Audienz: Kultur der Begegung ist Bündniskultur, die Solidarität schafft

Botschaft von Papst Franziskus an die Schönstatt-Bewegung

25.10.2014

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Foto Felici, Roma

 

Am 25. Oktober 2014 versammelten sich gut 7000 Mitglieder und Freunde der Apostolischen Schönstatt-Bewegung in Rom, wo die Jubiläumsfeiern aus Anlass von 100 Jahren Liebesbündnis in einer Begegnung mit dem Heiligen Vater, Papst Franziskus, gipfelten; sie baten ihn dabei um die missionarische Aussendung zum Dienst an der Kirche und ihrer Mission. Die Begegnung mit dem Heiligen Vater Papst Franziskus fand in Form eines Dialogs statt. Die Fragen, die von verschiedenen Mitgliedern der Bewegung vorgetragen wurden, waren auf der Grundlage der fünf strategischen Felder des Apostolates formuliert, die bei der Konferenz 2014 im Februar 2009 von den Teilnehmern aus 33 Ländern beobachtet und definiert wurden. Die apostolischen Projekte, die in der Vorbereitung und der Feuer des Jubiläums 2014 eine zentrale Rolle spielten, sind ein Dialog mit den Zeichen der Zeit und den Herausforderungen der Menschen unserer Zeit, und zwar ein Dialog von konkreten Taten aus. Sie zeigen das reale Leben und nicht nur eine theoretische Spekulation, was diesem Dialog mehr Kraft und Überzeugungsstärke verleiht. Um den Text auf die Botschaft des Heiligen Vaters zu zentrieren, wurden die ursprünglich sehr ausführlich formulierten Fragen auf das Wesentliche reduziert.
Der Text der Botschaft steht auch als PDF-Datei (Papst_Audienz_2014_DE) in einer für das gemeinsame oder persönliche Studium aufbereiteten Form zu Verfügung, und ist ebenso als Buch mit Einleitung, Fotos und einem Vorwort von P. José María García erschienen. Herausgeber ist Nueva Patris, Chile, der Vertrieb der deutschen Ausgabe erfolgt über das Schönstatt-Zentrum Memhölz und seinen Onlineshop.

 

In Form eines offenen und direkten Dialogs, zeigt der Heilige Vater uns seine Vision und Erwartungen zu den Themen, um die sich der Austausch über die Erfahrungen und pastoralen Projekte bei den Jubiläumsfeiern am Ort Schönstatt artikuliert hatte: der Themenkreis Familie, das Pädagogische, die Evangelisierung der Jugend, das Kirchliche und die neue Gesellschaftsordnung. Es ist die Botschaft des Heiligen Vaters an eine kirchliche Erneuerungs-Bewegung in einem Moment der Gnade, wie es der des Gründungsjubiläums, und in dieser Stunde der Kirche ist. Ihr Wert versteht sich in ihrer ganzen Tiefe, wenn man ihn innerhalb des Erlebens dieser Audienz sieht, die eine Erfahrung von Kirche spiegelt, die unser Gründer, Pater Kentenich, ersehnt und für die er sich eingesetzt hat, eine Kirche, die wirklich Familie ist, nicht nur im Geist, sondern auch in ihren Formen und Haltungen.

 

P. José María García Sepúlveda (Vorwort)

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Wunden heilen, Familie wiedergewinnen und begleiten

1 – FAMILIE: Angesichts der aktuellen Herausforderungen in Blick auf die Familie, wurde Papst Franziskus gefragt, wie Schönstatt Paare vor der Hochzeit, Ehepaare und Familien noch besser begleiten könnte.

Im Kern des Problems, das Sie ansprechen, um die Fragen zu formulieren, steht eine sehr traurige, eine sehr schmerzliche Realität. Ich glaube, dass die christliche Familie, dass Familie, Ehe, niemals so angegriffen wurden wie heute. Direkt angegriffen oder faktisch angegriffen. Vielleicht irre ich mich. Die Kirchengeschichtler werden es genauer sagen können, aber es ist doch wahr, dass die Familie geschlagen wird, dass man die Familie schlägt, und dass man den Begriff Familie verfälscht, als wenn sie irgendeine Art von Verein wäre, und man alles und jedes „Familie“ nennen kann, oder?

Und dazu, wie viele verwundete Familien, wie viele zerstörte Ehen, wie viel Relativismus in der Auffassung des Ehesakramentes! In dieser Zeit sieht man klar – sei es vom soziologischen Gesichtspunkt her, sei es vom Gesichtspunkt der menschlichen Werte her wie auch vom Gesichtspunkt des katholischen Sakramentes, des christlichen Sakramentes – eine Krise der Familie. Eine Krise deshalb, weil die Familie von allen Seiten her geschlagen und tief verletzt wird.

Also bleibt nichts anderes übrig, als etwas zu tun. Daher Ihre Frage: Was können wir tun? Klar, wir können gute Vorträge halten, Prinzipienerklärungen abgeben, und manchmal muss man das wirklich tun, nicht wahr? Mit klaren Ideen: Schauen Sie her, was Sie da vorschlagen, ist keine Ehe, das ist ein Verein, aber keine Ehe. Manchmal muss man die Dinge klar benennen und muss es sagen.

Doch die Pastoral der Hilfe darf in diesem Fall nur auf Tuchfühlung, Körper an Körper, geschehen. Anders gesagt: Begleiten. Und das heißt, Zeit verlieren.

Der große Meister des Zeitverlierens ist Jesus, nicht wahr? Er hat so viel Zeit verloren um zu begleiten, um Gewissen reifen zu lassen, um Wunden zu heilen, um zu lehren.

Begleiten heißt, den Weg gemeinsam gehen.

Ganz offensichtlich ist das Ehesakrament entwertet worden, ist aus dem Sakrament unbewusst ein Ritus geworden. Reduzierung des Sakramentes auf den Ritus. Daraus ergibt sich, dass das Sakrament ein gesellschaftliches Ereignis wird, schon mit dem Religiösen darin, nicht wahr, getauft schon, aber die Betonung liegt auf dem Gesellschaftlichen. Wie oft habe ich hier im pastoralen Leben Menschen getroffen, die nicht heiraten. Sie leben zusammen. Und warum heiratet ihr nicht? Ach nein, das ist … bloß wegen dem Fest, wir haben kein Geld. Da überdeckt das Gesellschaftliche das Wesentliche, die Verbindung mit Gott.

In Buenos Aires, erinnere ich mich, da kamen einige Priester mit der Idee, zu egal welcher Zeit Trauungen vorzunehmen. Denn normalerweise wird am Donnerstag oder Freitag standesamtlich geheiratet, und am Samstag kirchlich. Und dann schaffen sie es nicht mit den zwei Akten, weil eine der beiden Feiern immer mehr im Vordergrund steht. Darum kamen diese Priester, echte Hirten, um dabei zu helfen: „Trauung zu dem Zeitpunkt, wo Ihr das möchtet!“ Standesamtliche Hochzeit beendet, ab in die Pfarrkirche, kirchliche Trauung – einfach ein Beispiel dafür, wie man es Menschen einfacher machen kann, wie man ihnen die Vorbereitung erleichtern kann.

Man kann Paare nicht mit zwei Treffen, mit zwei Vorträgen auf die Ehe vorbereiten. Das ist Unterlassungsschuld von unserer Seite aus, von Seiten der Seelsorger und der Laien, wenn wir wirklich an der Rettung der Familie Interesse haben.

Die Vorbereitung auf die Ehe muss weiten Raum haben. Paare begleiten. Begleiten, aber immer auf Tuchfühlung, und vorbereiten. Wissen, was sie tun werden. Viele wissen nicht, was sie tun, sie heiraten, ohne zu wissen, was es bedeutet, welche Bedingungen es gibt, was sie versprechen. Ja, ja, alles ist wunderbar, aber es ist ihnen nicht bewusst, dass es für immer ist. Und nehmen Sie dazu noch die Kultur des Provisorischen, die wir erleben, nicht nur in der Familie, sondern auch unter den Priestern.

Ein Bischof erzählte mir, dass sich ein ausgezeichneter junger Mann bei ihm vorstellte, der Priester werden wollte, aber nur für zehn Jahre, danach wollte er wieder zurück… Das ist die Kultur des Provisorischen. Das ist in. Das „für immer” scheint vergessen. Man muss vieles in der verletzten Familie von heute wiedergewinnen. Sehr viel. Aber gleichzeitig sich über nichts entrüsten, das in der Familie geschieht: Familiendramen, kaputte Familien, Kinder. Bei der Synode fragte sich ein Bischof: Sind wir Seelsorger uns dessen bewusst, was ein Kind leidet, wenn die Eltern sich trennen? Das sind die ersten Opfer. Darum: Wie begleiten wir die Kinder? Wie helfen wir, dass die Eltern, die sich trennen, die Kinder nicht als eine Art Geiseln missbrauchen?

Wie viel pseudopathologische Mentalität von Leuten, die mit ihrem Reden andere zugrunde richten, kommt daher, dass sie aufgewachsen sind mit einem Vater, der schlecht über die Mutter und einer Mutter, die schlecht über den Vater redete! Das sind Dinge, mit denen muss man an die Familien herangehen, sie begleiten, heißt, dass sie sich bewusst werden, was sie da machen.

Und da gibt es heute so viele unterschiedliche Situationen. Sie heiraten nicht, sie bleiben zu Hause, haben ihren Freund oder ihre Freundin, aber sie heiraten nicht. Eine Mutter sagte mir einmal: Pater, was kann ich bloß machen, dass mein Sohn mit seinen 32 Jahren endlich heiratet? Nun ja, gute Frau, erst einmal sollte er eine Freundin haben. Ja, ja, sagt sie, eine Freundin hat er, aber er heiratet nicht. Nun gut, liebe Frau, wenn er eine Freundin hat und nicht heiratet, dann hören Sie auf, ihm die Hemden zu bügeln, mal schauen, ob er sich dann traut, oder? Das heißt, wie viele heiraten nicht, leben ganz oder – wie ich es in meiner eigenen Familie erlebt habe – „Teilzeit“ zusammen. Montag bis Donnerstag mit meiner Freundin, Freitag bis Sonntag mit meiner Familie. Heißt, das sind neue Formen, die die Größe der Liebe in der Ehe ganz zerstören oder stark begrenzen.

Und so sehen wir vieles, Zusammenleben, Trennungen, Scheidungen – und dafür ist entscheidend, dass wir auf Tuchfühlung, Körper an Körper, begleiten, nicht indem wir Proselytismus betreiben, denn dabei kommt nichts heraus. Sie begleiten. Geduld, Geduld. Ein Wort heute, eine Haltung morgen. Das ist es, was ich Ihnen empfehle.

 

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Sie ist Mutter. Maria ist es, die hilft, Jesus herunterzuziehen. Im Herabsteigen Jesu. Sie zieht ihn vom Himmel herunter, damit er unter uns lebt.

2 – PÄDAGOGIK: Ausgehend von der großen Liebe von Papst Franziskus zu Maria, wurde er gebeten, seine Vision von Marias Mission bei der Neu-Evangelisierung und der Erneuerung der Kirche zu beschreiben.

Maria versteht es in der Tat, mit ein paar Fetzen und einem ganzen Berg voller Zärtlichkeit einen Viehstall in das Haus Jesu zu verwandeln. Sie ist auch fähig, ein Kind im Schoß seiner Mutter aufhüpfen zu lassen, wie wir es im Evangelium hören. Sie ist fähig, uns die Freude Jesu zu schenken. Maria ist vor allem Mutter. Ja gut, man könnte sagen, Mutter ist nicht so viel, oder? Maria ist Königin, ist Herrin. Nein, halten wir einen Moment inne: Maria ist Mutter. Warum? Weil sie Jesus gebracht hat.

Ich erzähle dazu eine für mich schmerzliche Geschichte. Es muss in den achtziger Jahren gewesen sein. Ich war in Belgien bei einer Versammlung, da waren gute, eifrige Katholiken. Ein Ehepaar lud mich zum Essen ein, mehrere Kinder, katholisch, aber sie waren Theologieprofessoren und studierten sehr viel. Und das viele Studieren war ihnen wohl in den Kopf gestiegen. In einem Moment der Unterhaltung sprachen sie über Jesus. Richtig gut. Wirklich eine gute Theologie, eine gute Christologie. Und zum Schluss sagten sie mir: „Und weil wir Jesus nun so gut kennen, brauchen wir Maria nicht, darum pflegen wir keine Marienverehrung.“ Da fehlten mir die Worte, das hat mich traurig gemacht, richtig schlecht. Wie der Teufel in Form von etwas „Besserem“ das Bessere wegnimmt. Paulus sagt, dass er uns, in der Gestalt eines Lichtengels verkleidet, verführt. Wie eine Mutter, eine Maria ohne Mütterlichkeit.

Maria ist Mutter. Zuerst. Man kann Maria keinen anderen Titel geben, der nicht „die Mutter” wäre.

Sie ist Mutter, weil sie Jesus geboren hat und uns in der Kraft des Heiligen Geistes hilft, dass Jesus in uns geboren wird und wächst. Sie ist es, die uns andauernd Leben gibt. Sie ist Mutter der Kirche. Ist Mütterlichkeit.

Wir haben kein Recht – und wenn wir es tun, dann sind wir im Irrtum – auf ein Waisengefühl. Anders gesagt, der Christ hat kein Recht darauf, sich als Waise zu fühlen. Er hat eine Mutter. Wir haben eine Mutter.

Ein alter Prediger mit scharfer Zunge, der über diese Waisengefühl sprach, beendete seine Predigt mit den Worten: „Und gut, wer Maria nicht als Mutter haben will, kriegt sie eben als Schwiegermutter!“

Mutter. Eine Mutter, die uns nicht nur das Leben gibt, sondern uns im Glauben erzieht. Es ist etwas anderes, Wachstum im Glauben ohne Marias Hilfe zu suchen. Das ist ganz etwas anderes. Das ist wie ein Wachsen im Glauben, ja, schon in der Kirche, aber in einer verwaisten Kirche. Eine Kirche ohne Maria ist ein Waisenhaus. Also sie erzieht uns, sie lässt uns wachsen, sie begleitet uns, sie berührt die Gewissen. Und wie sie es versteht, die Gewissen zu berühren, damit Reue entsteht.

Mir gefällt es, und ich tue es immer noch, wenn ich ein wenig Zeit habe, die Geschichten von Alfons Maria Liguori zu lesen. Das sind Dinge aus anderen Zeiten, in der Art, wie sie verfasst sind, aber sie sind wahr. Nach jedem Kapitel erzählt er eine aufbauende Geschichte, wie Maria…

Im Süden Italiens, ich weiß nicht, ob in Kalabrien oder Sizilien, gibt es die Verehrung der Jungfrau der Mandarinen. Das ist eine Gegend, wo es viele Mandarinen gibt. Und die Verehrer der Jungfrau der Mandarinen sind Gauner, Diebe, das sind ihre Verehrer. Sie erzählen, dass die Jungfrau der Mandarinen sie gern hat, und sie beten zu ihr, denn wenn sie in den Himmel kommen, schaut sie die lange Schlange der Ankommenden entlang, und wenn sie einen von ihnen sieht, dann macht sie ihnen „ein Zeichen“ mit der Hand, das ihnen sagt, sie sollten nicht weitergehen und sich verstecken. Und nachts, wenn alles dunkel ist und der Heilige Petrus nicht da ist, öffnet sie ihnen die Tür.

Das heißt, auf sehr folkloristische und volkstümliche Weise eine sehr große Wahrheit. Von hoher Theologie. Eine Mutter sorgt für ihr Kind bis zum Ende und versucht bis zum Ende, ihm das Leben zu retten.

Daher auch die Annahme von Alfons Maria von Liguori, dass ein Verehrer Marias nie verloren geht. Aber das ist der Extremfall. Heißt, während des ganzen Lebens versteht sie es, das Gewissen zu berühren. Sie versteht, das Gewissen zu berühren. Sie begleitet dich dabei. Sie hilft uns.

Maria ist es, die hilft, Jesus herunterzuziehen, im Heruntersteigen Jesu. Sie zieht ihn vom Himmel herunter, damit er unter uns lebt. Und sie ist es, die schaut, sorgt, rät, da ist.

Da gibt es etwas, das mir sehr nahe geht. Die erste marianische Antiphon des Okzidents ist eine Kopie einer aus dem Orient, die sagt: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin.“ Das ist die erste, die älteste Antiphon des Okzidents. Doch diese kommt aus einer älteren Tradition, die die russischen Mystiker, die russischen Mönche so erklären: Im Augenblick, in den Augenblicken geistlicher Turbulenzen, bleibt nichts anderes, als sich unter den Mantel der Mutter Gottes zu flüchten. Sie ist es, die beschützt, die verteidigt. Erinnern wir uns an die Apokalypse, an die Frau, die mit dem Kind in den Armen flieht, damit der Drache das Kind nicht verschlingt. So sehr wir auch Jesus kennen mögen, niemand kann sagen, er sei so reif, dass er auf Maria verzichten könnte. Niemand kann auf seine Mutter verzichten.

Wir Argentinier haben ein starkes Wort dafür, wenn wir jemandem begegnen, der irgendwie böse ist oder sich schlecht benimmt, wohl weil ihm die Zärtlichkeit seiner Mutter fehlt, weil sie ihn nicht gern hat oder ihn verlassen hat; das ist kein Schimpfwort, sondern ein starkes Wort, wir sagen: diese Person ist ein „guacho“, ein Waisenkind – ein Flegel, ein Rüpel.

Ein Christ kann nicht „verrüpeln“, denn er hat Maria als Mutter.

 

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Zeugnis, Mission, Gebet

3 – JUGEND – Motiviert durch den missionarischen Geist in der Schönstattjugend aller Länder, wurde der Heilige Vater um Rat gebeten bei der Einladung an andere Jugendliche zu einem christuserfüllteren Leben.

Ich gehe aus von einem Satz Papst Benedikts XVI. Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Attraktivität… Was ihr Attraktivität gibt, ist das Zeugnis. Erster Rat: Zeugnis. Oder anders gesagt: So leben, dass andere Lust bekommen, wie wir zu leben. Zeugnis. Einen anderen Weg gibt es nicht. Es gibt keinen anderen.

So leben, dass andere sich die Frage stellen: Warum? Das Zeugnis. Der Weg des Zeugnisses, da gibt es nichts, was das ersetzen kann. Zeugnis in allem. Wir sind nicht die Erlöser von irgendjemandem. Wir sind Vermittler dessen, der uns alle erlöst hat. Und das können wir nur vermitteln, wenn wir in unserem Leben, in unserem Fleisch, in unserer Geschichte das Leben desjenigen annehmen, der Jesus genannt wird. Konkret, Zeugnis. Zeugnis.

Und das nicht nur mit Werken der Nächstenliebe. Natürlich muss man diese tun, denn das Protokoll, nach dem wir gerichtet werden, steht in Matthäus 25. Also gut, Zeugnis in den Werken der Nächstenliebe, in der Arbeit für die Förderung, für die Erziehung, indem wir etwas für die anderen tun.

Aber nicht nur das, nein. Sondern Zeugnis des Lebens. Wie lebe ich? Lebe ich ein Doppelleben? Heißt, nenne ich mich Christ und lebe wie ein Heide? Die spirituelle Weltlichkeit, der Weltgeist, den Jesus so verurteilt hat. Es reicht, das Johannesevangelium zu lesen, das sich darin wiederholt.

Und wie teile ich mehr oder weniger meinen christlichen Glauben? Halbe halbe? Das Zeugnis muss dich ganz und gar mitreißen. Es ist eine Lebensoption. Anders gesagt: ich gebe Zeugnis, weil das eine Konsequenz aus einer Lebensoption ist. Das ist der erste Schritt. Ohne Zeugnis kann ich keinem einzigen Jugendlichen und auch keinem alten Menschen helfen, überhaupt keinem! Natürlich werden wir alle einmal lahm, natürlich sind wir alle schwach, natürlich haben wir alle Probleme und geben nicht immer ein gutes Zeugnis. Aber es geht um die Fähigkeit, uns innerlich demütig zu machen, die Fähigkeit, um Verzeihung zu bitten wenn unser Zeugnis nicht so ist, wie es sein sollte.

Und in diesem Zeugnis muss die Fähigkeit liegen, uns zu bewegen, uns zum Hinausgehen zu bringen, in Mission zu gehen, was nicht bedeutet, Proselytismus zu machen. Es ist ein Hinausgehen, um zu helfen, zu teilen, und wo sie sehen, wie wir es machen und was wir machen.

Da wiederhole ich mich oft und gern. Eine Kirche, die nicht hinausgeht, ist eine Kirche „der Snobs“. Eine kirchliche Bewegung, die nicht zur Mission hinausgeht, ist eine Bewegung von „Snobs“. Und noch schlimmer, statt hinauszugehen und die Schafe zu suchen, um sie herzubringen, oder zu helfen oder Zeugnis zu geben, widmen sie sich dem Grüppchen, dem Kämmen von Schafen. Stimmt das nicht? Das sind spirituelle Friseure! So etwas geht doch nicht!

Das heißt, hinausgehen, aus uns selbst hinausgehen. Eine geschlossene Kirche oder Bewegung, eine geschlossene Gemeinschaft, die wird krank! Die haben alle Krankheiten der Begriffsstutzigkeit und Halsstarrigkeit! Eine Bewegung, eine Kirche, eine Gemeinschaft, die hinausgeht, die irrt. Aber es ist doch schön, um Vergebung zu bitten, wenn man sich irrt, also habt davor doch keine Angst! Hinausgehen in Mission. Hinausgehen auf dem Weg. Wir sind Wanderer. Aber Achtung! Die heilige Teresa riet: Unterwegs auf dem Weg, da gefällt uns ein schöner Ort und wir bleiben da, wir vergessen, dass wir weitergehen müssen. Darum bleiben wir da. Ausruhen ja, aber danach weitergehen; und Wanderer sein, nicht Umherirrer. Denn man geht hinaus, um etwas zu geben, man geht hinaus in Mission, aber nicht, um sich um sich selbst zu drehen, in einem Labyrinth, das nicht einmal wir selbst verstehen. Wanderer, nicht Umherirrer.

Und dann, zusammen mit der Mission, das Gebet. Keiner kann sagen „Jesus Christus ist der Herr“, wenn der Heilige Geist ihn nicht dazu anregt. Und dafür musst du beten. Musst du anerkennen, dass du den Heiligen Geist in dir hast und dass es derselbe Heilige Geist ist, der dir die Kraft gibt, voranzugehen.

Gebet. Das Beten nicht unterlassen. Und das Gebet zur Mutter Gottes, was eines der Dinge ist, die ich bei der Beichte frage: Wie ist deine Beziehung zur Mutter Gottes? Der Rosenkranz. Eben das Gebet. Kommen wir zurück auf das, was ich vorher über die Mutter gesagt habe. Damit die Mutter mich begleitet, mich sucht, mir sagt, wo der Wein fehlt usw., all das, was sie tut: Gebet, Mission, Hinausgehen.

Etwas noch, das Ihr Jugendlichen haben werdet: die Versuchung der Müdigkeit. Weil ihr keine Erfolge seht, oder weil die Show zu Ende ist und das alles schon arg langweilig wird, dann suche ich mir etwas anderes. Darum, sobald ihr dem ersten Anzeichen von Müdigkeit begegnet, Müdigkeit auf dem Weg, aber egal in welcher Form, macht rechtzeitig den Mund auf. Bittet rechtzeitig um Rat. Mir passiert das und das. Ich bin „im fünften Gang” gestartet und jetzt im „Rückwärtsgang”. Aber die Versuchung zur Müdigkeit ist sehr subtil. Denn hinter der Versuchung der Müdigkeit beim Hinausgehen zur Mission versteckt sich der Egoismus. Und letztlich versteckt sich dahinter der Weltgeist, das Zurückkehren zur Bequemlichkeit, zum Wohlfühlen, zum Gutgehen oder wie auch immer.

So würde ich euch sagen: Zeugnis, damit das Licht leuchtet, dass es nicht unter dem Bett versteckt wird, dass das Licht leuchtet, und die Menschen die guten Taten sehen, die der Vater durch uns wirkt, selbstverständlich. Zeugnis. Damit sie fragen, warum du so lebst, Kohärenz des Lebens, gehen, Wanderer, keine Umherirrer, und Achtung mit der Versuchung der Müdigkeit. Mehr fällt mir nicht ein. Welchen Rat geben Sie uns, um unsere Freunde einzuladen, ein erfüllteres Leben in Christus zu leben? Ich denke, das reicht.

 

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Wenn man sich in der kleinen engen Welt einschließt, der kleinen Welt der Bewegung, der Pfarrei, dann sieht man die Wahrheit nicht.

4 – NEUE GESELLSCHAFTS-ORDNUNG: Im Blick auf die Kriege und Ungerechtigkeiten unserer Zeit wurde der Heilige Vater gebeten, das Geheimnis seiner Freude und Hoffnung und der Ausdauer im Dienst an Kranken, Armen und Obdachlosen zu verraten.

Ehrlich gesagt, ich habe keinen blassen Schimmer, aber das ist nicht wichtig… Ein wenig aus der Persönlichkeit, würde ich sage, bin ich etwas unbewusst. Die Unbewusstheit führt manchmal dazu, wagemutig zu sein – aber ich kann das nicht erklären, was Sie fragen.

Ich weiß es ehrlich nicht; ich bete und ich überlasse mich. Aber es fällt mir schwer, Pläne zu machen. Diese beiden Dinge wage ich nun aber doch, zu sagen: Dass der Herr mir die Gnade eines sehr großen Vertrauens geschenkt hat, die Gnade, mich seiner Güte zu überlassen, auch in den Momenten großer Sünde. Und da er mich nicht verlässt, macht mich das noch vertrauensvoller und so gehe ich mit IHM voran. Ich habe viel Vertrauen. Ich weiß, dass er mich nie verlässt. Und ich bete. Das schon, ich bitte, denn ich bin mir auch all der schlechten Dinge bewusst, die ich getan habe und all des „Unsinns“, immer dann, wenn ich mich nicht dem Herrn überlassen und selbst das Steuer in die Hand genommen habe. Ich wollte diesen so „viel beschwatzten“ Weg gehen, der Selbst-Erlösung heißt, das heißt, ich erlöse mich durch Erfüllen, mit der Erfüllung – „erfüllt und gelogen“ (Anm. d. Ü.: Wortspiel mit dem spanischen Wort cumpl(i) – miento). So ist das. Diese Erfüllung, worin die Erlösung der Schriftgelehrten, der Sadduzäer besteht, dieser Leute, die Jesus das Leben unmöglich gemacht haben. Aber ich weiß nicht. Ehrlich gesagt, im Ernst, ich kann es nicht erklären. Ich überlasse mich, ich bete, und ich scheitere nicht. Er scheitert nicht. Er scheitert nicht. Und ich habe erlebt, dass er fähig ist, nicht durch mich, sondern durch die Menschen, Wunder zu tun. Ich habe Wunder gesehen, die der Herr durch Menschen wirkt, die diesen Weg des Überlassens in seine Hände gehen.

Etwas möchte ich noch sagen zu meiner Behauptung, ich sei etwas unbewusst. Wagemut. Wagemut ist eine Gnade. Mut. Der heilige Paulus nennt zwei Dinge, die der Christ besitzen muss, um Jesus Christus zu verkünden: Mut und Ausdauer. Das heißt, Mut, um voranzugehen und Ausdauer, um die Last der Arbeit zu tragen. Und das ist jetzt eigenartig. Das, was es für das apostolische Leben braucht, das braucht es auch im Gebet. Ein Gebet ohne Wagemut ist „wässriges” Gebet, das nichts nützt.

Erinnern wir uns an Abraham, als er, guter Jude der er war, mit Gott handelte. Und wenn es 45 sind, und wenn 40 sind, und wenn es 20 sind. Das heißt, er ist „unverschämt“. Er hat Mut im Gebet.

Erinnern Sie sich an Moses, als Gott ihm sagt: „Schau, dieses Volk ertrage ich nicht mehr, ich werde es vernichten, aber sei unbesorgt, dich werde ich zum Führer eines besseren Volkes machen.“ – „Nein, nein, wenn du dieses Volk ausradierst, dann musst du auch mich ausradieren.“

Mut! Mit Mut im Gebet! Mit Mut beten. „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, wenn ihr es im Glauben bitten, und glaubt, dass ihr es bekommen werden, das habt ihr schon erhalten.” Wer betet so? Wir sind doch schlapp! Mut! Und danach die Ausdauer, das Aushalten. Die Widerstände aushalten, die Niederlagen des Lebens aushalten, die Schmerzen, die Krankheiten, die harten Lebenssituationen.

Mich hat beeindruckt, wie euer Pater Generaloberer oder Generaldirektor oder ich weiß nicht, wie Ihr ihn nennt, Bezug genommen hat auf das Unverständnis, das Pater Kentenich erleiden musste und die Ablehnung. Das ist ein Zeichen dafür, dass ein Christ voran geht. Wenn der Herr ihn die Prüfung der Ablehnung erleiden lässt. Denn das ist das Zeichen der Propheten; die falschen Propheten wurden nie abgelehnt, weil sie den Königen oder den Leuten das sagen, was sie hören wollten. Also alles im Stil von „alles gut und wunderbar“ und sonst nichts. Die Ablehnung, das ist es, nicht wahr?

Hier kommt dann das Aushalten. Aushalten im Leben bis dahin, zur Seite gelegt zu werden, abgelehnt, und ohne sich mit Worten, mit Verleumdung, mit Diffamierung zu rächen.

Und dann eine Sache, die unvermeidbar ist – Ihr habt mich ja gefragt, was mein Geheimnis ist –: Mir hilft es, die Dinge nicht aus dem Zentrum heraus zu sehen. Es gibt nur ein Zentrum. Das ist Jesus Christus. Stattdessen die Dinge von der Peripherie her zu sehen, denn von dort sieht man sie klarer.

Wenn man sich in der kleinen engen Welt einschließt, der kleinen Welt der Bewegung, der Pfarrei, des Bischofssitzes oder hier, der kleinen Welt der Kurie, dann sieht man die Wahrheit nicht. Da begreift man das vielleicht in der Theorie, aber man greift die Wirklichkeit der Wahrheit in Jesus eben nicht. Die Wahrheit greift man leichter von der Peripherie her als aus dem Zentrum. Das ist meine Hilfe.

Ich weiß nicht, ob das mein Geheimnis ist oder nicht, aber sicherlich… Ich denke daran, wie sich die Weltsicht, die Gesamtschau der Welt von Magellan an geändert hat; es war eine Sache, die Welt von Madrid oder Lissabon aus zu sehen, und eine andere Sache, sie von dort zu sehen, von der Magellanstraße aus. Da begann man, die Dinge anders zu sehen. Diese Revolutionen, die die Realität von der anderen Seite aus verstehen lassen. Dasselbe gilt für uns, wenn wir in unserer engen kleinen Welt verschlossen bleiben, die uns verteidigt und alles, dann werden wie nie verstehen, nie wissen, was die wirkliche Situation einer Wahrheit ist.

Dieser Tage war hier in großes Treffen von Strafrechtlern, ein weltweites Treffen; einer von ihnen sagte mir im privaten Gespräch: „Manchmal passiert es mir, Pater, wenn ich ins Gefängnis gehe, dass ich zusammen mit einem Häftling weine.“

Da hast du ein Beispiel! Heißt, er sieht die Realität nicht nur vom Recht her, aus dem heraus er als Strafrechtler urteilen muss, sondern aus der Wunde, die da ist, und diese Wahrheit, die sieht er hier, die sieht er besser. Und für mich ist das eines der schönstes Dinge dieser Tage, dass ein Richter mir sagt, ich hatte die Gnade, er hat die Gnade, manchmal mit einem Häftling zu weinen. Das heißt, an die Peripherie gehen, nicht wahr?

Darum würde ich euch sagen: Eine gesunde „Unbewusstheit“ – oder anders, dass Gott alles tut -, beten und sich überlassen. Mut und Ausdauer, und hinausgehen an die Peripherien. Ich weiß nicht, ob das mein Geheimnis ist. Aber es ist das, was mir kommt, was ich euch sagen möchte, wie es bei mir geht.

 

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Die Freiheit des Geistes

5 – KIRCHE: Ausgehend von der Liebe zur Kirche, Erbe und Mission Pater Kentenichs, wurde Papst Franziskus gefragt, wie Schönstatt bei der Erneuerung der Kirche mitwirken und wo die Akzente des evangelisierenden Wirkens in dieser Zeit der Schönstattfamilie gesetzt werden müssten.

Erneuerung der Kirche. Da denkt man an die große Revolution. Jemand hat schon vom „revolutionären Papst“ gesprochen, und all diese Geschichten. Aber es ist vielleicht der älteste Satz der Ekklesiologie. Die Lateiner, die lateinischen Kirchenväter, sprachen von der ‚Ecclesia semper renovanda‘. Die Kirche muss sich andauernd erneuern. Das gilt seit den ersten Jahrhunderten der Kirche. Und sie haben dafür gekämpft, die Heiligen haben dasselbe getan. Das heißt, diejenigen, die die Kirche voranbringen, sind die Heiligen, diejenigen, die fähig waren, ihre Heiligkeit zu erneuern und durch ihre Heiligkeit die Kirche zu erneuern. Sie sind es, die die Kirche voranbringen.

Als ersten Gefallen, um den ich euch bitte, als Hilfe, ist Heiligkeit. Heiligkeit. Keine Angst haben vor dem Leben der Heiligkeit. Das heißt die Kirche erneuern. Die Kirche erneuern, das ist nicht zuerst hier eine Änderung vornehmen und dort eine Änderung vornehmen. Das muss man tun, weil sich das Leben ständig ändert und man sich anpassen muss. Aber das ist nicht Erneuerung.

Konkret hier – es ist öffentlich, darum wage ich das zu sagen – muss die Kurie erneuert werden, erneuert sich die Kurie, die Vatikanbank, die muss erneuert werden. Das sind alles Erneuerungen von außen. Das, was die Zeitungen sagen. Es ist seltsam. Niemand redet von der Erneuerung des Herzens. Sie verstehen nichts davon, was es heißt, die Kirche zu erneuern. Das ist Heiligkeit. Das Herz jedes einzelnen erneuern.

Eine andere Sache, die mir hilft, was deine Frage war, das ist die Freiheit des Geistes. In dem Maße, in dem einer mehr betet und den Heiligen Geist wirken lässt, gewinnt er diese heilige Freiheit des Geistes, die ihn dazu bringt, Dinge zu tun, die reiche Frucht bringen. Freiheit des Geistes. Was nicht dasselbe ist wie Laxheit, nein, das ist nicht dasselbe. Es ist nicht Bequemlichkeit, das ist etwas anderes. Nein! Freiheit des Geistes setzt Treue voraus und setzt Gebet voraus.

Wenn einer nicht betet, dann hat er diese Freiheit nicht. Anders gesagt: Wer betet, besitzt Freiheit des Geistes. Er ist fähig, „Wahnsinniges“ im besten Sinne des Wortes zu tun. „Und wie bist du darauf gekommen, das zu machen? Wie toll du das hingekriegt hast!“ – „Ich weiß auch nicht, ich habe gebetet und dann kam mir das in den Sinn.“ Freiheit des Geistes.

Sich nicht einkapseln – ich sage, einkapseln, das muss man gut verstehen – in Anordnungen oder Dinge, die uns einsperren. Wir kommen noch einmal zurück auf die Karikatur der Schriftgelehrten, die, weil sie übergenau, so furchtbar genau waren in der Erfüllung der Zehn Gebote, 600 weitere dazu erfunden hatten. Nein, das ist keine Hilfe. Nein, das bringt dich dazu, dich zu verschließen, dich einzukapseln.

Wenn der Apostel plant – und hier berühre ich etwas, das einigen von euch nicht gefällt, aber ich sage es -, wenn der Apostel glaubt, dass die Dinge dadurch vorangehen, dass er eine gute Planung macht, dann täuscht er sich. Das ist Funktionalismus. Das ist das, was ein Unternehmer machen muss.

Wir müssen diese Dinge benutzen, das schon. Aber sie haben keine Priorität, sondern stehen im Dienst des anderen, der Freiheit des Geistes, des Gebetes, der Berufung, des apostolischen Eifers, des Hinausgehens. Darum, Vorsicht mit dem Funktionalismus!

Manchmal sehe ich das in einigen Bischofskonferenzen oder Bistümern, die Verantwortliche für alles und jedes haben, für wirklich alles, denen nichts entgeht, und alles ist funktional, alles ist perfekt geordnet. Aber es fehlen oft Dinge oder sie machen höchstens die Hälfte von dem, was sie mit weniger Funktionalismus und mehr apostolischem Eifer, mehr innerer Freiheit, mehr Gebet machen könnten, oder einfach gesagt: mit innerer Freiheit und dem Mut, immer weiter hinauszugehen. Das ist es.

Damit keine Zweifel aufkommen: All das zum Thema Funktionalismus habe ich in Evangelii Gaudium beschrieben. Da können Sie nachlesen, was ich Ihnen sagen wollte.

Wann ist ein Weg, eine Hilfe, echt? Wenn sie de-zentriert. Das Zentrum ist ein einziger: Jesus Christus. Wenn ich aber ins Zentrum meine Pastoralmethoden, meinen pastoralen Weg, meine Art des Handelns und alles Mögliche stelle, dann de-zentriere ich damit Jesus Christus. Jede Spiritualität, jedes Charisma in der Kirche, so reich und vielfältig es auch sein mag, muss de-zentriert sein. Im Zentrum steht der Herr.

Darum schauen Sie einmal, wie Paulus im ersten Brief an die Korinther von den Charismen spricht, diesen schönen Dingen, dem Leib der Kirche, jedes Glied mit seinem Charisma, wie endet er da? Aber ich werde euch etwas noch Besseres erklären. Und er endet damit, über die Liebe zu sprechen. Das heißt, von dem, was von Gott kommt, aus dem Eigensten Gottes und uns lehrt, ihn nachzuahmen. Vergesst das darum nicht. Und stellt euch oft die Frage: Bin ich ein „De-Zentrierter“ in diesem Sinn, oder bin ich im Zentrum, im Mittelpunkt, als Person oder als Bewegung, als Charisma? So wie das was wir in Spanisch – entschuldigen Sie, dass ich jetzt meine Muttersprache, mein Porteño spreche -, was wir in meinem Spanisch „Figuretti“ nennen, Leute, die sich überall in den Mittelpunkt stellen müssen; das Zentrum, der Mittelpunkt ist nur Jesus. Der Apostel ist immer ein De-zentrierter, weil er Diener ist, im Dienst am Zentrum steht.

Das de-zentrierte Charisma sagt nicht „wir”. „Wir“ oder „ich“. Es sagt: Jesus. Und ich. Jesus und ich. Jesus bittet mich, ich muss das tun für Jesus. Heißt, immer zum Zentrum. Kreist immer um die Person Jesu. Vergessen Sie das bitte nie. Eine Bewegung, ein Charisma muss notwendigerweise de-zentriert sein.

Dann eine Sache, die von uns heute verlangt wird und über die wir schon gesprochen haben, als es um die Kriege ging. Wir erleiden heute immer größere Ent-Begegnungen. Und unter dem Schlüssel der Ent-Begegnung können wir eine neue Lektüre all der Fragen, die Sie gestellt haben, angehen.

Ent-Begegnung in der Familie, Ent-Begegnung im Zeugnis, Ent-Begegnungen bei der Verkündigung des Wortes, der Botschaft, Ent-Begegnungen in Kriegen, Ent-Begegnungen in den Familien, das heißt, die Ent-Begegnung, die Spaltung, das ist die Waffe des Teufels. Und nebenbei gesagt, den Teufel gibt es, falls hier irgendjemand Zweifel hat. Er existiert und er holt sie sich.

Der Weg dazu ist die Ent-Begegnung, die zu Streit, Feindseligkeit, Babel führt. Wie die Kirche dieser Tempel aus lebendigen Steinen ist, den der Heilige Geist aufbaut, so baut der Dämon jenen anderen Tempel aus Hochmut, Stolz auf, der entfremdet, weil man einander nicht versteht, verschiedene Dinge meint und sagt, das ist Babel.

Darum müssen wir für eine Kultur der Begegnung arbeiten. Eine Kultur, die uns hilft, einander als Familie zu begegnen, als Bewegung, als Kirche, als Pfarrei. Immer suchen, wie wir einander begegnen können.

Und ich empfehle Ihnen – es wäre schön, wenn Sie es jetzt in diesen Tagen tun könnten, denn wenn nicht, dann geht es Ihnen wieder aus dem Kopf und Sie vergessen es: Nehmen Sie sich im Buch Genesis die Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Wie diese ganze schmerzhafte Geschichte von Verrat, Neid und Ent-Begegnung in einer Geschichte der Begegnung endet, die möglich macht, dass das Volk 400 Jahre wächst und stark wird. Dieses von Gott erwählte Volk. Kultur der Begegnung.

Lesen Sie die Geschichte von Josef, es sind mehrere Kapitel der Genesis. Das wird Ihnen helfen zu verstehen, was ich Ihnen hiermit sagen möchte. Kultur der Begegnung ist Bündniskultur. Heißt, Gott hat uns erwählt, hat uns verheißen, und mittendrin hat er ein Bündnis geschlossen mit seinem Volk.

Abraham sagt er: „Geh, ich sage dir, was ich dir geben werde.” Und nach und nach sagt er ihm, dass seine Nachkommen zahlreich sein werden wir die Sterne am Himmel. Die Verheißung. Er erwählt ihn mit einer Verheißung. Und als der Moment gekommen ist, sagt er ihm: „Und jetzt Bündnis”. Und die verschiedenen Bündnisse, die er mit seinem Volk schließen wird, sind es, die diesen Weg der Verheißung und der Begegnung festigen.

Kultur der Begegnung ist Bündniskultur. Und das schafft Solidarität. Kirchliche Solidarität. Sie wissen, dass dies eines der gefährdeten Wörter ist. Jedes Jahr oder alle drei Jahre versammelt sich die Real Academia Española, um die neuen Wörter zu untersuchen, die entstanden sind, weil wir eine lebendige Sprache sprechen – und das geschieht in jeder lebendigen Sprache -, und genauso verschwinden einige, weil sie tote Sprachen sind, das heißt, sie sterben und werden nicht mehr benutzt. Und lebendige Sprachen haben tote Wörter. Das Wort, das vor dem Aussterben steht, oder das eliminiert, aus den Wörterbüchern gestrichen werden soll, ist das Wort „Solidarität“. Und Bündnis bedeutet Solidarität. Bedeutet die Schaffung von Bindungen, nicht die Zerstörung von Bindungen.

Und heute leben wir in dieser Kultur, in dieser Kultur des Provisoriums, einer Kultur der Zerstörung der Bindungen.

Was wir beispielsweise von den Problemen der Familie sagen. Bindungen werden zerstört, statt dass Bindungen geschaffen werden. Warum? Weil wir in einer Kultur des Provisoriums leben, der Ent-Begegnung, der Unfähigkeit, Bündnisse zu schließen.

Darum Kultur der Begegnung, die eine Einheit schafft, die nicht verlogen ist, und Einheit der Heiligkeit ist, die zur Kultur der Begegnung führt.

Vielleicht möchte ich damit schließen… Es war sehr üblich im auserwählten Volk, in der Bibel, das Bündnis zu erneuern, eine Bündniserneuerung zu halten; das Bündnis wurden bei den und den Festen, in den und den Jahren oder nach dem Sieg in einer Schlacht, nach einer Befreiung erneuert, und Jesus kommt und bittet um eine Erneuerung des Bündnisses, nicht wahr? Und er selbst nimmt an dieser Erneuerung teil – in der Eucharistie.

Das heißt, wenn wir Eucharistie feiern, feiern wir Bündniserneuerung. Nicht nur als Nachahmung, sondern in sehr tiefer Weise, sehr real, sehr tiefgründig. Es ist die Gegenwart Gottes selbst, der das Bündnis mit uns erneuert. Was wir in der Regel nicht sagen, weil es uns gar nicht in den Sinn kommt oder nicht im Trend ist, das ist die Erneuerung des Bündnisses im Sakrament der Versöhnung.

Vergessen Sie das nie. Wenn ich nicht beichten gehe, weil ich nicht weiß, was ich dem Priester sagen soll, dann läuft etwas schief. Weil uns nämlich das innere Licht fehlt, um das Wirken des bösen Geistes, der uns schadet, zu entdecken. Diese Erneuerung des Bündnisses in der Eucharistie und im Bußsakrament, im Sakrament der Versöhnung, führt uns zur Heiligkeit, immer mit dieser Kultur der Begegnung, mit dieser Solidarität, mit diesem Schaffen von Bindungen.

Und das ist es, was ich Ihnen wünsche. Dass Sie, in dieser Welt der Ent-Begegnungen, der Diffamierungen, Verleumdungen, der Zerstörungen durch Worte, in der Erneuerung des Bündnisses eine Kultur der Begegnung voranbringen. Sicher, niemand kann allein erzogen werden. Er braucht die Mutter, die ihn erzieht. Darum empfehle ich Sie alle der Mutter, dass sie Sie weiterführe in dieser Erneuerung des Bündnisses. Danke.

 

Ich sende Sie als Missionare in die kommenden Jahre

Nach der Erneuerung des Liebesbündnisses und vor der Aussendung und dem Segen, sagte Papst Franziskus:

 

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Indem ich Ihnen den Segen gebe, sende ich Sie als Missionare in die kommenden Jahre. Ich sende Sie, nicht in meinem Namen, sondern im Namen Jesu. Ich sende Sie, nicht allein, sondern an der Hand unserer Mutter, Maria, und im Schoß unserer Mutter, der heiligen Kirche. Ich sende Sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Bevor wir schließen, danke ich Ihnen von ganzem Herzen für den Besuch. Und gerade kam mir in Erinnerung, wie Sie mich gefragt haben, was mein Geheimnis sei. Ich möchte Ihnen zwei Geheimnisse erzählen. Erstens, der Generalobere hat gesagt, er wolle mir keine Zeit wegnehmen, weil er nicht wolle, dass ich zu spät zum Mittagessen komme. Ein Geheimnis ist also dieses: Ich habe noch nie einen Priester Hungers sterben gesehen.

Zweites Geheimnis: Vor einiger Zeit hat ein Schönstatt-Priester mir ein Bild der Gottesmutter geschenkt. Und das habe ich auf meinem Nachttisch. Und jeden Morgen, wenn ich aufstehe, berühre ich es und bete. Das ist ein Geheimnis, das ich euch erzählen wollte.

Danke noch einmal für den Besuch. Vergessen Sie nicht, für mich zu beten, ich brauche das. Gott segne Euch und die Jungfrau beschütze Euch. Danke. “

 

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Kultur der Begegnung ist Bündniskultur, die Solidarität schafft

portada ALEMANDas Buch mit dem Text der Audienz und einem Vorwort von P. José María García Sepúlveda.

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