Veröffentlicht am 17. Mai 2016 In Werke der Barmherzigkeit

„Ich war … nackt und ihr habt mich bekleidet…“

PARAGUAY, von Ani Souberlich und Maria Fischer •

Ein Nachmittag im Leben mit jemand, der im solidarischen Bündnis mit den Ärmsten lebt: „Gerade komme ich von der Arbeit nach Hause, habe mich geduscht und angefangen, zu arbeiten: Wäsche bügeln, die ich gestern gewaschen hatte, um Pakete für die Familien unserer „100 Häuser“ zu packen und für diejenigen, die ich unterwegs treffe ..“

Wenn Ani Souberlich sich mit ihren früheren Klassenkameraden trifft, mit Freunden oder mit Schönstättern, wissen sie schon, was passieren wird: Sie fragt nach Kleidung, die sie nicht mehr brauchen, nach Spielzeug und allem, was ihre Kinder im letzten Jahr in der Schule gebraucht haben. Sie nimmt auch Töpfe, Schuhe, Küchengeräte, Buntstifte, Malbücher, Gummistiefel … einfach alles, was jemand, der nichts hat, braucht und verwenden kann.

Alles, was in ihr Haus kommt, wird sortiert und organisiert: Kleidung wird gewaschen und gebügelt und nach Größen sortiert; manchmal muss ein Fahrrad oder ein anderer gespendeter Gegenstand repariert werden. Alles geht in Säcke und Pakete, um zu den Familien mitgenommen zu werden, sobald der Regen aufgehört hat und die Straßen befahrbar sind.

„Ich wünschte, ich hätte die Mittel und die Zeit, allen gleich zu helfen … aber ich kann nicht alles machen. Ich glaube, der gute Gott ist zufrieden mit unserer Ausdauer und Sorgfalt!“, kommentiert Ani.

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Das spricht sich herum und immer mehr Menschen kommen um nach Kleidung zu sehen

Der letzte Sonntag war ein sonniger und sehr heißer Tag. „Ich bin dabei, etwas Spielzeug zu verteilen“, berichtet Ani, „und die Gesichter der Kinder zeigen, dass es sich lohnt. So wenig kann ihre Augen zum Leuchten bringen.“

Mütter und einige Väter nähern sich, um nach Kleidung zu sehen; sie probieren die Sachen an, um zu sehen, ob sie passen … Das spricht sich herum und mehr Menschen kommen, um nach Kleidung zu sehen…

Es ist so wenig und doch ist es so viel. Die Kleidung, die Spielsachen … sind sie nicht die fünf Brote und zwei Fische? „Einer der Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Da ist ein Junge, der hat fünf Brote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?“ (Joh. 6, 8-9). Es gibt 30, 40, 50 Säcke mit Kleidung und Spielzeug, rund 160 Häuser der Solidarität. Was ist das für so viele Menschen? Aber … Was ist es in Jesu Händen?

Als Kardinal Francois Xavier Nguyen Van Thuan aus Vietnam gebeten wurde, etwas über sein Leben als Opfer der kommunistischen Diktatur zu sagen, ging er zum Rednerpult und antwortete: „Ich tue, was der Abschnitt im Evangelium sagt, wo Jesus fünf Brote und zwei Fische gibt: das ist nichts angesichts einer Vielzahl von Tausenden von Menschen, aber es kann alles sein, und Jesus macht daraus alles, es ist ein Geschenk und ein Geheimnis. Wie der Junge im Evangelium fasse ich meine Erfahrung in sieben Punkte zusammen: fünf Brote und zwei Fische. Das ist nichts, aber es ist alles, was ich habe. Jesus wird den Rest erledigen …

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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