Veröffentlicht am 14. Februar 2016 In Werke der Barmherzigkeit

„Die Werke der Barmherzigkeit stehen im Zentrum unseres Glaubens“ – und von schoenstatt.org

Editorial •

20160211104151-1„Endlich hat Doña Marciana ärztliche Hilfe bekommen. Die Gemeindeverwaltung hat eingegriffen. Möge die Gottesmutter sie segnen“, berichtet, sichtlich ergriffen, Rafael Vera aus der Jugendpastoral der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter in Paraguay. Lange vor der ärztlichen Versorgung dieser Frau, einer alten, blinden, kranken Frau, die in extremer Einsamkeit und Armut lebt, hatte diese Besuch von einigen Jugendlichen erhalten, die Kleidung, Lebensmittel, die Pilgernde Gottesmutter für Blinde und ihr Dasein, ihre Lieder, ihre Zeit mitbrachten. Ein Werk der Barmherzigkeit, in dem das Heilige Jahr der Barmherzigkeit sichtbar, berührbar wird. Ein Zeugnis, das über schoenstatt.org und die sozialen Netzwerke verbreitet, über 6000 Menschen berührt hat und vielleicht auch irgendjemanden in der Gemeindeverwaltung.

„Wenn wir durch die leiblichen Werke das Fleisch Christi in unseren Brüdern und Schwestern berühren, die bedürftig sind, gespeist, bekleidet, beherbergt und besucht zu werden, dann berühren die geistigen Werke unmittelbarer unser Sünder-Sein: beraten, belehren, verzeihen, zurechtweisen, beten. Die leiblichen und die geistigen Werke dürfen daher nie voneinander getrennt werden. Denn gerade indem der Sünder im Armen das Fleisch des gekreuzigten Jesus Christus berührt, kann ihm – gleichsam als Geschenk – bewusst werden, dass er selbst ein armer Bettler ist. Auf diesem Weg haben auch die „Hochmütigen“, die „Mächtigen“ und die „Reichen“, von denen das Magnificat spricht, die Möglichkeit zu erkennen, dass sie vom Gekreuzigten, der auch für sie gestorben und auferstanden ist, unverdient geliebt werden“, sagt Papst Franziskus in seiner Botschaft zur Fastenzeit 2016 im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit.

Und dementsprechend handelt er. Nach der Öffnung der Heiligen Pforte in der Obdachlosenunterkunft Don Luigi Di Liegro am Bahnhof Termini setzte er ein weiteres konkretes Zeichen der Barmherzigkeit. An einem Tag im Januar stand er nachmittags um vier überraschend vor der Tür des Altenheims Bruno Buozzi im Stadtteil Torrespaccata, um die etwa 30 dort lebenden alten Menschen zu besuchen.

Kranke besuchen

Die Werke der Barmherzigkeit und die Konkretheit der Menschwerdung Jesu

»Wir können viele Pastoralpläne entwerfen, neue Methoden erfinden, um uns den Menschen zu nähern. Aber wenn wir nicht den Weg Gottes gehen, der im Fleisch gekommen ist, den Weg des Gottessohnes, der Mensch geworden ist, um den Weg mit uns zu gehen, dann sind wir nicht auf dem Weg des guten Geistes.« Vielmehr überwiege dann »der Antichrist, die Weltlichkeit, der Geist der Welt«, so Papst Franziskus in einer seiner Morgenmessen in Santa Marta (7.1.2016).

»Wie vielen Menschen begegnen wir im Leben, die nur geistlich zu sein scheinen, weil die Werke der Barmherzigkeit keine Rolle spielen.« »Warum? Weil gerade die Werke der Barmherzigkeit konkreter Ausdruck unseres Bekenntnisses sind, dass der Sohn Gottes Mensch geworden ist: Kranke besuchen, Hungernde speisen, sich um die Ausgegrenzten kümmern, denn jeder Bruder, jede Schwester, die wir lieben müssen, ist das Fleisch Christi: Gott ist Fleisch geworden, um sich mit uns zu identifizieren. Und was jeder erleidet: immer ist es Christus, der es erleidet.«

Franziskus unterstrich: »Daher ist der Dienst am Nächsten, dem Bruder, der Schwester, die auch nur einen Rat, das Zuhören brauchen – es gibt so viele Bedürfnisse – das Zeichen, dass wir auf dem Weg des guten Geistes sind, das heißt auf dem Weg des Wortes Gottes, das Fleisch geworden ist.«

Wir sollten um die Gnade beten, »gut zu erkennen, was in unserem Herzen geschieht, was uns gefällt, das heißt, was uns mehr berührt: ob es der Geist Gottes ist, der mich dazu führt, den anderen zu dienen, oder ob es der Geist der Welt ist, der nur um mich selber kreist, um meine Verschlossenheit, meinen Egoismus und vieles Andere«.

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Die Nackten bekleiden

Eine Einladung, das Jahr der Barmherzigkeit sichtbar zu machen

Wozu wir die Leser von schoenstatt.org heute einladen, ist uns nicht erst heute eingefallen. Wir haben es schon eine ganze Zeitlang gemacht; seit Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit veröffentlichen wir bewusst Artikel, in denen die Werke der Barmherzigkeit mit konkreten Gesichtern und Projekten veranschaulicht werden. Solidarische Häuser, Dequeni, Gefängnispastoral, Besuche bei Kranken…

Jetzt, zum Beginn der Fastenzeit, die der Heilige Vater unter das Thema  „Die Werke der Barmherzigkeit auf dem Weg des Jubiläums“ gestellt hat, möchten wir alle, die schoenstatt.org lesen, einladen, konkrete Projekte – große, kleine, gemeinschaftliche, persönliche – in der Kategorie der Werke der Barmherzigkeit einzustellen und dies dem Heiligtum und der Kirche als Werkzeug der göttlichen Barmherzigkeit zu schenken.

Dafür geben wir jedem, der es wünscht, ganz unkompliziert Zugangsdaten zur Seite, um direkt ein Projekt mit Fotos, vielleicht mit kurzen Videos, einzustellen, oder aber es einfach an die Redaktion zu schicken: info@schoenstatt.org. Von heute an finden sich in einem eigenen Bereich der Seite Artikel zu den Werken der Barmherzigkeit. Wir laden auch ein, diese Artikel einfach über die Kommentarfunktion weiterzuschreiben mit eigenen kleinen und großen Werken der Barmherzigkeit.

werke der barmherzigkeit

Im realen Leben erfahren wir immer wieder, dass man uns nicht so sehr nach unserer Spiritualität und Geschichte fragt, sondern wissen will: Schönstatt, was machst du? Was machst du für uns? Es sollte uns nicht überraschen. Denn schließlich und endlich fragt man uns damit, ob wir „das Fleisch Christi in unseren Brüdern und Schwestern berühren, die bedürftig sind, gespeist, bekleidet, beherbergt und besucht zu werden.“

Das ist die Frage, die uns Jesus stellen wird, an jenem Tag.

3A- Tarbajando
Obdachlosen ein Haus geben

Original spanisch. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

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