Gestaltung einer neuen Gesellschaftsordung und einer vom Liebesbündnis inspirierten Kultur

Schönstatt sozial: ein Thema, das weltweit immer mehr ins Bewusstsein der Schönstattfamilie kommt. Die soziale Verantwortung und die aktive Solidarität mit Menschen, die Hilfe brauchen, dürfen nicht fehlen in einer Bewegung, die sich an Maria orientiert, der Frau, die zu allen Zeiten an der Seite der Armen war und ist. Es geht um eine neue Gesellschaftsordnung, um eine Bündniskultur in Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst und Politik.

Eine Bündniskultur schaffen

„Das Christentum ist eine Kraft, die gesellschaftliche Realitäten verändert. Wenn es nicht eingreift in die Geschichte, wird es zu einer harmlosen Frömmelei.“
Pater Dr. Horacio Sosa (+ 2007) bei einer Sozialtagung.

Während seines ganzen Lebens beschäftigte und bewegten Pater Kentenich  soziale Verantwortung und soziales Handeln. Es könne keine echte Erziehung geben ohne Erkenntnis der großen sozialen Probleme unserer Zeit und ohne Beherrschung der geeigneten Mittel zu ihrer Überwindung, sagte er in einer Tagung zur sozialen Frage. Wir müssten ein soziales Denken haben, das im respektvollen Umgang mit den anderen bestehe und im Mitleid angesichts fremder Not, um schnelle und angemessene Antwort darauf zu geben  – auf der Grundlage menschlicher Liebe und Güte.

Die soziale Dimension des Liebesbündnisses und die gesellschaftliche Verpflichtung Schönstatts sind sowohl reflexiv wie im konkreten Tun tief in der Schönstatt-Bewegung,  besonders in der Bewegung Lateinamerikas und Afrikas, zu Hause. Daraus sind einerseits unzählige Hilfswerke und soziale Initiativen hervorgegangen, andererseits ist die Sensibilität für die sozialen Probleme gewachsen, verbunden mit einer klaren Option für die Armen.

Damit weiß sich Schönstatt dem Erbe Pater Kentenichs verpflichtet, der selbst in mehreren Tagungen bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren zur sozialen Frage Stellung genommen und vom „sozialen Heiligen“ gesprochen hat. Erneuerung der Welt ist nicht denkbar ohne Lösung der sozialen Frage. Schönstatt weiß sich gerufen zur Weltgestaltung und zum Mitwirken am Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung auf der Grundlage von in Christus erneuerten Persönlichkeiten mit einem tiefen innerlichen Leben, die sich mit Verantwortung der Zeitproblematik stellen.

Eine soziale Grundeinstellung

Dabei geht es nicht einfach nur um soziale Werke, sondern um eine soziale Grundeinstellung, um Haltungen wie Ehrfurcht, Würde, Freude und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute in jedem Menschen, an seine Sendung, seine Würde und seinen Wert als Kind Gottes. Wer die Hand am Puls der Zeit hat, der spürt, dass die Welt nach dem Schutz und der Würde des Lebens schreit, nach Gerechtigkeit, nach Gleichheit, nach Ehrlichkeit aller, besonders aber all derer, die öffentliche Aufgaben ausüben. Mit dem Ohr am Herzen Gottes – wie Pater Kentenich die marianische Grundhaltung dessen beschreibt, der aus dem Liebesbündnis lebt – hört man das Wort Jesu: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

Mitwirkung an der Gestaltung einer  neuen Gesellschaftsordung und einer vom Liebesbündnis inspirierten Kultur entfaltet sich auf vielen Bereichen: im Einsatz für die ganzheitliche Entfaltung des Menschen, in Politik und Führungsverantwortung, in der Entwicklung von Gemeinden, in Krankenhaus- und Gefängnispastoral, im Einsatz für Straßenkinder, für vernachlässigte und misshandelte Kinder, für das Recht auf Schulbildung, im Einsatz für Alte, Kranke und Migranten.

Eine große Zahl der sozialen und gesellschaftlichen Initiativen Schönstatts kreist um das Kind und die Kindheit – die ungeborenen Kinder (Lichtzeichen), die misshandelten und vernachlässigten Kinder (Maria Ayuda, Casa del Niño), die Kinder in ihrem Recht auf Schulbildung (Dequeni).

Andere setzen sich ein für die Würde der Kranken (Voluntarias de Maria),  kämpfen gegen Armut und Unterernährung (Ernährungszentrum, Soja-Kampagne) oder für eine gerechtere und ehrlichere Gesellschaft (Juventud que se mueve, Patria Nueva).

Vom Heiligtum aus zu den Armen

Oft sind beim Schönstattheiligtum auch soziale Zentren angesiedelt: Kinderheime, Kindertagesstätten, Armenküchen, Werkstätten, Lebenshilfe- und Beratungsstellen. In Kaliningrad betreiben Schönstätter Marienschwestern eine Suppenküche. In Maryland in Südafrika wurde ein Alphabetisierungszentrum aufgebaut. Kostenlose Krankensprechstunden werden angeboten, viele Kleinstbetriebe werden unterstützt, um sich und die eigene Familie erhalten zu können. Ebenso engagieren sich Schönstätter weltweit in der Gefängnis- und Krankenhauspastoral.

Ganz gleich wie unterschiedlich die Aktivitäten und Felder sind, alle teilen die Leidenschaft für die Würde jedes Menschen und den Wunsch, in allen Bereichen der Gesellschaft eine Bündniskultur zu schaffen.

Für eine neue Gesellschaftsordnung

Viele Schönstätter ergreifen aus ihrem Glauben heraus politische und gesellschaftliche Initiative. Sie tragen Verantwortung im Beruf und in politischen Gremien. Gesellschaftspolitische Initiativen wie Unterschriftenaktionen zu Gesetzesvorlagen für Embryonenschutz, Euthanasie und Spätabtreibung, Kundgebungen für das Recht auf Leben, Freiheit und Menschenwürde, Friedens- und Versöhnungsinitiativen in Bürgerkriegsländern, Konferenzen zu bioethischen Themen wurden und werden von Schönstattgemeinschaften initiiert oder mitgetragen.

Die Gestaltung des wirtschaftlichen Handelns und der Unternehmensführung aus den Prinzipien Pater Kentenichs bewegt Führungskräfte in der Wirtschaft zu einem neuen Tun (Internationale Kentenich-Akademie für Führungskräfte,
Studien zur organischen Unternehmensführung, Seminare zur christlichen Unternehmensführung).

Kulturell Schaffende tragen auf ihre Weise bei zur Weltgestaltung. In Kunsthandwerk, Musik, Journalismus und verlegerischer Tätigkeit geben sie wegweisende Impulse und vernetzen.

Vielleicht die wichtigste Antwort: Maria

Die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter mit ihrer ausdrücklichen Sozialverantwortung, die sich vor allem ausdrückt in den verschiedenen Modalitäten – die Pilgernde Gottesmutter der Gefängnisse, der Kinder in Lebensgefahr, der Blinden, der Kranken -, und ganz allgemein in ihrer Aufgabe, Maria zu denen zu bringen, die sie am meisten brauchen, zeigt das „soziale Gesicht“ des Liebesbündnisses in allen menschlichen Lebensbereichen, oft gerade dort, wohin weder die übliche Pastoral noch übliches soziales Engagement hinkommen. Sie ahmt Maria nach, die  Elisabeth zu Hilfe eilte, und lässt viele Menschen wiederholen: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

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