Veröffentlicht am 15. Mai 2015 In Zweites Jahrhundert des Bündnisses

Drei Fragen… zu Schönstatt im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses (12)

Ich bin Pater Duncan McVicar, komme aus Schottland, bin 58 Jahre alt, Schönstatt-Pater, und wurde im Gedenkjahr des 100. Geburtstags unseres Vaters und Gründers zum Priester geweiht. Ich habe an den Universitäten von Münster und Tübingen studiert wie auch an der Loyola-Universität in Chicago, USA. Mir hat es Freude gemacht, in verschiedenen Ländern zu leben und zu arbeiten, so in Polen, Indien, Südafrika und Argentinien. Ich habe zu dem Team gehört, das die Feiern zum 100. Geburtstag unseres Vaters und Gründers im Jahr 1985 vorbereitet hat und habe auch zusammen mit Schw. Johanna-Maria das Jugendfestival 2005 in Schönstatt vor dem Weltjugendtag in Köln koordiniert. Siebzehn Jahre lang war ich Pfarrer in England und bin zurzeit Pfarrer an St. Ethelbert in Greater Manchester und Direktor von zwei Katholischen Grundschulen und einer Katholischen High School. Die Schönstattpatres am Schönstatt-Heiligtum sind aktiv in der Ehe- und Familienpastoral des Bistums tätig. Eine sehr interessante Tätigkeit der letzten Jahre war die des Kaplans des Bürgermeisters von Bolton, eine wirklich spannende Zeit, bei der ich Lokalpolitik ganz aus der Nähe aufnehmen konnte •

Ein halbes Jahr sind wir unterwegs im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses – Was ist Dein Traum von diesem Schönstatt in seinem Sein, seiner Verortung in Kirche und Welt und seinem Tun?

Mein Traum für Schönstatt ist, dass wir eine dynamischere Bewegung werden, dynamischer als wir es bis jetzt sind. Mein Traum ist, dass Schönstatt nicht nur davon redet und betet, „Herz der Kirche“ zu sein, sondern es wirklich ist und sein will. Unser Gründer sprach von „Sendungsbewusstsein“. Mit den Worten von Pater Esteban Uriburu, einem argentinischen Schönstatt-Pater, der bereits heimgerufen wurde: Stellt euch vor, wir alle sind eine internationale Fußballmannschaft, aber wir spielen die ganze Zeit nur defensiv. Wenn wir weiter defensiv spielen, dann verlieren wir die Meisterschaft. Wir müssen offensiv spielen, Initiative ergreifen, herausgehen und einen Unterschied machen. Wie fangen wir an, unseren Spielstil zu verändern? Wir fangen an, indem wir uns bewusst werden, und zwar in allem, was wir tun, dass wir eine große Sendung haben für die Kirche und die Welt. Jede Entscheidung, die wir treffen, sollte aus einem missionarischen Geist und missionarischem Bewusstsein kommen und dies ständig im Kopf haben. Das ist der große Unterschied zwischen „bürokratischen“ Schönstättern und dynamischen Schönstättern. Wir müssen Spieler werden, die Ballbesitz bekommen, die laufen, weil sie Tore schießen wollen, und uns mit Leib und Seele ins Spiel stürzen. Wenn wir die Gottesmutter nicht bitten, solche Schönstatt-Persönlichkeiten zu erziehen, dann wird die „neue Welt“ unseres Vaters und Gründers nie Wirklichkeit.

Schönstatts Stimme wird gebraucht in den drängenden Herausforderungen, denen die Kirche heute gegenübersteht. Wir müssen „hinein in die Auseinandersetzung“ mit dem Charisma unseres Gründers, das heißt, in den drängenden Herausforderungen von Ehe und Familie, besonders in den Wochen und Monaten vor der Synode in Rom in diesem Jahr. Die Herausforderungen zeigen sich besonders in Europa zwischen denen, die glauben, dass Leben und Zukunft aus der klaren Botschaft des Evangeliums kommen, und denen, die die Zukunft in der Anpassung an heutige Meinungen und die Erwartungen der Gesellschaft sehen. Ich habe einen Traum, dass Schönstatt neuen Mut findet, denen gegenüberzustehen, die die Lehre der Kirche akzeptabler machen wollen, auch Bischöfe, indem sie sie anpassen an die Erwartungen der Zeit, und unser Charisma einbringen, auch wenn das bedeutet, dass wir uns unbeliebt machen.

Was müssen wir hinter uns lassen oder vermeiden, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Wir müssen „private Pläne“ hinter uns lassen, die Freundschaften und Beziehungen in der Bewegung kaputt machen. Wir müssen die Haltung von „Augen zu, Ohren zu, Herz zu“ hinter uns lassen, die nicht Neues oder Innovatives wertschätzt und sich von positiver Veränderung bedroht fühlt.

Wir müssen ein irreführendes oder „reduziertes“ Verständnis von Internationalität hinter uns lassen. Wir reden viel von Internationalität, aber ich denke, wir sind eher „multi-national“ als „international“. Ich würde so gerne einen echten und entschiedenen internationalen Geist in den Schönstatt-Gemeinschaften wachsen sehen, und ich würde besonders gerne erleben, dass das weltweite Schönstatt mehr auf die Erfahrungen, Prioritäten und das Wissen seiner englischsprachigen Brüder und Schwestern hört und diese ernst nimmt. Internationalität besteht nicht darin, bei einem Treffen ein oder zwei Lieder in einer anderen Sprache zu singen oder Fahnen durch die Gegend zu tragen; Internationalität bedeutet, dass die Werte, die kirchlichen Erfahrungen und der einmalige Ansatz anderer Nationalitäten meine eigenen Werte, Erfahrungen und Ansätze beeinflusst. Und wir müssen diese Art Katakomben-Mentalität hinter uns lassen, besonders in Europa, wenn es darum geht, uns hineinzugeben in die vielen verschieden pädagogischen und kirchlichen Herausforderungen unserer Zeit.

Welchen konkreten Schritt müssen wir jetzt tun, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Zuerst und vor allem auf jeder Ebene „Bündniskultur“ praktizieren. Das bedeutet aber nicht einfach große Ideen und lange Gebete, sondern passiert im täglichen Leben und Zusammenarbeiten als Schönstatt-Gemeinschaften. Die Bündniskultur sollte mehr und mehr zum Markenzeichen jedes Schönstätter Säkularinstitutes und jeder Gemeinschaft werden.

Ein weiterer dringender praktischer Schritt betrifft Führungskompetenz. Führungskompetenz ist eines der am meisten diskutierten Themen in der Kirche heute. Führungspersönlichkeiten brauchen Training, Erfahrung, und vor allem Transparenz. Wir brauchen eine stärkere Transparenz seitens der Oberen und Leiter der Gemeinschaften in der Art und Weise, wie sie zusammenarbeiten und welchen Plan sie für die Zukunft haben. Unser Vater und Gründer hat uns das letztgültige Modell in Jesus, dem Guten Hirten, als Inspiration für schönstättische Führungskompetenz gegeben. Das müssen wir umsetzen – wir brauchen viel mehr „gute Hirten und gute Hirtinnen“.

Und schließlich ein weiterer praktischer Schritt: Unser Heiliger Vater Papst Franziskus hat ein Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen, das mit dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis in diesem Jahr beginnt. Er sagt, Barmherzigkeit sei die Grundlage des Lebens der Kirche und dass all ihre pastorale Tätigkeit von der Zärtlichkeit, die sie den Gläubigen entgegenbringt, umfangen sein soll. Franziskus sagt, nichts in ihrer Predigt und ihrem Zeugnis in der Welt dürfe der Barmherzigkeit entbehren. Die Glaubwürdigkeit der Kirche entscheide sich darin, wie sie barmherzige und mitleidige Liebe zeige. Warum brauchen wir heute ein Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit? Einfach weil die Kirche in dieser Zeit historischer Veränderungen gerufen ist, sichtbarer als je zuvor Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes zu sein. Der Papst schließt: „Meine Gedanken wenden sich nun der Mutter der Barmherzigkeit zu. Möge sie über uns in diesem Heiligen Jahr wachen, damit wir alle die Freude an Gottes Zärtlichkeit neu entdecken.“

Diese Worte sind auch uns gesagt, damit wir sie ins Leben übersetzen. Wie wird Schönstatt das Jahr der Barmherzigkeit lebendig gestalten? Weil das Liebesbündnis mit der Mutter der Barmherzigkeit, unserer MTA, Schönstatts Gründungvorgang, Barmherzigkeit ist, müsste all unsere pastorale Tätigkeit von Barmherzigkeit umfangen sein, und hängt Schönstatts Glaubwürdigkeit davon ab, dass auch wir gerufen sind, sichtbarer als je zuvor Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes zu sein. Pater Kentenich erklärte einmal, die „Mutter der Schönen Liebe“ habe kein größeres Interesse oder keine wichtigere Aufgabe, als in uns die Liebe zu ordnen, das heißt, nach ihrem Bild alle, die ihre Herzen ihr geschenkt haben, umzugestalten zu reifen Zeugen einer großen, organischen Gottes- und Nächstenliebe (vgl. Dissertation von Schw. Danielle Peters, USA). Und wir müssen mit uns selbst anfangen, und die Säkularinstitute Schönstatts sollten dabei mit Beispiel und selbstlosem Dienst vorangehen.

Es wäre ein trauriger Tag, wenn die Begeisterung und Energie, die bei den Jubiläumsfeiern letztes Jahr aufgekommen war, sich im Vergessen verlieren würde. Meine Hoffnung und mein Gebet sind, dass Schönstatt zu einer echten Lerngemeinschaft wird, und dass wir die dringend notwendigen Veränderungen durchführen, damit Schönstatt für die Kirche heute das werden kann, wozu Gott es von Ewigkeit her vorgesehen hat. Das wäre mein Traum!


Original: Englisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

 

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