Veröffentlicht am 14. März 2017 In Schönstatt im Herausgehen

Ein authentisches Schönstatt im Herausgehen

ARGENTINIEN, Pepe und  Cecilia Sanguinetti, Institut der Familien •

Nach mehreren Monaten Arbeit und einer Familien-Mission brechen wir von Salta auf nach Jujuy. Ziel: die Diözesanversammlung. Seit vierunddreißig Jahren gibt es sie und es nehmen etwa dreitausend Menschen daran teil.

Das Thema: Die Familie. Das Motto: „Wir feiern die Familie – Geschenk Gottes“. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wird die Versammlung von einem Ehepaar geleitet und wie das Leben so spielt, waren wir es, die dazu eingeladen wurden, das zu übernehmen. Es ist ein Verdienst von Cecilia, die vor ein paar Monaten eine philosophische Reflexion über Amoris Laetitia vor dem ganzen Klerus von Jujuy hielt. Und das hatte zur Folge, dass wir am gleichen Arbeitstisch mit dem Bischof und seinen Mitarbeitern landeten.

Wir wollten raus aus der traditionellen „Vortrag – drei Fragen – Ergebnis“-Schema und denken die Versammlung in Richtung Mission. Was, wenn anstatt nur wir beide, dreißig Familien diesen Tag gestalten? Da schwingen die Worte des Heiligen Vaters mit, der uns zu einer „hautnahen“ Pastoral einlädt. Das entspricht der Arbeit an der Vorbereitung auf die Synode in unserer Diözese zusammen mit dem Bischof vor ein paar Jahren. Da hören wir den Auftrag unseres Schönstatt und unserer Gemeinschaft.

Es war so: Zwölf hochherzige Familien – mit einer gewissen „Verrücktheit“ und „Unvorsichtigkeit“ – gingen mit, und wir organisierten und bereiteten diese Aufgabe vor. Wir stellten unser Projekt vor und unsere Vorgehensweise wurde genehmigt. Es war nicht nur das erste Mal, dass ein Ehepaar die Versammlung führen würde, sondern es würde auch das erste Mal sein, dass andere Ehepaare mitarbeiten würden, und zwar alle im gleichen Bereich, und mit „live“ erarbeiteten Resultaten.

Es scheint unglaublich, aber dem Bischof und seinen Mitarbeitern schien die Idee, dass das Thema der Versammlung in der Verantwortung von Laien liegen sollte, fremd und geradezu bizarr. Aber sie erkannten, dass sie, wenn sie „das Feld nicht öffnen“, nicht in der Lage wären, eine tiefgreifende und lebenswichtige pastorale Arbeit mit den Familien zu leisten.

Begegnung. Freude. Geteilter Glaube.

Genauso wie wir in der letzten vorbereitenden Sitzung Bischof Fernández von Jujuy vermittelten: „Herr Bischof, damit gehen wir in die Geschichte ein“, sagten wir ihm auch, „es wird entweder richtig gut oder richtig schlecht – dazwischen gibt es nichts“.

Es kam der 4. März und zusammen mit zehn Familien der Christlichen Familienbewegung aus Jujuy, die die Aufgabe mit übernahmen, war das Team komplett. Noch nie hatten wir mit so vielen Menschen gesprochen. Sie kamen zu Dutzenden und die Sporthalle füllte sich, die Stühle, die Tribüne, die Korridore, jede Ecke – etwa dreitausend Menschen.

Die Diözese Jujuy hat siebenhunderttausend Einwohner, etwa vierzig Prozent von ihnen leben nach der offiziellen Statistik in Armut. Hier war die tatsächliche Realität von Jujuy vertreten, Menschen aus allen Lebenslagen, Familien, Frauen, Jugend, Kinder, Priester und Ordensleute. Familienfest, Musik, Tanz und Gebet. Begegnung. Freude. Geteilter Glaube.

Der Familienaltar

Der Vorschlag war einfach: Vormittags über die gemeinsamen Werte aller Familien und den speziellen Lebensstil einer katholischen Familie arbeiten. Zwei kleine einführende Vorträge zum Thema, und dann arbeiten die Moderatoren mit ca. 100 Personen am Platz und arbeiten anhand eines Fallbeispiels die zentralen Werte heraus, die in keiner Familie fehlen dürfen, egal welchen Typs. Die Ergebnisse wurden bei der folgenden Präsentation live gezeigt. Diese beiden Momente der gemeinsamen Arbeit waren sehr reich: so sehr unsere Moderatoren-Ehepaare einen solchen Reichtum erarbeiteten – nur der Heilige Geist kann solch eine Antwort geben. Wir jedenfalls nicht. Pepe hatte vor Beginn der Arbeit als ein Beispiel dargestellt, dass Christus in der Bergpredigt – ohne Lautsprecher vor Hunderten – wohl mit menschlichen „Lautsprechern“ arbeitete, die der Menge das wiederholten, was er gerade sagte. Und irgendwie geschah das in der Diözesanversammlung auch.

Am Nachmittag präsentierten wir das Projekt der Familienaltäre (in Anlehnung an das Original, das in Mexiko entwickelt worden war) den an der Familienpastoral Interessierten. In zweieinhalb Stunden wurden 250 Teilnehmer mit der Methode des Geschicklichkeitslaufes befähigt, die entsprechenden 6 Vorträge zu halten. Auf diese Weise säten wir den Samen des Hausheiligtums in der Form des Familienaltars. Die Leute waren bewegt und dankbar, dass sie dieses Projekt zu ihren Nachbarn und in die Pfarreien mitnehmen konnten. Hier zeigte sich das echteste Schönstatt im Herausgehen in seiner ganzen Ursprünglichkeit.

Und mitten drin, das Leben: Geschichten schwieriger Lebensverhältnisse, die das Herz durchbohren, und begeisterte Menschen, dankbar und motiviert, die Familie als ein Fest und ein Geschenk Gottes zu sehen.

So geschah Begegnung: Familien durch und für Familien, die in sich ein Zeugnis tragen für Werte, für das Leben, für ein Nazareth als Ideal und Lebensstil für jede Familie mit ihrer Schwäche, mit ihrer Geschichte, mit ihren Stärken und mit ihren Träumen.

Nazareth, Herz der Welt.

Original: Spanisch. Übersetzung: Norbert Jehle, Memhölz, Deutschland

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