Veröffentlicht am 20. April 2017 In Franziskus - Botschaft

Papst Franziskus an die Jugendlichen: Die Welt wird sich verändern, wenn wir etwas riskiert und nicht auf dem Sofa sitzen bleibt!

FRANZISKUS IN ROM  •

„Die Welt wird sich verändern, wenn wir etwas riskiert und nicht auf dem Sofa sitzen bleibt!“ – Mit diesen Worten ermutigte Papst Franziskus die Jugendlichen, wagemutig zu sein und sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was sie schon sind, haben und tun, sondern die Komfortzone zu verlassen, Risiken auf sich zu nehmen und die Erneuerung der Kirche in die Hand zu nehmen. So geschehen bei der Vigil in Santa Maria Maggiore in der Vorbereitung auf den diözesanen Weltjugendtag am Palmsonntag unter dem Thema: „Großes hat an mir getan der Allmächtige.“

Papst Franziskus erinnerte an den Weltjugendtag in Krakau und sagte,  “es ist schlimm, einen Jugendlichen zu sehen, es ist auch schlimm, einen Jugendlichen zu sehen, der auf dem Sofa lebt. Keine Jugendlichen »in Pension« und keine Jugendlichen »auf dem Sofa«. Jugendliche, die auf den Beinen sind, Jugendliche auf dem Weg, Jugendliche, die vorwärts gehen, einer neben dem anderen, und doch in die Zukunft schauen!“

“Die heutige Welt braucht Jugendliche, die sich »eilends« auf den Weg machen, die nicht müde werden zu eilen; Jugendliche, die jene Berufung haben zu hören, dass ihnen das Leben eine Mission anbietet.“

Jugendliche, genau! Und auch die mit jugendlichen Herzen…

Vollständiger Text der spontanen Ansprache von Papst Franziskus:

Liebe junge Freunde,

danke, dass ihr hier seid! Dieser Abend stellt einen doppelten Beginn dar: den Beginn des Weges hin zur Synode, die einen langen Namen hat: »Die Jugend, der Glaube und die Berufungsentscheidung«, aber sagen wir ruhig: »die Jugendsynode«, das versteht man besser! Und auch den zweiten Beginn – des Weges nach Panama: hier ist auch der Erzbischof von Panama [er zeigt auf ihn und wendet sich ihm zu]. Ich grüße dich vielmals!

Wir haben das Evangelium gehört, wir haben gebetet, wir haben gesungen, wir haben der Madonna, der Mutter, Blumen gebracht; und wir haben das Kreuz getragen, das aus Krakau kommt und morgen den Jugendlichen Panamas übergeben wird. Von Krakau nach Panama; und in der Mitte die Synode. Eine Synode, bei der sich kein Jugendlicher ausgeschlossen fühlen darf! »Aber… machen wir die Synode für die katholischen Jugendlichen… für die Jugendlichen, die katholischen Vereinigungen angehören, so ist sie viel stärker…« Nein! Die Synode ist die Synode für und von allen Jugendlichen! Die Jugendlichen sind die Hauptakteure. »Aber auch die Jugendlichen, die sich für Agnostiker halten?« Ja! »Auch die Jugendlichen, die einen lauen Glauben haben?« Ja! »Auch die Jugendlichen, die sich von der Kirche entfernt haben?« Ja! »Auch die Jugendlichen, – ich weiß nicht, ob da jemand ist… vielleicht wird da jemand sein – die sich für Atheis­ten halten?« Ja! Dies ist die Synode der Jugendlichen und wir alle wollen einander zuhören. Jeder junge Mensch hat den anderen etwas zu sagen, hat den Erwachsenen etwas zu sagen, hat den Priestern, den Ordensschwestern, den Bischöfen und dem Papst etwas zu sagen. Wir alle müssen euch zuhören!

Erinnern wir uns ein bisschen an Krakau; das Kreuz erinnert uns daran. Dort habe ich zwei Dinge gesagt, vielleicht erinnert sich jemand: es ist schlimm, einen Jugendlichen zu sehen, der mit 20 Jahren in Pension geht, das ist schlimm; und es ist auch schlimm, einen Jugendlichen zu sehen, der auf dem Sofa lebt. Ist es nicht wahr? Keine Jugendlichen »in Pension« und keine Jugendlichen »auf dem Sofa«. Jugendliche, die auf den Beinen sind, Jugendliche auf dem Weg, Jugendliche, die vorwärts gehen, einer neben dem anderen, und doch in die Zukunft schauen!

Wir haben das Evangelium gehört (vgl. Lk 1,39-45). Als Maria jenes Geschenk, jene übergroße Berufung empfängt, das Geschenk Gottes zu uns zu bringen, sagt das Evangelium, dass sie – auf die Nachricht hin, ihre greise Cousine würde ein Kind erwarten und Hilfe benötigen – sich »eilends« auf den Weg macht. Sie eilt! Die heutige Welt braucht Jugendliche, die sich »eilends« auf den Weg machen, die nicht müde werden zu eilen; Jugendliche, die jene Berufung haben zu hören, dass ihnen das Leben eine Mission anbietet. Und wie Maria Lisa [eine junge Ordensschwester] in ihrem Zeugnis so oft gesagt hat, Jugendliche sind auf dem Weg. Sie hat ihre ganze Erfahrung erzählt: es war eine Erfahrung auf dem Weg. Wir brauchen Jugendliche auf dem Weg. Die Welt kann sich nur verändern, wenn die Jugendlichen auf dem Weg sind. Aber dies ist das Drama dieser Welt: dass die Jugendlichen – und dies ist das Drama der Jugend von heute! – dass die Jugendlichen oft ausgeschlossen sind. Sie haben keine Arbeit, sie können keinem Ideal folgen, es mangelt an Ausbildung, es mangelt an Integration… Viele Jugendliche müssen fliehen, in andere Länder auswandern… Die Jugendlichen heute, das ist hart zu sagen, sind oft Wegwerfmaterial. Und dies können wir nicht dulden! Und wir müssen diese Synode machen, um zu sagen: »Wir Jugendliche sind hier!« Und wir gehen nach Panama, um zu sagen: »Wir Jugendliche sind hier, auf dem Weg. Wir wollen kein Wegwerfmaterial sein! Wir haben etwas Wichtiges zu geben.«

Als Pompeo [beim zweiten Zeugnis] sprach, dachte ich: zweimal war er nahezu an der Grenze, Wegwerfmaterial zu sein, mit 8 Jahren und mit 18 Jahren. Und er hat es geschafft. Er hat es geschafft. Er war fähig, wieder aufzustehen. Und das Leben, wenn wir den Horizont anschauen – so sagte auch Maria Lisa –, überrascht uns immer wieder. Beide haben es gesagt.

Wir sind auf dem Weg – zur Synode und nach Panama. Und dieser Weg ist riskant; aber wenn ein Jugendlicher nichts riskiert, ist er alt geworden. Und wir müssen etwas riskieren.

Maria Lisa hat gesagt, dass sie sich nach dem Sakrament der Firmung von der Kirche entfernt hat. Ihr wisst zu gut, dass hier in Italien das Sakrament der Firmung »das Sakrament des Abschieds« genannt wird! Nach der Firmung kommt man nicht mehr in die Kirche. Und warum? Weil viele Jugendliche nicht wissen, was sie da machen sollen… Und sie [Maria Lisa] ist nie stehen geblieben, sie war immer auf dem Weg: manchmal auf dunklen Straßen, auf Straßen ohne Licht, ohne Ideale oder mit Idealen, die sie nicht ganz verstand; aber schließlich hat auch sie es geschafft. Ihr Jugendliche müsst im Leben etwas riskieren. Heute müsst ihr die Zukunft vorbereiten. Die Zukunft liegt in euren Händen. In euren Händen!

Auf der Synode will die ganze Kirche die Jugendlichen hören: Was denken sie, was fühlen sie, was wollen sie, was kritisieren sie und welche Dinge bereuen sie. Alles. Die Kirche braucht noch mehr Frühling, und der Frühling ist die Jahreszeit der Jugendlichen.

Außerdem möchte ich euch einladen, diesen Weg, diese Straße zur Synode und nach Panama zu gehen und sie mit Freude zu gehen, sie mit euren Hoffnungen zu gehen, ohne Angst, ohne Scham, sie mutig zu gehen. Man braucht Mut. Und zu versuchen, die Schönheit in den kleinen Dingen zu ergreifen, wie Pompeo gesagt hat, jene Schönheit des Alltags: ergreife sie, lass die Gelegenheit nicht aus! Und dafür zu danken, was du bist: »Ich bin so: Danke!« Oft im Leben verlieren wir Zeit, uns zu fragen: »Aber, wer bin ich?« Aber du kannst dich fragen, wer du bist, und das ganze Leben mit der Suche verbringen, wer du bist. Aber frage dich: »Für wen bin ich da?« Wie die selige Jungfrau Maria, die fähig war, sich zu fragen: »Für wen, für welche Person bin ich da, in diesem Moment? Für meine Cousine«, und sie ist losgegangen. Für wen bin ich da, nicht wer bin ich: dies kommt später, ja, das ist eine Frage, die man stellen muss, aber vor allem, warum eine Arbeit verrichten, eine Arbeit eines ganzen Lebens, eine Arbeit die dich nachdenken lässt, die dich spüren lässt, die dich wirken lässt. Die drei Ausdrucksweisen: die Sprache des Verstandes, die Sprache des Herzens und die Sprache der Hände. Und immer weiter gehen.

Und eine andere Sache möchte ich euch sagen: die Synode ist kein »Kaffeeklatsch«. Der Weltjugendtag wird kein »Kaffeeklatsch« sein oder ein Ich-weiß-nicht-was oder eine schöne Sache, ein Fest und dann »Tschüss«, ich habe es vergessen. Nein, es geht um konkrete Dinge! Das Leben verlangt Konkretes. In dieser Kultur im Fluss braucht man etwas Konkretes und die Konkretheit ist eure Berufung.

Und ich will schließen… – es gab eine geschriebene Ansprache, aber nachdem ich euch gesehen und die beiden Zeugnisse gehört habe, wollte ich dies alles sagen –: es wird Augenblicke geben, in denen ihr nichts verstehen werdet, dunkle Augenblicke, schlimme, schöne Augenblicke, dunkle Augenblicke, helle Augenblicke… aber da gibt es eine Sache, die ich unterstreichen möchte. Wir stehen in der Gegenwart. In meinem Alter sind wir dabei abzutreten… oder nicht? [lacht]. Wer garantiert das Leben? Niemand. Euer Alter hat die Zukunft vor sich. Das Leben bittet die Jugendlichen heute um eine Mission – die Kirche bittet euch um eine Mission, und ich möchte euch diese Mission geben: zurückgehen und mit den Großeltern sprechen. Das brauchen wir heute mehr denn je, wir brauchen diese Brücke, den Dialog zwischen Groß­eltern und Jugendlichen, zwischen alten und jungen Menschen. Der Prophet Joel sagt dies im 3. Kapitel, Vers 1 als Prophetie: »Eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer haben Visionen.« Das heißt sie bringen mit den Prophetien die konkreten Dinge voran. Dies ist die Aufgabe, die ich euch im Namen der Kirche gebe: mit den älteren Menschen sprechen. »Aber das ist langweilig…, sie sagen immer die gleichen Dinge…« Nein. Höre dem älteren Menschen zu. Sprich, erfrage Dinge. Lass sie träumen und geh du selbst durch diese Träume weiter, um prophetisch zu sprechen und um die Prophetie konkret werden zu lassen. Das ist eure Mission heute, das ist die Mission, um die euch die Kirche heute bittet.

Liebe junge Freunde, seid mutig! »Aber, Pater, ich habe gesündigt, oft falle ich…« Mir kommt ein sehr schönes Lied in den Sinn, das die Gebirgsjäger singen: »In der Kunst aufzusteigen ist es nicht wichtig, nicht zu fallen, sondern nicht liegenzubleiben.« Auf geht’s! Du fällst? Auf und weiter. Aber denke an das, was der Großvater geträumt hat, was der alte Mann oder die alte Frau geträumt haben. Lass sie sprechen, nimm die Dinge auf und bilde die Brücke in die Zukunft. Das ist die Aufgabe und die Mission, die euch die Kirche heute gibt.

Vielen Dank für euren Mut, und … nach Panama! Ich weiß nicht, ob ich es sein werde, aber es wird sicher der Papst da sein. Und der Papst wird euch in Panama fragen: »Habt ihr mit den älteren Menschen gesprochen? Habt ihr die Träume der Alten aufgenommen und habt ihr sie verwandelt in konkrete Prophetie?« Das ist eure Aufgabe.

Der Herr segne euch. Betet für mich und bereiten wir uns alle zusammen auf die Synode und auf Panama vor.

Danke.

Text der Ansprache: Osservatore Romano

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