Veröffentlicht am 18. Dezember 2016 In Urheiligtum

Wir sagen euch an den lieben Advent… im Urheiligtum

Maria Fischer •

„Und dann öffne ich die Tür und stehe vor dem Herrn im Sakrament. Nach diesem langen Weg durch die Dunkelheit und Kälte, hundemüde und unsicher, ob ich das Urheiligtum überhaupt finden würde, stehe ich da in diesem warmen Licht, es ist eucharistische Anbetung, mir rollen die Tränen die Wangen herunter und es ist mir egal… Ich bin angekommen und in mir ist nur Freude, einfach Freude, in mir ist schon Weihnachten.“

Gabrielle Pietro gehört zur Schönstattjugend des Heiligtums von San Antonio, Texas, USA; sie war vier Monate lang als Freiwillige in einem Dorf in Weißrussland, wo sie Englischunterricht gegeben hat. Jetzt, so sagt sie, war es Zeit, nach Hause zu fahren, doch zuvor wollte sie zum ersten Mal im Leben ins Urheiligtum. „Ich saß im Zug und habe eine Webseite gefunden, da stand, dass das Heiligtum um 17.00 Uhr geschlossen wird. Das schaff ich nicht mehr, dachte ich, aber ich habe es trotzdem versucht…“ Beim Erzählen blinkt es in den Augen vor lauter Ergriffenheit.

Und jetzt ist sie hier, mit ihrem großen schweren Rucksack und ohne Unterkunft. Das fällt ihr erst wieder ein, als sie nach einer langen Weile wieder aus dem Urheiligtum herausgeht.  Sie steht in der halboffenen Tür und spricht die Frau, die auf das Urheiligtum zusteuert, leise an: „Hotel?“ Und die versteht sofort und lässt ihre Pläne ändern wie Josef im Evangelium des heutigen Tages. Wo findet man am Samstagabend um sechs Uhr am einfachsten ein Zimmer für eine junge Frau, die wie Maria und Josef Herberge sucht und diese natürlich nicht vorher gebucht hat? Die beiden steuern auf die Marienau zu, ein schneller Telefonanruf bei Rektor Zillekens, und Gabrielle hat ihr Zimmer.

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International und Familie

Zu Beginn der Heiligen Messe um 19.00 Uhr im Urheiligtum bittet Rektor Zillekens Gabrielle, die erste Kerze am Adventkranz anzuzünden. Ein schönes Ritual – am Vorabend jedes Adventssonntages wird zum Klang von „Wir sagen euch an den lieben Advent“ noch einmal jede Kerze entzündet. Ein kleiner Augenblick des Innehaltens in dieser so schnellen, hektischen Zeit vor Weihnachten. Die zweite Kerze entzündet die kleine Alicia aus Brasilien, und so geht es weiter, international und als Familie, auch als die vierte Kerze erst nach einer Behandlung durch Bernadette Weweler, die Sakristanin angeht. Schönstätter aus der Schweiz und aus Belgien sind noch da, aus Brasilien und Indien. Rektor Zillekens spricht von Josef, diesem jungen Mann, dem Gottes Eingreifen in das Leben seiner Verlobten und sein eigenes die ganze Lebensplanung auf den Kopf stellt. Fürchte dich nicht… Die große Zusage Gottes, die uns nicht davor bewahrt, dass alles durcheinandergewirbelt wird. Aber die uns vor der Angst davor bewahrt. Und die uns darum flexibel und willig macht, mit Gottes Wünschen mitzugehen und nicht starr an dem festzuhalten, das vom Wind der Veränderung, vom Wehen des Heiligen Geistes, fortgetragen und durch Neues ersetzt wird. Von da aus ist es ein ganz kleiner Schritt zu Papst Franziskus, der an diesem 17. Dezember seinen 80. Geburtstag feiert… und zu dem, was er der Schönstatt-Bewegung bei der Audienz beim Jubiläum des Liebesbündnisses gesagt hat.

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Abendsegen in Französisch

Die Vorabendmesse geht fast nahtlos in den Abendsegen über. Wer die zehn Minuten Zeit nicht mehr habe, um beim Segen dabei zu sein, dürfe aber gehen, so Rektor Zillekens großzügig. Dafür kommen jetzt um so mehr, und weil alle etwas zusammenrücken und die Neuankommenden die Strategie des „Hintenbleibens“ schließlich aufgeben und nach vorne gehen, passen alle herein ins Urheiligtum – sogar die Gruppe aus Frankreich, die mit Pfarrer Jean Marie Moura, dem vom Bischof von Cambrai als Rektor des Heiligtums von Cambrai eingesetzten französischen Diözesanpriester, ins Urheiligtum kommt. Sie haben 20 Bilder der Pilgernden Gottesmutter dabei, die in Frankreich hergestellt worden sind und demnächst vom Heiligtum in Cambrai ausgesandt werden, die Schönstattfamilie von Costa Rica, die genau auf den Tag in drei Monaten ihr Heiligtum einweiht… Schwester M. Resia Käppeler übersetzt, und so geht der Abendsegen in Französisch und Deutsch weiter.

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Segne hier und von jetzt aus…

Liebe dreimal wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt. Wir wollen auch heute Abend und an diesem heiligen Ort

unser Liebesbündnis neu besiegeln.

Dabei überdenken wir den zu Ende gehenden Tag. ….

Wir denken an die Menschen, denen wir begegnet sind,

an das, was wir im Bündnis mit Dir und anderen tun durften,

was uns Freude gemacht hat, was uns gelungen ist,

an das, was uns schwer gefallen ist, was bleibt als Aufgabe oder Leid,

und an das, was nicht so gut war, was uns nicht gelungen ist,

wo wir gefehlt haben.

Ja, wir kommen auch heute Abend nicht mit leeren Händen

und legen in einem Augenblick der Stille alles in den Krug. ….

Das Liebesbündnis wird erneuert, dann folgt der Segen, der zentrale Moment und Grund für den Namen „Abendsegen“. Ein solidarischer, vernetzter Segen, ein Segen der Begegnung wird es, als Rektor Zillekens die Anwesenden einlädt, Personen zu nennen, die konkret in diesen Abendsegen eingeschlossen werden sollen. Und sie tun es: die jungen Paare, die in Schönstatt sind, die Flüchtlinge, die Menschen in Aleppo und in ganz Syrien, Papst Franziskus, die Menschen, die in Frankreich die Pilgernde Gottesmutter aufnehmen…

Segne jetzt und von hier aus jeden aus unserer weltweiten Familie,

der heute einen missionarischen Schritt getan hat.

Segne jetzt und von hier aus jeden,

der heute sein Leid in den Krug gelegt hat.

Segne jetzt und von hier aus jeden aus unserer Familie,

der schwer krank ist.

Segne jetzt und von hier aus den Menschen,

der unser aller Solidarität am meisten braucht.

Segne jetzt und von hier aus jeden aus unserer Familie,

den du in dieser Nacht heimrufen wirst.

Segne jetzt und von hier aus den Menschen,

den wir in dieser Nacht deinem Bündnis besonders anvertrauen.

Segne jetzt und von hier aus die Menschen,

die unter Gewalt, Terror und Naturkatastrophen leiden.

Segne jetzt und von hier aus

das Miteinander der Christen und den Dialog der Religionen.

Das Urheiligtum scheint sich zu weiten, zu füllen mit Hunderten von Menschen. Gabrielle versteht die Worte nicht, aber das Klima. „Das ist wunderschön“.

Und das ist am Vorabend des vierten Advent, am Vorabend des Bündnistages, schon fast Weihnachten.

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