Veröffentlicht am 8. Dezember 2017 In Solidarisches Bündnis

Im solidarischen Bündnis mit Johannesburg

SÜDAFRIKA, Sarah-Leah Pimentel •

Am 2. Dezember erhielt ich die traurige Nachricht, dass das Schönstatt-Heiligtum in Johannesburg ausgeraubt worden  ist. Die Diebe sind durch ein Fenster hereingekommen und haben alles gestohlen, was irgendwie Metall enthielt (wahrscheinlich um geschmolzen oder verkauft zu werden), einschließlich des Tabernakels. Gott sei Dank ist der Schwester, die auf dem Grundstück wohnt, nichts passiert.

Schlechte Nachrichten verbreiten sich schnell, und natürlich ist die größte Sorge über und neben dem Verlust unserer kostbaren Symbole im Heiligtum, was mit dem Tabernakel und den konsekrierten Hostien darin geschehen ist. Wir wissen es nicht. Aber wir beten, dass der Leib Christi auf geheimnisvolle Weise das Leben und die Herzen derer anrühren kann, die nicht wissen, was sie tun – aus Unwissenheit, Verzweiflung oder weil sie fehlgeleitet wurden.

Zeichen des solidarischen Bündnisses

Selbst in diesem traurigen Ereignis gab es Trost, Wiedergutmachung für die Entweihung des Heiligtums und echte Zeichen des solidarischen Bündnisses.

Als ich die Nachricht von dem, was sich ereignet hat, in die Whatsapp-Gruppe des Dreamteams von schoenstatt.org geschrieben habe, boten so viele von uns sofort ihre Gebete und Taten der Liebe an als Wiedergutmachung für den erlittenen Frevel. Pamela Fabiano und Jose Cravo, die beide schon in diesem Heiligtum gebetet haben, reagierten als erstes und versprachen Gebet. Innerhalb von Minuten brachten Schönstattgemeinschaften in Madrid, Costa Rica, Lissabon, Mexiko, Brasilien, Chile, Paraguay und Argentinien – motiviert von Mitgliedern von Dreamteam, die gerade bei den entsprechenden Tagungen waren oder bei der heiligen Messe im Heiligtum eine Fürbitte einbrachten – ihre Solidarität zum Ausdruck und boten Gebete und Wiedergutmachung an.

Tita aus Österreich übernahm eine besonders schwere Übersetzung und opferte das auf als ihren Beitrag der Liebe und der Solidarität für das Heiligtum und die Familie in Johannesburg.

Die Schönstattfamilie von Johannesburg ist sehr dankbar und schickt allen Dank, die uns solche Liebe und Sorge gezeigt haben.

Der entweihte Leib Christi

Für mich ist das Heiligtum in Johannesburg mein „Urheiligtum”,  weil ich dort der Gottesmutter zum ersten Mal begegnet bin. Hier  habe ich die langsame Umwandlung begonnen, die mein Leben verändert hat und weiter verändert und meinen Glauben täglich vertieft. Deshalb war ich sehr bewegt, als ich die Nachrichten hörte.

Aber als ich mich durch die Trauer, den Zorn, hindurchgekämpft und um Vergebung gebetet hatte, begann ich darüber nachzudenken, auf wie viele andere Weisen der Leib Christi jeden  Tag geschändet wird.

Ja, der Diebstahl des Tabernakels ist eine schwere Beleidigung, und es ist immer eine ernste Sorge, was mit den konsekrierten Hostien geschehen sein mag, die für uns die Gegenwart Christi bedeuten.

Die Schrift sagt uns, dass wir alle als Abbild Gottes geboren sind. Das bedeutet, dass wir eine Spur des Göttlichen in uns haben. Christus war beides, menschlich und göttlich. Jeder von uns – unabhängig davon, ob wir an Jesus glauben oder nicht –  trägt etwas von Gottes Natur, von Christi Natur in sich.

Wird nicht der Leib Christi jedes Mal entweiht, wenn ein Kind missbraucht wird? Wird nicht der Leib Christi geschändet, wenn eine Frau durch körperliche oder seelische Misshandlung verwundet wird; wenn ganze Gruppen von Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, gefoltert , vergewaltigt und getötet werden; wenn die Armen auf den Müllhalden unserer Städte leben? Ist es nicht ein Sakrileg, wenn die Seele eines Menschen durch Prostitution, Menschenhandel, politische Verfolgung und mangelnden Zugang zu würdevollen Lebensbedingungen gebrochen und entwertet wird?

Es ist richtig, empört zu sein, wenn eine religiöse Stätte entweiht wird, und es ist unsere Pflicht, viele Taten der Wiedergutmachung anzubieten, um Vergebung zu erbitten für das Böse, das begangen wurde.

Aber müsste es nicht gerade unter uns engagierten Christen den gleichen empörten Aufschrei geben, wenn die grundlegenden Menschenrechte unserer Brüder und Schwestern mit Füßen getreten werden? Müssten wir nicht auch täglich Taten der Wiedergutmachung einsetzen für jede Handlung, die gegen den Leib Christi verübt wird, der in jeder menschlichen Person gegenwärtig ist?

 

Ein Aufruf zum Gebet

Der Vorfall im Heiligtum in Johannesburg ist traurig, aber er ist auch ein Aufruf für uns, unsere Verpflichtung zu Gebet und regelmäßigen Beiträgen zum Gnadenkapital zu vertiefen, die im solidarischen Bündnis für die gesamte Familie Gottes angeboten werden.

 

Original: Englisch, 6.12.2017. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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1 Responses

  1. Danke für diesen großartigen Beitrag!!
    Ja, es schmerzt, dass dies dem Heiligtum in Johannesburg angetan wurde. Und die Sorge darum, was mit den konsekrierten Hostien geschehen ist, beunruhigt zutiefst. Gut, dass viele Menschen sich gleich eingeschaltet haben, um mit ihren Opfern und Gebeten eine Wiedergutmachung zu leisten.
    ABER ganz wichtig war der Hinweis auf die geschundenen Menschen, deren verletzte Würde auch eine Schändung des Leibes Christi ist. Ein Aufschrei darüber bleibt zu oft aus – auch in Schönstatt.

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