Veröffentlicht am 18. Januar 2017 In Franziskus - Initiativen und Gesten, Solidarisches Bündnis

In diesen Tagen bitterer Kälte denke ich an die Menschen, die auf der Straße leben …

Maria Fischer, Redaktion schoenstatt.org·

In diesen Tagen bitterer Kälte denke ich an die Menschen, die auf der Straße leben, von Kälte und oft auch von Gleichgültigkeit gepeitscht.  Und ich bitte, an sie zu denken und für sie zu beten. Leider haben manche von ihnen nicht überlebt. Bitten wir für sie und bitten wir den Herrn, dass er unsere Herzen warm mache, um ihnen helfen zu können“ (Papst Franziskus, Angelus, 8. Januar 2017).

„Für diesen Monat Januar fangen wir mal so an“, sagt Silvia Losada aus Tucumán, Argentinien. Da sind es erst zwei Tage her seit der spontan im Team von schoenstatt.org getroffenen Entscheidung, sich die Initiative von Papst Franziskus zu eigen zu machen, diese Initiative, welche die lange Tradition der zwei lange im Voraus festgelegten Gebetsmeinungen des Heiligen Vaters ändert in eine „langfristige“ (die auch weiterhin mit einem Video vermittelt wird) und einer aktuellen, einer „Last-Minute-Gebetsmeinung“. Jetzt. Dringend. Ein Gebetsanliegen am Puls der Zeit, wie Pater Kentenich sagte. José Kentenich. Die mediale und insgesamt kirchliche Reaktion war nicht sehr stark. Für viele ist dieser Papst mit seinen 80 Jahren, der wie wenige die Herausforderungen, aber auch die Evangelisierungs-Chancen der digitalen Ära mit ihrer Schnelligkeit und Breitenwirkung der Kommunikation versteht, einfach zu spontan, zu schnell oder eben zu aktuell, zu sehr am Puls einer beschleunigten Zeit, in der päpstliche Gebetsanliegen (wie auch Fürbitten) mit einem Jahr Vorlaufzeit einfach nicht mehr treffen.

Tucumán garantiert – und das Gnadenkapital geht ins Urheiligtum und in die Heiligtümer von Madrid, Monterrey und Bamberg

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Kurz nachdem das aktuelle Anliegen für den Januar verkündet wurde, berichtete Silvia Losada aus dem Team von schoenstatt.org: „Ich habe es schon in allen meinen WhatsApp-Gruppen verbreitet. Und wo es darum geht, das Gnadenkapital monatlich ins Heiligtum zu bringen, da biete ich mich an, möchte es aber noch mit dem Team der Heiligtumspastoral absprechen.“ Zwei Tage darauf war schon mehr daraus geworden: „Wie ich eigentlich ja schon vorweggenommen habe, macht das Mariengarten-Heiligtum in Tucumán mit! Die Verantwortlichen sind Lilian und Antonio Haskour von der Heiligtumspastoral. Sie haben schon mitgemacht, als wir vor dem Jubiläum im solidarischen Bündnis für die Heiligtümer in aller Welt gebetet haben. Wir sind jetzt dabei, die Initiative zu verbreiten und alle anzuregen, Beiträge zum Gnadenkapital in diesem Sinne zu bringen und sie monatlich ins Heiligtum zu tragen.“

Dazu haben sie schon ein einfaches „Capitalario“ entworfen, das auch schon für andere als Anregung dient.

Gaby De La Garza und Eduardo Shelley sind bereit, die Beiträge zum Gnadenkapital ins Heiligtum in Monterrey zu bringen; Rektor Egon M. Zillekens und Maria Fischer übernehmen die Garantie, dass einmal im Monat die Beiträge auch ins Urheiligtum kommen, und  schon von Anfang an war klar, dass P. José María García und die „Dreamteamer“ von Madrid sich verantwortlich halten, dass die Beiträge dort ins Heiligtum gebracht werden.

Renate Siebenkäs aus dem Bistum Bamberg, Deutschland, begeisterte sich sofort für die Idee. Noch sucht sie nach Anregungen für Beiträge zum Gnadenkapital für die Menschen ohne Obdach, die auf den Straßen der Großstädte Europas, in den Flüchtlingslagern auf Lesbos oder vor den Zäunen auf der Balkanroute in der eisigen Kälte frieren und erfrieren. Und dabei war es genau sie, die ein Bild, ein Symbol für das Anliegen dieses Monates und das Gnadenkapital im solidarischen Bündnis mit dem Papst und den Menschen, die der Kälte des europäischen Winters ausgesetzt sind, geschenkt hat.  Die Rede ist von dem Foto oben, von der „Schneekönigin“, der Gottesmutter im Schnee.

Maria im Schnee

MTAimSchnee03.01 (3)Das Bild der Gottesmutter von Schönstatt, schneebedeckt. Die Mutter Gottes ohne Dach, ohne Schirm, ohne Decke, mitten im Schnee, bei Sturm und Temperaturen weit unter Null. Von der Kälte gepeitscht. Ein Symbol der Solidarität mit den Menschen, auf die der Heilige Vater den Blick lenken will: Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder und Babys (ja, Babys) in Rom, in Köln (in der Stadt der Heiligen Drei Könige und des Karneval leben 500 – 600 Menschen auf der Straße), in Madrid, in Berlin, in Paris, in Budapest … Menschen, die aus welchem Grund auch immer kein Haus, keine Wohnung, keine Bleibe haben.

Ich habe eine schöne, geheizte, sichere Wohnung. Nur mein Auto lebt auf der Straße, weil Garagen in meinem Viertel Mangelware sind. Vor ein paar Tagen hatte ich einen Auswärtstermin, ziemlich früh morgens. Also ging es sehr früh raus zum Eiskratzen. Das Thermometer zeigte -10°C an, und trotz dicker Winterjacke war ich nach 20 Minuten durch und durch kalt. Nur um festzustellen, dass die Scheiben nun zwar eisfrei waren, jedoch die Batterie die sibirische Kälte nicht überstanden und die Schaltung auch einen Schaden davongetragen hatte. Während ich beim ADAC anrufe und gleichzeitig versuche, ein Auto zu leihen, um doch noch zu meinem Termin zu kommen, sagt mir der Agent vom Service: „Klar, wenn Ihr Auto auf der Straße steht, dann muss man bei diesen Temperaturen mit größeren Schäden rechnen …“ Die halbe Stunde in der Kälte wird sofort und schnell zum Beitrag zum Gnadenkapital für die Menschen aus dem Gebetsanliegen von Papst Franziskus… und so in diesem Monat jeder Moment in der Kälte. Vor ein paar Monaten schenkte eine gute Bekannte mir einen Taschenschirm mit der Aufschrift: Eigentlich wollte ich ja die Welt retten. Aber es regnet.

Eigentlich rette ich die Welt, wenn ich bei Regen und Schnee rausgehe (und ich hasse es!), denn ich mache es zu Gnadenkapital, zu diesem Plus, das wir von unserem Charisma her dem Gebet des Papstes am Puls der Zeit hinzufügen.

Hinschauen, beten, etwas tun: Das Projekt „Encuentro“ in Madrid

Das aktuelle Gebetsanliegen des Papstes lässt nachdenken: Was tun wir in Schönstatt eigentlich für die Menschen auf der Straße? Da gibt es etwas – das Projekt „Encuentro“ in Madrid.

Was ist „Encuentro“?

  • Es ist Begegnung mit Menschen, die auf der Straße leben.
  • Es heißt, meine Stadt, meine Straßen, meinen Stadtteil mit anderen Augen sehen zu lernen.
  • Es heißt, aktiv teilhaben an der Realität, die mich umgebt, nicht gleichgültig sein gegenüber dem, was mich umgibt, sondern durch konkrete Taten mich hineingeben – indem ich meine Zeit, meine Sachen, meine Hilfe zur Verfügung stelle.
  • Es heißt, Solidarität wecken, jene Solidarität, die eine Zeit der Krise von mir und von meiner Umgebung fordert.•
  • Es heißt Einsatz für die Nächsten, Nächstenliebe ohne Etiketten und Vorurteile, selbstloser Dienst …

Das Projekt Encuentro ist die Übung, sich die Probleme der Menschen in meiner Umgebung zu eigen zu machen und durch mein Zeugnis eine bessere Welt zu schaffen, ein Zeugnis, das andere ansteckt und alle beheimatet.
Es heißt, mit anderen Füßen durch die Straßen gehen, mit anderen Augen sehen, mit anderen Armen umarmen.  Es heißt zuhören ohne zu urteilen, reden ohne zu klagen, begleiten ohne aufzudrängen.  Es heißt, sich bewusst sein, dass wir eine Antwort sein müssen für die Welt von heute, die verletzt und orientierungslos ist.
Wir können nicht in unseren Häusern bleiben. Es ist Zeit, herauszugehen und dem Bruder in Not zu helfen.

Und so gehen sie hinaus, seit einigen Jahren schon, diese Schönstätter aus Madrid und viele andere Menschen guten Willens, verteilen Lebensmittel, Kleider, Decken, Jacken. Am 23. Dezember gingen sie auf die Straßen und verteilten Rucksäcke mit Nougat, Schokolade, Brot, Wurst, Getränken und warmer Kleidung …

100 Häuser für Menschen ohne ein Dach über dem Kopf

Vor einigen Tagen schickte Mercedes Bonorino an die Missionare der Kampagne, die kurz zuvor Fotos ihrer Bildstöcke für das digitale Mosaik der Pilgernden Gottesmutter in Belmonte geschickt hatten, eine Mail mit dem Foto der MTA im Schnee. Sie schrieb:

„Als kleines Geschenk schicke ich Dir ein Foto: ein schöner Beweis für das Echo der Gnade, das diese Strömung der Bildstöcke, die sich mit der Mission der Gottesmutter von Rom aus verbinden, geweckt hat. Sie will ja von Belmonte aus weiteste Kreise von Kirche und Welt erreichen. Eine Frau aus Deutschland, die Schönstatt noch gar nicht so lange kennt, hat sich über den Belmonte-Newsletter und schoenstatt.org für diese Initiative begeistert und fühlt sich sehr verbunden mit dem Pozzobon-Raum in Rom. Im Geist von Joao Pozzobon besucht sie diesen Bildstock, dessen Foto sie vor mehreren Wochen hochgeladen hat. Gestern sogar bei -15°C, eine würdige Jüngerin von Joao Pozzobon im Schnee, so wie er unter der glühenden Sonne ging…“

Nicht nur wegen der Kälte leiden Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. Es gibt Menschen, die unter sengender Sonne leiden, unter sintflutartigen Regenfällen und unter entsetzlichen hygienischen Bedingungen. Für einige von ihnen bauen wir Häuser – die 100 solidarischen Häuser, die schon fast 200 sind. Jeder Beitrag für diese Häuser – seien es Spenden, sei es der Bau selbst, sei es Organisation oder einfach die Übersetzung eines Artikels darüber – ist auch Beitrag zum Gnadenkapital im Anliegen des Papstes.

Am Montag, 16. Januar, sind 75 Jugendliche aufgebrochen zu einer Fußwallfahrt zu den Stätten des heiligen Cura Brochero; sie hatten angeboten, die Anliegen aller mitzunehmen, die ihnen schreiben. Ein Anliegen, das sie mitnehmen, ist das von Papst Franziskus. Das Anliegen am Puls der Zeit, das Anliegen im solidarischen Bündnis. Wollen wir die Welt retten, auch wenn es regnet?

 

Von ihrer Natur her macht sich die Barmherzigkeit in einer konkreten dynamischen Handlung sichtbar und greifbar. Wenn man sie einmal in ihrer Wahrheit erfahren hat, kehrt man nicht mehr hinter sie zurück: Sie wächst ständig und verändert das Leben. Sie ist eine echte neue Schöpfung, die ein neues Herz schafft, das fähig ist, vollkommen zu lieben, und die Augen reinigt, so dass sie die ganz verborgenen Nöte erkennen.

Wie wahr sind die Worte, mit denen die Kirche in der Osternacht nach der Lesung des Schöpfungsberichts betet: Gott, du hast den Menschen nach deinem Bild wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert und erlöst.

Die Barmherzigkeit erneuert und erlöst, da sie die Begegnung zweier Herzen ist: des Herzens Gottes, das dem Herzen des Menschen entgegenkommt. Dieses erwärmt sich und ersteres heilt es: Das Herz von Stein wird in ein Herz von Fleisch verwandelt (vgl. Ez 36,26), das trotz seiner Sünde fähig ist zu lieben. Hier nimmt man wahr, wirklich „neue Schöpfung“ (vgl. Gal 6,15) zu sein: Ich bin geliebt, daher lebe ich; mir wird vergeben, daher werde ich zu neuem Leben geboren; mir wurde Barmherzigkeit zuteil, daher werde ich zum Werkzeug der Barmherzigkeit.

 

Papst Franziskus, MM16

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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