Veröffentlicht am 26. April 2015 In Zweites Jahrhundert des Bündnisses

Drei Fragen … zu Schönstatt im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses (4)

Heute antwortet: P. Mike Rodriguez OSB, 49, Benediktiner, aus Esquípulas, Guatemala, Gründer Schönstatt in Esquipulas, ursprünglich aus der Schönstattjugend des Magnificat-Heiligtums in Hatillo, Puerto Rico •

Ein halbes Jahr sind wir unterwegs im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses – Was ist Dein Traum von diesem Schönstatt in seinem Sein, seiner Verortung in Kirche und Welt und seinem Tun?

Ein Schönstatt im Herausgehen, ein Schönstatt, das hinausgeht zur Begegnung, ein armes Schönstatt für die Armen, wie Papst Franziskus es für die Kirche wünscht.

Die Fragen sind unruhestiftend, kühn, um im Licht der großen Ereignisse, deren Zeugen wir sind, zu träumen, im Licht des Hirtendienstes unseres Heiligen Vaters, im Licht der 100 Jahre, im Licht eines Lebens im Bündnis, das jeder von uns in seinem Land, in seinem Heiligtum, seinem Hausheiligtum, an seinem Bildstock lebt, mit unseren Grenzen, unserem Fallen, unserer Armut. Es sind Fragen, die seit langer Zeit in unserem Herzen klingen und die uns noch niemand gestellt hat.

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Was müssen wir hinter uns lassen oder vermeiden, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Zufällig habe ich dieser Tage beim Besuch in einem unserer Hausheiligtümer hier in Esquipulas über all das beim Essen mit der Familie nachgedacht, und mit etwas Angst und Zittern sage ich hier, was ich denke, was wir, im Licht dieser Ereignisse, ändern müssen.

Ich denke, wir müssen unser Zentrum verlagern, oder anders gesagt, unser Ich in die zweite Reihe verweisen und den Schritt machen zum Du: Heraus aus unserer kleinen Welt. Etwas, das mich immer neu unruhig macht, ist die Sorge, in ein Bündnisleben mit mir allein, nach innen, isoliert zu fallen. Der Papst bittet uns, herauszugehen zur Begegnung, er spricht von einer Kultur der Begegnung, davon, uns neben den anderen, zum anderen zu setzen. In einer Welt wie der, in der wir leben, müssen wir heraus aus unserer Komfortzone und Begegnung suchen. Ich sage Dir etwas: Ich habe Briefe bekommen von Jugendlichen aus Schönstatt mit einem Anliegen: Wie bringen wir die Botschaft Schönstatts zu einfachen, zu armen Menschen? Sie haben unsere Fotos, unsere Hausheiligtümer angeschaut und mich gefragt, wie wir das schaffen wollen. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine. In anderen Ländern ist die Erfahrung der Arbeit Schönstatts – und ich sage das mit Ehrfurcht und in Blick auf mein Heimatland, Puerto Rico -, dass diese sich in Kreisen von Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten bewegt, und diese Jugendlichen schreiben mir, dass sie diese Kluft spüren. Pater Aníbal in Puerto Rico, der dies angeschaut hat, meinte aus seiner Erfahrung, das Magnificat-Heiligtum sei für einfache Leute. Ich habe hier in Guatemala angefangen, die Botschaft von Pater Kentenich und der Gottesmutter einfachen Leuten mitzuteilen, habe ihnen gesagt, dass wir alle Kinder sind und einen Vater haben, der uns liebt, so wie wir sind, der uns birgt. Und ganz langsam habe ich die Frucht gesehen, habe erlebt, wie die Gottesmutter Herzen an sich zieht. Der Mensch muss sich geliebt, gewertet, angenommen, geborgen erfahren. Schönstatt muss in diesem geschichtlichen Moment dieses Haus der Familie sein. Aber um das zu erreichen, müssen wir aus unseren Vorurteilen heraus, aus unseren geschlossenen Mentalitäten, unseren Komplexen, müssen die Masken herunterreißen, authentischer sein, kleiner, einfacher. Wir müssen den anderen aus unseren eigenen Wunden heraus umarmen, wie es in der Liturgie am Sonntag hieß: uns in den anderen hineinversetzen und unser Ich beiseite lassen. Wir müssen aufhören, eine Bewegung von Tagungen, Treffen und Kaffeekränzchen zu sein.

Welchen konkreten Schritt müssen wir jetzt tun, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Ja, was müssen wir tun, welche Initiativen… Weißt Du, ich denke, es ist ganz einfach – die Gottesmutter und Pater Kentenich nicht nur zu uns nach Hause oder auf die Arbeit bringen, sondern darüber hinaus zu dem Drogenabhängigen, dem Homosexuellen, dem, der irgendeiner Sucht verfallen ist, zu dem, der auf der Straße lebt, dem niemand eine Hand reicht, zu denen am Rand. Wir haben hier eine kleine Gruppe von Missionaren in einer Siedlung, einer Gemeinde auf dem Land, arme Leute, und die haben schon einen Bildstock der Gottesmutter von Schönstatt. Und es beeindruckt die Hochherzigkeit dieser Leute, sie gehen mit der Pilgernden Gottesmutter zu den Familien, und Du müsstest die Zeugnisse bei den monatlichen Treffen hören! Steigen wir etwas mehr herunter zu den Armen, dahin, wo es bei Tisch nur etwas Kaffee und Brot gibt…

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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