Veröffentlicht am 19. Juli 2017 In Kentenich

Jetzt mitten hinein ins frische Menschenleben! Mit beiden Händen und Fäusten es anpacken!

Interview mit Mons. Dr. Peter Wolf, Oberkirch •

Jetzt mitten hinein ins frische Menschenleben! Mit beiden Händen und Fäusten es anpacken! – Das tut uns heute schier notwendiger, als wenn wir Gott weiß wie weit und Gott weiß wie umfassend theoretisch über die Dinge sprechen können. Hinein ins praktische Leben! Wo wir es greifen, da finden wir es in reicher Fülle!

Aus einer Redaktionssitzung von schoenstatt.org? Könnte sein, ist es aber nicht.

Papst Franziskus an Kardinäle oder Priester? Würde passen, ist es aber auch nicht.

Geglückte Übersetzung eines Aufrufs bei den Studentenmissionen in Südamerika? Auch nicht…

Viel älter. Aus dem Geburtsjahr von Julia Roberts, Boris Becker und König Willem-Alexander. Aus dem Jahr des Biafra-Krieges, der ersten Herztransplantation und dem Start des Farbfernsehens in Deutschland, mitten im Kalten Krieg und auf dem Höhepunkt der Hippiebewegung – „Summer of Love“. 1967. Gesagt hat es Pater Josef Kentenich, wortwörtlich, und so ist es jetzt, nach 50 Jahren, druckfrisch zu lesen in einem schmalen Band mit dem Titel „Victoria Patris. Vortrag in Oberkirch 1967.“

Monsignore Dr. Peter Wolf hat den Text nach dem Originalmitschnitt von 1967 neu herausgegeben. Der Vortrag streift durch echtes Leben, das Pater Kentenich wahrnimmt und aufgreift und ist ein starkes Zeugnis, wie Pater Kentenich auf vorhandenes Leben eingeht und es zu verknüpfen weiß mit der Spiritualität der gesamten Bewegung. Weiterhin folgt eine längere biblische Passage zum Vorsehungsglauben, in dem Pater Kentenich ein Charisma Schönstatts sieht. Schließlich bindet er alles zusammen in dem damals in der Bewegung lebendigen Ideal „Victoria Patris“, das bis heute Leben weckt.

schoenstatt.org fragte Mons. Dr. Peter Wolf, der in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag gefeiert hat,  zur  Neuerscheinung von „Victoria Patris“, dem Vortrag Pater Josef Kentenichs beim Besuch in Oberkirch am 3. September 1967.

1 – Was hat Sie persönlich motiviert, diesen Vortrag neu herauszugeben?

Am 6. März bin ich von Berg Moriah nach Marienfried in Oberkirch umgezogen. Als Priester der Erzdiözese Freiburg bin ich nach meiner Zeit in Schönstatt als Generalrektor des internationalen Schönstatt-Instituts Diözesanpriester in meine Heimatdiözese zurückgekehrt. Erzbischof Burger hat mir die Aufgabe des Geistlichen Leiters des Schönstatt-Zentrums Oberkirch Marienfried zugewiesen. Dort waren die Verantwortlichen in unmittelbarer Vorbereitung auf das „Fest der Begegnung“, mit dem am 18. Juni der Besuch von Pater Kentenich in Oberkirch gefeiert werden sollte. In diesem Kontext begegnete mir der dringende Wunsch, die Vorträge des Gründers neu zugänglich zu machen. Diesem Wunsch wollte ich entsprechen.

2 – Wie erklären Sie sich die Unterschiede in den Texten der verschiedenen Veröffentlichungen, auf die Sie hinweisen?

Unmittelbar nach dem Besuch im Jahr 1967 hatte man sehr schnell die Vorträge des Gründers gedruckt. Dabei haben sich eine Reihe Fehler eingeschlichen und man hatte wiederholt Glättungen des Textes vorgenommen. Mit der Herausgabe der Reihe „Propheta locutus est“ durch die Gemeinschaft der Schönstatt-Patres war inzwischen eine deutlich treuere Wiedergabe des ursprünglich gesprochenen Wortes erarbeitet worden, die aber nur intern zugänglich ist. Ich habe von der Generalleitung der Patres erbeten, diesen Text als Grundlage meiner Veröffentlichung verwenden zu dürfen. Zur besseren Lesbarkeit habe ich auf Anregung und in Zusammenarbeit mit Dr. Rainer Birkenmaier Zwischenüberschriften eingefügt und weitere Anmerkungen für heutige Leser und Leserinnen eingebracht.

3 – Ist Ihnen persönlich beim Herausgeben dieses Textes etwas neu aufgegangen?

Ich war beim Besuch von Pater Kentenich als junger Student unter den Zuhörern. Von damals hatte ich lediglich die sehr biblisch geprägte Passage um den Vorsehungsglauben in Erinnerung. Bei der neuerlichen Arbeit mit dem umfangreichen Text wurde mir bewusst, wie sehr der Gründer darauf bedacht war, Fragen aus der Schönstattfamilie der Erzdiözese aufzunehmen und wie stark er darauf aus war, Strömungen innerhalb seiner Gründung mit einander in Beziehung zubringen und sie miteinander zu verknüpfen.

4 – Welche Bedeutung hat dieser Vortrag von Pater Kentenich über Oberkirch und das Erzbistum Freiburg hinaus?

Der Titel ist zunächst in der Schönstatt-Familie von Trier lebendig und ist der Name des Schönstatt-Heiligtums in unserer Hauptstadt Berlin und der Name eines Kurses der Marienschwestern. Auch wenn der Titel Victoria Patris nicht überall in der weltweiten Bewegung vertraut ist, so entspricht das hier auf originelle Weise dargestellte Denken ganz dem Anliegen des Barmherzigkeitsjahres, zu dem Papst Franziskus uns eingeladen hat, und dem Denken der kleinen heiligen Theresia. In meinen Augen ist es eine ausgezeichnete Fortsetzung zum Anliegen des Jahres der Barmherzigkeit.

5 – Welches ist Ihre Lieblingsstelle darin?

Mir ist nach wie vor kostbar, wie Pater Kentenich auf ganz biblische Weise zum Kreisen um den Gott des Lebens anleitet und gerade im Vorsehungsglauben ein Charisma Schönstatts sieht. Meine Lieblings­passage im Buch findet sich auf der Seite 35 unter der Überschrift: Charakteristikum Schönstatts: Kreisen um den Gott des Lebens.

6 – Hat der Gründer nur einen Vortrag gehalten?

Nein, er hat am Abend des ersten Besuchstages noch einen kürzeren Vortrag für die Frauen-Liga gehalten, der ebenfalls in dem Buch Victoria Patris zu finden ist. Am zweiten Tag, der damals als Delegiertentagung veranstaltet wurde, hielt der Gründer insgesamt drei weitere Vorträge. Diese werde ich in einem zweiten Band zum eigentlichen Termin des Besuches am 3./ 4. September dieses Jahres herausgeben. Zu diesem Anlass ist eine Tagung des Josef Kentenich-Institutes geplant, die eine inhaltliche Auseinandersetzung mit zwei der zentralen Themen angeht: Kreisen um den Gott des Lebens und Sendung des Abendlandes im Sinne Pater Kentenichs.

Das Interview führte Maria Fischer, Redaktion schoenstatt.org

ISBN 978-3-946982-00-5
Patris-Verlag, Vallendar

Beim  Patris-Verlag oder in jeder guten Buchhandlung

 

 

 

 

 

 

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