Veröffentlicht am 20. April 2017 In Franziskus - Botschaft

Unsere Hoffnung ist kein Begriff, sie ist kein Gefühl! Unsere Hoffnung ist eine Person, sie ist der Herr Jesus!

FRANZISKUS IN ROM – DIE KATECHESEN DER HOFFNUNG •

“Wenn Christus lebt und in uns, in unserem Herzen wohnt, dann müssen wir ihn auch sichtbar werden lassen, dürfen ihn nicht verstecken, und müssen ihn in uns wirken lassen,” so Papst Franziskus bei der Katechse in der Generalaudienz am ersten Mittwoch im April, ausgehend vom Ersten Petrusbrief.

Kurz vor Beginn der Karwoche sprach Papst Franziskus über das Leiden im Zusammenhang der christlichen Hoffnung. Wir  Christen müssten Zeugnis geben von der Hoffnung, die in uns lebe, so der Papst.

„Unsere Hoffnung ist kein Begriff, sie ist kein Gefühl, sie ist kein Handy, sie ist kein Haufen Reichtümer! Unsere Hoffnung ist eine Person, sie ist der Herr Jesus, den wir lebendig und gegenwärtig in uns und in unseren Brüdern erkennen, denn Christus ist auferstanden“, so der Papst.

Und manchmal stehen wir vor Jesus, der sich als ein Freund verkleidet hat, der uns in einem Moment der Not die Hand gibt, oder als ein Unbekannter am Bahnhof, der den schweren Koffer tragen hilft oder als Angestellter eines Ladens im Flughafen, der dem Kunden  bis zum Gate hinterrennt, um ihm zu sagen, dass er  seine Notebooktasche stehen gelassen hat.

Er verkleidet sich als Pater Pedro im Jugendgefängnis von Itaguá oder als Wohltäterin aus Deutschland, die gerade im kritischsten Moment eine große Spende für Haus Madre de Tuparenda gibt.

Und manchmal… manchmal handelt er auch in mir als Hoffnung in Person.

Vollständiger Text:

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Der Erste Brief des Apostels Petrus trägt eine außerordentliche Kraft in sich! Man muss ihn ein, zwei, drei Mal lesen, um diese außerordentliche Kraft zu verstehen: Er kann großen Trost und Frieden spenden, indem er uns spüren lässt, dass der Herr stets bei uns ist und uns nie verlässt, vor allem in den heikelsten und schwierigsten Momenten unseres Lebens. Was aber ist das »Geheimnis« dieses Briefes und insbesondere des Abschnitts, den wir soeben vernommen haben? (vgl. 1 Petr 3,8-17)? Das ist eine gute Frage. Ich weiß, dass ihr das Neue Testament zur Hand nehmen, den Ersten Brief des Petrus suchen und ihn ganz langsam lesen werdet, um das Geheimnis und die Kraft dieses Briefes zu verstehen. Was ist das Geheimnis dieses Briefes?

1. Das Geheimnis liegt in der Tatsache, dass diese Schrift ihre Wurzeln unmittelbar im Osterfest hat, im Herzen des Geheimnisses, das wir bald feiern werden, und uns so das ganze Licht und die Freude spüren lässt, die aus dem Tod und der Auferstehung Christi hervorgehen. Christus ist wahrhaft auferstanden, und das ist ein schöner Gruß, den wir einander am Ostertag schenken können – »Christus ist auferstanden! Chris­tus ist auferstanden!« – wie viele Völker es tun. Wir müssen uns daran erinnern, dass Christus auferstanden ist, dass er unter uns lebendig ist, dass er lebt und in einem jeden von uns wohnt. Daher lädt der heilige Petrus uns mit Nachdruck ein, ihn in unseren Herzen heilig zu halten (vgl. V. 15). Dort hat der Herr im Augenblick unserer Taufe seine Wohnstatt genommen, und von dort aus erneuert er uns und unser Leben auch weiterhin, indem er uns mit seiner Liebe und mit der Fülle des Geistes erfüllt.

Daher mahnt uns der Apostel, Rechenschaft zu geben über die Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. V. 16): Unsere Hoffnung ist kein Begriff, sie ist kein Gefühl, sie ist kein Handy, sie ist kein Haufen Reichtümer! Unsere Hoffnung ist eine Person, sie ist der Herr Jesus, den wir lebendig und gegenwärtig in uns und in unseren Brüdern erkennen, denn Christus ist auferstanden. Wenn die slawischen Völker einander begrüßen, sagen sie an den Ostertagen nicht »guten Tag«, »guten Abend«, sondern begrüßen einander mit »Chris­tus ist auferstanden!« »Christus voskrese!« sagen sie zueinander; und sie freuen sich, es zu sagen! Und das ist das »Guten Tag« und das »Guten Abend«, das sie einander wünschen: »Christus ist auferstanden!«

2. Wir verstehen also, dass man über diese Hoffnung nicht so sehr auf theoretischer Ebene, mit Worten, Rechenschaft geben soll, sondern vor allem mit dem Zeugnis des Lebens, und zwar sowohl innerhalb der christlichen Gemeinde als auch außerhalb von ihr. Wenn Christus lebt und in uns, in unserem Herzen wohnt, dann müssen wir ihn auch sichtbar werden lassen, dürfen ihn nicht verstecken, und müssen ihn in uns wirken lassen. Das bedeutet, dass Jesus, der Herr, immer mehr zu unserem Vorbild, zum Lebensvorbild, werden muss und dass wir lernen müssen, uns so zu verhalten wie er sich verhalten hat. Das zu tun, was Jesus getan hat. Die Hoffnung, die in uns wohnt, darf also nicht in uns, in unserem Herzen verborgen bleiben: Das wäre eine schwache Hoffnung, die nicht den Mut hat, herauszukommen und sich sehen zu lassen. Unsere Hoffnung dagegen – wie aus Psalm 34, den Petrus zitiert, ersichtlich wird – muss notwendigerweise nach außen verströmt werden und die kostbare und unverwechselbare Form der Güte, der Achtung, des Wohlwollens gegenüber dem Nächsten annehmen und sogar jenen vergeben, die uns Böses tun. Ein Mensch, der keine Hoffnung hat, kann nicht vergeben, kann nicht den Trost der Vergebung schenken und kann den Trost zu vergeben nicht besitzen. Ja, denn das hat Jesus getan, und das tut er auch weiterhin durch jene, die ihm in ihrem Herzen und in ihrem Leben Raum schaffen, im Bewusstsein, dass man das Böse nicht mit Bösem überwindet, sondern mit Demut, Barmherzigkeit und Güte. Die Mafiosi meinen, dass man das Böse durch Böses überwinden kann, und so üben sie Rache und tun viele Dinge, die wir alle kennen. Aber sie wissen nicht, was Demut, Barmherzigkeit und Güte ist. Und warum? Weil die Mafiosi keine Hoffnung haben. Denkt darüber nach.

3. Darum sagt der heilige Petrus: »Es ist besser, für gute Taten zu leiden […] als für böse« (V. 17): Das heißt nicht, dass es gut ist zu leiden, sondern dass wir, wenn wir für das Gute leiden, in Gemeinschaft mit dem Herrn sind, der es auf sich genommen hat, für unser Heil zu leiden und ans Kreuz geschlagen zu werden. Wenn also auch wir in den kleineren oder größeren Situationen unseres Lebens es auf uns nehmen, für das Gute zu leiden, dann ist es als säten wir um uns herum Samen der Auferstehung, Samen des Lebens und ließen in der Dunkelheit das Osterlicht erstrahlen. Daher ermahnt uns der Apostel, als Antwort immer zu »segnen« (vgl. V. 9): Der Segen ist keine Formalität, er ist nicht nur ein Zeichen der Höflichkeit, sondern er ist ein großes Geschenk, das wir als erste empfangen haben und das wir mit den Brüdern teilen können. Es ist die Verkündigung der Liebe Gottes, eine maßlose Liebe, die nie erschöpft ist, nie weniger wird und die wahre Grundlage unserer Hoffnung darstellt.

Liebe Freunde, wir müssen auch verstehen, warum der Apostel Petrus uns als »selig« bezeichnet, wenn wir um der Gerechtigkeit willen leiden müssen (vgl. V. 13). Es ist nicht nur aus einem moralischen oder asketischen Grund, sondern weil wir immer, wenn wir uns auf die Seite der Letzten und der Ausgegrenzten stellen oder wenn wir Böses nicht mit Bösem vergelten, sondern vergeben, ohne Rache, vergeben und segnen – weil wir immer, wenn wir das tun, als lebendige und leuchtende Zeichen der Hoffnung erstrahlen und so zum Werkzeug des Trostes und des Friedens werden, nach dem Herzen Gottes. Und so wollen wir vorangehen mit Sanftmut, mit Güte, mit Liebenswürdigkeit, und auch jenen Gutes tun, die uns nicht lieben oder die uns Böses tun. Vorwärts!

Übersetzung: Osservatore Romano

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