Veröffentlicht am 26. Juli 2015 In Schönstätter, Zweites Jahrhundert des Bündnisses

Drei Fragen … zu Schönstatt im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses (29)

Heute antwortet Pfr. Adolfo Losada aus dem Schönstatt-Priesterbund, Kurs „Tabor Mariens – Priesterheiligtum“ aus Buenos Aires, Argentinien.

Ein halbes Jahr sind wir unterwegs im zweiten Jahrhundert des Liebesbündnisses – Was ist Ihr Traum von diesem Schönstatt in seinem Sein, seiner Verortung in Kirche und Welt und seinem Tun?

 

Zwei Dinge klingen wie eine einzige Stimme in meiner Seele: Ein Echo dessen, was wir seit einem Jahr wiederholen, ohne müde zu werden: „Dein Bündnis, unsere Mission“, und zwei Sätze von Pater Kentenich, die ich neulich in dem Buch „Huellas de un Padre “ (Spuren eines Vaters) von Pater Esteban Uriburu gelesen habe und die diese Mission, den Geist des Bündnisses überall hinzutragen, übersetzen, und etwas von dem ausdrücken, was ich für unsere Familie ersehne und erträume. Der erste bezieht sich auf Maria:

„Schönstatt kann verstanden werden als eine große und wirksame Ideen- und Erziehungsbewegung. Aber es wird in keiner Weise richtig gesehen, wenn man es nicht als machtvolle Gnadenbewegung versteht, die in mitreißender Fülle vorwärts drängt. In stürmischen Zeiten ist die Gnadenbewegung das Entscheidende. Dort wo der Teufel sich anschickt, eine apokalyptische Zeit heraufzubeschwören, hängt alles davon ab, dass die große Schlangenzertreterin alle ihre Macht und Gnadenkraft ins Spiel bringt… Wir glauben – und können dafür genügend Beweise bringen – dass sie es so in Schönstatt getan hat, und dass sie es so weiterhin tun wird, wo immer MTA-Bilder und MTA-Kapellen als Filialen Schönstatts errichtet werden…“

 

Der zweite bezieht sich auf uns:

„Der neue Mensch – ein neuer Heiligkeitstyp – muss ähnlich sein wie die Hängebrücken, die keine Füße oder Säulen haben, die sie auf dem Boden befestigen, damit sie Halt haben; ihr Halt ist in der Höhe. Und zweifellos sind sie widerstandsfähiger als die auf dem Boden befestigten Brücken. So muss die Erziehung der Mitglieder der Bewegung aussehen: sie müssen wie Hängebrücken werden, frei und freiwillig an die Liebe Gottes in der Höhe gebunden.“

Das Geheimnis der Fruchtbarkeit dieser hundert Jahre bleibt das gleiche, unsere angenommene und erzogene Schwäche im lebendigen Kontakt mit der Freude ihres Blickes und dem des Kindes in ihren Armen, um mit unserer armen, treuen, konkreten Liebe „sanfte Gewalt“ anzuwenden, damit sie sich in unseren Heiligtümern niederlässt und in uns und durch uns ihre Wandlungswunder wirkt in ihren Kindern und Werkzeugen. Lebendiger und selbstloser Dienst, den wir als Familie der größten und drängendsten Not des heutigen Menschen leisten können: dass er sich als Kind, als geliebtes Kind, als Ritter oder Königin, mit Heim und Sinn des Lebens erlebt, mit einer Identität, die ihn aus seiner Einsamkeit und Isolierung herausholt, in die Konsumismus und Vermassung ihn gebracht haben. Wir wissen vom Reich des Vaters, das die Gottesmutter uns in ihren Heiligtümern schenkt, und wie wir neue Schöpfung in Christus werden durch den strahlenden Einfluss ihrer Gegenwart in ihnen; wie sie uns den Sinn für unsere Lebensmission zurückgegeben hat, indem sie uns einen Vater und eine Familie geschenkt hat. Wie sollten wir das nicht weitergeben?

 

 

Was müssen wir hinter uns lassen oder vermeiden, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Mir scheint, und das sage ich mit aller Ehrfurcht, dass wir ein „Fashion“-Schönstatt voller Fotos, Schlagworte und theoretischer Treffen, bei denen wir uns nur selbst bespiegeln, hinter uns lassen sollten. Ich sage nicht, dass wir das alles nicht haben sollten, weil das zu unserem organischen Denken und Leben gehört, und ich weiß auch, wie viel Trost uns das alles geben mag. Aber wenn wir das Ästhetische und Wohlbehagliche erbaulicher Treffen nur für uns in den Mittelpunkt stellen, dann vergessen wir, dass die Gründergeneration durch den Krieg gegangen ist, dass unser Vater in Dachau Kälte gelitten hat, dass die Schwestern, die Schönstatt in diesen Ländern Amerikas gegründet haben, Not gelitten haben und übermenschliche Aufgaben hatten, dass Schwester Emilie psychisch gelitten hat, dass Joao Pozzobon auf dem Weg gestorben ist. Ohne Kelter wird kein Wein… und ich meine hier jetzt nicht eine harte, dunkle und verschlossene Willensakrobatik, sondern den hochherzigen und stillen Heldenstil eines Lebens, das aus Liebe zu ihr und der Sendung des Abendlandes hingegeben wird.

Welchen konkreten Schritt müssen wir jetzt tun, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?

Den Spuren Pater Kentenichs in schöpferischer Treue folgen. Aber wirklich den Spuren des Vaters. Erfinden wir kein Schönstatt, wie wir auch das Evangelium nicht erfinden. Beides leben wir auf originelle Weise, aber leben wir es. Zweifellos und im Geist der grenzenlosen Ehrfurcht Pater Kentenichs vor jedem Menschen, nimmt jeder aktiv, frei und ganz neu an der Familie teil, lebt jeder Schönstatt auf einmalige Weise neu, doch in gemeinsamem Geist und gemeinsamer Mission. Es gibt Güter, die gehören allen und sind für alle, und für die kommenden Generationen müssen wir sie bewahren, indem wir sie erobern.

Ich träume davon, dass wir alle diesen übernatürlichen Instinkt entwickeln, den Pater Kentenich hatte, um den lebendigen Gott zu spüren und seine Stimmen zu unterscheiden, eine besondere Sensibilität für die Bewegungen Gottes und seine Gnade mitten im Alltag und im Herzen jedes Menschen.

Das hat die Gottesmutter unserem Vater und Gründer geschenkt, und das schenkt sie auch uns als Familie, aber als Frucht vieler und fruchtbarer Stunden der Stille im Heiligtum.

Darum träume ich von einer erneuerten Lebensströmung zum und vom Heiligtum als Lebensmitte des Liebesbündnisses mit der Gottesmutter.

Alleine oder mit der Gruppe, mit der Gliederung viel und gut zum Heiligtum gehen, in gleich welcher seiner Formen, um Beiträge zum Gnadenkapital zu bringen, um ihr zu zeigen, dass wir sie wirklich lieben, um sanfte Gewalt anzuwenden für die nächsten 100 Jahre und um wieder sensibel zu werden für das Wirken Gottes. Sensibel für die Gnade und für die Gnaden, die vom Heiligtum strömen.

Ich träume von jedem Schönstätter mit seiner Pilgernden Gottesmutter… Wir werden uns schon nicht die Füße wundlaufen, und wenn schon! Wird sie dieses Wunder wirken? Mit einer neuen Sensibilität, um sie weiterzugeben, mit Werkzeugsbewusstsein, um ihr zu helfen, dass viele andere das Heiligtum kennen lernen. Wie herrlich ist es, jemandem zum ersten Mal die Tür des Heiligtums zu öffnen, der den Sinn seines Lebens verloren hatte, das innere Zuhause oder das Kindsein vor Gott. Mit dem Bewusstsein, lebendiges Heiligtum zu sein für die Einsamen und Angsterfüllten, wie eine „Erscheinung“ Mariens: stark, würdig, froh, schlicht, sehr, sehr schlicht… wie sie. Tief in der Begegnung. Das braucht Zeit, und den bewussten Blick, Träger von jemandem, nicht von etwas zu sein. Dazu gehört viel inneres Loslassen.

Ich träume davon, den Reichtum des Bündnisses der Kirche als Weg der Heilung, des menschlichen Wachsens und der Heiligung zu künden und es dazu vor allem selbst felsenfest zu glauben; ich träume davon, lebendiges Werkzeug zu sein, damit andere – frei und bewusst – ihr Liebesbündnis schließen. Wie könnten wir denn auch diesen Schatz, der unser Leben für alle Ewigkeit verändert hat, für uns behalten?

Ich träume, dass unsere Heiligtümer sich mit Jugendlichen füllen, mit vielen (wir sind durch Jugendliche entstanden!) und mit Alten mit Gedächtnis der Familie.

Ich träume davon, dass wir vielen das prophetische Denken, das ungezähmte prophetische Denken Pater Kentenichs bekannt machen, seine Diagnose des heutigen Menschen und sein Angebot der Heilung, die er selbst am eigenen Leib erfahren hat… und sie dazu zu bringen, die Arznei im Heiligtum auszuprobieren, mit der Gottesmutter, und dafür unser eigenes Herz zum Pfand zu setzen.

Die Gottesmutter im Heiligtum hat mein menschliches und mein priesterliches Leben viele Male gerettet, und das Leben vieler, die Jesus, der Gute Hirte, mir anvertraut hat. Das ist Gnade. Nichts ohne sie. Nichts ohne uns.

Träumen ist zum Glück gratis.

Danke!

Maria mit dem Kinde lieb uns allen deinen Segen gib.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

 

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