Veröffentlicht am 15. Januar 2017 In Projekte, Schönstatt im Herausgehen, Werke der Barmherzigkeit

Die Gottesmutter öffnete die Türen, das Liebesbündnis geht von Zelle zu Zelle

PARAGUAY, Melissa N. Torres A. •

Das Frauengefängnis „Guter Hirte“ (was für ein Name…) in Asunción ist das gemeinsame Apostolatsfeld der Schönstatt-Gemeinschaft Berufstätige Frauen; die Anregung dazu kam von P. Martín Goméz. Seit Mai 2015 gehen Frauen aus der Gemeinschaft jeden Sonntag von drei bis fünf Uhr nachmittags durch alle Abschnitte des Gefängnisses, begleitet von der Pilgernden Gottesmutter, und helfen den Gefangenen zu beten, teilen das Evangelium mit ihnen und beten den Rosenkranz. Bei einem dieser Besuche äußerten Mütter aus dem Bereich „Amanecer“ [Morgendämmerung] für Frauen, die mit ihren kleinen Kindern zusammen im Gefängnis sind, den Wunsch, ihre Kinder taufen zu lassen und auch selbst das Sakrament der Taufe empfangen. Eine der ersten Früchte des Apostolates im Jahr 2015 war die Taufe von achtzehn Kindern und zwei Müttern.

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Die Gottesmutter erobert die Herzen

In diesem Jahr ging das Apostolat im Gefängnis weiter und das mit einem Ziel, das anfangs wie ein verrückter Traum schien. Beim ersten Treffen im Jahr 2016 wurde entschieden, die Schönstätterinnen sollten der Gottesmutter helfen, in diesem Gefängnis Verbündete zu finden. Sie vertrauten der Gottesmutter diese Lieblingsidee an, und sie sorgte wirklich dafür, dass Herzen im Gefängnis angerührt wurden. Das ganze Jahr hindurch sprachen sie mit den Gefangenen über Themen, die mit Maria zu tun haben, zeigten Filme über ihr Leben und über das einiger Heiliger und gingen weiter in alle Abteilungen des Gefängnisses, um zu beten und sogar zur Eucharistischen Anbetung einzuladen. Nach und nach hat die Gottesmutter die Gefangenen gewonnen, und dann wurde ihnen vorgeschlagen, ein Liebesbündnis mit Maria zu schließen. Die Frauen haben das staunend und ergriffen angenommen: Wir? Ich? Mit Maria? Sie ein Bündnis mit mir? Am 18. Oktober im Jahr der Barmherzigkeit begann die Vorbereitung für zwanzig Gefangene, von denen 18 dann tatsächlich dabei blieben.

Am 18. Dezember um 16 Uhr fand in der Gefängniskapelle die Feier des Liebesbündnisses statt. Pater Martín Gomez war für die Feier verantwortlich. Die verschiedenen Gruppen der Berufstätigen Frauen spendeten, was gebraucht wurde, Medaillen, Kerzen und Snacks für die Feier. Die Studentinnen und die Familien der Schönstatt-Bewegung unterstützen nach Kräften.

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Die 18 Frauen, die das Liebesbündnis geschlossen haben und jetzt zur Schönstatt-Bewegung gehören

Nichts ohne dich – nichts ohne uns

Während der zwei Jahre, in denen ich als Verantwortliche für dieses Apostolat gearbeitet habe, fühlte ich mich immer von der Gottesmutter begleitet. Ich kann sagen, dass sie oft die Zeit arrangiert und  meine Aktivitäten und meine Verantwortlichkeiten geplant hat, so dass ich für das Apostolat und die  berufstätigen Frauen zur Verfügung stehen konnte. In beiden Jahren hat die Gottesmutter mir ausgezeichnete Menschen geschickt, um mir bei dieser Aufgabe zu helfen, und deswegen bin ich den Frauen, die Teil des Apostolat-Teams waren und jeden Sonntag irgendwie ihre persönlichen, beruflichen und familiären Pflichten hintenangestellt haben, sehr dankbar.

Dankbar bin ich auch der Gliederung der Berufstätigen Frauen und den verschiedenen Gruppen, die das Apostolat begleitet haben, Pater Martín Gómez, der uns in diesen zwei Jahren geistiger Begleiter und Mentor war und immer bereit uns zu helfen; dankbar der Direktorin des Gefängnisses, Dr. Ana Dina Coronel, für ihre Bereitschaft, uns die notwendigen Genehmigungen für alle unsere Tätigkeiten im Gefängnis zu besorgen.

Schönstatt: Eine Bewegung im Herausgehen

Ich habe im Gefängnis unglaubliche Frauen getroffen, mit denen ich nach diesen zwei Jahren eine tiefe freundschaftliche Beziehung habe. Von jeder von ihnen habe ich durch ihr Leben und ihre Geschichten etwas gelernt. Viele sind Frauen mit einem großen Herzen und großem Engagement; es sind Frauen, die täglich kämpfen um besser zu sein, um solidarische Frauen zu sein, gläubige Frauen, arbeitende Frauen.

Sie erinnern sich mit Liebe und Ergriffenheit: „Die  Gottesmutter öffnet die Türen“. Denn die Apostolische Schönstatt-Bewegung war die erste, die durch das Gefängnis ging, Bereich um Bereich, Zelle um Zelle. Später haben sich andere Bewegungen der Kirche angeschlossen. Auch die Justiz hat mehr getan und den inhaftierten Frauen mehr Freiheiten gewährt.

Zweifellos hat die Gottesmutter im Frauengefängnis „Haus des Guten Hirten“ erneut Wunder gewirkt, und sie wird das weiterhin tun. Die Gnade der apostolischen Fruchtbarkeit ist in allem gegenwärtig, was wir als Zeichen des Charismas, das unser Vater und Gründer uns als Erbe hinterlassen hat, durchgeführt haben und zeigt uns erneut die Notwendigkeit einer Kirche im Herausgehen.

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Auf dem Weg zu einer Kultur derBarmherzigkeit

„Es ist die Zeit, dem Erfindungsreichtum der Barmherzigkeit Raum zu geben, um viele neue Werke, die Frucht der Gnade sind, ins Leben zu rufen. Die Kirche muss heute jene »viele[n] andere[n] Zeichen«, die Jesus getan hat und die »nicht aufgeschrieben sind« (Joh 20,30), erzählen, auf dass sie beredter Ausdruck der Fruchtbarkeit der Liebe Christi und der Gemeinschaft sind, die in ihm lebt. Mehr als zweitausend Jahre sind vergangen, und doch machen die Werke der Barmherzigkeit die Güte Gottes weiter sichtbar.

Die Gefängnisse sind Orte, in denen oft zur Freiheitsstrafe mitunter schwere Entbehrungen aufgrund unmenschlicher Lebensbedingungen hinzukommen…

Unternehmen wir daher alle Anstrengungen, um der Nächstenliebe konkrete Gestalt zu verleihen und zugleich die Werke der Barmherzigkeit verständig zu verwirklichen. Letztere besitzt eine einschließende Wirkung, und deshalb weitet sie sich zusehends aus und kennt keine Grenzen. Und in diesem Sinn sind wir gerufen, den Werken der Barmherzigkeit, die wir seit jeher kennen, ein neues Gesicht zu verleihen. Denn die Barmherzigkeit kennt kein Maß; immer überbordet sie und ist fruchtbar …

Die Kultur der Barmherzigkeit bildet sich im beharrlichen Gebet, in der bereitwilligen Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes, in der Vertrautheit mit dem Leben der Heiligen und in der konkreten Nähe zu den Armen. Es ist eine eindringliche Aufforderung, recht zu verstehen, wo ein Einsatz von entscheidender Bedeutung ist. Die Versuchung, eine „Theorie der Barmherzigkeit“ zu betreiben, wird in dem Maß überwunden, wie man Barmherzigkeit im Alltag lebt und teilt.“

Papst Franziskus, Misericordia et Misera

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Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland/MF

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