachzudenken, warum er ausgerechnet uns, ausgerechnet Paraguay auf seiner ersten Pastoral-Reise nach Lateinamerika bevorzugt.

Ich stellte mir die Erfahrungen des damaligen Erzbischofs und späteren Kardinals Bergoglio mit den verschiedenen paraguayischen Gemeinden in Buenos Aires und seine tiefe Kenntnis der Guarani-Kultur vor – und ich sage das nicht beschönigend, sondern mit allem, was diese Kultur bedeutet – und seine aufrichtige Bewunderung für die Frauen Paraguays. Ich dachte, ich könnte die Antwort dort finden, und mir war sofort klar, dass wahrscheinlich nicht diese schöne Erfahrung die erste Motivation war, eher dass es noch etwas mehr gibt, was der Papst uns erzählen möchte.

Gebetswache im ‚Defensores del Chaco Stadion‘ in der Hauptstadt, um den Besuch von Papst Franziskus in Paraguay vorzubereiten

Blick auf unsere eigene Realität und unsere eigene Mission

Paraguay ist das einzige Land in Lateinamerika, das keinen Kardinal hat. Fast 85% der Bevölkerung ist römisch-katholisch und erlebt eine seltsame Situation: Es hat einen ehemaligen Bischof mit einer mehr als umstrittenen Geschichte zum Präsidenten gewählt, und trotz einer jährlich bezeugten Verehrung der ‚Jungfrau von Caacupé‘ durch mehr als eine Million Katholiken, die eine Fußwallfahrt zu ihr machen, wird das Land wiederholt weltweit unter den ersten fünf Ländern mit Korruption genannt.

Franziskus möchte, dass wir uns unserer eigenen Realität und unserer eigenen Mission stellen. Er lädt uns ein zu entdecken, wer die Paraguayer wirklich sind: Wie kann ein Land mit solch einer katholischen Hingabe diesen hohen Stand von Korruption akzeptieren? Ist der Abstand zwischen dem, was wir bekennen und dem, wie wir Tag für Tag leben, so groß? Was ist unsere Mission?

„Baue meine Kirche wieder auf, denn man kann sehen, dass sie in Trümmern liegt“

Franziskus kommt nach Paraguay, nicht nur um die Frauen Paraguays zu ehren und durch seine Aktionen die große Liebe zu zeigen, die er für unser Land und unsere Kultur hat. Franziskus kommt in unser Haus, um uns Paraguayern zu sagen, was Christus im Kreuz zu St. Franziskus von Assisi in der Kapelle von St. Damian sprach: „Baue meine Kirche wieder auf, denn man kann sehen, dass sie in Trümmern liegt.“

Wir finden die Widersprüche in unserer Kirche. Sie sind weit davon entfernt uns einzuladen, sie zu ignorieren, noch viel weniger sie stehen zu lassen, sondern sie sollten eine Anregung für unsere Mission sein, wie es für Pater Kentenich war. Der neue Mensch ist nicht derjenige, der sich nur von den Fesseln des kollektiven Konformismus der Gleichheit befreit hat und diese dann in Fesseln der Mittelmäßigkeit verwandelt.

Und Franziskus wird in wenigen Tagen kommen, um uns herauszufordern. Wir sollten glücklich sein über die Gnade, die uns diese Gelegenheit gibt.

Original: Spanisch; Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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