Veröffentlicht am 10. Mai 2017 In Im solidarischen Buendnis mit Franziskus

Wir sollten für Afrika beten – es wird dringend gebraucht

SÜAFRIKA, Sarah-Leah Pimentel •

„Beten wir gemeinsam für die Christen in Afrika: Dass sie nach dem Beispiel des barmherzigen Jesus ein prophetisches Zeugnis für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden geben“ – das ist die universale Gebetsmeinung des Heiligen Vaters für den Monat Mai 2017. In dem monatlich verbreiteten Video, das vom Weltweiten Gebetsnetz des Papstes (Gebetsapostolat) entwickelt und verbreitet wird, sagt er:

 „Wenn wir auf Afrika schauen, sehen wir viel mehr als seine großartigen Naturschätze.
Wir sehen seine Lebensfreude und – was ein besondere Grund der Hoffnung ist – sein reiches intellektuelles, kulturelles und religiöses Erbe.
Aber wir sehen auch die Bruderkriege, denen so viele Unschuldige zum Opfer fallen und die diese Natur- und Kulturschätze zerstören.
Verbinden wir uns mit unseren Brüdern und Schwestern auf diesem großartigen Kontinent und beten wir gemeinsam für die Christen in Afrika: Dass sie nach dem Beispiel des barmherzigen Jesus ein prophetisches Zeugnis für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden geben.“

Sarah-Leah Pimentel vom Schoenstatt.org-Team hat genau dazu in diesem Februar einen Artikel für die katholische Zeitung „The Southern Cross“ [Kreuz des Südens] geschrieben. Sie hat den Herausgeber gefragt, ob sie den Artikel für Schoenstatt.org verwenden dürfte, und er gab die Erlaubnis. Hier ist er!


Die Jünger wollten gerne wissen, was Jesus machte, wenn er von ihnen weg auf die Berge stieg oder in einem Boot mitten auf den See Genesareth fuhr. Nachdem er ihnen erklärt hatte, dass er zu seinem Vater im Himmel betete, drängten sie ihn: Herr, lehre uns beten.

Wenn wir uns Gott im Gebet nähern, fühlen wir uns manchmal, als wüssten wir nicht, wie wir beten sollen oder auch wofür wir beten sollen.

Wenn wir uns im Gebet zur Hundertjahrfeier von Fatima auf den Weg machen, vereinen wir uns mit der Gottesmutter und dem Heiligen Vater, um für die Nöte der Welt zu beten. Lasst uns in diesem Monat für unseren geliebten Kontinent beten, der von so vielen Konflikten überschüttet ist, die schnell von den Medien vergessen sind.

Im  Januar  teilte die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) der Afrikanischen Union mit, dass 17 Millionen Menschen im Horn von Afrika mit schwerer Nahrungsmittelknappheit konfrontiert sind. Von einer anhaltenden Dürre, die noch kein Anzeichen auf ein Ende erkennen lässt, sind Menschen in Djibouti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia, Süd-Sudan, Sudan und Uganda betroffen.

Die FAO warnte, dass, wenn nicht die einzelnen Regierungen und die Region Horn von Afrika zusammenkommen und eine sofortige Reaktion ausarbeiten, die humanitäre Krise katastrophal sein würde.

Neben der drohenden Hungersnot sind viele Länder im Horn von Afrika in gewalttätige politische Konflikte verwickelt, bei denen Tausende Menschen umgekommen, noch viele Tausend Menschen mehr vertrieben und Opfer von Menschenrechtsverletzungen sind.

In Äthiopien hält die tigrinische Minderheit die Macht in eisernen  Händen. In ihren geschäftigen Bemühungen, die Wirtschaft zu erweitern und für ausländische Investoren attraktiv zu machen, hat die Regierung der ethnischen Gruppe der Oromo ohne Entschädigung Land weggenommen und an große Konzerne weitergegeben.

Darüber verärgert starteten die größten ethnischen Gruppen in Äthiopien, die Oromos und Amharas, im Jahr 2016 eine Serie von Massenprotesten. Die Regierung antwortete darauf, indem sie Tausende Menschen verhaftete und Medienquellen sperrte.

Es gibt Berichte, dass die Behörden im vergangen Jahr auch eine Menge Menschen getötet haben, aber der Mangel an Zugang zu diesen isolierten Regionen macht es schwer, die Anzahl der Toten zu schätzen.

Auch der äthiopische Olympia-Teilnehmer Feyisa Lilesa, der während der Olympischen Spiele 2016 in Rio eine Anti-Regierungs-Geste machte, kann nicht nach Hause zurückkehren, seine Familie wurde bedroht.

 

Darfur

Auf der anderen Seite der Grenze, in Eritrea, finden wir eines der am meisten unterdrückenden Regimes in Afrika. Redefreiheit ist nicht vorhanden. Siebzehn Journalisten wurden seit 2015 verhaftet – die meisten in Afrika südlich der Sahara. Private Medien gibt es nicht, und nur 1 % seiner fünf Millionen Einwohner hat Zugang zum Internet, und 7 % haben Handys, aber diese Dienste werden häufig von den Behörden gekappt.

Der Süd-Sudan war das Goldkind Afrikas als jüngste Nation des Kontinentes im Jahr 2011. Zwei Jahre später wurde das Land in einen Bürgerkrieg gestürzt, in der Folge eines Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir und seines damaligen Vizepräsidenten  Riek Machar.

Massaker, Vergewaltigungen und ethnische Morde setzten sich zwischen den beiden Seiten fort, bis 2016 wieder ein umfassender Konflikt aufflammte.

Machar ist geflohen und versteckt sich zurzeit in Südafrika, und es ist kein Ende des Konfliktes zu sehen, der verursacht hat, dass 760.000 Menschen nach Uganda oder Sudan geflohen sind oder innerhalb des Landes vertrieben wurden.

Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind seit 2013 aus ihren Häusern geflohen.

Nebenan der Sudan ist nicht viel besser. Wir erinnern uns, dass es einen internationalen Haftbefehl für seinen Präsidenten, Omar al-Bashir, gibt, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Im Grunde genommen war der Sudan während der letzten 25 Jahre im Krieg. Die Regierung geht hart vor gegen oppositionelle Gruppen und wurde angeklagt, chemische Waffen gegen das eigene Volk eingesetzt zu haben. In der Region Dafur griffen oppositionelle Gruppen zu den Waffen gegen die Regierung, aber es sind die Menschen, die gelitten haben. Die humanitären Organisationen schätzten, dass seit 2008 mindestens 300.000 Menschen in Darfur getötet wurden, und dass es zurzeit 2,5 Millionen Vertriebene innerhalb des Sudan gibt.

Lasst uns zum Schluss Somalia besuchen. Es gibt hier einige gute Nachrichten. Somalia ist dabei, einen längeren Wahlprozess zum Abschluss zu bringen, um eine neue Regierung zu wählen. Es ist ein komplizierter Prozess, verwickelt in Bestechung und Beeinflussung, in dem jeder Clan seinen Kandidaten wählt. In Somalia gibt es keine Volksabstimmung.

Aber davon ausgehend, dass Somalia zwischen 1991 und 2004 ohne jede Art von Regierung war, hat es einen langen Weg gemacht.

Das größte Problem, dem Somalia heute gegenübersteht, ist al-Shabaab, eine Extremisten-Gruppe, die die Städte und Orte im ganzen Land terrorisiert. Die Regierung hat mit regionalen und internationalen Gemeinschaften zusammengearbeitet, um al-Shabaab zu bekämpfen, aber mit gemischtem Erfolg.  Jeden Tag lesen wir von neuen Angriffen auf ländliche  Dörfer, Selbstmord-Attentate in der Hauptstadt Mogadishu, Überfälle auf Armeelager im ganzen Land. Jeden Tag bewegt sich die Verlustliste der Toten nach oben.

Es gibt 340.000 somalische Flüchtlinge jenseits der Grenze in Kenia im Flüchtlingslager von Dadaab. Kenia ist dabei, dieses Lager zu schließen. Im Augenblick ist es ungewiss, wohin die Vertriebenen aus Somalia gehen werden.

Wir fühlen uns jedes Mal hilflos, wenn wir von diesen Konflikten lesen. Doch brauchen die einzelnen Menschen in diesen hoffnungslosen Situationen unsere Gebete: um Schutz, um die Kraft, den nächsten Tag zu bestehen. Wir können für die Hauptakteure dieser Konflikte beten, dass ihre Herzen sich wandeln und dass sie die Auswirkungen ihres politischen Handelns auf ihr eigenes Volk erkennen.

Wir können unsere Gebete in die Tat umsetzen, indem wir Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“, die in diese Kriegsgebiete gehen und diesem menschlichen Leiden etwas Erleichterung bringen, mit Spenden unterstützen.

Wir können Mitgefühl gegenüber den Migranten zeigen, die unter uns leben.

Die meisten Menschen verlassen ihre Häuser und ihre Familien nicht ohne Grund. Sie sind hier, weil die Bedingungen in ihren Ländern es ihnen unmöglich machen, ihren Kindern eine Zukunft zu geben, oder vielleicht, weil ihr dürftiges Einkommen viele Münder zu Hause ernährt.

Sei gegrüßt, du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende uns deine barmherzigen Augen zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen.

Original Englisch, am 21. Februar 2017 veröffentlicht in der einzigen katholischen Zeitung Südafrikas, „The Southern Cross“.  – Übersetzung: Ursula  Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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