Veröffentlicht am 9. Januar 2017 In Haus Madre de Tuparenda, Werke der Barmherzigkeit

Der Erste hat es geschafft: Ein gelernter Bäcker und Gärtner verlässt das Haus Madre de Tupãrendá

PARAGUAY, Ani Souberlich und Maria Fischer

Was bleibt vom Jahr der Barmherzigkeit? Eine Frage, die teilweise von Papst Franziskus in seinem Schreiben „Misericordia et Misera“ beantwortet wurde. Geblieben sind viele Momente, die es leichter machen, Gottes Vergebung zu suchen und zu finden; geblieben ist Amoris Laetitia, nur zu verstehen und von ganzem Herzen anzunehmen, wenn man mit dem Schlüssel der Barmherzigkeit als neuer – oder eigentlich alter – Grundkategorie göttlichen und darum auch kirchlichen Handels liest; geblieben ist die Kreativität im Antworten auf den Schmerz und die Nöte des Menschen durch die Werke der Barmherzigkeit.

Was bleibt vom Jahr der Barmherzigkeit? Viel. Es bleiben die Werke der Barmherzigkeit, für immer. Und es bleiben ein paar Dutzend „solidarische Häuser“. Und es bleibt dieses große, einmalige Haus der Solidarität namens Haus „Mutter von  Tupãrendá“. Es ist eine Frucht des Jahres der Barmherzigkeit, eingeweiht in diesem Jahr als Werk der Barmherzigkeit gegenüber Jugendlichen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, und steht im Schatten des Heiligtums von  Tupãrendá.

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Ein Haus für uns

Im Namen der Jugendlichen, die hier ihre zweite (oder ihre erste) Chance bekommen, schreibt die Leiterin des Hauses, Ani Souberlich (ja, die Initiatorin der 100 solidarischen Häuser) zum Neuen Jahr:

„2016 war für uns alle das Jahr der Barmherzigkeit der unendlichen Liebe des Vaters. Seine Liebe hat uns die Türen von Haus Madre de Tupãrendá geöffnet, wo wir ein Zuhause finden können, einen Ort, an dem wir mit Respekt und Zuneigung behandelt werden, wo wie den ganzen Reichtum entdecken, den wir in uns tragen und wo wir lernen, uns selbst anzunehmen und zu mögen. Im Haus Madre de Tupãrendá lernen wir wunderbare Menschen kennen, die uns ihre Zeit schenken, um zu singen, um uns beizubringen, dass wir in den Augen Gottes alle gleich sind und es für ihn keine gesellschaftlichen Schichten gibt, dass wir wertvoll sind, und zwar nicht nur wegen dem, was wir haben, sondern wegen dem, was wir an Gutsein in unserem Herzen haben. Vielen Dank all denjenigen, die jeden Tag an unseren Wandel glauben und an unsere Größe, die darin besteht, so viele Male wieder aufzustehen … Vielen Dank für Ihre Begleitung im Gebet! Wir wünschen Ihnen ein Jahr 2017 voller Güte und Barmherzigkeit des Vaters!“

 

Fundaprova

Das Team von Fundaprova, Rechtsträger von Haus  Madre de Tupãrendá

Jahresbeginn mit einer heiligen Messe im Heiligtum

Am 3. Januar, dem Fest des Namens Jesu, feierte Pater Pedro Kühlcke im Heiligtum von Tupãrenda eine heilige Messe mit dem ganzen Team vom Haus Madre de Tupãrendá (CMT)  und den Jugendlichen, die dort nach ihrer Haftentlassung eine Berufsausbildung machen – in Bäckerei und Gärtnerei -, aber noch viel mehr lernen: wie man sein Leben in Freiheit gestaltet, vergangene Traumata überwindet und sich seiner eigenen Würde bewusst wird. Das beste Mittel dazu: sich geliebt und geschätzt erleben. Viele von ihnen wirkten als Messdiener bei der heiligen Messe mit, mit Ernst und Begeisterung.

Es sind kleine Gesten, die für viele von ihnen „zum ersten Mal im Leben“ sind: ein Weihnachtsessen mit mehr, als man schaffen kann und noch Eis als Nachtisch, Fußballschuhe, weiße T-Shirts und Arbeitsschuhe für die Bäckerei, ein gemeinsames Singen mit Gitarre, ein Augenblick im Hausheiligtum oder am Bildstock der Gottesmutter, mit einer Torte Geburtstag feiern …

Letzte Woche feierten Lucia, eine Voluntärin, die jeden Tag im Haus Madre de Tupãrendá mitarbeitet, und zwei der Jugendlichen ihren Geburtstag. Es ist einfach eine Freude zu sehen, wie dann ein Lächeln auf dem Gesicht der Jugendlichen erscheint, ein Lächeln, das je länger sie im Haus sind, umso mehr Teil ihres Lebens wird…

Dieses Lächeln von einem, der sich angenommen, geliebt und immer wieder vergeben erlebt, ganz gleich, wie schwer die Vergangenheit auf seinen Schultern lastet. Das Lächeln von jemandem, der sich jeden Morgen erwartet weiß mit fertigem Frühstück und so einfachen Worten wie: „Guten Morgen! Wie geht`s? Hast du gut geschlafen? Komm frühstücken, nimm noch etwas, es ist genug da …“, Worte, die ein Leben verändern können. Worte, die manche hier zum ersten Mal im Leben hören.

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Der erste Absolvent

„Wegen seiner ausgesprochen guten Teamarbeit, seines Engagements und seiner Ausdauer…“, so heißt es im ersten Zertifikat, das im Haus Madre de Tuparenda einem Absolventen des Ausbildungsprogramms ausgestellt werden konnte. In Einfachheit und Schlichtheit hat er gezeigt, dass er einen Fehler gemacht hatte, doch dass er deswegen nicht ein schlechter Mensch ist, sondern an sich arbeiten und mit Ehrlichkeit vorankommen möchte. Immer wieder hat er den Wunsch geäußert, im Garten zu arbeiten, das machte ihm sehr viel Freude und er wusste, dass dies sein Beruf und seine Berufung sei. So zeigte er seine Verantwortung, indem er die Dinge gut und bis zum Schluss gemacht hat. Aus diesem Grund wurde er bald ein Beispiel für andere junge Menschen im Haus Madre de Tuparenda und rechte Hand von Agraringenieur Rodolfo Villasboa, einem Ausbilder. Wenn auch der Garten seine große Liebe war, so wusste er schon, dass er auch eine Zeit in der Bäckerei verbringen musste. Seine Stärke war das nicht gerade, aber auch hier zeigte er Einsatz und Verantwortung, so sehr, dass Luis Alberto Méndez, sein Ausbilder in der Bäckerei, meinte, er sei perfekt vorbereitet für die Arbeit in diesem Beruf.

Dieser junge Mann hat das Haus Madre de Tuparenda verlassen als lebendige Lektion von „Wollen ist Können“. Hören wir auf zu denken, dass diese ganze Jugend, die einen Fehler gemacht hat, verloren ist, glauben wir stattdessen an einen Wandel und reichen wir ihnen die Hand. Alle, die diesen Artikel lesen, bitten wir, dabei zu helfen. Helfen Sie mit, indem sie einen Jugendlichen mit einem noch so kleinen Beitrag mittragen, und helfen Sie mit, indem Sie für sie beten. Wir wissen, dass das Gebet Berge versetzen kann und dass es letztendlich Maria ist, die ihnen die Gnade und die Kraft schenkt, um jeden Tag neu anzufangen. Danke für Ihren Beitrag und Ihr Gebet!  Und nun möchten sicher alle wissen, was der erste Absolvent denn nun beruflich macht: Bäckerei oder Gartenbau? Garten! Das ist seine Berufung, und darin ist er überglücklich!

Alle diese Jugendlichen nehmen ihre Ausbildung ernst, lernen praktisch und auch theoretisch. Einige Tage vor Weihnachten, mitten in der Produktion von Pan Dulce (Art Panettone), erkrankte der Ausbilder – und die Jungen fassten sich ein Herz und machten alleine weiter. Und das Ergebnis war sehr lecker!

Es gibt viel Hoffnung für die Zukunft dieser jungen Menschen, für ihren Weg an der Hand der Mutter aller Menschen, der Mutter von Tupãrenda.

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oder offline:

Schönstatt-Patres International e. V.
IBAN DE91 4006 0265 0003 1616 26
BIC/SWIFT GENODEM1DKM
Verwendungszweck: P. Pedro Kühlcke, Casa Madre de Tuparenda

 

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Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer

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