Veröffentlicht am 31. Juli 2015 In Zweites Jahrhundert des Bündnisses

Drei Fragen… zum Schönstatt im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses (37)

Heute antwortet: Pater Elmar Busse (*1951). Er kennt Schönstatt von Kindesbeinen an, weil seine Eltern im ersten Kurs des Familienbundes in der DDR waren. Das Schönstatt-Zentrum Friedrichroda im Thüringer Wald (Einweihung des Heiligtums 1954) war seine spirituelle Heimat. Aus der erfahrenen Not, dass es keine Priester für die Schönstatt-Jugend gab, entschied er sich mit einigen anderen abenteuerlustigen Theologen, die Schönstatt-Patres in der DDR zu gründen. Das geschah nach langer Vorbereitung am 18.6.1978. 1980 wurde er in Erfurt zum Priester geweiht und war 10 Jahre in der Pfarrseelsorge tätig. Nach der Wiedervereinigung kam er nach Schönstatt und arbeitete in der Schönstatt-Mannesjugend. Ab 1991 baute er die Familienbewegung in Tschechien mit auf, von 1992 bis 2003 wirkte er in Österreich. Als Buchautor, Redner, Eheberater und Radioprediger ist er vielen bekannt •

Ein halbes Jahr sind wir unterwegs im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses – Was ist Ihr Traum von diesem Schönstatt in seinem Sein, seiner Verortung in Kirche und Welt und seinem Tun?

Mit Schönstatt in Deutschland ist es ähnlich wie mit den Beatles vor 1963. Sie spielten schon gute Musik seit den ersten Anfängen von John Lennons Schülerband 1956, die bei privaten Feiern und Schulfesten ihre ersten Auftritte absolvierte. Der endgültige Durchbruch gelang den Beatles aber erst am 13. Oktober 1963 mit einem Auftritt in der populären ATV-Sendung Sunday Night at the London Palladium, den fünfzehn Millionen Menschen sahen.

Schönstatt in Deutschland hat ein Vermarktungsproblem. Die Rückmeldungen am Ende von Veranstaltungen sind gut; manchmal paaren sie sich mit der vorwurfsvollen Frage: „Warum haben wir bisher noch nie etwas von Schönstatt gehört?“ Deshalb träume ich davon, dass die gewachsene Kompetenz in Familien- und Jugendarbeit sowie Ökumene „entdeckt“ wird und wir aus unserer Nischenexistenz herausfinden. Immer wieder wird die Benutzerfreundlichkeit, die Lebensnähe, die Verständlichkeit und Lösungsorientiertheit sowohl unserer Zeitschriften wie unserer Veranstaltungen lobend erwähnt. Warum gelingt es uns nur hin und wieder, mit diesen Qualitätsmerkmalen breitflächig zu punkten?

Was müssen wir hinter uns lassen oder vermeiden, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Unser Gründer betont zu Recht die Balance zwischen Seins- und Tätigkeitsapostolat. In der momentanen Wirklichkeit erlebe ich, dass häufig der Hinweis auf das Seinsapostolat als Alibi missbraucht wird, um kein aktives Apostolat machen zu müssen. Wären wir Mitglieder einer der Gemeinschaften von Charles de Foucauld, dann wäre das in Ordnung, weil er ganz bewusst und reflexiv klar auf das direkte Apostolat für die Seinen verzichtet.

Aber Kentenich hat Schönstatt als apostolische Bewegung gewollt und gegründet.

Pater Menningen sprach vor Jahren schon von föderativer Nähe und apostolischer Weite. Aber die föderative Struktur – die der Gründer klar verankert wissen wollte in seinem Werk – führt immer wieder zu mentaler „Kleinstaaterei“ mit entsprechend vielen kleinen Königinnen und Königen. „Bündnisfähigkeit und Bündniswilligkeit“ forderte der Gründer als Grundeinstellung eines Schönstätters.

Wie groß ist die Lernbereitschaft, von guten Erfahrungen der Nachbardiözesen zu profitieren? Zeichen der Hoffnung, die in die richtige Richtung weisen, sind z.B. die Ehewege, die in verschiedenen Diözesen entwickelt und eingeweiht worden sind oder der Fackellauf von Rokole nach Brno (CZ).

Welchen konkreten Schritt müssen wir jetzt tun, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Wenn ich den Veranstaltungskalender der Schönstatt-Bewegung in Deutschland anschaue, dann habe ich den Eindruck, es gibt lauter einzeln angefertigte „Maßanzüge“. Wir investieren zu viel in „Forschung und Entwicklung“ und zu wenig in „Vermarktung“ des schon Entwickelten. Außerdem wäre die Modularisierung der Vermittlung von einzelnen Elementen unserer Spiritualität für die Verbreitung hilfreich. Könnte es z.B. nicht 100 junge Erwachsene geben, die dafür ausgebildet werden, ein Wochenendseminar zu halten: „Wie finde ich mein Persönliches Ideal? Wie lebe ich damit?“ – Nur das, aber dieser eine Seminartyp wird dann deutschlandweit 30mal jährlich angeboten! Keine Joker ausbilden wollen, die für alles wieder einsetzbar sein sollen.

Die Internetportale www.spurensuche.de und www.hoffnungsvoll-leben.de (Portale, die aus der Geistigkeit Schönstatts schöpfen) haben inzwischen viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die Inhalte liefern. Zeltlager, Tag der Frau, Erstkommuniontage werden in vielen Schönstatt-Zentren angeboten. Aber mancher andere Veranstaltungstyp – obwohl gut – kümmert vor sich hin. Wenn es im Jahr 2012 47.161 katholische Trauungen in Deutschland gegeben hat, dann müsste es doch möglich sein, zusätzlich zu den bisher drei angebotenen Ehevorbereitungskursen von der Schönstatt-Familienbewegung weitere Kurse anzusetzen! Vermutlich seit 1975, vielleicht auch schon früher, bietet die Familienbewegung mehrtägige Kurse an; und die Veteranen von damals werden nicht müde zu betonen, dass das theoretische und praktische Rüstzeug, das sie in diesen Tagen vermittelt bekommen haben, eine große Hilfe war, um gut über die üblichen Unfallschwerpunkte eines gemeinsamen Ehe- und Familienweges zu kommen.

Es braucht verstärkt den Willen zum Projekt. Viele Schönstätter engagieren sich in ihren Heimatpfarreien, um den Grundwasserspiegel des Glaubens zu haben. Das verdient Respekt und sollte auch weiter beibehalten werden. Aber dieses Apostolat wird nicht als Schönstatt-Apostolat wahrgenommen, sondern als Aktivität von Herrn X oder Frau Y. Wir haben Schönstatt-Schulen in Vallendar und Kempten, wir haben die Familienakademien. Da kann man sagen: „Komm und sieh!“ Verglichen mit der Größe der Bewegung ist das aber zu wenig. Wir haben im Jubiläum uns selber bewiesen, dass wir mehrere Hundert deutsche Schönstätter zu einem gemeinsamen Projekt – die Feier des Jubiläums – gewinnen und motivieren konnten. Könnte dieses gewachsene Selbstvertrauen nicht einzelne Gruppen motivieren und ermutigen, ein gemeinsames Projekt anzugehen? Es müssen nicht immer Schulen sein.

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