Veröffentlicht am 13. September 2017 In Kentenich

Als das Christentum das Abendland berührte und von dort aus die Welt

DEUTSCHLAND, Dorothee Alberty •

Am 3. und 4. September waren es 50 Jahre, dass P. Kentenich das Zentrum der Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Freiburg besucht hatte: „Marienfried“ in der kleinen Stadt Oberkirch am Eingang des Renchtales. Dieser Besuch war wesentlich dafür, dass die Schönstattfamilie des Erzbistums Freiburg ihr Diözesanideal entwickelt hat. Ein Jahr lang bereitete sie sich auf das Jubiläum vor und feierte es gleich mehrfach: mit einer Vigil der Jugend am 17. Juni, einem großen Fest am 18. Juni, einem Studientag des Josef-Kentenich-Institutes am 2. September und einer Feier am 3. September, zu der Weihbischof Michael Gerber gekommen war.

Andreas Brüstle, Mons. Dr. Peter Wolf, Dr. Gertrud Pollak

Pater Kentenichs „Abendland“ hat nichts mit Pegida zu tun

Zur Reflektion der 1967 gehaltenen Vorträge hat das Josef-Kentenich-Institut (JKI) am 2.September einen eigenen Tag gestaltet. Der Präsident des JKI, Spiritual Andreas Brüstle, moderierte diesen und den darauf folgenden Tag.
Dr. Peter Wolf  stellte den Vortrag Pater Kentenichs vom 3.9.1967 vor: Victoria Patris – Kreisen um den Vatergott. Der Gründer ermunterte damals und ermuntert heute seine Zuhörer, um den Gott des Lebens zu kreisen, Ihn in den Erfahrungen des eigenen Lebens und denen der Schönstattfamilie zu suchen. Genauer: Auch an die Erfahrungen der Oberkirchner, Freiburger Schönstattgeschichte sollten wir gewissermaßen eine Leiter anlegen wie an einen Dom, an dessen Spitze Gott thront; auch in den Erfahrungen von Schmerz und Leid die Hände des Vaters küssen lernen. In der Vorbereitung auf das Jubiläum hatte Dr. Wolf diesen Vortrag nach dem gesprochenen Wort neu herausgegeben.
Frau Dr. Pollak erklärte in ihrem Referat, wie der Begriff „Abendland“ entstanden ist und verwies eindringlich darauf, wie sehr sich der Begriff im Munde P. Kentenichs von der Verwendung etwa bei der Pegida unterscheidet.

Ihm gehe es um die Frage, ob Gott in der Welt nahe, ansprechbar, erfahrbar ist. P. Kentenich habe dies bejaht: Gott und Welt wirken zusammen als Erst- und Zweitursache. Dieses Denken sei charakteristisch für das Abendland. Daraus ergibt sich für den Gründer der Auftrag des Abendlandes, nämlich die Verchristlichung der Welt aus einem aktiven Vorsehungsglauben heraus, im Bündnis mit Maria. Wie lässt sich dies heute verantwortbar umsetzen, ohne etwa Grundfeindschaften zum Islam aufzubauen? Nur durch einen Dialog mit Standpunkt, der dem Gegenüber Wertschätzung entgegenbringt!
Zur Feier des Jubiläumstages am 3. September 2017 selbst trugen viele bei.
Eine große Zahl von Menschen aus der Schönstattfamilie, die den Tag im vergangenen Jahr vorbereitet hatten, war gekommen; die Beiträge in der Matinee wurden von Musik umrahmt. Zwei Ehepaare erzählten, was P. Kentenich heute für eine Bedeutung hat in ihrem Leben als Eheleute und Eltern.

Die Vorträge vom 4. September 1967

Anschließend stellte Dr. Wolf die originalwortgetreue  Neuveröffentlichung der drei großen Vorträge vor, die der Gründer am 4.9.1967 in Oberkirch gehalten hat; das neue Buch trägt den Titel: Heilsgeschichtliche Sendung des Abendlandes.

„Im Vortrag über die Struktur der Schönstatt-Bewegung wird deutlich, er zielt auf eine große und gut gegliederte Gemeinschaft. Geradezu leidenschaftlich kämpft er dafür, den verschiedenen Gliederungen ihre Selbständigkeit und Freiheit zu lassen. Er setzt auf die Freiheit und Verantwortung der einzelnen Gemeinschaften und hält nichts von schnellen Erfolgen durch eine vermeintlich straffe zentrale Organisation“, so Dr. Wolf. „Er möchte die Verant­wortlichen dafür gewinnen, die Selbständigkeit der je anderen Gliederungen zu achten und gleichzeitig innere Verbindung untereinander zu pflegen. Nur wo die einzelne Gliederung sich frei bewegen und eigene Verantwortung hat und wahrnehmen kann, wird nach seiner Überzeugung eigenständiges Leben und ein eigengeprägter Lebensstil sich entwickeln und entfalten könne.“

In den weiteren Vorträgen spricht Pater Kentenich über die heilsgeschichtliche Sendung des Abendlandes. Dr. Peter Wolf erklärt: „Die manchen vielleicht überraschende Frage nach der heilsgeschichtlichen Sendung des Abendlandes spielt für Pater Kentenich eine Rolle seit der Beschäf­tigung mit dem bekannten Jesusbuch „Der Herr“ von Romano Guardini in der Gestapo-Haft in Koblenz. Die Frage nach der heilsgeschichtlichen Sendung des Abendlandes, wie der Gründer sie im vorliegenden Vortrag entwickelt, nimmt ernst, dass das Christen­tum seinen Weg in die Welt über das Abendland genom­men hat.“

Dabei geht es aber nicht um Geographie, sondern um die Berührung des Christentums mit dem Denken des „Abendlandes“: „Dabei hat das Christentum über die Berührung mit der griechischen Philosophie von Aristoteles von einem Denken profitiert, das den Zusammenhang von Gott und Welt im Blick hatte. Pater Kentenich verweist auf den Weg der aristotelischen Philosophie über die Araber bis zu den Universitäten Europas und zu Thomas von Aquin. Dieser steht bei Josef Ken­tenich für das Denken, dass Gott durch freie Zweitur­sachen wirkt. Pater Kentenich unterscheidet im Blick auf die heilsgeschichtliche Sendung des Abendlandes im engeren Sinn den Auftrag zur Verchristlichung der Welt und in einem weiteren Sinn die Verchristli­chung der Welt aus dem originellen Zusammenwir­ken von Gott und Welt, von „Erst- und Zweitursache“. Für Pater Kentenich ist diese große Sendung zutiefst eine marianische Sendung…“

Für dieses wie auch das Buch mit den Vorträgen des 3. September wird derzeit, angeregt durch die Veröffentlichung des Interviews mit Dr. Peter Wolf auf schoenstatt.org, eine spanische Ausgabe vorbereitet, die im Verlag Nueva Patris in Chile erscheinen wird.

Wachstum beobachten

Im abschließenden Gottesdienst deutete Weihbischof Dr. Michael Gerber die Situation aus dem Leben heraus: So wie wir beim Blick aus dem Fenster Wachstum sehen konnten, so begrüßten wir unter uns einen Priester aus Afrika und eine Marienschwester aus Japan, mit Nordamerika waren wir durch Kontakte mit der Pilgergruppe um Dr. Birkenmaier in Milwaukee verbunden, all dies Zeichen von Wachstum: Für uns könne nicht nur das Vertraute, sondern auch das Fremde und Fremdartige Spur Gottes werden. Auftrag des JKI für heute und morgen sei es, im Sinne des Vorsehungsglaubens mit großer Weite und Wachheit auf diese Welt zu sehen und darauf zu reagieren.
Ein gemeinsames Mittagessen rundete die Veranstaltung ab.

Zum Schluss soll das Diözesanideal verraten werden, wie es auf einem Stein am Fuß der Mariensäule zu finden ist, die über dem Zentrum thront:
Der MTA geweiht / mit dem Vater für die heilsgeschichtliche Sendung des Abendlandes.

Fotos: Adelheid Straub

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