Veröffentlicht am 15. März 2016 In Haus Madre de Tuparenda, Projekte, Werke der Barmherzigkeit

Haus Mutter von Tupãrenda: aus einem Schmerz wird ein Traum, und der wird Wirklichkeit

PARAGUAY, P. Pedro Kühlcke •

– Hallo, Pepito! Bist du schon wieder im Gefängnis? Schade! Warum?

– Ja, Pa’i, verzeih mir! Vier Monate habe ich es draußen geschafft. Aber ich hab nirgends Arbeit gefunden, keiner hat mir geholfen. Du weißt, was für ein Chaos meine Familie ist. Die Versuchung war stärker, und ich bin wieder gefallen.

01. Aquí construimos la Casa Madre de TR

Der Schmerz: Kaum raus aus dem Gefängnis und schon wieder drin

Als uns vor fast zwei Jahren bewusst wurde, dass die Gottesmutter uns an eine solch existentielle Peripherie wie das Jugendgefängnis schicken wollte, haben wir das Abenteuer in Angriff genommen – mit vielen Fragen und Zweifeln, aber auch mit großem Vertrauen und Wagen. Wir begegneten Jugendlichen, von denen die meisten aus sehr schwierigen Verhältnissen kommen: dysfunktionale Familien, Armut und Elend, Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch und mit den noch schlimmeren Konsequenzen wie Leben auf der Straße, Abrutschen in Drogenabhängigkeit, Kriminalität etc. Allerdings entdeckten wir auch, dass viele von ihnen eben im Gefängnis versuchen ihr Leben zu ändern. Mit etwas Motivation durch uns oder so viele andere Menschen mit gutem Herzen gehen sie wieder oder erstmals zum Schulunterricht, fangen an gegen ihre Süchte zu kämpfen, nehmen an Ausbildungskursen teil und machen Schritte zum spirituellen Wachstum wie Taufe und Erstkommunion. Wenn der ersehnte Augenblick der Entlassung kommt, gehen sie mit großer Sehnsucht und Hoffnung. Jedoch entdecken wir traurig, dass viele „Pepitos“ kaum dass sie entlassen sind, wieder im Gefängnis sind, weil sie die Auflagen nicht erfüllen, rückfällig werden, weil sie keine Arbeit finden, weil sie wieder Drogen nehmen. Doch im Grunde liegt es daran, dass ihnen draußen niemand hilft, um auf dem Weg weiterzugehen …

02. Parte de los asistentes

Der Traum: Wäre es möglich, dass die Gottesmutter ein Haus in Tuparenda haben möchte, wo sie sie umarmen und sie für ihr neues Leben erziehen kann?

Zusammen mit dem Team Gefängnispastoral begannen wir diese Realität in Frage zu stellen: Wir begleiten diese Jugendlichen sehr intensiv innerhalb des Gefängnisses, aber was können wir tun, um mit der Begleitung fortzufahren, wenn sie entlassen sind? Könnte es sein, dass die Gottesmutter uns gebrauchen will, um ihnen die Unterstützung anzubieten, die sie für ein würdevolleres Leben brauchen, mit Schule, Ausbildung, Arbeit, etc…? Könnte es sein, dass die Gottesmutter in Tupãrenda ein Haus haben möchte, wo sie sie umarmen und für dieses neue Leben erziehen kann? Könnte es sein, dass es „Pepitos“ gibt, die es schaffen, den Teufelskreis von fehlenden Chancen, Straße, Drogen, Kriminalität und Gefängnis zu durchbrechen? Ein Traum! Aber keine Utopie!

03. Algunos internos también participaron

Einige Häftlinge aus dem teiloffenen Vollzug durften dabei sein

Der entscheidende Schritt: Verbündete finden

Ich hörte von der Gefängnispastoral in der Dominikanischen Republik und Chile, die sehr effektive Modelle für die gesellschaftliche Wiedereingliederung von Jugendlichen, die in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sind, entwickelt haben. Sie boten uns ihr Wissen und ihre Unterstützung an und ermutigten uns, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Etwas Wesentliches war die Entdeckung, dass es im Justizministerium ein Team von sehr engagierten Menschen gab mit dem gleichen Wunsch, die Situation der Täter zu verbessern, Rückfall zu verhüten und echte gesellschaftliche Wiedereingliederung zu ermöglichen – das wesentliche Mittel zur Verringerung von Jugendkriminalität. Wir vereinten unsere Kräfte, führten Gespräche, planten Projekte, beteten, und jedes Mal öffneten uns Gott und die Gottesmutter mehr Türen. Sie „gaben uns“ einen Trägerverein – „FundaProva“, Land in Tuparenda und viele großzügige Menschen, die Zeit, Geld und Kraft gaben und geben, um diesen Traum zu fördern. Die frühere Justizministerin Sheila Abed und ihr Vize-Minister sowie die jetzige Ministerin, Carla Bacigalupo, gaben ihr Bestes und glaubten an unser Projekt bis zu dem Punkt, Gelder für Bau und Unterhalt der „Casa Madre de Tuparenda“. [Haus Mutter von Tuparenda] zu beschaffen. Die SINAFOCAL [Berufsbildungs-Einrichtung des Arbeitsministeriums] vergab sechs kostenlose Kurse für Maurer, Installateure, Elektriker, Haushalt, Bio-Gärtner und zwei für Bauleiter, mit Werkzeugen, Materialien, einem offiziellen Abschluss und Aussicht auf weitere Kurse in der Zukunft.

12. La piedra fundamental

Der Grundstein für eine neue Realität

Nach viel Bürokratie und politischem Hin und Her waren die letzten Hindernisse Mitte Januar überwunden. Wir konnten den lange erwarteten Bau mit der Segnung des Grundsteins am Freitag, dem 12. Februar, beginnen. Die beiden Ministerinnen und andere Beamte aus dem Justizministerium waren anwesend, ebenso wie Mitarbeiter von SINAFOCAL aus der Stadt Itauguá, aus dem Industrieministerium … Viele Mitarbeiter der Gefängnispastoral und von FundaProva waren dabei. Doch vor allem waren da einige der zukünftigen Begünstigten – inhaftierte Jugendliche, die das Privileg hatten, wegen ihres guten Verhaltens an dieser wunderbaren Feier teilzunehmen.

Wir zählen auf jeden von euch! Mit euren Gebeten und dem Gnadenkapital und allem was jeder beitragen möchte und kann … Mögen Gott und die Gottesmutter euch reichlich belohnen!

09. Bendición

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland/Maria Fischer

Schlagworte: , , , , , , , , ,