Veröffentlicht am 30. Oktober 2017 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Papst Franziskus mit der Fahne der Taxifahrer von Buenos Aires

ARGENTINIEN/ROM, Manuel Díaz mit Maria Fischer •

Nach vier Jahren des Wartens war es am 11. Oktober endlich so weit: Manuel Diaz, Chef der katholischen Taxifahrer von Buenos Aires, sah seinen Freund Jorge Mario Bergoglio wieder und schenkte ihm die Fahne der Taxifahrer, die dieser so gut kennt, jene Fahne in den Farben der Taxis der argentinischen Hauptstadt – gelb und schwarz – und dem Bild der Gottesmutter von Schönstatt, der Patronin der Taxifahrer.

Als an jenem Abend des 13. März 2013 die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst bekannt wurde, gab es viel Bewegung in Argentinien, in seiner Heimatstadt Buenos Aires und unter den katholischen Taxifahrern der Stadt, die Kardinal Bergoglio als einen der ihren betrachteten, wie so viele einfache Menschen aus den unteren Schichten der Riesenstadt. Und als ihnen klar wurde, dass er nun nicht mehr alle paar Wochen mit ihnen reden, die Messe feiern und sie und ihre Autos segnen würde, da entstand in ihnen, vor allem in Manuel Diaz, ein Traum: nach Rom zu fahren, seinen Freund, den Papst, zu begrüßen, ihm sein Gebet zu versprechen und die Fahne zu schenken.

 

Kardinal Bergoglio betont das „Apostolat des Zuhörens“ der argentinischen Taxifahrer

In einem Artikel auf schoenstatt.org aus dem Jahr 2002 ist zu lesen:

2002

Der Erzbischof von Buenos Aires und Primas von Argentinien, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, hat das „Apostolat des Zuhörens“ betont, das die Taxifahrer Tag für Tag in dieser Großstadt leisten und „der Gleichgültigkeit, dem Leid und der Sorge, den Aufgaben in der Familie nicht zu entsprechen“, entgegenhalten. Während der Messe anlässlich des „Tages des Taxifahrers“ in der Kathedrale von Buenos Aires vertraute der Kardinal die Taxifahrer, ihre Familien und Fahrgäste der Patronin der Taxifahrer, der Gnadenmutter von Schönstatt, an.

„Ihr seid Männer und Frauen, die zuhören,“ betonte er. „Wie oft habt ihr Bekenntnisse gehört! Wie oft habt ihr Rat und Hilfe gegeben! Wie oft habt ihr vom Steuer aus Therapie gegeben! Wie oft habt Ihr die Tore der Hoffnung für jemanden geöffnet!“

Während der Messe in der Kathedrale der Millionenstadt erinnerte der Kardinal daran, „dass eure Arbeit nicht bloß Autofahren ist; es heißt zulassen, dass der Nächste sich nähert, und es heißt auch, sich selbst dem Gehörten und dem Herzen dieses Mannes oder dieser Frau oder dieser Familie, die in eurem Taxi fährt, zu nähern.“

Den Horizont der Hoffnung öffnen

Der Kardinal würdigte ausdrücklich die Arbeit der Taxifahrer: „Ihr tragt zum Wohl der Gesellschaft bei durch euer Gespräch mit dem Fahrgast, auch wenn ihr dabei nicht von Gott redet, aber ihr nähert euch der Seele eines Bruders oder einer Schwester und öffnet den Horizont der Hoffnung.“ Offensichtlich erfreut über die Anwesenheit so vieler Taxifahrer ­ und ihrer Frauen, die den Gesang unterstützten, ­ ermutigte Kardinal Bergoglio sie, „weiterzumachen mit dem Gut des Wortes und des Hörens, des Rates, des Verstehens, auch wenn ihr müde seid, gelangweilt oder gerädert von den endlosen Stunden im Stau.“

Auch bat er die Gnadenmutter von Schönstatt, ­ die Patronin der Taxifahrer, deren Bild auf der gelb­schwarzen Fahne in den Farben der Taxis von Buenos Aires ist, die vor dem Altar stand, dass „sie euch und eure Familien beschütze, dass euch nie die Arbeit fehle, und dass sie euch vor Unfällen und Verbrechen bewahre. Und vor allem, dass ihr weiterhin durch dieses Tun der Gesellschaft dient, durch dieses Apostolat des Zuhörens und der Brüderlichkeit.“

Mit der Gottesmutter als Beifahrer durch Buenos Aires

Das Apostolat des Zuhörens, Verstehens, das Öffnen des Horizontes der Hoffnung, wie der Kardinal es nannte, bekommt seit gut zwei Jahren einen besonderen Akzent durch die Initiative von Cliver Beltramo, einem Taxifahrer aus Buenos Aires, der die Pilgernde Gottesmutter durch eine „zufällige“ Begegnung mit einer Missionarin, die bei ihm im Taxi fuhr, kennen lernte. Sofort kam ihm die Idee, die Pilgernde Gottesmutter in sein Taxi einzuladen als „heimliche Begleiterin“, die ihre stille Nähe allen Personen schenken sollte, die er von einem Ort zum andern fährt. Mehrere Taxifahrer haben sich dieser Initiative angeschlossen, aus der die „Kampagne der Taxifahrer“ in Buenos Aires und im vergangenen Jahr in Bariloche in Patagonien (Argentinien) entstand. Das Ganze ist sehr einfach und etwas revolulutionär, wie alle Anregungen der MTA: im Taxi fährt eine kleine Pilgernde Gottesmutter mit, am Rückspiegel baumelt ein Rosenkranz in den Farben der Taxis von Buenos Aires, gelb und schwarz, und auf der Rückenlehne des Fahrersitzes, gut sichtbar für den in Buenos Aires grundsätzlich auf dem Rücksitz sitzenden Fahrgast, steht: „Sie fahren nicht allein. Mit Ihnen fährt die Gnadenmutter von Schönstatt. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Anliegen in das Buch eintragen, das Sie auf dem Rücksitz finden.“ Es ist beeindruckend, wie viele stille Zeugnisse des Vertrauens und der Suche nach Gottesbegegnung sich dort finden. Jeden Tag vor Arbeitsbeginn vertrauen die Taxifahrer sich und ihre Fahrgäste der Gottesmutter an: „Mutter, begleite mich auf der Pilgerschaft dieses neuen Tages, mit der ich das tägliche Brot verdiene; leite mich im täglichen Kampf und komm mit deinem Sohn meinen Fahrgästen nahe. Ich danke dir und ich bitte dich um Schutz für uns und unsere Familien, die uns zu Hause erwarten. Amen.“

Die Fahne der Taxifahrer von Buenos Aires

Aufgrund dieser Initiative wurde die Gottesmutter von Schönstatt im August 2001 zur Patronin der Taxifahrer von Buenos Aires ernannt.

Zweimal in der Woche treffen sich die Taxifahrer, die zur Kampagne gehören, beim Heiligtum in Belgrano, um die Bilder der Pilgernden Gottesmutter von einem Auto zum andern weiterzugeben. Sie beten eine Weile in den Anliegen ihrer Fahrgäste und bleiben danach noch recht lange auf ein Schwätzchen vor dem Heiligtum stehen.

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Zwei Jahre vertrauensvollen Wartens

„Ich möchte nach Rom fahren um dem Papst die Fahne geben“, erklärt Manuel Diaz am 18. April 2015 nach der Bündnismesse im Heiligtum von Belgrano in Buenos Aires.

„Dabei helfe ich Ihnen“, antworte ich, ohne einen blassen Schimmer zu haben, wie.

Die Zeit verging mit Sparen, Plänen und Änderungen von Plänen… bis Mitte 2017 eine Mail von Manuel Diaz kam: „Es ist so weit, meine Frau und ich fahren nach Europa. Ende September sind wir in Schönstatt und Anfang Oktober in Rom. Wir bringen die Fahne mit … hilfst du mir, sie dem Papst zu überreichen?“

Ganz offensichtlich hatte die Patronin der Taxifahrer von Buenos Aires noch mehr Sehnsucht als Manuel nach dem Wiedersehen mit Papst Franziskus, denn es öffneten sich Türen und es wurden eine Menge Beiträge ins Gnadenkapital befördert, unter anderem ein kaputtes Auto und ein verlorenes Mobiltelefon …

Die hochherzige und wirksame Mitarbeit eines Priesters mit Liebesbündnis aus dem Staatssekretariat war schließlich entscheidend; zuvor gab es zweimal den Segen im Urheiligtum für Fahne und Fahnenträger, viel Aufregung und Vorfreude, bis am Morgen des 11. Oktober Manuel und seine Frau Maria sich in der „Prima Fila“ des „Sacrato“ zum „Bacchiomano“, dem persönlichen Begrüßen (Händeschütteln) nach der Generalaudienz wiederfanden.

Unter der strahlenden Sonne Roms warteten sie mit der Fahne über der Absperrung …

Die Begegnung

Und dann kommt der Papst. Überrascht und freudestrahlend ergreift der die Hand eines vor lauter Rührung sprachlosen Manuel … Die Fotos sprechen für sich. Der Schatten des Papstes auf der Fahne. Die Freude des Wiedersehens in seinen Augen. Die Tränen in denen von Manuel, dieses großen, starken Mannes mit seiner ganzen beeindruckenden Geschichte, wie die Gottesmutter ihn „gefangen genommen“ und um 180 Grand gedreht hat … Ein paar Worte, die im Geheimnis dieser Begegnung bleiben. Ein Segen und ein fester Händedruck. Solidarisches Bündnis.

Die Worte von Kardinal Bergoglio in jener Messe am Tag des Taxifahrers 2002 kommen ins Gedächtnis, seine Bitte, „weiterzumachen mit dem Gut des Wortes und des Hörens, des Rates, des Verstehens, auch wenn ihr müde seid, gelangweilt oder gerädert von den endlosen Stunden im Stau“, und sein Gebet zur Gottesmutter von Schönstatt, dass „sie euch und eure Familien beschütze, dass euch nie die Arbeit fehle, und dass sie euch vor Unfällen und Verbrechen bewahre. Und vor allem, dass ihr weiterhin durch dieses Tun der Gesellschaft dient, durch dieses Apostolat des Zuhörens und der Brüderlichkeit.“

Fotos: Manuel und María Diaz

Das Foto oben ist vom Osservatore Romano und steht unter Copyright; schoenstatt.org hat die Veröffentlichungserlaubnis ausschließlich für schoenstatt.org erworben. Das Foto darf nicht kopiert und in anderen Medien veröffentlicht werden. Wer Interesse an der Veröffentlichung hat, kann es auf http://www.photovat.com/  bestellen oder (mit Datum und Nummer des Fotos) bei   [email protected]

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

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