Veröffentlicht am 1. August 2016 In Projekte

Aufbruch im GOTTvertrauen

DEUTSCHLAND, von Maria Fischer •

Köln am „Sonntag, dem  einzigsten 31. Juli 2016, dem Tag, den es so nie wieder gibt“, wie der gutgelaunte Triebwagenführer des Rhein-Sieg-Express um 12.23 Uhr seinen Fahrgästen sagt, um ihnen den Frust über die Verspätung zu vertreiben. „Mit etwas Gottvertrauen schaffen wir die Anschlusszüge in Siegen doch noch.“ Zu diesem Zeitpunkt pilgern die Teilnehmer der Fußwallfahrt „GOTTvertrauen“ unter einem kräftigen Regenschauer bereits seit gut einer Stunde durchs Kölner Stadtgebiet Richtung Brühl…

160731-gottvertrauen-aufbruch-10 31. Juli: Kölner Polizei in Alarmbereitschaft

Köln steht seit dem frühen Morgen unter Hochsicherheitsmaßnahmen. Auf dem Domplatz mehr Polizisten als Touristen, Wasserwerfer und Krankenwagen in Bereitschaft, Straßen und U-Bahnlinien sind gesperrt.  Es ist der Tag der Großdemonstration gegen den Militärputsch in der Türkei und zahlreicher Gegendemonstrationen von ganz rechts bis ganz links. Ein wenig Hochsicherheits-Erlebnis dann auch bei der – verspäteten – Ankunft am Schönstatt-Heiligtum in Köln. Aus der Elendskirche dringen schöne Lieder, doch das Tor ist verschlossen, genauso fest wie die Seitentür der Kirche. Im Innenhof steht das Gepäck der Pilger, darum die Sicherheitsmaßnahmen. Dank Whatsapp und einem nicht ausgeschalteten Handy öffnet sich das Tor dann aber doch…

Das verschlossene Tor ist aber das einzige, was an diesem Sonntagmorgen von dem mulmigen Gefühl geblieben ist, das die Initiatoren des Projekts GOTTvertrauen beschlichen hatte, als die Großdemonstration ausgerechnet auf den lange geplanten Tag ihres Aufbruchs gelegt wurde. Mit viel Freude, verstärkt durch ein gutes Frühstück, hatten sich die Pilger am Heiligtum in Köln getroffen. Deutlicher als mit dem riesigen Polizeiaufgebot an diesem Tag und in einem noch unter dem Schrecken der Terroranschläge und Amokläufe der letzten Wochen stehenden Land hätte der barmherzige Gott nicht auf die Aktualität von GOTTvertrauen hinweisen können. Gott spricht oft durch das Geschehen. Manchmal schreit er.

31. Juli: Abschluss des Weltjugendtags

Auf der Schwelle der Elendskirche sind noch fünf etwas verblasste gelbe Sterne zu sehen – und im Heiligtum brennt noch das Licht mit dem Symbol des Weltjugendtages. Im Jahr 2005 war dieses Heiligtum das „Schönstatt-Zentrum“ im wahrsten Sinne des Wortes für die Jugendlichen, die zum Weltjugendtag gekommen waren. Ihre Spuren sind hier noch zu sehen.  Genau in den Stunden, in denen sich die Fußpilger hier sammeln und aussenden lassen, feiert Papst Franziskus auf dem Campus Misericordiae bei Krakau mit 1,5 Millionen Jugendlichen den Aussendungsgottesdienst des 31. Weltjugendtages, und er sagt ihnen: „Das Evangelium erzählt uns heute ausgerechnet von der Begegnung zwischen Jesus und einem Mann, dem Zachäus, in Jericho (vgl. Lk 19,1-10). Dort beschränkt Jesus sich nicht darauf, zu predigen oder jemanden zu besuchen, sondern er will – wie der Evangelist sagt – durch die Stadt gehen (vgl. V. 1). Mit anderen Worten, Jesus möchte sich dem Leben eines jeden nähern, unseren Weg ganz und gar gehen, damit sein Leben und unser Leben sich wirklich begegnen.“

Nach einer ausführlichen Einstimmung in der Elendskirche, in der Pater Kentenich vor 50 Jahren vor der überraschten Kölner Schönstattfamilie das „Bündnis mit dem Vatergott“ für die ganze Schönstattfamilie geschlossen hat, brechen die Pilger genau dazu auf: um durch die Stadt zu gehen, um dieses Bündnis mit dem barmherzigen Vater auf die Straße zu tragen und zu den Menschen, die ihnen auf dem Weg begegnen; zur Begegnung mit Jesus unterwegs und zur Begegnung mit Jesus in den Pfarrgemeinden, in denen sie in dieser Woche zu Gast sein werden.

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Kernteam

31. Juli: Begegnung im GOTTvertrauen

Am Schluss der Einstimmung erteilt Pfr. Joachim Gayko – von Pfr. Hans Schnocks kurzfristig gebeten – den Pilgern einzeln den Segen. Ein Aufbruch im Segen Gottes, ein Aufbruch im GOTTvertrauen für diese buntgewürfelte Gruppe von Senioren, Familien, Kindern, Einzelnen, die sich im Lauf der Wegstrecke immer wieder neu mischen wird bis zum Abschluss mit der Messe im Urheiligtum in Schönstatt am kommenden Samstag.

Drei Jahre intensiver Vorbereitung liegen hinter den Mitgliedernd des Kernteams und vieler weiterer Teams, als es Punkt 11.00 Uhr zügigen Schrittes losgeht.

Zügig macht sich auch Pfarrer Gayko auf den Weg zu seinem nächsten Termin. Die Mitarbeiterin von schoenstatt.org, die ihn nur von der Kirchentür aus gesehen hatte, wagt es im GOTTvertrauen, winkt ihm zu und begrüßt ihn: „Sind Sie das, Pfr. Gayko?“ Vor fast über 15 Jahren hat er in der Pfarrei ihres Bruders als Diakon und Neupriester seine ersten pastoralen Schritte gemacht, eine Verbundenheit ist geblieben. Er ist es, und obwohl es beide eilig haben, aus Köln wegzukommen, bleiben ein paar Minuten der Begegnung. Die Wallfahrt hat begonnen.

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Pfr. Joachim Gayko

 

Mehr zu Inhalt, Idee und Stationen von GOTTvertrauen: www.gott-vertrauen.net

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